Yams (Dioscorea), auch Yam oder Yamswurzel genannt, sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Yamswurzelgewächse (Dioscoreaceae). Die bis zu 800 Arten sind hauptsächlich in den Tropen verbreitet. Einige Arten sind wichtige tropische Nahrungs- und Heilpflanzen.
Beschreibung mini|hochkant|links|Balkan-Yams (Dioscorea balcanica), Habitus einer blühenden Pflanze mini|Laubblätter und Früchte des Balkan-Yams (Dioscorea balcanica) mini|Früchte und Samen von Dioscorea pyrenaica
Erscheinungsbild und Blätter Yams-Arten wachsen als windende, ausdauernde krautige Pflanzen. Sie bilden Rhizome oder Wurzelknollen als Überdauerungsorgane, die in Größe, Gestalt, Farbe und Inhaltsstoffen sowie in ihrer Tiefe in der Erde sehr unterschiedlich sein können. Manche Arten bilden in den Blattachseln Brutknöllchen (beispielsweise Dioscorea bulbifera). Es werden jeweils in der Vegetationszeit neue windende Stängel ausgebildet. Die einfachen oder verzweigten Stängel sind im oder gegen den Uhrzeigersinn windend; sie sind glatt oder geflügelt, polygonal oder stielrund; sie sind kahl oder es können manchmal Stacheln vorhanden sein.
Die spiralig und wechselständig bis scheinbar gegenständig oder wirtelig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die relativ langen Blattstiele sind an ihrer Basis gedreht. Die einfache oder zusammengesetzte Blattspreite besitzt drei bis neun basale Blattadern und es liegt Netznervatur dazwischen vor.
Blütenstände und Blüten Die relativ kleinen Blüten sind immer eingeschlechtig. Die Dioscorea-Arten sind meist zweihäusig (diözisch), selten einhäusig (monözisch) getrenntgeschlechtig. Die männlichen Blüten sind gestielt oder sitzend spiralig in seitenständigen, unterschiedlich aufgebauten Blütenständen jeweils zu meist dritt (einzeln bis zu acht) in Zymen mit Deckblättern zusammen. Die weiblichen Blütenstände enthalten nur eine oder wenige mehr oder weniger sitzende Blüten jeweils über einem winzigen Tragblatt.
Die Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig. Die Blütenhüllblätter können zu Drüsen reduziert sein. Die männlichen Blüten enthalten ein oder zwei Kreise mit je drei Staubblättern, drei davon können zu Staminodien reduziert sein. Die Staubbeutel sind relativ klein und nach innen gebogen und öffnen sich mit einem Längsschlitz. In den weiblichen Blüten können drei oder sechs Staminodien vorhanden sein. Der unterständige Fruchtknoten ist dreikammerig. Es gibt drei Griffeläste, die jeweils zweigabelig sind. Die Narben sind zurückgekrümmt.
Früchte und Samen Die dreikantigen bzw. -geflügelten Kapselfrüchte öffnen sich bei Reife am oberen Ende lokulizidal. Je Fruchtfach sind nur zwei oder selten ein Samen enthalten. Die abgeflachten Samen besitzen oft häutige Flügel.
Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9 oder 10.
Nutzung mini|Yams auf dem „Brixton Market“ in London mini|Japanische Yams auf einem Markt in Hamamatsu mini|Ein japanisches Gericht: Gebackener Yams, mit Katsuobushi (Bonito-Flocken) bestreut mini|Yamsstücke werden frittiert, Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire)
Einige Arten und deren Ausleseformen sind Nutzpflanzen, sowohl als wichtige Nahrungspflanzen als auch als Heilpflanzen. Viele Yams-Arten werden wegen ihrer essbaren Wurzelknollen als Nahrungsmittel angepflanzt.
