mini|hochkant|Selbstporträt 1925
Lajos Vajda (* 6. August 1908 in Zalaegerszeg, Österreich-Ungarn; † 7. September 1941 in Budakeszi) war ein ungarischer Maler und Grafiker. Von 1927 bis 1930 war er Schüler von István Csók an der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste.
Zwischen 1930 und 1934 hielt er sich in Paris auf und lernte neben den neuesten Tendenzen der französischen Malerei auch die Werke des russischen Realismus kennen. Dies veranlasste ihn zu dramatischen Fotomontagen über die großen Katastrophen der Menschheit, Krieg, Hunger, Waffengewalt und Elend. Ab 1934 sammelte er in Szentendre und Szigetmonostor Motive der Volkskunst. In seinem Stil wurden Volkskunst und orthodoxe christliche, römisch-katholische und jüdische Symbole mit abstrakten und surrealistischen Elementen kombiniert. Seine letzten abstrakt-surrealistischen Zeichnungen lassen die Schrecken des Zweiten Weltkriegs vorausahnen. Er starb 1941 an Tuberkulose.
Leben Lajos Vajda wurde in eine jüdische Familie hineingeboren. Sein Vater Emánuel Vajda war Gerichtsschreiber. Seine Mutter war Judit Fürst. Lajos Vajda hatte drei Geschwister: Miklós, Teréz und Márton. Er begann im Alter von fünf Jahren regelmäßig zu zeichnen. Er machte Illustrationen zu Märchen, indem er Musterzeichnungen kopierte. Später vergrößerte er die Originalreproduktionen und verließ sich dabei auf eine präzise und disziplinierte Technik.Júlia Vajda: Biographische Notizen über Lajos Vajda, Budapest, 1943; veröffentlicht in Mándy, 1983. S. 169 In seinen ersten Zeichnungen sind Kriegsschiffe und Schlachtzeichen zu sehen, später hielt er seine Umgebung und Familienmitglieder fest.
Während des Ersten Weltkriegs zog die Familie 1916 in das Königreich Serbien, das zu dieser Zeit unter österreichischer Militärbesetzung stand. In Belgrad ging Vajda auf eine serbische Schule, dann auf eine deutsche Schule.Brief vom 14. September 1936, veröffentlicht in Mándy, 1983. S. 189 Später ließ sich die Familie in Valjevo, einer Stadt in Westserbien, nieder. 1917 entstanden seine ersten bekannten Zeichnungen. Die Familie lebte in Serbien sechs Jahre lang in Armut, bevor sie zurück nach Ungarn ging. Vajda wurde von seinen Lehrern gefördert und studierte an der Budapester offenen Zeichenschule der OMIKE (Ungarischer Jüdischer Bildungsverein) unter der Leitung von Lipót Herman. mini|100px|Stadtbild von Zalaegerszeg, 1923, Bleistift, Papier, 218 × 298 mm
Im Alter von siebzehn Jahren erkrankte Vajda daraufhin schwer und wurde kurz darauf ins Krankenhaus gebracht, wo er sechs Monate lang behandelt wurde."Júlia Vajda: Biographische Notizen in Mándy, 1984. S. 169 Wegen Knochentuberkulose und musste sieben Mal operiert werden. 1927 starb seine Mutter.
1928 schrieb sich Vajda an der Königlich Ungarischen Akademie der Künste ein und wurde Schüler von István Csók. An der Akademie schloss er Freundschaft mit Dezső Korniss, György Kepes, Sándor Trauner und Béla Hegedüs. Gemeinsam begannen sie, die Veranstaltungen des Munka-Kreises zu besuchen, einer Avantgarde-Gruppierung unter der Leitung von Lajos Kassák. „Von ihrer Weltanschauung her waren sie Sozialisten, künstlerisch waren sie Anhänger des Konstruktivismus.“Júlia Vajda: Biographische Notizen in Mándy, 1983. S. 170 Vajda nahm an der Ausstellung der Akademie-Studenten teil. Die dort gezeigten Werke provozierten die starke Kritik konservativer Künstler und Kunstliebhaber.
Im Mai 1929 führte der Staatliche Kontrollausschuss auf Initiative konservativer Fakultätsmitglieder, die mit István Csók und János Vaszary unzufrieden waren, eine Untersuchung an der Akademie durch, und Lajos Vajda, Dezső Korniss, György Kepes, Sándor Trauner wurden von der Hochschule ausgeschlossen. Vajda nahm an der Ausstellung des KÚT teil, die im Nationalen Salon stattfand. KÚT (Neuer Verband Bildender Künstler) war eine Gruppe junger Künstler, die sich für moderne Trends in der Kunst einsetzte.
