Amanal Petros (* 17. Mai 1995 in Assab, Eritrea) ist ein deutscher Leichtathlet, der sich auf Langstrecken- und Crossläufe spezialisiert hat. Er hält den deutschen Rekord über die Marathon- und Halbmarathondistanz. 2025 wurde er Vizeweltmeister im Marathon und 2026 Europameister.
Privates Seit September 2017 ist Petros Sportsoldat.
Ende 2021 hatte Petros wegen des Konflikts in Tigray mehr als zwei Monate keinen Kontakt zu seiner dort lebenden Familie; den Laufsport beschrieb er in dieser Zeit als wichtigen Halt.
Im Jahre 2026 erschien seine gemeinsam mit der Autorin Mara Pfeiffer verfasste Biografie 42,195 Kilometer – Mein langer Lauf in die Freiheit.42,195 Kilometer – Mein langer Lauf in die Freiheit. Droemer Knaur, München 2026, ISBN 978-3-426-56722-7
Werdegang Amanal Petros wurde in der eritreischen Hafenstadt Assab geboren. Als kleines Kind floh er mit seiner Familie vor dem Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien in die Region Tigray im Norden Äthiopiens, wo er mit seinen beiden jüngeren Schwestern aufwuchs. Schon als Fünfjähriger arbeitete er dort auf dem Feld und kümmerte sich um Tiere. Mit 16 Jahren verließ Petros Äthiopien allein und kam Anfang 2012 nach Deutschland, während seine Mutter und seine Schwestern in Tigray blieben. Er wurde als Asylbewerber in Bielefeld untergebracht.Christian Ermert: Amanal Petros: Ein Flüchtling aus Eritrea wird zur deutschen Lauf-Hoffnung, Porträt, auf: leichtathletik.de, vom 8. September 2017, abgerufen am 4. Dezember 2017 In Äthiopien hatte er Fußball gespielt und bei Schulwettkämpfen regelmäßig beim Laufen gewonnen.Hauptsache: Freunde finden, Sport, auf: neues-deutschland.de, vom 2. Dezember 2017, abgerufen am 6. Dezember 2020 In Bielefeld vermittelten seine Betreuer ihn zunächst an einen Fußballklub, dann aber wegen seines Lauftalents an einen Leichtathletikverein. Seit Juni 2012 war Petros beim TSVE Bielefeld, für den er Ende des Monats bei seinem ersten Wettkampf über 10 Kilometer in 32:15 min und weiteren Volksläufen siegte sowie bei den Vereinsmeisterschaften einen neuen Streckenrekord aufstellte., Aktuelles, auf: tsve.de, abgerufen am 6. Dezember 2020
Im Jahr 2013 nahm Petros erstmals an Deutschen Jugendmeisterschaften teil und wurde Vizemeister über 5000 Meter der U20. Ohne deutsche Staatsbürgerschaft konnte Petros international nicht für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) starten, die Teilnahme an nationalen Titelkämpfen war nach DLV-Regelung hingegen auch ohne deutsche Staatsbürgerschaft möglich.
2014 gewann Petros drei deutsche Meistertitel. Bei den Deutschen Jugendhallenmeisterschaften im 3000-Meter-Lauf (U20), bei den Deutschen Crosslauf-Meisterschaften über 6,18 km in der U20-Wertung und bei den Deutschen Meisterschaften im 10-km-Straßenlauf (U23), was gleichzeitig der zweite Platz in der Männerhauptklasse war.
2015 folgten national weiter zahlreiche Podiumsplätze. Bei den Deutschen Crosslauf-Meisterschaften holte sich Petros über 8,4 km den U23-Titel. Über 5000 Meter wurde Petros Deutscher U23-Meister, bei den Deutschen Meisterschaften im 10.000-Meter-Lauf wurde er U23-Vizemeister, was einem vierten Platz in der Männer-Hauptklasse entsprach. Die Deutschen Meisterschaften im 10-km-Straßenlauf beendete Petros als U23-Meister, was den Vizemeistertitel in der Männer-Hauptklasse bedeutete. Bei den Deutschen Meisterschaften erreichte er über 5000 Meter den Bronzerang.
Ende Juli 2015 erhielt Petros die deutsche Staatsbürgerschaft, weshalb er Mitte Juli noch nicht an den U23-Europameisterschaften in Tallinn hatte teilnehmen dürfen. Im Dezember startete er dann bei den Crosslauf-Europameisterschaften in Hyères in der Altersgruppe der U23 und gewann nach einem Tempovorstoß eineinhalb Kilometer vor dem Ziel die Bronzemedaille.
