Gadamer & Jäger war ein bedeutendes deutsches Unternehmen der Zündholz-Produktion in Dittersbach bei Waldenburg (Provinz Schlesien; später Provinz Niederschlesien).Gadamer & Jäger, Dittersbach / Waldenburg (D170) auf www.zuendholzschachteln.deEintrag der Firma Gadamer und Jäger in: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, Ergänzungsheft, Bände 44–48, H. Laupp’sche Buchhandlung, 1912, S. 136. ()
Geschichte Gadamer & Jäger wurde am 1. September 1869 vom Unternehmer und Waldenburger Stadtrat Oskar Gadamer und dem Maurermeister und späteren Steinkohle-Bergwerksbesitzer Carl Jäger gegründet und aufgrund der Verfügung vom 2. September am 3. September 1869 in das Firmenverzeichnis des zuständigen Königlich preußischen Kreisgerichts eingetragen.Königlich Preußischer Staats-Anzeiger, Jahrgang 1869, Nr. 7–9, S. 3538.
In der Publikation Jahresberichte der Handelskammern und kaufmännischen Korporationen des preußischen Staats 1869 war zu lesen, dass es Gadamer & Jäger gelang, dem Standard der schwedischen SicherheitszündhölzerDie schwedischen Zündholz-Hersteller Gustaf Erik Pasch und Karl Frantz Lundström ersetzten 1844 weißen Phosphor vollständig durch roten Phosphor. gegenüber ein gleichwertiges Produkt zu entwickeln und wesentlich kostengünstiger auf den Markt zu bringen als die importierten Waren.Jahresberichte der Handelskammern und kaufmännischen Korporationen des preußischen Staats 1869. v. Decker, 1870, S. 393. Den Jahresberichten der Handelskammern und kaufmännischen Korporationen des Preußischen Staats für 1871 ist zu entnehmen, dass es den beiden „hauptsächlich fabrizierenden“ schlesischen Fabriken besagter Sparte Gadamer & Jäger sowie Gierth & Ergmann in Paczków 1871 nur gelang, die Hälfte der Produktion in Deutschland abzusetzen, während die andere Hälfte an Ostindien, China, Japan und Südamerika ging, wo damals große Nachfrage nach sogenannten „Schwedischen Hölzern“ bestand.Jahresberichten der Handelskammern und kaufmännischen Korporationen des Preußischen Staats für 1871. (Beilage zum Jahrgang 1872 des Preußischen Handels-Archivs) Königliche Geheime Hof-Buchdruckerei, Berlin 1872, S. 266. Das ursprünglich als „Zündwarenfabrik“ registrierte Unternehmen wurde um 1896 als „chemische Fabrik“ geführt.Nikolaus Heinrich Schilling, Eugen Schilling: Dr. N. H. Schilling's Statistische Mittheilungen über die Gasanstalten Deutschlands. R. Oldenbourg, München 1896, S. 348.
Auf der Weltausstellung 1873 in Wien erhielt Gadamer & Jäger von der internationalen Jury ein AnerkennungsdiplomAmtliches Verzeichniss der Aussteller, welchen von der internationalen Jury Ehrenpreise zuerkannt worden sind: Weltausstellung 1873 in Wien Verlag der General-Direction, 1873, S. 82.Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches. Königliche Geheime Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1873, S. 131. und wurde 1887 im Österreichischen Markenanzeiger als Marke geführt.Österreichischer Markenanzeiger, Jahrgang 1887, S. 287. Bereits 1882 hatte das Unternehmen Markenschutz auf drei Zündholzarten.Chemiker-Zeitung, 2. Jahrgang 1882, S. 840. Im gleichen Jahr publizierte Gadamer in der Zeitschrift Chemische Industrie einen Artikel über Neuerungen über Zündholzeinlegemaschinen.Die Chemische Industrie, 5. Jahrgang 1882, S. 356. 1883 meldete Gadamer das zugehörige Patent (D.R.P.) Nr. 19491 an.R. Gaertner: Neuerungen über Zündholzeinlegemaschinen. In: Chemisch-technisches Repertorium, Band 21 (1883), S. 179. 1883 bat Gadamer & Jäger auch um Zollfreiheit für Espenholz.Verhandlungen des Reichstags. Band 73, Norddeutsche Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, 1883, S. 1046.
Auch bei der Centennial Exhibition 1876 in Philadelphia war Gadamer & Jäger als Aussteller vertreten.International Exhibition, 1876: Official Catalogue, Teil 4. J. R. Nagle, 1876, S. 317. Aus dem Jahr 1886 sind Verhandlungen des Unternehmens mit dem Gewerbeverein St. Gallen in der Schweiz dokumentiert.Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes. Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes, 1886, S. 9. Eine Mitgliedschaft im Verein zur Wahrung der Interessen der Chemischen Industrie Deutschlands (später Verband der Chemischen Industrie) im Jahr 1879 ist ebenfalls dokumentiert.Die Chemische Industrie, 2. Jahrgang 1879, S. 105.