1930 nahm Vajda an der Ausstellung der Neuen Progressiven Künstler in der Galerie Tamás teil. Im Herbst reiste er nach Paris, wo er bis zum Frühjahr 1934 lebte. Er wohnte in einem preiswerten Hotel im Quartier Latin in Paris. Er lernte den Philosophen Lajos Szabó kennen, der einen großen Einfluss auf seinen künstlerischen Ansatz hatte. Beeinflusst von Sergej Eisenstein und Wsewolod Pudowkin und mit der Erkenntnis, dass es für ihn keine Chance gibt, Filme zu machen, begann er, Fotomontagen zu machen. Seine finanziellen Verhältnisse waren sehr schlecht. 1934 kehrte er nach Ungarn zurück.
Im Sommer 1935 begannen er und sein engster Freund, Dezső Korniss, die Mofas von Szentendre und der umliegenden Dörfer zu zeichnen. Im Herbst lernte er Júlia Vajda, seine zukünftige Frau, kennen. Da sie noch in Bratislava lebte, hielten sie durch Korrespondenz Kontakt zueinander. In Zusammenarbeit mit seinem Malerfreund Dezső Korniss erarbeitete er einen neuen künstlerischen Ansatz, dessen Ziel es war, einen neuen ostmitteleuropäischen Kunststil zu schaffen, der eine Brücke zwischen Ost und West, zwischen der byzantinischen und vorklassischen Tradition auf der einen Seite und der Avantgarde-Tradition auf der anderen Seite sein konnte.
1936 reichte er erfolglos ein GemäldeFájl:Vajda Selbstporträt mit Ikone 1936.jpg - Wikipédia (wikipedia.org) zur Ausstellung von KÚT (The New Society of Visual Artisist) ein."Aber die Jury lehnte es mit dem Hinweis ab, dass das Werk das Talent seines Schöpfers offenbart, aber es fehlt ihm an Reife." Júlia Vajda: Biographische Notizen Mándy, 1983. S. 173 1937 im Herbst fand Vajdas erste Atelierausstellung in der Atelierwohnung von Imre Ámos, Margit Anna statt. Nachdem sein Vater die materielle Unterstützung eingestellt hatte, die ihm bis dahin seinen Lebensunterhalt gesichert hatte, arbeitete Vajda in dem Trickfilmstudio von Gyula Macskássy als Phasenzeichner.
Am 9. Januar 1938 heiratete er Júlia Richter.
Seine zweite Atelierausstellung fand 1940 in der Atelierwohnung von Piroska Szántó und Gusztáv Seiden statt.Mándy, 1983, 15. o. Im September wurde Vajda zum Arbeitsdienst einberufen, dem alternativen Militärdienst, der von „politisch unzuverlässigen“ jüdischen Ungarn während des Krieges verlangt wurde. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes wurde er jedoch nach drei Wochen aus dem Arbeitsdienst entlassen. Er wurde in das St. John’s Hospital eingeliefert. Dort blieb er acht Monate lang. Er starb danach im Lungensanatorium im Dorf Budakeszi bei Budapest.
Nachleben Eine erste Gedenkausstellung fand 1943 im Alkotás-Kunsthaus statt. In der Ausstellungsbesprechung stellte Ernő Kállai fest: „Vajda besaß ein stupendes zeichnerisches Können, das durch die ständige eingehende Beobachtung der Wirklichkeit geschult war, doch die Phantasie des Künstlers merkte auch im Antlitz der alltäglichen Dinge auf die seltsamen Gebilde auf, die sich aus dem zufälligen Zusammenspiel der Linien ergeben. (…) Niemand verstand sich bei uns so wie er, auf das Seelenleben der Linien: auf ihren latenten Reichtum an Ausdruckskraft und an verwickelten bildnerischen Assoziationen. Er kombinierte die Linien und spielte, mit ihnen wie ein Musiker mit den Tönen. (…) Der Frühverstorbene war ein Unvollendeter. Gleichwohl stellt sein fragmentarisches Lebenswerk eine auch innerhalb europäischer Relationen außergewöhnliche, hochbedeutsame Leistung dar.“Ernst Kállai: „Gedenkausstellung Ludwig Vajda“ Pester Lloyd 31. Oktober 1943 1946 erfolgte die Wahl zum Ehrenmitglied der Europäischen Schule. Erst 1969 organisierte das König-Stephan-Museum in Székesfehérvár (Ungarn) die erste Museumsausstellung von Vajda.
