Die Bahnstrecke Budapest–Beograd ist eine internationale Eisenbahnstrecke zwischen Mittel- und Südosteuropa. Die größtenteils eingleisige und 341 Kilometer lange Route verbindet die ungarische Hauptstadt Budapest mit Beograd (Belgrad), der Hauptstadt Serbiens.

Internationale Reisezüge verkehren zwischen den Bahnhöfen Budapest-Keleti und Beograd Centar, auf den der Betrieb zum 1. Juli 2018 verlagert wurde, als der alte Bahnhof Beograd nach 134 Jahren geschlossen wurde.Infrastruktura Zeleznice Srbije, 15. Juni 2016: „Инфраструктура железнице Србије“ од 1. јула обуставља железнички саобраћај у Главној железничкој станици Београд

Die Bahnstrecke geht auf das politische Traktat auf dem Berliner Kongress 1878 zurück, in dem die Beschlüsse für die Einrichtung des sogenannten Konventionalzugs von Wien nach Konstantinopel vorgesehen wurden.Fritz Stöckl: Von der K. K. Bosnabahn zur „Omladinska Pruga“ – Die Eisenbahnen in Jugoslawien. (= Die Eisenbahnen der Erde). Bohmann Verlag, Wien 1975, ISBN 3-7002-0431-X, S. 17–77. Sie verband Serbien erstmals mit den Eisenbahnsystemen Europas und des Osmanischen Reiches. Während der Bau- und Einrichtungsphase in einer politisch instabilen Region (Orientfrage) hatte sie auch eine militärische Funktion. Die Bahnstrecke war bis zum Ersten Weltkrieg eine Hauptachse zwischen West- und Osteuropa. Der Streckenabschnitt von Subotica bis Kunszentmiklós wurde in den Jahren 1910 bis 1918 zweigleisig ausgebaut. Der 1916 von der ungarischen Eisenbahngesellschaft MÁV geplante zweigleisige Ausbau der gesamten Bahnstrecke wurde nicht verwirklicht; 1918 zerfiel Österreich-Ungarn.

Nach 1945 verlor die Strecke durch den eisernen Vorhang im Reiseverkehr an Bedeutung. Sie blieb eine Hauptachse im Güterverkehr, da über sie eine der wichtigen transversalen Trassen vom Ungarischen Binnenland zu Mittelmeer und Mittelmeerhäfen bedient wird – insbesondere nachdem 1976 die Gebirgsbahn Belgrad–Bar eröffnet wurde. Seit 2024 gehört die Strecke in den TEN-T-Plänen zum Verkehrskorridor Westbalkan-Ostmittelmeer.

