Freiensteinau ist eine Gemeinde im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Sie liegt am Südhang des Vogelsbergs. Durch den Ort führt die Deutsche Märchenstraße.

Geographie Nachbargemeinden Freiensteinau grenzt im Norden an die Gemeinde Grebenhain, im Nordosten an die Gemeinde Hosenfeld (Landkreis Fulda), im Osten an die Gemeinde Neuhof (Landkreis Fulda), im Süden an die Stadt Steinau an der Straße (Main-Kinzig-Kreis) und im Westen an die Gemeinde Birstein (Main-Kinzig-Kreis).

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den elf Ortsteilen Fleschenbach, Freiensteinau, Gunzenau, Holzmühl, Nieder-Moos, Ober-Moos, Radmühl, Reichlos, Reinhards, Weidenau und Salz.

Sitz der Gemeindeverwaltung ist Freiensteinau, das mit 887 EinwohnernGemeinde Freiensteinau: Daten & Fakten - Einwohnerzahlen Stand 31. Dezember 2016 der mit Abstand größte Ortsteil ist.

Grenzverlauf Das einzige hessische Regierungsbezirksdreieck der Regierungsbezirke Darmstadt, Gießen und Kassel befindet sich im Südosten von Weidenau. Die Grenze verläuft direkt am dortigen Flurgebiet „In den Hecken“ und grenzt an das von Steinau an der Straße in der Gemarkung von Hintersteinau befindliche Flurgebiet Schabelenzwiese und des Neuhöfer Ortsteils Kauppen mit dem Namen Schrämmswiesen.

Geschichte mini|Blick auf den Kernortsteil Freiensteinau, 2016 Mittelalter Bereits im 9. Jahrhundert war das Gebiet besiedelt. Die älteste datierte Erwähnung eines Ortsteiles ist die von Fleschenbach (zwischen 863 und 889). Freiensteinau wird zum ersten Mal 1059 als Wostunsteinaha in einer Urkunde erwähnt. „hinc iterum in Wostunsteinha ad zundereshart“. (Durch Freiensteinau hindurch zu dem Wald Zundereshart). Durch das heutige Gemeindegebiet führte eine mittelalterliche Altstraße, die hier gemeinte Via Regia.Ernst Friedrich Johann Dronke: Codex dipolomaticus Fuldensis. Kassel 1850. Nr. 760. S. 368. Am 29. Oktober 1384 wird Freiensteinau urkundlich mit anderen Orten der Umgebung erwähnt. Bingel von Heroldes wird von dem fuldischen Abt Friedrich I. von Romrod mit Gütern „zu Grebinhain, zu Radmolen, zu Mase, zu FryensteynBzw. Vrigensteyna nach: , zu Salcza“ belehnt.Heinrich Reimer: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau. Band 1 – 4. Leipzig 1891 – 1897. Band 4. Nr. 375, S. 325. Eine Urkunde von 1482 nennt „Freyensteyna“.Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Nr. 1355, S. 388.

Der Siedlungsname beruht auf einem Gewässernamen das althochdeutsche „aha“ bedeutet fließendes Wasser. „Stein“ ist ahd. wie mittelhochdeutsch Felsen oder Stein. Freiensteinau ist der ’Ort, dessen Einwohner durch den Abt von Fulda von Hörigendiensten befreit und mit der Schankfreiheit ausgestattet worden waren.’Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. Nr. 1333, S. 381. Der Beleg des Ortsnamens von 1059 „Wostunsteinaha“ weist darauf, dass der Ort verlassen bzw. unbebaut war. Demnach war die Siedlung zeitweise aufgegeben worden.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 356–358.

Frühe Neuzeit Ab 1715 wurden die Gerichte Freiensteinau und Moos gemeinsam durch einen riedeselischen Samtschultheiß verwaltet, der seinen Sitz im Amtshaus in Freiensteinau hatte. In Freiensteinau galten die Riedesel’schen Verordnungen als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit diese Verordnungen keine Bestimmungen enthielten. Dieses Sonderrecht behielt theoretisch seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, in der gerichtlichen Praxis wurden aber nur noch einzelne Bestimmungen angewandt. Das Partikularrecht wurde zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst. Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 29, Anm. 92 und S. 103, Anm. 14.

