mini|Stich von Christian Gottfried Schulze (1782) nach Graff-Gemälde von 1777 mini|Grabstein auf dem Friedhof der Kirche Leubnitz-Neuostra, vermutlich gestiftet von Dresdner Freimaurern mini|Palitzsch-Denkmal mini|Palitzsch-Brunnen mini|Johann-Georg-Palitzsch-Schule mit Wandbild von Christian S. F. Gersdorf mini|Straßenschild in Freital-Döhlen mini|Palitzsch-Krater und „Fußabdruck“ auf dem Mond

Johann Georg(e) Palitzsch (* 11. Juni 1723 in Prohlis; † 21. Februar 1788 ebenda) war ein sächsischer Naturwissenschaftler („Bauernastronom“, „Gelehrter Bauer“),Im „Neuen Kinderfreund“ (Band 6, 1795) wird der lateinische Text unter dem Kupferstich von C. G. Schulze so übersetzt:

Auf seinem Grabmal steht: der für die EntdeckungAllgemein bei periodischen Kometen und besonders für den 1P/Halley (NASA), der bis 240 v. Chr. zurückverfolgt werden kann, ist die Benennung und der Begriff „Entdeckung“ diskutabel. Die NASA führt Palitzsch als Entdecker. des von Halley vorausgesagten Kometen berühmt wurde„… Palitzsch wurde bei den Astronomen mit dieser wichtigen Entdeckung sehr bekannt …“, messier.seds.org (englisch); abgerufen am 10. Oktober 2014. und heute besonders den Liebhabern der Astronomiegeschichte bekannt ist. (alternative Schreibweisen: Palizsch, Pahlitzsch, Palitsch, Palitch u. ä.)

Leben und Wirken

Jugend Vom strengen Stiefvater zum erfolgreichen Landwirt erzogen, eignete sich Palitzsch im Selbststudium Kenntnisse der Astronomie, Physik und Botanik an; animiert durch die Predigten in der Leubnitzer Kirche und die private Lektüre der Bibel. Sehr bedeutend war die Bekanntschaft zu dem Tolkewitzer Zwirnhändler Christian Gärtner, auf dessen Leistungen als Fernrohrbauer und Astronom und dessen Beziehungen zum kurfürstlichen Hof er aufbauen konnte.

Die neuesten wissenschaftlichen Informationen erhielt Palitzsch im Mathematisch-Physikalischen Salon, wo er regelmäßig seine Wetterbeobachtungen ablieferte.

1758/59 Palitzsch entdeckte am 25. Dezember 1758 die von Edmond Halley vorhergesagte Rückkehr des Halleyschen Kometen. Bis zu diesem Zeitpunkt erschienen Kometen immer unerwartet und es wurden daraufhin (meist düstere) Prophezeiungen gemacht. Nun gab es hingegen die Vorhersage eines Kometen, die von der gelehrten Welt mit Spannung erwartet wurde, um die Gravitationstheorie von Newton für alle sichtbar zu bestätigen. Der später als großer Kometenentdecker bekannte, französische Astronom Charles Messier wurde von Joseph-Nicolas Delisle speziell für diese Aufgabe eingestellt. Und um nicht von anderen, Kometen ähnlichen Nebelflecken verwirrt zu werden, erstellte Messier seinen berühmten Katalog. Doch er fand den Kometen nicht vor dem 21. Januar 1759, was in Paris sogar erst am 1. April bekannt wurde.Charles Messier (June 26, 1730 - April 12, 1817), Messier's "Notes on my comets"@messier.seds.org, englisch, abgerufen am 10. Oktober 2014, 23. März 2023.

Der Finanzbeamte und Privatgelehrte Christian Gotthold Hoffmann veröffentlichte Palitzschs und seine eigenen Beobachtungen in den Dreßdnischen Gelehrten Anzeigen. Gottfried Heinsius las diese in Leipzig, sah selbst ab 18. Januar 1759 den Kometen und veröffentlichte als „Liebhaber der Sternwissenschaft“siehe z. B. Donald K. Yeomans: Comets: A Chronological History of Observation, Science, Myth, and Folklore. 1991, S. 134. Ende Januar die Anzeige, daß der im Jahre 1682. erschienene und von Halley nach der Newtonianischen Theorie auf gegenwärtige Zeit Vorherverkündigte Comet wirklich sichtbar sey; und was derselbe in der Folge der Zeit für Erscheinungen haben werde.als Monografie siehe Werkansicht des Münchener DigitalisierungsZentrum Als Anfang April der Komet erneut erschien, nachdem er, wie erwartet, seine Bahn mit dem Perihel von der Erde aus gesehen hinter der Sonne gezogen hatte, sorgte zum Beispiel in Paris die schon Monate zurückliegende Entdeckerleistung eines Bauern aus dem unter dem Siebenjährigen Krieg besonders leidenden Sachsen zunächst für Verwunderung und später für Bewunderung.Charles Messier (June 26, 1730 - April 12, 1817), Messier's "Notes on my comets"@messier.seds.org (englisch); abgerufen am 23. März 2023.

Dresdner „Merkwürdigkeit“ Nach dieser Entdeckung waren Palitzsch, sein vorbildliches Gut, seine Sammlung von Instrumenten und Kuriositäten und sein botanischer Garten eine Attraktion für Dresdner und auswärtige Besucher.Beispiel:

Er entdeckte 1761, neben anderen, die Atmosphäre der Venus während ihres Transits vor der Sonne.

