Ulrichstein ist eine Landstadt im mittelhessischen Vogelsbergkreis und ein staatlich anerkannter Erholungsort.
Geographie Geographische Lage Ulrichstein liegt im Mittelgebirge Vogelsberg auf 566 Metern Höhe. Der Schlossberg mit einer Höhe von ist der höchste Punkt Ulrichsteins. Damit ist Ulrichstein Hessens höchstgelegene Stadt. Es ist ein anerkannter Luftkurort und liegt in unmittelbarer Nähe des Naturschutzgebiets Hoherodskopf. Unmittelbar nordöstlich der Ortslage von Ulrichstein befindet sich die Quelle des Flusses Ohm.
Nachbargemeinden Ulrichstein grenzt im Norden an die Gemeinde Feldatal, im Osten an die Gemeinde Lautertal, im Süden an die Stadt Schotten, im Südwesten an die Stadt Laubach (Landkreis Gießen) sowie im Westen an die Gemeinde Mücke.
Stadtgliederung Die Stadtteile sind seit der Gebietsreform in Hessen 1972: Ulrichstein als Kernstadt und Sitz der Stadtverwaltung Kölzenhain Feldkrücken Rebgeshain Bobenhausen II Helpershain Unter-Seibertenrod Ober-Seibertenrod Wohnfeld
Ortsgeschichte mini|Die Burg mini|Ulrichstein – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 Mittelalter Eine ungesicherte Ersterwähnung der Stadt findet sich 1279, als ein „Bodo Scultetus de Vlrichsteine“ (Schultheiß Bodo von Ulrichstein) erwähnt wird.Georg Christian Joannis: Spicilegia. Ffm 1724. S. 379. 1389 spricht eine Urkunde von „zcu dem Ulrichsteine“.StAD, Urkunden Oberhessen. Ulrichstein, Provenienz: Hessen. Zur Zeit der Riedelesel wandelt sich der Ortsname. In einem Kopiar wird 1468 „Ulstein“ und 1471 in einer Urkunde „Ulerstein“ genannt.Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Nr. 1065, S. 300, Nr. 1114, S. 314. In zwei Urkunden der Jahre 1471 und 1567 wird der Name „Mollenstein“Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. Nr. 1134, S. 323. bzw. 1567 „Mulnstein“ („dem gericht Mulnstein“)StAD, Urkunden Oberhessen. Ulrichstein. erwähnt. Diese Namensform entspricht der mundartlichen „Mullsta.“ Die Verschiebung des Ortsnamens zu einem M findet man auch bei Meiches und Merlos, eine Gehöftegruppe bei Bieben. Der Sprachforscher Weigand sieht die Bezüge der Mundartform zu mhd. „mol, molle“ als „Fels, auf dem sich der Molch aufhält.“Karl Weigand: Oberhessische Ortsnamen. In: Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde 7 (1853). S. 241–332, S. 299. Allgemein gilt heute die Deutung, dass Ulrichstein als „Burg des Ulrich“ erklärt wird.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 371 f.
Seinen Ursprung hat der Ort in der heute nur noch denkmalpflegerisch betreuten Ruine der Gipfelburg Ulrichstein auf einem 600 Meter aufragenden Basaltkegel, deren Anfänge im frühen 12. Jahrhundert liegen. Initiiert wurde die Anlage durch den Grafen von Nidda, der die Grenze seines Territoriums und zugleich den Schutz wichtiger Fernstraßen gesichert wissen wollte. Die Besitzverhältnisse im 12. und 13. Jahrhundert sind nicht hinreichend geklärt; möglicherweise gelangte die Burg über die Herren von Büdingen und von Breuberg 1287 an die Landgrafschaft Hessen. 1293 wurden 18 Burgen, darunter die Burgen Petershain und Ulrichstein, durch Landgraf Heinrich I., dem Enkel der Heiligen Elisabeth von Thüringen, zerstört. „Bey diesen Zeiten waren viel Raub-Schloß und Mordkauten in Hessen / die ihre Lehen nicht von den Fürsten empfangen wollten / sondern waren des Landes Feind / etzliche heimlich/etzliche offentlich … die bestreit und gewann der Landgraf / … etzliche besetzt er mit den Seinen … Petershain / Ulrichstein …“Johann Philipp Kuchenberger, Analecta Hassiaca, Bd. 1, S. 11 f. Fest steht, dass in einer Urkunde von 1296 der Wald von Ulrichstein als Besitz Heinrichs I. ausgewiesen ist.
Im 14. Jahrhundert kam dieser Besitz als Lehen an die Herren von Eisenbach. Um die Mitte dieses Jahrhunderts wurde die Anlage durch den hessischen Erbmarschall Heinrich von Eisenbach stark befestigt. Um die Bergspitze zog sich eine weitläufige Vorfestung mit Mauern, Türmen und Gräben. Im Inneren der rechteckigen Hauptburg sind Kellerreste von Gebäuden freigelegt.Markus Backes, Hans Feldtkeller: Kunsthistorischer Wanderführer Hessen, Belser AG Verlag, Stuttgart und Zürich 1962, ISBN 3-88199-133-6, S. 128. Das heutige Aussichtstürmchen entstand 1905; es bietet eine Panoramarundsicht auf den Vogelsberg. 1347 erhielt Ulrichstein Stadtrecht durch Kaiser Ludwig IV. („der Bayer“). Den Eisenbachern folgten die Riedesel als landgräfliche Erbmarschalle und Rentamtmänner. Sie trieben den Zehnten ein und nahmen bis zum Ende des Alten Reiches auch die Gerichtsbarkeit wahr. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burganlage stark beschädigt, danach aber instand gesetzt.