Die Ortsteile Fleschenbach, Freiensteinau, Holzmühl, Radmühl I, Reichlos und Salz bildeten bis 1806 das riedeselische Gericht Freiensteinau. Die Ortsteile Gunzenau, Nieder-Moos und Ober-Moos bildeten zusammen mit den heute zur Großgemeinde Grebenhain gehörenden Ortschaften Metzlos und Metzlos-Gehaag das Gericht Moos. Beide Gerichte waren ein Vogteilehen der Kurpfalz. Da die Lehensherren Wittelsbacher waren, wird in der Öffentlichkeit fälschlicherweise oft eine frühere Zugehörigkeit des Gebiets zu Bayern angenommen. Tatsächlich waren die Gerichte Freiensteinau und Moos jedoch nur während des Dreißigjährigen Krieges vorübergehend und ab 1776, als der pfälzische Kurfürst Karl Theodor Bayern geerbt hatte, bis 1806 ein bayerisch-wittelsbachisches Lehen. Auf die kurpfälzische Lehensherrschaft geht die heute noch gebräuchliche Landschaftsbezeichnung Blaues Eck zurück.

Neuzeit Durch die Mediatisierung im Jahr 1806 fielen beide Gerichte an das Großherzogtum Hessen, wo aus ihrem Gebiet das standesherrliche Amt Freiensteinau gebildet wurde. Nach dem Inkrafttreten der hessischen Gemeinde- und Kreisordnung im Jahr 1821 wurden die Gemeinden des vormaligen Amtes Freiensteinau in den Landratsbezirk Herbstein (ab 1825 Landratsbezirk Lauterbach) eingegliedert. Seit 1852 gehörten sie zum Kreis Lauterbach.

Eine gänzlich andere historische Entwicklung nahmen Radmühl II, Reinhards und Weidenau. Radmühl II gehörte bis 1815 zum Gericht Reichenbach im Fürstentum Isenburg-Birstein, kam dann zunächst an das Kaisertum Österreich und 1816 an das Kurfürstentum Hessen. Infolge der Annexion Kurhessens durch das Königreich Preußen nach dem Deutschen Krieg 1866 wurde Radmühl II preußisch, worauf die heutige umgangssprachliche Bezeichnung Preußisch Radmühl zurückgeht. Bis zur Gebietsreform von 1972 gehörte Radmühl II daher auch nicht zum Landkreis Lauterbach, sondern zum bis 1945 preußischen Landkreis Gelnhausen.

Reinhards gehörte bis 1806 zum Amt Schlüchtern innerhalb der Grafschaft Hanau-Münzenberg, die ab 1736 Teil der Landgrafschaft Hessen-Kassel und nachfolgend des Kurfürstentums Hessen war. Ab 1866 preußisch, gehörte der Ort bis 1972 zum Landkreis Schlüchtern. Weidenau dagegen teilte bis 1544 die Geschichte des riedeselischen Gerichts Freiensteinau und gehörte auch kirchlich noch bis 1603 dorthin, bevor sich hier die Territorialherrschaft der 1752 zum Fürstbistum erhobenen Fürstabtei Fulda durchsetzte. Aus diesem Grund ist der Ortsteil heute auch als einziger der Großgemeinde Freiensteinau mehrheitlich katholisch. Ab 1815 war Weidenau kurhessisch, ab 1866 preußisch und gehörte bis zur Gebietsreform zum Landkreis Fulda.

Die Großgemeinde Freiensteinau wurde im Rahmen der Gebietsreform in Hessen zum 31. Dezember 1971 durch den formal freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin eigenständigen Gemeinden Fleschenbach, Freiensteinau, Gunzenau, Holzmühl, Nieder-Moos, Ober-Moos, Reichlos und Salz gebildet. Am 1. August 1972 erfolgte durch Landesgesetz die Eingliederung der bis zu diesem Zeitpunkt noch selbstständig gebliebenen Gemeinden Radmühl (westlich der Salz, im Landkreis Gelnhausen), Radmühl (östlich der Salz, im Landkreis Lauterbach), Reinhards (bis dahin im Landkreis Schlüchtern) und Weidenau (bis dahin im Landkreis Fulda).

Mit Ausnahme von Radmühl II (westlich der Salz), Reinhards und Weidenau verbindet die Ortsteile der Großgemeinde Freiensteinau die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum Herrschaftsgebiet der Freiherren Riedesel zu Eisenbach.

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Freiensteinau erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen: In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt.