1770 wurde Palitzsch in die „Leipziger Ökonomische Societät“ wegen seiner landwirtschaftlichen Kenntnisse als assoziiertes Mitglied aufgenommen.Funfzehende Anzeige von der Leipziger ökonomischen Societät. In: Leipziger Intelligenz-Blatt, 1770, Beylage zum 50sten Stück, S. 483;

1783 wurden seine Beobachtungen der Helligkeitsschwankung des Algol in den Philosophical Transactions veröffentlicht. Diese Beiträge, die seinen Ruhm noch einmal in ganz Europa auffrischten, hatte er Hans Moritz von Brühl zu verdanken.Ein Brief von Palitzsch an den Grafen (S. 247–249) innerhalb der Auszüge aus Briefen. In: Für aeltere Litteratur und neuere Lectüre, 1784, 1. Jg., 3. Heft, S. 243–252; ub.uni-bielefeld.de Diese Beziehung ist beispielhaft für Palitzschs gutes Verhältnis zu vielen Gelehrten und Adligen, z. B. auch Mendelssohn und Friedrich August III. Auffällig ist die Bekanntschaft zu vielen Freimaurern, z. B. Friedrich Wilhelm von Ferber und Karl Christian Canzler.

Die Einführung der Kartoffel und des Blitzableiters im Dresdner Elbtal werden ihm zugeschrieben. Seine Kenntnisse auf diesen Gebieten, sein Interesse für fast alle Dinge, die ihm erreichbar waren und seine damals als vorbildlich erachtete Lebensführung sind unbestritten und durch viele Nennungen in der damaligen Presse belegt – europaweit.Allein die dem Palitzsch-Museum bekannten Todesnachrichten in: Dreßdnische Gelehrten Anzeigen, Leipziger Zeitung, Magazin der sächsischen Geschichte, Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturgeschichte, Deutsche Zeitung, Churpfalzbaierisches Intelligenzblatt, Der Bote aus Thüringen, The Gentleman’s Magazine, The Scots Magazine, Mercure de France, Wekelijks nieuws uit Loven, Ommelander Courant, Posttidningar Stockholm.

Ehrungen Seinen Namen tragen drei Krater (Palitzsch, Palitzsch A und B) und ein Tal (Vallis Palitzsch) auf dem Mond. Der Asteroid (11970) Palitzsch wurde ihm am 28. März 2002 gewidmet.

In seinem früheren Heimatdorf (heute Stadtteil von Dresden) ehren ihn das Palitzsch-Museum als Außenstelle der Technischen Sammlungen Dresden und die Palitzsch-Gesellschaft. Dort gibt es das 1877 errichtete Palitzsch-Denkmal, den 1923 gestalteten und 1982 zur 121. Mittelschule „Johann Georg Palitzsch“ versetzten Palitzschbrunnen und die Georg-Palitzsch-Straße.

In Freital-Döhlen wurde das Herrenhaus des Kammergutes Döhlen 1949 zum Kulturhaus einer Neubauern-Siedlung und „Bauer-Palitzsch-Haus“ genannt. Auch die anliegende Straße heißt seitdem Johann-Georg-Palitzsch-Hof.Edgar Rudolph: Dorfastronomen des Dresdner Elbtals auf der Spur. In: Sächsische Heimatblätter, 1978, Heft 3, S. 105.

Die Johann-Georg-Palitzsch-Medaille ist nach ihm benannt.

Veröffentlichungen Observations on the Obscuration of the Star Algol, by Palitch, a Farmer. Communicated in a Letter from the Count de Bruhl, F. R. S. to Sir Joseph Banks, Bart. P. R. S. In: Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 1784, Band 74, S. 4; books.google.com Further Observations upon Algol. By the Same. In: Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 1784, Band 74, S. 5 books.google.com

Literatur chronologisch. Neueste zuerst. Sibylle Gluch: The ‘Paysans’ Christian Gärtner and Johann Georg Palitzsch: Astronomical Pursuits of the ‘Common Man’ and the Public Image of Science. In: Nikolaj Bijleveld, Arjen Dijkstra, Samuel Gessner (Hrsg.): Cultivating and Communicating Natural and Technical Knowledge around 1800. Devotees of Science. Amsterdam University Press, 2025, S. 119–160; jstor.org

Jürgen Helfricht; Siegfried Koge: Chr. Gärtner und J. G. Palitzsch – Bauernastronomen aus Tolkewitz und Prohlis bei Dresden. Veröffentlichungen der Sternwarte Pulsnitz, 1990. G.W.E. Beekman: The Farmer Astronomer. In: Sky & Telescope, Mai 1990, S. 548–550. Günther Rüdiger: Zwischen Himmel und Erde. Ein sächsischer Komet. In: Sterne und Weltraum, September 1987, S. 470–473. Siegfried Koge: Johann Georg Palitzsch und die Entdeckung des Halleyschen Kometen. In: Vorträge und Schriften der Archenhold-Sternwarte, Berlin, 1987, Nr. 66.

Friedrich Theile: Johann Georg Palitzsch. Ein Lebensbild. Commissionsverlag von Ludwig Senf, Leipzig 1878. (anonym): Schattenrisse edler Teutschen. Band 3. Hendel, Halle 1784, S. 193–240. Karl Wilhelm Daßdorf: Beschreibung der vorzüglichsten Merkwürdigkeiten der Churfürstlichen Residenzstadt Dresden und einige umliegenden Gegenden. Dresden 1782, über Palitzsch S. 777–782.

Weblinks

Website zum Palitzsch-Museum Website der Palitzsch-Gesellschaft Johann Georg Palitzsch. In: The Messier Catalog (englisch).

Fußnoten und Einzelnachweise

Kategorie:Halleyscher Komet Kategorie:Astronom (18. Jahrhundert) Kategorie:Person als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Person als Namensgeber für einen Mondkrater Kategorie:Person (Dresden) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1723 Kategorie:Gestorben 1788 Kategorie:Mann