„Die Kunst von Lajos Vajda spiegelt die entscheidenden Fragen ihrer Zeit mit einer glühenden Kraft wider. Das Hauptmerkmal seiner Kunst ist, dass sie mit seismografischer Sensibilität kleine Veränderungen signalisiert und die kataklysmischen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs widerspiegelt. Die ungeheure Energie der rebellischen Formen dieser Kunst befand sich bis zum letzten Augenblick von Vajdas Leben immer im Krieg mit den Kräften der Zerstörung.“Mándy, 1964, S. 30
Künstlerische Perioden Die Fotomontagen (1930–1933) mini|300px|Tolstoi und Gandhi, 1930–33, Fotomontage, Holzplatte, 6100 × 500 mm, Budapest, Ungarische Nationalgalerie
In dieser Zeit sieht Vajda „den Film als die geeignetste Kunstgattung an, um neue Bestrebungen auszudrücken. Er erkennt die entscheidende Rolle des modernen Films an. (…) Der Filmregisseur, der in zufälligen Ereignissen und Schicksalen einen Sinn schafft, ist in der Lage, eine neue künstlerische Weltsicht zu schaffen. Auf diese Weise nähert sich Vajda dem Surrealismus als einer Technik des Schaffens. Die in Paris entstandenen Fotomontagen und später der Strom vielschichtiger Zeichnungsmontagen, Collagen und Simultankompositionen verdeutlichen seine künstlerische Überzeugung: Die Probleme der Malerei können durch Ideen aus der Welt des Films gelöst werden“.Mándy, 1964, S. 11 Gleichzeitig unterscheiden sich diese Fotomontagen aber völlig von den unwirklichen sowjetischen Propaganda-Fotomontagen der Zeit „mit ihren monumentalen Industriemaschinen, Dämmen und Brücken“.Krisztina Passuth: Gap in the Biography In: Petőcz, 2009, S. 215
In Vajdas Fotomontagen „erscheinen die extremen Kräfte der menschlichen Welt in einer dramatischen Gleichzeitigkeit: tote Säuglinge und altersschwache Männer, Messer und Brot, Gewehr und Vogel, Tiger und Lilie: die Dschungelgesetze des Überlebenskampfes und die reinen Blumen sind in Spannungsdiagonalen zu einem Bild komponiert“.Mándy, 1964, S. 12.
Die Fotomontagen sind „meist durch die Gegenüberstellung von Extremen gekennzeichnet. Es ist, als ob jede dieser Montagen uns ein Drama zeigt, das in einem einzigen Bild verdichtet ist. Verschiedene aus Zeitungen und Bildzeitschriften ausgeschnittene Details, die auf neutralem Karton gegenübergestellt werden, ergeben eine ungewöhnliche Spannung“.Mándy, 1983, S. 28
Stillleben (1934) mini|links|100px|Stillleben auf rosa Tisch", 1934, Tempera, Papier, 455 320 mm, Privatsammlung
Linienzeichnungen, Bildmontagen (1935–1937) mini|250px|rechts|Stillleben mit Wagen, 1936, Bleistift, Papier, 233 × 305 mm, Ferenczy Múzeum, Szentendre, Ungarn
Um 1935 kehrte er nach Ungarn zurück und begann mit seinem Freund, Dezső Korniss, Motive in Szentendre und Umgebung zu sammeln. Neben Fenstern, Hausfassaden, Grabsteinen, Torpfeilern zeichnete er eine Petroleumlampe, einen Bauernkarren oder einen Tisch mit einem Messer, einem Apfel und einem Laib Brot darauf. Ihn interessierte weniger die Herkunft der Motive als vielmehr, was aus ihnen geworden war, welche neue Bedeutung sie an einem bestimmten Ort angenommen hatten. Zunächst zeichnete er die Objekte an Ort und Stelle, später kopierte er sie übereinander. Manchmal zerschnitt er die Zeichnungen und klebte sie zu einer Montage zusammen. Die meisten dieser Bilder und Zeichnungen sind kreisförmig komponiert, und alle sind ohne konkreten Hintergrund.
mini|links|290px|Häuser in Szentendre mit Kruzifix, 1937, Tempera-Collage, Papier, 620 × 460 mm, Ferenczy Múzeum, Szentendre, Ungarn