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 46,5949,2941,1837,5741,0843,210 GBE Gemeinschaftsliste Blaues Eck41,1834,47––––———— 12,5216,4314,7317,4333,8631,97 UBL Unabhängige Bürgerliste————18,6417,63———— ————13,1214,4325,2524,96 Bündnis Bündnis für Freiensteinau————12,4213,13———— Gesamt 100,0 19 100,0 19 100,0 19 100,0 19 100,0 19 100,0 23 Wahlbeteiligung in % 70,8 65,0 64,4 66,0 62,4 64,0

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Freiensteinau neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und sechs weitere Beigeordnete angehören.Rathaus & Politik in Freiensteinau: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Januar 2015 der parteiunabhängige Sascha Spielberger. Er wurde als Nachfolger von Friedel Kopp, der nach vier Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 20. Juli 2014 in einer Stichwahl bei 71,5 Prozent Wahlbeteiligung mit 72,3 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgte eine Wiederwahl ohne Gegenkandidaten am 1. November 2020.Votemanager: Bürgermeisterwahl Gemeinde Friedewald 2022 - hessenschau: Bürgermeisterwahl am 1. November 2020 in Freiensteinau

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2015–2026 Sascha SpielbergerOberhessen live, 23. März 2020: Freiensteinaus Bürgermeister Spielberger kandidiert für zweite Amtszeit 1991–2014 Friedel KoppOsthessen News, 6. Februar 2014: Nach 24 Amtsjahren. Bürgermeister Friedel Kopp tritt nicht mehr an - Reaktionen 1960–1990 Johannes Karl (1925–2016)Traueranzeige Johannes Karl - Fuldaer Zeitung, April 2016: Freiensteinaus Bevölkerung nimmt Abschied von Altbürgermeister Karl: „Eine weitere bedeutende Lebensstation von Johannes Karl sei seine 30-jährige Bürgermeistertätigkeit gewesen.“ … „zunächst ehrenamtlich und ab 1972 nach der Bildung der Großgemeinde als hauptamtlicher Rathauschef.“

Wappen und Flagge

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Wappen

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Blasonierung: „In Gold eine blaue Raute, belegt mit vier silbernen, dreiblättrigen Kleeblättern in Kreuzform.“

Das Wappen wurde der Gemeinde Freiensteinau am 13. Juli 1991 durch den Hessischen Innenminister genehmigt. Gestaltet wurde es durch den Bad Nauheimer Heraldiker Heinz Ritt.

Während der Klee selbst für die Land- und Forstwirtschaft in der Gemeinde steht symbolisieren die zwölf Blätter die zwölf Ortsteile Freiensteinaus. Das sie zusammenhaltende Kreuz zeigt die Verbindung der zwölf Orte sowie die frühere Zugehörigkeit zur Abtei Fulda. Die frühere Zugehörigkeit zur Kurpfalz wird durch die blaue Raute gezeigt.Geschichte – Bedeutung unseres Gemeindewappens, auf freiensteinau.de (Abgerufen am 21. Oktober 2020)

Flagge

Die Flagge wurde der Gemeinde am 7. Oktober 1992 genehmigt und wird wie folgt beschrieben:

„Auf blauer Flaggenbahn, die beiderseits durch einen schmalen gelben Längsstreifen unterbrochen wird, in der oberen Hälfte aufgelegt das Gemeindewappen.“

Partnerschaften Freiensteinau unterhält seit 1977 Kontakte zu der französischen Gemeinde Tourouvre in der Normandie. Hieraus entstand 1990 eine Gemeindepartnerschaft.Tourouvre auf Freiensteinau.de Abgerufen am 23. Februar 2021

Religionen mini|Die Katholische Filialkirche in Freiensteinau

Evangelisch In Freiensteinau ist der spätgotische Chorturm der evangelischen Kirche aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts damit das älteste Bauwerk. An diesen wurde zwischen 1721 und 1724 das heutige Kirchenschiff angebaut.

Katholisch 1946 kamen zahlreiche katholische Heimatvertriebene aus dem Sudetenland auch in die Ortschaften im südöstlichen Vogelsberg. Die katholische Filialkirche Freiensteinau zählt zur Pfarrei Maria Himmelfahrt Grebenhain. Diese umfasst das Gebiet der Gemeinden Grebenhain und Freiensteinau. Sie gehört zum Bistum Mainz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Evangelische Pfarrkirche in Freiensteinau mini|Hauptgebäude des früheren riedeselischen Amtshofes in Freiensteinau Kirche