mini|260px|1 McDonald’s-Restaurant2 Saturn-Filiale3 Olympia-Einkaufszentrum (OEZ)4 OEZ-Parkhaus Nord5 Henckystraße

Bei dem rechtsradikal motiviertenBayern stuft OEZ-Attentat nun als rechtsradikal motiviert ein. In: Die Welt. 25. Oktober 2019. Anschlag in München 2016 tötete der 18-jährige Deutsch-Iraner David Sonboly am 22. Juli 2016 am und im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) im Stadtbezirk Moosach neun Menschen. Fünf weitere verletzte er durch Schüsse. Sieben der neun Todesopfer waren Muslime, eines war ein Rom und eines ein Sinto. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Gut zweieinhalb Stunden nach Beginn des Anschlags stellte eine Polizeistreife den Täter in der Nähe des Einkaufszentrums, woraufhin dieser sich erschoss. Der Vorfall war gekennzeichnet von einer Vielzahl von Gerüchten über Schießereien in der gesamten Münchner Innenstadt. Bei den deswegen ausgebrochenen Paniken bzw. bei der Flucht verletzten sich mindestens 32 Menschen.

Die Ermittlungen zu dem Fall zogen sich über drei Jahre hin. Die Ermittlungsbehörden sowie der Bayerische Verfassungsschutz stuften die Tat zunächst als nicht politisch motivierten Amoklauf ein, obwohl die rechtsextreme Gesinnung des Täters für sie feststand und die Tat am fünften Jahrestag des Massakers von Utøya stattfand.Martin Bernstein: Untersuchungsbericht: Münchner Amokschütze war rechtsextrem gesinnt. In: Süddeutsche Zeitung. 26. April 2017. Das Landgericht München I hatte den Anschlag bereits Anfang 2018 in einer Reihe mit anderen rechtsextremistischen Taten wie den NSU-Morden, dem Oktoberfestattentat und dem Brandanschlag von Mölln eingestuft.Martin Bernstein: Waffenhändler muss nach OEZ-Anschlag sieben Jahre in Haft. In: Süddeutsche Zeitung. 19. Januar 2018. Auch das Bundesjustizamt beurteilte die Tat im März 2018 als „rechtsextremistisch motiviert“.Martin Bernstein: Die Morde am OEZ waren rechtsextremistisch motiviert. In: Süddeutsche Zeitung. 14. März 2018. Zuvor hatten bereits drei von der Stadt München beauftragte wissenschaftliche Gutachter unabhängig voneinander sie als „politisch motivierte, rechte Tat“ eingeordnet, die folglich im Verfassungsschutzbericht aufzuführen sei.Lena Kampf, Kassian Stroh: „Ich bin kein Kanake, ich bin Deutscher!“ In: Süddeutsche Zeitung. 3. Oktober 2017. Die bayerischen Ermittlungsbehörden kamen erst im Oktober 2019 zu dem Schluss, es sei „gerechtfertigt, von einer politischen Motivation im Sinne des Definitionssystems PMK zu sprechen.“ Die Angehörigen fordern einen Untersuchungsausschuss.

Tathergang mini|Das McDonald’s-Restaurant gegenüber dem Haupteingang des OEZ mini|Der Haupteingang des Olympia-Einkaufszentrums (OEZ) in München, 2007

Am 22. Juli 2016, einem Freitag, versuchte der Täter David Sonboly offenbar, über Facebook mittels eines unter falschem Namen angelegten Accounts Jugendliche in das McDonald’s-Schnellrestaurant gegenüber dem Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) zu locken. Die Nachricht lautete: „Kommt heute um 16 Uhr Meggi am OEZ ich spendiere euch was wenn ihr wollt aber nicht zu teuer“. Um die angegebene Uhrzeit traf er dort einen 16-jährigen Freund, den er aus einem Psychiatrie-Aufenthalt kannte. Der Freund und Sonboly trennten sich kurz nach 17 Uhr am dortigen U-Bahn-Abgang. Ab 17:08 Uhr hielt sich Sonboly, mit einer ca. fünfminütigen Pause, im Schnellrestaurant auf.