2016 konnte Petros mehrere nationale Titel verteidigen. Er wurde wieder U23-Meister bei den Deutschen Crosslauf-Meisterschaften, diesmal über 8,3 km, bei den Deutschen U23-Meisterschaften über 5000 Meter und bei den Deutschen Meisterschaften im 10-km-Straßenlauf. Letztere bedeutete auch die Verteidigung der Vizemeisterschaft in der Männer-Hauptklasse. Auch kam er bei den Deutschen Meisterschaften über 5000 Meter wieder auf den Bronzerang. Schließlich holte Petros erstmals den U23-Titel bei den Deutschen Meisterschaften im 10.000-Meter-Lauf, der gleichzeitig die Vizemeisterschaft in der Männer-Hauptklasse war. International verpasste der Langstreckenläufer bei den Crosslauf-Europameisterschaften in Chia in der U23-Wertung das Podium nur knapp und wurde Vierter.
2017 wurde er in Bautzen erneut Deutscher Vizemeister über 10.000 Meter. Mit der Mannschaft wurde Petros im nordfranzösischen Lille Team-Europameister, beim 5000-Meter-Lauf belegte er den dritten Platz und sammelte neun Punkte für das deutsche Team. Drei Wochen später wurde er in Bydgoszcz U23-Vizeeuropameister über 10.000 Meter und belegte zudem den vierten Platz über 5000 Meter. Seinen ersten Titel bei den Aktiven konnte Petros in Bad Liebenzell durch den Sieg bei den Deutschen Meisterschaften im 10-km-Straßenlauf feiern.
Petros gehört seit der Leistungssportreform 2017 zum Perspektivkader (PK) des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).
2018 kam Petros bei den Deutschen Hallenmeisterschaften über 3000 Meter auf den fünften Platz. Bronze holte er sich bei den Deutschen Meisterschaften über 5000 Meter. Über 10.000 Meter kam er bei den Heimeuropameisterschaften in Berlin auf den 16. Platz.
2019 wurde Petros in Ingolstadt Deutscher Crosslauf-Vizemeister auf der Langstrecke und holte Bronze über 5000 Meter bei den Deutschen Meisterschaften. Mit der Mannschaft kam Petros bei der Team-Europameisterschaft in Bydgoszcz auf den zweiten Platz. Er selbst wurde im Einzel wegen Bahnübertretung disqualifiziert. Mitte September holte er sich erneut den Titel im 10-km-Straßenlauf. Jeweils den zweiten Platz belegte Petros bei den Militärweltspielen in Wuhan über 5000 sowie 10.000 Meter und kam mit der Mannschaft auf den sechsten Platz.
2020 siegte er in der wegen der COVID-19-Pandemie verspätet gestarteten Freiluftsaison am 13. September beim Frankfurt Halbmarathon Invitational in 1:03:31 h, kam aber bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Gdynia in 1:05:22 h nur auf den 100. Platz. Am 6. Dezember gelang ihm beim Valencia-Marathon mit 2:07:18 h ein neuer deutscher Landesrekord über die Marathondistanz. Dabei unterbot er den von Arne Gabius 2015 aufgestellten Rekord um über eine Minute.
2021 belegte Petros bei den Olympischen Spielen in Sapporo den 30. Rang im Marathon. Am 24. Oktober stellte er beim Valencia-Halbmarathon mit 1:00:09 h einen neuen deutschen Landesrekord über die Halbmarathondistanz auf. Am 5. Dezember konnte er erneut in Valencia den deutschen Marathonrekord mit 2:06:27 h nochmals verbessern.
Beim Marathon der Europameisterschaften 2022 in München belegte Petros den vierten Platz in 2:10:39 h. In der Teamwertung belegte er damit, gemeinsam mit Richard Ringer (2:10:21 h (1. Platz)) und Johannes Motschmann (2:14:52 h (16. Platz)), den 2. Platz in 6:35:52 h.
Am 26. Februar 2023 brach Petros den 30 Jahre alten deutschen Rekord über 10 Kilometer von Carsten Eich. Im spanischen Castellón lief er nach 27:32 Minuten ins Ziel. Einen Monat später siegte Petros beim Hannover-Marathon und stellte dabei mit 2:07:02 h einen neuen Streckenrekord auf.Petros mit Streckenrekord zum Sieg beim Hannover-Marathon In: sportschau.de Mit neuartigen Carbonlaufschuhen gelang ihm beim Berlin-Marathon 2023 die Verbesserung seines deutschen Marathonrekords um gleich Minuten auf 2:04:58 h.
Im April 2024 verbesserte er in Hannover den von ihm aufgestellten Streckenrekord auf 2:06:05 h und wurde damit zudem Deutscher Meister im Marathon.
Bei den Europameisterschaften 2024 in Rom gewann Petros im Halbmarathon mit 1:01:07 h Bronze und mit dem Team ebenfalls Bronze.