Geschichte mini|Der Bahnhof Keleti pályaudvar (Ostbahnhof) in Budapest ist ein wichtiger Knoten im Netz der MÁV Planungsphase Die Planung der Strecke resultierte direkt aus den Ergebnissen des Berliner Kongresses 1878. Das Fürstentum Serbien wurde ein voll anerkannter Staat; die vorher gegenüber dem Osmanischen Reich eingeschränkte Souveränität wurde aufgehoben. Sein Territorium vergrößerte sich um vier Regionen im Süden bzw. 10.137 Quadratkilometer. Österreich-Ungarn schloss im Vorfeld einen bilateralen Vertrag mit dem Fürstentum Serbien über eine einzurichtende Eisenbahnverbindung, Handel und die Donaukontrolle im Eisernen Tor. Alle diese Verträge zwischen Österreich-Ungarn und Serbien wurden in die Akten des Berliner Kongresses mit aufgenommen. Serbien hatte sich darin verpflichtet, innerhalb von drei Jahren eine Eisenbahninfrastruktur aufzubauen. Hierbei war die Verbindung vom Osmanischen Reich über Bulgarien und Serbien an das bestehende Streckennetz Österreich-Ungarns angedacht. Wegen politischer Probleme, die Österreich-Ungarn bei der Eingliederung Bosniens bereitet wurden, schob dieses den Beginn der Arbeiten in Serbien für zwei Jahre auf. Somit wurde erst 1880 mit dem Bau begonnen. Die Konvention wurde zum 9. April 1880 zwischen Österreich-Ungarn und Serbien unterzeichnet. Die Strecke von Ungarn durch Serbien sollte am 15. Juni 1883 fertiggestellt sein und eine Eisenbahnbrücke über die Save die Verbindung herstellen. Die Annahme der Konvention wurde auf einer parlamentarischen Sondersitzung der serbischen Regierung am 13. Mai 1880 in Kragujevac verlesen. Ein diplomatisches Hin und Her war durch gegensätzliche Prioritäten entstanden. Serbien favorisierte die Verbindung Richtung Ägäis, Österreich-Ungarn die über Bulgarien nach Konstantinopel. Österreich-Ungarn hatte die 340 km lange Strecke über sein Gebiet von Budapest bis zum Anschluss in Belgrad zu bauen. Die Strecke von der Savebrücke bis zum Bahnhof Belgrad wäre den Ungarischen Eisenbahnen abzutreten. Serbien wurde angeboten, die Strecke zwischen der Savebrücke und Zemun instand zu halten und Zemun als gemeinschaftlichen Bahnhof zu betreiben. Beides lehnte Serbien ab, da es damit den Hauptanteil am Orienthandel verloren hätte. Am 20. Mai verabschiedete das serbische Parlament mit 26 positiven und einer enthaltenen Stimme das Vorhaben. Auf deutschen Karten vom Ende des 19. Jahrhunderts ist die Bahnstrecke mit Budapest–Semliner Bahn, dem deutschen Namen von Zemun, bezeichnet.

Ausführungsphase mini|1884 eröffnet, bildete der alte Belgrader Hauptbahnhof den Ausgangspunkt der Eisenbahnen Serbiens. Zum 1. Juli 2018 wurde er geschlossen. Der erste Spatenstich erfolgte am 21. Juni 1881 am Ende der Brücke über den Mokrolušker Bach (Mokroluški potok) am Ende der Topčiderer Straße, wo sich heute die Autobahnkreuzung „Mostarska petlja“ unweit des neuen Belgrader Hauptbahnhofs „Beograd Centar“ findet. Der feierlichen Inauguration wohnten der Fürst nebst Fürstin, der Belgrader Metropolit sowie politische Vertreter der Skupština bei. Eine Kanonade von zehn Kanonen begleitete den Spatenstich. Als ausführender Unternehmer der Arbeiten fungierte die französische Union Générale.

Die Arbeiten auf serbischer Seite gingen schnell voran. Im Sommer 1884 standen die Arbeiten an der Bahnstrecke Belgrad–Niš vor der Fertigstellung. Am 18. und 19. August (alter Kalender, julianisches Datum) 1884 wurden Probebelastungen der Savebrücke durchgeführt. Am 20. August (julianisch) 1884 fuhr der erste Zug über die Brücke. Eine vorläufige Betriebserlaubnis der Brücke wurde am 21. August (julianisch) vergeben. Die serbische Seite stellte den Bahndamm mit Oberbau zwischen der Brücke und dem Hauptbahnhof am 7. August fertig und die ungarische Seite am 29. August. Der serbische König fuhr am 20. August mit dem Zug vom Bahnhof Beograd Richtung Wien. Der Fahrplan Belgrad–Pest wurde zum 2. September 1884 erstmals veröffentlicht. Der Schnellzug Pest–Belgrad–Niš verließ Pest um 7.30 Uhr Pester Zeit und erreichte Belgrad um 15.15 Uhr Pester Zeit.