Gadamer & Jäger bekam 1909 die Steuernummer 68a für Zündwarenproduzenten.Die in Deutschland für Zündwarenproduzenten vergebenen Steuernummern auf www.zuendholzetiketten.de 1929 (dem Jahr des Ausbruchs der Weltwirtschaftskrise) erwarb die Mitteldeutsche Zündholzfabriken AG in Hamburg auch das Unternehmen Gadamer & Jäger und verpachtete es an die Stahl & Nölke AG.Rudolf Gunzert, Bernhard Benning, Edmund Veesenmayer: Effektenbörse und Volkswirtschaft. Effektenmarkt und Konjunktur. Fischer, Jena 1929, S. 27. Ein Jahr später erließ der Reichstag das Zündwarenmonopol.
Regionalgeld Gadamer & Jäger gab auch Regionalgeld heraus. In Piotr Kalinowskis 2011 herausgegebenem Buch über Geld der Stadt Wałbrzych ist eine 1000-Mark-Münze (Marek) mit der Aufschrift „Gadamer & Jäger – Waldenburgs Tändsticksfabrik“ abgebildet.Piotr Kalinowski: Pieniądz miasta Wałbrzych. Verlag PK, 2011, ISBN 83-61755-94-2, S. 52. ()
Die Gründer Oskar Gadamer, auch Oscar Gadamer, (* 6. August 1831 in Ober Gläsersdorf, Landkreis Lüben; † 2. Juli 1887 in Waldenburg) war ein deutscher Unternehmer und Stadtrat.Lebensdaten in: Jean Grondin: Hans-Georg Gadamer. Eine Biographie. 1999, S. 17. () Er war mit Anna Gadamer geborene Puschmann (1832–1909) verheiratet, ein Sohn des Ehepaars war der Chemiker Johannes Gadamer, der Philosoph Hans-Georg Gadamer war einer ihrer Enkel. Oskar Gadamer war ursprünglich römisch-katholisch, konvertierte aber vermutlich anlässlich seiner Hochzeit zum evangelischen Bekenntnis. So gab sein Sohn Johannes 1895 in seiner Dissertation an, dass er „im evangelischen Glauben“ erzogen wurde.Johannes Gadamer: Beiträge zur Kenntnis des Thiosinamins und seiner Halogenadditiionsproducte. Dissertation, Universität Marburg, 1895, S. 90. Oskar Gadamer starb laut den Todesanzeigen seiner Angehörigen am 2. Juli 1887 morgens um 4:30 Uhr nach langem, schwerem Leiden im Alter von 55 Jahren.No. 45/1887, Todesanzeige unter: Ahnenforschung.net.
Carl Jäger, auch Karl JägerD.P.A. 26642 „Neuerungen an Coksöfen“ vom 18. November 1880., war Maurermeister, Unternehmer und Stadtrat, außerdem Vorstandsmitglied der Sektion Schlesien der Ziegelei-Berufsgenossenschaft.Tonindustrie-Zeitung, 28. Jahrgang 1904, Teil 1, S. 867.
Jäger gründete in Waldenburg das Hoch- und Tiefbauunternehmen Carl Jäger & Sohn.Firmeneinträge, z. B. in:Deutsche Bauzeitung, 26. Jahrgang 1892, S. 596.Tonindustrie-Zeitung, 37. Jahrgang 1913, S. 541. Neben Gadamer & Jäger war er auch Eigentümer des Waldenburger Unternehmens Jägers-Zubehör. Eine Verleihung für den Steinkohle-Abbau auf einem knapp 211 Hektar großen Feld in Gaablau und Liebersdorf (Kreis Landeshut) am 28. Juni 1873 auf Mutung vom 21. Dezember 1871 dieses Unternehmens ist im Amtsblatt der Preußischen Regierung zu Liegnitz vom 19. Juli 1873 dokumentiert.Verordnungen und Bekanntmachungen verschiedener Behörden. In: Amts-Blatt der Preußischen Regierung zu Liegnitz, Nr. 29 vom 19. Juli 1873, S. 2.
Über das Baugeschäft Carl Jäger & Sohn ist unter anderem überliefert, dass es vom Vorsitzenden des Kunstgewerbe-Vereins für Breslau und die Provinz Schlesien, dem königlichen Hofmalermeister Hans Rumsch, zur unentgeltlichen Mitarbeit und Errichtung zweier Bauten im Rahmen der Sonderausstellung des Kunstgewerbevereins in Breslau 1904 gewonnen werden konnte.Jerzy Ilkosz, Beate Störtkuhl (Hrsg.): Hans Poelzig in Breslau. Architektur und Kunst 1900–1916. Aschenbeck & Holstein, Delmenhorst 2000, ISBN 3-932292-30-8, S. 357. Das Baugeschäft gehörte zur Zeit des Nationalsozialismus zu den Bauunternehmen, die mit dem Bau von Behelfsheimbauten für das Deutsche Wohnungshilfswerk beauftragt wurden.Frank Stier: Kriegsauftrag 160. Behelfsheimbau im Ghetto Litzmannstadt (Łódź) und im KZ-Außenlager Königs Wusterhausen durch das Deutsche Wohnungshilfswerk. (= Einzelveröffentlichungen der Brandenburgischen Historischen Kommission e. V., Band 1.) Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1999, ISBN 3-922912-47-8, S. 53.
Einzelnachweise
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