Um 17:50 Uhr ging der Täter im 1. Obergeschoss des Restaurants in den Toilettenraum und holte seine Tatwaffe, eine wieder gebrauchsfähig gemachte Theaterpistole vom Typ Glock 17 ohne Seriennummer, aus dem Rucksack. Er verließ die Toilette um 17:51 Uhr, ging zu einer Sitznische und schoss auf eine Gruppe aus sechs Jugendlichen und Kindern. Fünf Personen wurden tödlich getroffen, ein 13-jähriges Kind erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Insgesamt wurden in diesem Bereich 18 Patronenhülsen sichergestellt, die aus der Tatwaffe stammten. Ab 17:52 Uhr gingen Notrufe bei der Polizei ein. Zur selben Zeit verließ Sonboly das Restaurant und schoss auf Passanten an der Hanauer Straße, die unmittelbar vor dem Restaurant verläuft. Zwei der Passanten wurden tödlich verletzt, drei zum Teil schwer. Anschließend ging er ein Stück nach Süden und erschoss vor einer Saturn-Filiale einen weiteren Menschen. Insgesamt konnte die Spurensicherung im Bereich zwischen dem Schnellrestaurant und dem Elektromarkt 16 Patronenhülsen sichern. Sonboly überquerte die Hanauer Straße und betrat das OEZ, wo er im Erdgeschoss eine weitere Person tötete. Daraufhin begab er sich über eine überdachte Brücke in das Parkhaus nördlich des OEZ. Auf dieser Brücke gab er Schüsse in Richtung des Parkdecks und einer Passantin ab, verletzte dabei aber niemanden. Im Zwischendeck des Parkhauses schoss er 13-mal auf zwei geparkte Autos.LKA findet überraschende Details zu Amokschützen von München heraus Stern.de, 17. August 2016, abgerufen am 18. August 2016. Danach erschien der Schütze auf dem obersten Deck des Parkhauses.Wo hat sich Ali David Sonboly stundenlang versteckt? tz.de, 26. Juli 2016 Dort wurde er von einem Anwohner vom Balkon eines angrenzenden Hochhauses beschimpft und in eine Diskussion verwickelt.Die Geschichte hinter dem München-Video. In: n-tv.de, 24. Juli 2016. Während des Streits gab Sonboly zwei Schüsse in dessen Richtung ab. Dabei wurde ein anderer Anwohner, der sich ebenfalls auf seinem Balkon befand, durch Teile eines abprallenden Geschosses am Rücken verletzt. Anschließend schoss Sonboly noch dreimal in Richtung des Einkaufszentrums und eines Mitarbeiters, ohne dabei jemanden zu verletzen. Um 18:04 Uhr sahen Polizisten einer Zivilstreife den Schützen auf dem Parkhaus, gaben einen Schuss aus einer Maschinenpistole auf ihn ab, ohne ihn zu treffen, und verloren ihn wieder aus den Augen.

Der Täter verließ das Parkdeck über eine Nottreppe. Er überquerte die nördlich des OEZ verlaufende Riesstraße und gelangte in ein Wohngebiet. Vermutlich versteckte er sich dort zunächst in einem Gebüsch und versuchte dann in der Henckystraße, rund 200 Meter nördlich des OEZ gelegen, über den Hintereingang in ein Wohnhaus zu gelangen. Da jener Hintereingang verschlossen war, ging er zum Vordereingang, betrat das Gebäude und hielt sich dort längere Zeit im Treppenhaus auf. Dort hatte er Kontakt mit mehreren Anwohnern; die Waffe trug er dabei nicht sichtbar. Vermutlich über die Tiefgarage gelangte er zu einem Fahrradabstellraum, in dem er sich über einen längeren Zeitraum versteckte. Nachdem er die Garage um 20:26 Uhr über eine Außentreppe wieder verlassen hatte, wurde er in der Henckystraße gegen 20:30 Uhr von einer Funkstreife der Verkehrspolizei entdeckt. Als die beiden Polizisten ihn stellten, zog er seine Waffe und tötete sich mit einem Kopfschuss. Focus online, 26. Juli 2016. Insgesamt zählte die Polizei 59 durch Sonboly abgegebene Schüsse.

Die Polizei setzte die Suche nach Tätern fort. Sie war sich zunächst nicht sicher, ob der in der Henckystraße aufgefundene Mann an der Tat beteiligt war. Die Untersuchung der Leiche verzögerte sich, weil die Gefahr bestand, dass der Mann einen Sprengsatz mit sich führte.Timeline der Panik, Süddeutsche Zeitung, abgerufen am 2. Oktober 2016: „wir wussten noch nicht, ob es der Täter ist“. Für eine Wiedergabe der Originaluhrzeit wird ein Twitter-Account benötigt, in dem die Zeitzone von Berlin eingestellt ist. Zudem gingen die Beamten von drei möglichen Tätern aus, da Zeugen drei verschiedene Personen mit Schusswaffen gemeldet hatten und ein Auto mit zwei Insassen sich mit hoher Geschwindigkeit vom Tatort entfernt hatte.Chronologie der Nacht in München In: deutschlandfunk.de, 23. Juli 2016 Die drei bewaffneten Personen stellten sich später als Zivilpolizisten heraus und die Insassen des Fahrzeugs als Unbeteiligte. Gegen 22:30 Uhr informierte die Polizei darüber, dass sie bei einer aufgefundenen Person eine mögliche Tatbeteiligung prüfe und ab 1:26 Uhr gab sie Entwarnung: Bei der aufgefundenen Person, die sich selbst getötet habe, handele es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den alleinigen Täter. Für eine Wiedergabe der Originaluhrzeit wird ein Twitter-Account benötigt, in dem die Zeitzone von Berlin eingestellt ist. Für eine Wiedergabe der Originaluhrzeit wird ein Twitter-Account benötigt, in dem die Zeitzone von Berlin eingestellt ist. Gegen 2 Uhr wurden erste Informationen zur Identität des Täters bekanntgegeben.Schießerei München – 6. Nachtrag vom 22. Juli 2016, Polizei Bayern, Präsidium München, 23. Juli 2016, abgerufen am 23. Juli 2016.