Schweinekrieg Die Bahnstrecke war für die serbische Wirtschaft, die auf der Ausfuhr von Agrargütern basierte, von zentraler Bedeutung. Nachdem Österreich-Ungarn durch den gewaltsamen Macht- und Regimewechsel in Serbien 1903 einer russophilen serbischen Regierung gegenüberstand, versuchte es, das Königreich Serbien durch wirtschaftlichen Druck im sogenannten Schweinekrieg durch ökonomische Sanktionen zu politischen Zugeständnissen zu zwingen.Milorad Ekmečić: Dugo kretanje između kljanja i oranja – Istorija srba u novom veku (1492–1992). Zavod za uđbenike, Belgrad 2008, S. 335. Da die Ausfuhr von Schweinefleisch und anderen Agrargütern nur über die Bahnstrecke Belgrad–Budapest relevant war, wurde der Zollkrieg über den Handelskrieg, in dem die Ausfuhr von serbischen Gütern über die Save-Brücke unterbunden wurde, geführt. Serbien war daraufhin gezwungen, seine Waren nicht mehr über Mitteleuropa, sondern den Hafen von Thessaloniki zu exportieren. Der Schweinekrieg war besonders 1906 und 1907 intensiv, zu ersten Verhandlungen kam es 1910, jedoch ohne eine relevante Annäherung der beiden Länder. Zwar war die Blockade der Eisenbahnverbindung nicht total, jedoch waren Ein- und Ausfuhr sowie Eisenbahntransit stark eingeschränkt. Dieser österreich-ungarisch-serbische Zollkrieg führte in Europa zu Lagerbildung und ist im Kontext des Ersten Weltkrieges von Bedeutung. Ein 1904 zwischen dem Deutschen Reich und Serbien geschlossener Handelsvertrag, bevor ein solcher zwischen Serbien und der k.u.k.-Monarchie abgeschlossen war, bildete den initialen Anstoß Österreich-Ungarns, Serbien zu einer Zollunion zu drängen. Da Österreich-Ungarn den Balkan als seine Einflusssphäre betrachtete, richtete es noch 1906 ein Gesuch an die Pforte, serbische Ausfuhren über Thessaloniki zu unterbinden. Dies lehnte das osmanische Reich am 16. Dezember 1906 deutlich ab.Jezdimir C. Nikolić 1980: Istorija Železnica Srbije, Vojvodine, Crne Gore i Kosova. Zavod za novinsko-izdavačku i propagandnu delatnost JŽ, Beograd. S. 193 Italien, Frankreich und das Vereinigte Königreich unterstützten in dem Handelsstreit die serbische Position, Russland und das Deutsche Reich blieben dagegen neutral.

Der Handelskrieg führte zudem zu zwei bedeutenden Eisenbahnprojekten, die am Vorabend des Ersten Weltkrieges sowohl bei den Europäischen Mächten als auch den einflussreichsten Medien des Kontinents sowie der Britischen Inseln zu erhitzten Debatten führten. Als Lexa von Aerenthal 1908 in Budapest eine Serbien umfahrende Eisenbahnverbindung mit dem Osmanischen Reich in der Sandschakbahn-Frage eröffnete, konterte Serbien, unterstützt von Russland, mit der Eröffnung der Adriabahnfrage. Beide sich im rechten Winkel kreuzenden Eisenbahntrassierungs-Projekte wurden zu zentralen Streitpunkten in der Neuordnung des Balkans. Von den Großmächten wurden sie daher auf der Londoner Konferenz 1912 durch Verträge und kontrollierbare Absprachen entschärft. Ein generelles Misstrauen bei den Absichten der Lager blieb aber durch die weiter ungeregelten Eisenbahnfragen und deren militärische Implikationen, die sich durch potentiell schnelle Truppentransporte eröffneten, bestehen, insbesondere als sich Deutschland im imperialen Projekt der Bagdadbahn gegen Interessen des Vereinigten Königreiches im Orient und Indien wandte.

Erster Weltkrieg mini|Von 1916 bis 1918 verband der Balkanzug die Mittelmächte mini|Mackensen mit bulgarischen Offizieren am Bahnhof in Niš, Januar 1916