Am 6. April 2025 unterbot Petros beim Berliner Halbmarathon mit 59:31 min als erster Deutscher die Stundenmarke über diese Distanz. Er reihte sich mit dieser Zeit auf Platz vier in der ewigen europäischen Bestenliste ein und war der 18. Europäer, dem eine Halbmarathonzeit unter einer Stunde gelang. Am 15. September wurde er bei den Weltmeisterschaften in Tokio im Marathon in einer Zeit von 2:09:48 h Vizeweltmeister. Das Zielfoto entschied mit einem Vorsprung von 0,03 Sekunden zugunsten von Alphonce Felix Simbu; mit Silber gewann Petros die erste deutsche WM-Medaille im Marathon der Männer seit 1983. Am 7. Dezember belegte Petros beim Valencia Marathon mit neuem deutschen Rekord von 2:04:03 h den zweiten Platz. Damit reihte er sich in der ewigen europäischen Marathonbestenliste auf Rang drei ein.
Am 29. März 2026 verbesserte Petros erneut beim Berliner Halbmarathon den deutschen Rekord auf 59:22 min. Wie auch im Vorjahr belegte er Platz drei. Am 16. August 2026 wurde der 31-Jährige bei den Europameisterschaften in Birmingham erstmals Europameister im Marathon. Nach rund 25 Kilometern setzte sich Petros an einer Steigung von der Spitzengruppe ab und gewann in 2:09:11 h, der schnellsten bis dahin bei einer Europameisterschaft gelaufenen Marathonzeit. Wegen Problemen mit seiner elektronischen Einreisegenehmigung war er erst am Tag vor dem Rennen in Birmingham eingetroffen. Seinen ersten großen internationalen Titel widmete Petros seiner in Tigray lebenden Mutter. In der Teamwertung gewann er zudem Silber.
Vereinszugehörigkeiten und Trainer Amanal Petros war von 2012 bis 2015 beim TSVE Bielefeld und wechselte Anfang 2016 zum Nachbarverein SV Brackwede. Von dem dort ansässigen A-Lizenz-Trainer Thomas Heidbreder, der zugleich als ostwestfälischer Stützpunkttrainer agierte, wurde er bereits bald nach Beginn seiner Laufkarriere betreut. Von 2019 bis 2022 startete er für den TV Wattenscheid 01 Leichtathletik, wo er von Anton Kirschbaum und weiterhin von Heidbreder trainiert wurde. Mit Beginn des Jahres 2023 wechselte Petros nach Berlin zum SC Charlottenburg ins Marathon Team Berlin. Seit 2021 verbringt er einen Großteil seiner Trainingszeit zusammen mit anderen Topläufern im kenianischen Höhentrainingscamp Iten (in 2.400 Metern Höhe) unter der Betreuung des italienischen Trainers Renato Canova. Ende 2024 wechselte Petros zu Hannover 96, wo er, nachdem sich sein langjähriger Heim-Coach Tono Kirschbaum in den Ruhestand verabschiedet hatte, mit dem Laufteam Niedersachsen des Niedersächsischen Leichtathletikverbands trainiert und von Benjamin Franke als beratendem Trainer unterstützt wird.
Erfolge (Auswahl) national (Auswahl) 2014: 1. Platz Deutsche Jugendhallenmeisterschaften über 3000 m (U20) 2014: 1. Platz Deutsche Crosslauf-Meisterschaften über 6,18 km (U20) 2014: 1. Platz Deutsche 10-km-Straßenlauf-Meisterschaften (U23), gleichzeitig 2. Platz in der Männer-Hauptklasse 2015: 1. Platz Deutsche Crosslauf-Meisterschaften über 8,4 km (U23) 2015: 1. Platz Deutsche U23-Meisterschaften über 5000 m 2015: 1. Platz Deutsche 10-km-Straßenlauf-Meisterschaften (U23), gleichzeitig 2. Platz in der Männer-Hauptklasse 2016: 1. Platz Deutsche Crosslauf-Meisterschaften über 8,3 km (U23) 2016: 1. Platz Deutsche Meisterschaften im 10.000-Meter-Lauf (U23), gleichzeitig 2. Platz in der Männer-Hauptklasse 2016: 1. Platz Deutsche U23-Meisterschaften über 5000 m 2016: 1. Platz Deutsche 10-km-Straßenlauf-Meisterschaften (U23), gleichzeitig 2. Platz in der Männer-Hauptklasse 2017: 1. Platz Deutsche Meisterschaften im 10.000-Meter-Lauf (U23), gleichzeitig 2. Platz in der Männer-Hauptklasse 2017: 1. Platz Deutsche Meisterschaften 10-km-Straßenlauf, gleichzeitig 1. Platz in der U23 2019: 1. Platz Deutsche Meisterschaften 10-km-Straßenlauf
international (Auswahl) 2017: Team-Europameister, gleichzeitig 3. Platz über 5000 m 2017: 2. Platz U23-Europameisterschaften über 10.000 m 2019: 2. Platz Team-Vizeeuropameister mit der Mannschaft 2019: 2. Platz Militärweltspiele (5000 und 10.000 m, 6. Platz Mannschaft) 2021: 30. Platz Olympische Spiele in Tokio, Marathon