Der Waffenhändlering von Ibiza war eine kriminelle Vereinigung um den französischen Geschäftsmann und Reserveoffizier Pierre Dadak, der von Ibiza aus Kriegswaffen in das Bürgerkriegsland Südsudan verschoben haben soll. In einer europaweiten Aktion wurden im Juli 2016 der Chef der Bande und acht weitere Mitglieder in ganz Europa festgenommen. Bis heute ist unklar, inwieweit es sich um illegalen Waffenhandel oder eine Kette von Betrugsfällen handelt.
Waffenhandel Der Waffenhandel wurde über ein verzweigtes Geflecht von Firmen in Frankreich, Belgien, Großbritannien und Deutschland abgewickelt. Bei den Festnahmeaktionen im Juli 2016 wurden auch Personen in Deutschland und der Schweiz festgenommen.
Die Personen sollen bis zu 200.000 Kalaschnikows nach Südsudan verschoben haben. Darüber hinaus verkauften sie Raketenwerfer und Panzer in das Land. Nach Medienberichten borgte sich der Bandenboss für Waffentransporte auch den Privatjet des gambischen Präsidenten Yahya Jammeh.
Pierre Dadak Pierre Konrad Dadak (* 1976), ein Franzose polnischer Herkunft, lebte ein Doppelleben. Er entstammt einer Akademikerfamilie, genoss eine Ausbildung an namhaften Institutionen und arbeitete bis 2008 für Banken und IT-Firmen. Er pflegte schon als junger Mann einen luxuriösen Lebensstil und geriet in den 2000er Jahren erstmals mit dem Gesetz in Konflikt, unter anderem wegen Urkundenfälschung. 2009 ließ er sich in Polen nieder und brachte sich als Vermittler polnischer Rüstungsexporte nach Afrika, Asien und den arabischen Raum in Stellung, blieb aber überwiegend erfolglos, wofür er dann politische Machinationen der polnischen Regierung verantwortlich machte.
In der Öffentlichkeit trat er später als Wirtschaftsberater des Premierministers von Guinea-Bissau auf und hatte einen gefälschten Diplomatenpass des Landes bei sich. Sein privates Luxusanwesen auf Ibiza erklärte er eigenständig zum geschützten diplomatischen Gelände, stellte entsprechende Hinweisschilder auf und beauftragte eine private Wachfirma mit dem Schutz. Er pflegte enge Kontakte zu einer Marseiller Mafia-Sippe.
De facto sollte Dadak auf dem Schwarzmarkt über Partnerfirmen in Deutschland, Belgien, Großbritannien und Frankreich auf dem osteuropäischen Markt Rüstungsgüter aller Art beschaffen. Er sollte die Waffen in den Südsudan verschieben und legte die Gewinne in spanischen Immobilien an. Medien berichteten, dass im gleichen Zeitraum bei einer Festnahmeaktion zehn weitere Menschen wegen Geldwäsche auf Ibiza inhaftiert wurden. Dadak selbst wurde bezichtigt, bei vielen Transaktionen getäuscht zu haben und mit dem Geld der Kunden untergetaucht zu sein. Laut dem Watchdog OCCRP sei mit Stand 2023 unklar geblieben, inwiefern er jemals wirklich in großem Stil mit Kriegswaffen gehandelt habe.https://www.occrp.org/en/news/french-polish-arms-dealing-fraudster-arrested-again-in-spain
Ein Verfahren begann 2018, wurde allerdings eingestellt. Dadak widersprach hier Darstellungen, er sei eine Art Pablo Escobar. Er wurde 2023 in Spanien erneut festgenommen und 2025 in den USA wegen Betrugs im Handel mit Luxusgütern zu 3 Jahren Haft verurteilt. Im Gefolge erhob eine Ex-Partnerin Anschuldigungen wegen Unternehmensraub.
Ermittlungen Gegen den Südsudan gibt es kein internationales Waffenembargo, jedoch verhängte die EU ein solches. Seit 2012 ermittelten europäische Sicherheitsbehörden gegen die Bande.
Einzelnachweise
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