Am Abend des 22. Juli 2016 erschienen mehrere Videos im Internet, die Teile der Tat dokumentieren. Ein Augenzeuge filmte den Täter nach dem Verlassen des Schnellrestaurants. Zwei weitere Videos zeigen den Täter aus leicht unterschiedlicher Perspektive auf dem Parkdeck bei seinem Wortgefecht mit einem Bewohner des angrenzenden Hochhauses.Video dokumentiert wirres Gespräch mit mutmaßlichem Täter, stern.de, 23. Juli 2016; zur Anzeige des Wortlauts rechts unter dem Video auf „mehr“ klicken.Video-Aufnahmen: Angriff am McDonald’s sueddeutsche.de, 22. Juli 2016.

Maßnahmen und weiteres Geschehen Ab 18:26 Uhr wurden Ärzte, Pfleger, Seelsorger und weiteres Personal in die Münchner Kliniken gerufen. Die Universitätsklinik bereitete sich auf einen Massenanfall von Verletzten vor. Ab 18:35 Uhr gab die Münchner Polizei Warnungen an die Bevölkerung heraus; sie solle den Bereich um das OEZ – später auch sämtliche öffentliche Plätze in der Stadt – meiden. Für eine Wiedergabe der Originaluhrzeit wird ein Twitter-Account benötigt, in dem die Zeitzone von Berlin eingestellt ist. Diese Meldungen erschienen auf Facebook und Twitter, zunächst auf Deutsch, später auch auf Englisch, Französisch und Türkisch.

mini|Der U-Bahn-Betrieb wurde vorübergehend eingestellt Einsatzkräfte der Münchner Polizei waren mit Unterstützung der Bundespolizei, Spezialeinsatzkommandos (SEKs) und Mobilen Einsatzkommandos (MEKs) benachbarter Polizeipräsidien im Einsatz und sperrten mehrere Straßenabschnitte ab. Taxifahrer wurden aufgefordert, keine Fahrgäste mehr aufzunehmen. Der Nahverkehr im Münchner Stadtgebiet wurde auf Anweisung der Polizei eingestellt, der Hauptbahnhof evakuiert und geschlossen. Im Stadtgebiet kam es zu Fehlalarmen und Paniken, z. B. am Stachus, am Isartor, im Hofbräuhaus, am Marienplatz und am Mathäser.Pressekonferenz der Polizei München vom 23. Juli 2016, 20:26 Uhr. (Video) Fliehende Menschen verletzten sich und verursachten Sachschaden. Ein Aspekt dabei sollen bewaffnete Zivilpolizisten gewesen sein, die von Passanten für Täter gehalten wurden. Nach Angaben der Polizei München waren allerdings nur am Olympia-Einkaufszentrum Polizisten in ziviler Kleidung unterwegs, die nicht als solche erkennbar waren. Ein Oberarzt des Haunerschens Kinderspitals berichtet in einer Dokumentation über einen bewaffneten Polizisten in Zivil, der durch das Klinikgelände zu seinem Einsatzort ging. Der Pförtner empfahl das Spital zu verbarrikadieren; infolgedessen bekamen manche Mitarbeiter Todesangst und das Spital wurde von Spezialeinsatzkommandos durchkämmt. Joachim Krause, Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik sagte zu den gezielten Falschmeldungen: „Da machen sich manche Leute den Spaß und stellen bei Facebook oder Twitter irgendwelche Meldungen ein und freuen sich, wenn das im Fernsehen erwähnt wird.“

Das OEZ wurde von der Polizei im Laufe des Abends geräumt. Die Evakuierten mussten das Gebäude mit erhobenen Händen verlassen; es wurde befürchtet, Täter könnten sich darunter gemischt haben.

Die Stadt München rief gegen 20 Uhr über das Warnsystem Katwarn den „Sonderfall“ wegen einer Amoklage aus und forderte die Bürger auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen sowie Plätze und Straßen zu meiden. Das System war überlastet und brach teilweise zusammen. Katwarn wird in München von der Feuerwehr bedient.