Das Minto ist ein 2015 eröffnetes Einkaufszentrum an der Hindenburgstraße in der Mönchengladbacher Innenstadt. Mit 104 Geschäften auf 26.000 m² Verkaufsfläche gehört es zu den mittelgroßen Einkaufszentren in Deutschland und gilt als das erste Vier-Sterne-Shoppingcenter. Eigentümer und Betreiber ist die aus der Essener mfi (Management für Immobilien) AG hervorgegangene Unibail-Rodamco-Westfield Germany mit Sitz in Düsseldorf. Der Name Minto geht auf einen Namenswettbewerb zurück und bedeutet im niederrheinischen (limburgischen) Dialekt meins.

Angebot Auf vier Ebenen gibt es im Minto bis zu 104 Geschäfte sowie 22 Gastronomiebetriebe wie beispielsweise Ruffs Burger, Vapiano oder Subway, die teilweise im Mintos Deli mit Showküche um thematisch gestaltete Speisebereiche gruppiert sind oder über Außenbereiche verfügen. Zu den Serviceangeboten gehören eine Rezeption mit dreisprachigen Hostessen, intuitive Leitsysteme, Ruhezonen, Babylounges mit Still- und Wickelräumen sowie ein zentraler Spielbereich für Kinder. Bekannte Handelsketten wie Sportscheck, Deichmann, New Yorker, H&M, s.Oliver, Nanu-Nana und Saturn bilden neben Anderen einen für Einkaufszentren typischen Angebotsmix. Darüber hinaus gibt es Filialen von Rewe, dm, Müller und einen Borussia-Mönchengladbach-Fanshop sowie seit März 2020 eine Filiale der Cafékette Starbucks. Des Weiteren gibt es jeweils einen Geldautomaten von der Stadtsparkasse sowie von der Volksbank Mönchengladbach. Im gesamten Center besteht freier WiFi-Zugang und es gibt Aufladestationen für iPhones und iPads, Elektroautos sowie E-Bikes. Auf den beiden Parkdecks finden sich 600 Parkplätze (davon 13 Familien-Parkplätze) und zusätzlich 305 Parkplätze im benachbarten Parkhaus sowie Fahrradstellplätze vor dem Gebäude.

Geschichte

Vorgeschichte

Auf dem ca. 14.000 m² großen Gelände des heutigen Minto zwischen Steinmetz- und Hindenburgstraße befanden sich das 1959 eröffnete Stadttheater, das Iduna-Hochhaus sowie zwei Einkaufszentren: die Anfang November 1993 eröffnete Theatergalerie und der 1949/50 erbaute Lichthof, die erste nach dem Krieg erbaute glasüberdachte Ladenpassage in Deutschland und eine der ersten überdachten Ladenpassagen Deutschlands überhaupt. Stadttheater und Iduna-Hochhaus gehörten zusammen mit dem gegenüberliegenden Sonnenhaus und dem Theaterplatz zu einem stadthistorisch bedeutenden Ensemble aus den 1960er Jahren. Ab 1996 versuchte die Stadt, sich mit dem Musical Gambler als Musical-Stadt zu etablieren. Das zwischenzeitlich geschlossene Stadttheater wurde hierzu zur Musical-Bühne umfunktioniert. Im Juni 1998 wurde der Musical-Betrieb mangels Erfolg wieder eingestellt, seitdem war das Stadttheater den Großteil der Zeit ungenutzt. Zur Jahrtausendwende genügte die vorhandene Bebauung an der Hindenburgstraße nicht mehr den Anforderungen an moderne Einzelhandelsflächen und es gab erhebliche Leerstände. Selbst die Gewerbeflächen in der neuen Theatergalerie waren nie voll vermietet.

Bereits mit der Satzung vom 2. Februar 2006 sicherte sich die Stadt Mönchengladbach die Vorkaufsrechte für die Grundstücke rund um das ehemalige Schauspielhaus. Auf Basis des im Juni 2007 vom Rat der Stadt genehmigten Nahversorgungs- und Zentrenkonzeptes präsentierte die zum Otto Konzern gehörende Hamburger ECE Projektmanagement Pläne für den Neubau eines Handels- und Dienstleistungszentrums (HDZ) an der Hindenburgstraße unter dem Namen Neue Mitte Mönchengladbach. Die Entwürfe sahen eine Bebauung über die Steinmetzstraße in das Gründerzeitviertel hinein mit 28.000 m² Verkaufsfläche vor. Die ECE hatte sich dazu bereits das Vorkaufsrecht für das alte Finanzamt vom Land Nordrhein-Westfalen gesichert. Auch die Eigentümer der Lichthof-Passage stellten 2008 ein Bauvoranfrage für eine Erweiterung auf 6000 m² durch eine neu zu bauende Markthalle. Die Stadt gab bei der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GmA) eine erste Auswirkungsanalyse in Auftrag und die Entwicklungsgesellschaft der Stadt (EWMG) startete zum Verkauf der städtischen Grundstücke eine europaweite Ausschreibung für ein Einkaufszentrum mit einer Gesamtverkaufsfläche zwischen 15.000 und 29.000 m².