Bei der am meisten angebauten Art erreichen die unterirdischen Knollen eine Länge von bis zu 2 Metern; ihr Geschmack ist süßlich und ähnelt dem von Esskastanien und Kartoffeln. Sie haben eine dunkelbraune bis schwarze Haut und sind reich an Provitamin A sowie Kalium. Außer der „Chinesischen Yamswurzel“ (Lichtwurzel, Nagaimo, Dioscorea polystachya, Dioscorea batatas, Dioscorea divaricata oder fälschlich auch Dioscorea opposita bzw. Dioscorea oppositifolia) und der Dioscorea japonica wirken alle Yams-Arten roh gegessen toxisch. Yamswurzeln ähneln geschmacklich und optisch den Süßkartoffeln, sind aber nicht mit ihnen verwandt. In Südamerika, Afrika und der Karibik sind Yams häufig Bestandteil des Gemüseangebots, in den Küchen der Tropen sind sie ein wichtiger Stärke-Lieferant.
In China gibt es ein Vorhaben, mit Hilfe gentechnischer Methoden Sorten von Yams-Arten zu züchten, die als Energiepflanzen für die Erzeugung von Ethanol-Kraftstoff optimiert sind.
Die wilde Yamswurzel enthält in großen Mengen Diosgenin, ein Cholesterin-Derivat mit zusätzlichen Hydroxygruppen in der Seitenkette, die als inneren Ether weitere Ringe an das Steran-Gerüst anhängen. Obwohl aus Diosgenin nur durch chemischen Abbau das Gelbkörperhormon Progesteron gewonnen werden kann (Marker-Degradation), wird Diosgenin in der esoterischen Literatur und der alternativen Medizin als „natürliches“ Progesteron bezeichnet. Die Verwendung der Yams-Wurzel für die Progesteron-Produktion wurde 1944 durch Russell Marker eingeleitet. Er führte in Mexiko zur Entwicklung eines eigenen Pharmaindustriezweiges auf Basis der Yams-Wurzel.
Yams enthält eine geringe Menge Amygdalin, welches im Darm zu Blausäure umgebaut wird.
Wirtschaftliche Bedeutung Die größten Anbaugebiete für Yams befinden sich in Afrika. Die Hauptproduzenten (2020) sind Nigeria, Ghana und die Elfenbeinküste. Unter den zehn größten Produzenten befinden sich lediglich zwei, die nicht auf dem afrikanischen Kontinent liegen: Kolumbien und Papua-Neuguinea.
Die größten Yamsproduzenten Im Jahr 2024 wurden laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen weltweit 91.031.888 Tonnen Yams produziert. Die zehn größten Produzenten ernteten zusammen 98 % der Welternte. Nigeria produzierte allein 72 %.
+ Größte Yamsproduzenten (2024) Rang Land Menge(in t) 1 65.322.032 2 10.113.014 3 7.660.870 4 3.353.473 5 982.384 6 541.648 7 408.944 8 385.041 9 326.092 10 256.678 Top Ten 89.350.175 restliche Länder 1.681.713
mini|Illustration aus Die Pflanzenwelt Afrikas, insbesondere seiner tropischen Gebiete - Grundzge der Pflanzenverbreitung im Afrika und die Charakterpflanzen Afrikas, 1910 der Bitteren Yams (Dioscorea dumetorum) mini|Illustration aus Die Pflanzenwelt Afrikas, insbesondere seiner tropischen Gebiete - Grundzge der Pflanzenverbreitung im Afrika und die Charakterpflanzen Afrikas, 1910 von Dioscorea preussii subsp. hylophila mini|Illustration aus Die Pflanzenwelt Afrikas, insbesondere seiner tropischen Gebiete - Grundzge der Pflanzenverbreitung im Afrika und die Charakterpflanzen Afrikas, 1910 der Wilden Yams (Dioscorea villosa)
Systematik und Verbreitung Taxonomie Die Gattung Dioscorea wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 1032 und Genera Plantarum, 5. Auflage, Seite 456 aufgestellt. Der Gattungsname Dioscorea ehrt den griechischen Arzt Pedanios Dioskurides, dessen Arzneimittellehre aus dem 1. Jahrhundert für über 1600 Jahre Bedeutung in der Medizin hatte. Der Gattungsname und der Typus wurden 1995 in Taxon, Volume 44, Seite 611–612 konserviert. Synonyme für Dioscorea sind: Borderea , Botryosicyos , Elephantodon , Epipetrum , Hamatris , Helmia , Higinbothamia , Hyperocarpa , Merione , Nanarepenta , Oncorhiza , Oncus , Peripetasma , Polynome , Raja , Rajania , Rhizemys , Ricophora , Sismondaea , Strophis , Tamnus , Tamus , Testudinaria , Ubium
Arten und ihre Verbreitung Die Gattung Dioscorea ist von den tropischen bis gemäßigten Gebieten fast weltweit verbreitet. In China gibt es 52 Arten, 21 davon nur dort. Einige Arten sind in manchen Gebieten der Welt Neophyten.