Neuzeit Ein Stadtbrand 1763 vernichtete die mittelalterliche Bausubstanz bis auf wenige Ausnahmen (Burg-Vorwerk und Haus Pebler, Ulrich-Mull-Straße). Während der Befreiungskriege soll einer Tafel am Gemeindegasthof zufolge Gebhard Leberecht von Blücher im Oktober 1813 Aufenthalt in Ulrichstein genommen haben. Im Wiener Kongress kam Ulrichstein zur Provinz Oberhessen des Großherzogtums Hessen (Hessen-Darmstadt). Die Burg war funktionslos geworden und konnte nicht mehr unterhalten werden; 1826 wurde sie abgebrochen.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Ulrichstein:
Flugunfall 1948 Am 12. Februar 1948 gegen 13:25 Uhr kollidierte ein Verkehrsflugzeug des Typs Douglas DC-3 (C-53) der dänischen Fluggesellschaft Det Danske Luftfartselskab (DDL) (Luftfahrzeugkennzeichen OY-DCI) auf dem Flug von Kopenhagen über Frankfurt nach Zürich bei Ulrichstein mit dem Vogelsberg. Während des Sinkfluges zum Flughafen Frankfurt in schlechtem Wetter meldeten die Piloten einen Triebwerksausfall und das Unvermögen, die Flughöhe zu halten. Sie planten eine Notlandung in einem Feld bei Ulrichstein. Dabei riss jedoch eine Tragfläche ab. Von den 21 Insassen kamen 12 ums Leben, vier Besatzungsmitglieder und 8 Passagiere.Unfallbericht DC-3 OY-DCI, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 4. Juni 2022.Jennifer M. Gradidge: The Douglas DC-1/DC-2/DC-3: The First Seventy Years, Volumes One and Two. Tonbridge, Kent, UK: Air-Britain (Historians), 2006, ISBN 0-85130-332-3, S. 356., Bureau of Aircraft Accidents Archives (englisch), abgerufen am 4. Dezember 2017.
Eingemeindungen 1971/72 Am 31. Dezember 1971 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die Stadt Ulrichstein, die Gemeinden Kölzenhain und Rebgeshain aus dem Landkreis Lauterbach sowie die Gemeinden Bobenhausen II, Helpershain, Ober-Seibertenrod, Unter-Seibertenrod und Wohnfeld aus dem Landkreis Alsfeld freiwillig zu einer neuen Gemeinde, der heutigen Stadt Ulrichstein. Am 1. August 1972 kam durch Landesgesetz noch die Gemeinde Feldkrücken hinzu.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Ulrichstein angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Ulrichstein ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Ulrichstein ab 1570: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Ulrichstein ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Ulrichstein 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Ulrichstein ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Oberamt Alsfeld, Amt Ulrichstein ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Ulrichstein ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk SchottenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Schotten) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1838: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Lauterbach ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis
Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Ulrichstein das Amt Ulrichstein zuständig. Nachdem die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt 1806 durch den Rheinbund-Beitritt zum Großherzogtum Hessen erhoben wurde, wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Ulrichstein fiel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Schotten“. Durch Verfügung des Großherzoglich Hessischen Ministeriums des Innern und der Justiz wurden am 1. Dezember 1838 Ulrichstein an den Bezirk des neu errichteten Landgerichts Ulrichstein abgetreten.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Ulrichstein und Zuordnung in den Bezirk des Landgerichts Gießen.
1943 verlor das Amtsgericht Ulrichstein seine Selbständigkeit und wurde zur Zweigstelle des Amtsgerichts Schotten.Verfügung des Landgerichtspräsidenten in Gießen vom 16. Juni 1943 – 3200 – Betrifft: Errichtung der Zweigstelle Ulrichstein des Amtsgerichts Schotten Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten und Ulrichstein kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Lauterbach. Am 1. Januar 2005 wurde das Amtsgericht Lauterbach als Vollgericht aufgehoben und zur Zweigstelle des Amtsgerichts Alsfeld. Zum 1. Januar 2012 wurde auch diese Zweigstelle geschlossen. Bezieht sich auf die
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Ulrichstein 3081 Einwohner. Darunter waren 45 (1,5 %) Ausländer, von denen 27 aus dem EU-Ausland, 9 aus anderen europäischen Ländern und 9 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 4,1 %.) Nach dem Lebensalter waren 444 Einwohner unter 18 Jahren, 1112 zwischen 18 und 49, 732 zwischen 50 und 64 und 794 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1346 Haushalten. Davon waren 402 Singlehaushalte, 446 Paare ohne Kinder und 371 Paare mit Kindern, sowie 115 Alleinerziehende und 12 Wohngemeinschaften. In 369 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 755 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1806: 835 Einwohner, 155 Häuser • 1829: 891 Einwohner, 164 Häuser • 1867: 906 Einwohner, 159 bewohnte Gebäude • 1875: 886 Einwohner, 162 bewohnte Gebäude
Historische Religionszugehörigkeit