Nachdem die Essener Management für Immobilien AG (mfi) bereits Kaufoptionen für die Theatergalerie der Schweizer Ziag-Gruppe sowie für den Lichthof hatte, entwickelte sie unter dem Projektnamen Mönchengladbach Arcaden eine Alternative für eine Bebauung, welche nur zwischen Steinmetz- und Hindenburgstraße verlaufen sollte. Zum 15. September 2009 endete die Abgabefrist für die Pläne zum neuen HDZ. ECE und mfi reichten Pläne ein, zwei anfangs Interessierte (die Sierra Developments Germany und die Bietergemeinschaft Concepta/Westdeutsche Immobilienbank) reichten nichts ein. Den Zuschlag durch den Rat der Stadt Mönchengladbach bekam Ende 2009 das Konzept der mfi, welches geringere zusätzliche Handelsflächen aufwies und bei dem ca. 11 Mio. Euro Investitionskosten einer bei dem ECE-Konzept vorgesehenen Untertunnelung der Steinmetzstraße für die Stadt entfallen würden. Die Pläne von ECE fanden von Beginn an relativ wenig Zuspruch. Auch genügte nur die mfi durch ihre Kaufoptionen als Bieter europäischem Vergaberecht.

Planungsphase

Im Januar 2011 beauftragte die Stadt Mönchengladbach eine neue Auswirkungsanalyse auf Grundlage der Eckdaten der neuen Planung durch die GmA, welche zu dem Ergebnis kam, dass das geplante Projekt einen Anstieg der Kundenfrequenz erzeugen werde, von dem auch angrenzender Einzelhandel profitieren könne. In der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses vom 17. Mai 2011 zur Aufstellung des erforderlichen Bebauungsplanes wurde eine hohe Architekturqualität ohne langweilige Fassaden gefordert. Darüber hinaus wurde eine Neuinterpretation der wichtigen städtebauliche Funktion des abzureißenden Iduna-Hochhauses als Abgrenzung des Theatervorplatzes sowie eine Gelenkfunktion für die obere Hindenburgstraße für den Neubau verlangt. Diese Forderungen wurden auch von der Architektenschaft Mönchengladbach, einem Verein aus 37 ortsansässigen Architekten, unterstützt.

Auf Basis der im Planungsausschuss aufgestellten städtebaulichen Leitgedanken zur Stadtbildprägung: Vervollständigung und Aufwertung der Fußgängerzone, Integration des Baukörpers des Handels- und Dienstleistungszentrums in die vorhandene städtebauliche Struktur und Schaffung eines neuen innerstädtischen Trittsteins zwischen Altem Markt und Europaplatz, initiierte die mfi in Abstimmung mit der Stadt Mönchengladbach einen architektonischen Wettbewerb über die Fassadenabwicklung. Die Koordination übernahm Faltin + Sattler aus Düsseldorf. Die Preisgerichtssitzung, bei der das Aachener Büro kadawittfeldarchitektur GmbH als Sieger hervorging, fand am 20. Mai 2011 statt.

Die Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgte ab Sommer 2011 mit der öffentlichen Auslegung des Planentwurfs, wobei auch die Nachbarstädte Korschenbroich und Jüchen informiert wurden, die zunächst keine Bedenken erhoben. Die mfi als Bauherr richtete einen öffentlichen Showroom im alten Finanzamt zur Projektvorstellung ein und organisierte Informationsveranstaltungen. In den Folgemonaten gingen 86 Anregungen und 18 Stellungnahmen ein; sechs von ihnen waren Gegenstand eines Anhörungstermins der Kommission des Planungs- und Bauausschusses. Auch die Stadt Korschenbroich meldete letztendlich Bedenken an. Am 21. März 2012 wurde der für das Projekt aufgestellte Bebauungsplan 720/Nord vom Rat der Stadt genehmigt und ein städtebaulicher Vertrag mit dem Investor mfi unterzeichnet, in dem unter anderem wesentliche Punkte zu den Erschließungsanlagen, zur Verkehrsinfrastruktur und der Fassadengestaltung verbindlich vereinbart wurden.

Für die Nutzung entwickelte die mfi unter dem Titel Vier-Sterne-Shopping ein neuartiges Konzept, bei dem den Kunden ein multisensorisches Einkaufserlebnis sowie ein erhöhter Service in Anlehnung an die Vier-Sterne-Hotellerie geboten werden soll. Es sollte dadurch dem identifizierten Bedürfnis der Kunden nach Beratung, Service und genussvollen Erlebnissen Rechnung getragen und so Kunden überregional bis ins niederländische Grenzgebiet hinein erreicht werden. Der Katalog, der die verschiedenen Services definiert, umfasst über 600 Kriterien. Mit der Realisierung eines auf diese Leitmotive abgestimmten Innendesigns wurde das Düsseldorfer Designstudio kplus konzept beauftragt.

Die Finanzierung war ab Mai 2012 gesichert. Die Deutsche Hypothekenbank sowie die Bayerische Landesbank stellten der mfi für den Bau der Mönchengladbach-Arcaden 144,5 Mio. Euro in Form eines Club Deals zur Verfügung. Zeitgleich akquirierte die mfi die ersten Ankermieter und bot den Bestandsmietern von Lichthof und Theatergalerie einen Umzug in das neue Einkaufszentrum mit Zwischenlösung an.

Bauphase

Gegenüber der Baustelle errichtete die mfi auf dem Theaterplatz vor dem Sonnenhaus zunächst eine zweigeschossige Halle mit 2000 m² Nutzfläche. Sie diente als Interimslösung für die Mieter von Lichthof und Theatergalerie, die mit in das neue Einkaufszentrum ziehen wollten. Zu den Mietern zählten unter anderem Sport Scheck, die Bäckerei Kamps, WMF sowie die Mayersche Buchhandlung. Die provisorische Einkaufshalle erhielt den Namen Vis a Vis und wurde am 4. Oktober 2012 eröffnet. Parallel wurden die für den Abriss vorgesehenen Gebäude komplett geräumt.

Ab Herbst 2012 riss das mit dem Rückbau beauftragte Unternehmen Prangenberg & Zaum die Einkaufspassage Lichthof, die Theatergalerie und das Stadttheater ab. Am 26. November 2012 begannen die Abbrucharbeiten am 30 Meter hohen Iduna-Hochhaus; hierbei kam es zu Problemen mit Asbestbelastungen. Am 6. Dezember 2012 wurde die Baugenehmigung für den Neubau erteilt. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 28. Juni 2013 im Beisein des damaligen Mönchengladbacher Oberbürgermeisters Norbert Bude.

Vom 5. bis zum 19. Februar 2014 wurde in einem Namenswettbewerb der endgültige Name des Einkaufszentrums gesucht. Unter 2190 Einsendungen wählte eine Jury die besten zehn Namen aus, unter denen die Mönchengladbacher ihre Favoriten auswählen konnten. Schließlich wählte die Jury aus den drei meist genannten Namen Minto, was beim Richtfest im April 2014 bekannt gegeben wurde. Der Begriff geht auf den Ausdruck Dat is min to (das ist mein zu) einer in Mönchengladbach gesprochenen niederrheinischen Mundart zurück und bedeutet besitzanzeigend meins. Das für den neuen Namen entwickelte Logo wurde im Dezember 2014 vorgestellt. Ende Januar 2015 wurde mit Beschluss der Bezirksvertretung Mönchengladbach-Nord der Name eines neben dem Minto befindlichen Teilstückes der Viersener Straße geändert. Auf Wunsch des Investors mfi heißt sie nun Am Minto.

Betrieb

mini|Minto-Fassade zum Sonnenhausplatz mit Skulpturengruppe Seven Donkeys

Die Einweihung fand am 25. März 2015 statt. Gedacht wurde hierbei auch der Opfer des Germanwings-Flug 9525. Drei erwartete Gäste, Mitarbeiter von Desigual und Mango, waren bei dem Absturz ums Leben gekommen. Nach einer Pressekonferenz gab es einen Eröffnungsempfang mit rund 800 geladenen Gästen. Anschließend durften 3000 ausgewählte Besucher, die sich zuvor im Internet bewerben konnten, von 19.30 bis 23 Uhr bei einem Pre-Opening exklusiv einkaufen. Dabei traten DJ Noah Becker und Sternekoch Nelson Müller auf. Offiziell öffnete das Minto zum ersten Mal am 26. März 2015 um 8 Uhr.

Nachdem die französische Unibail-Rodamco bereits 2014 die Essener mfi AG übernommen hatte, wurde diese im August 2015 umfirmiert in Unibail-Rodamco Germany GmbH. Zeitgleich begann man mit dem Bau eines zusätzlichen Geschäftshauses für Büros, Praxen und Gastronomie neben dem Einkaufszentrum. Nach Eröffnung des neuen Einkaufszentrums und Demontage des Vis a Vis begann die Stadt mit den Bauarbeiten für den neuen Sonnenhausplatz, der an gleicher Stelle den alten Theaterplatz ersetzt. Hierzu finanzierte Unibail-Rodamco die Skulpturengruppe Seven Donkeys der US-amerikanische Bildhauerin Rita McBride.