Die einzigen in Europa beheimateten Arten sind die Balkan-Schmerwurz (Dioscorea balcanica), Dioscorea chouardii, die Gemeine Schmerwurz (Dioscorea communis) und Dioscorea pyrenaica. In Mitteleuropa ist nur die Gemeine Schmerwurz heimisch.
Die Gattung Yams (Dioscorea) umfasst je nach Autor 350 bis 800 Arten:
mini|Herbarbeleg von Dioscorea acanthogene mini|Purpur-Yams (Dioscorea alata) mini|Habitus und Laubblätter von Dioscorea belophylla mini|Gestielte Laubblätter von Dioscorea brachybotrya mini|Habitus und einfache Laubblätter von Dioscorea bulbifera mini|Sprossachsen mit Knollen von Dioscorea bulbifera mini|Habitus und Laubblätter von Dioscorea cirrhosa mini|Schmerwurz (Dioscorea communis) mini|Dioscorea cordata mini|Gestieltes, einfaches Laubblatt von Dioscorea cotinifolia mini|Dioscorea chouardii mini|Herbarbeleg von Dioscorea cyphocarpa mini|Habitus und Laubblätter von Dioscorea deltoidea mini|Dioscorea densiflora mini|Blütenstand von Dioscorea dodecaneura mini|Früchte von Dioscorea dodecaneura mini|Früchte von Dioscorea dregeana mini|Blütenstand mit Blüten im Detail und einfache Laubblätter von Dioscorea elephantipes mini|Knolle von Dioscorea elephantipes mini|Kartoffel-Yams (Dioscorea esculenta) mini|Habitus und Laubblätter von Dioscorea floribunda mini|Herbarbeleg von Dioscorea glandulosa mini|Blütenstand von Dioscorea hastifolia mini|Früchte und fingerförmige Laubblätter der Giftigen Yams (Dioscorea hispida) mini|Dioscorea irodensis mini|Dioscorea japonica mini|Herbarbeleg eines fingerförmigen Laubblattes von Dioscorea margarethia mini|Knolle von Dioscorea mexicana mini|Laubblätter von Dioscorea mexicana mini|Dioscorea nipponica mini|Habitus und gestielte, einfache Laubblätter der Chinesischen Yams (Dioscorea opposita) mini|Herbarbeleg von Dioscorea orangeana mini|Blütenstände von Dioscorea orientalis mini|Blütenstand mit gestielten Blüten von Dioscorea pedicellata mini|Habitus und fingerförmige Laubblätter von Dioscorea pentaphylla mini|Gestielte Laubblätter von Dioscorea piperifolia mini|Gestielte Laubblätter von Dioscorea polystachya mini|Laubblätter und Blütenstände von Dioscorea quinquelobata mini|Laubblätter von Dioscorea sansibarensis mini|Blütenstand von Dioscorea sincorensis mini|Dioscorea stegelmanniana mini|Dioscorea sylvatica mini|Blütenstände von Dioscorea tokoro mini|Habitus und einfache Laubblätter von Dioscorea transversa mini|Habitus und Laubblätter von Dioscorea trifida mini|Wilde Yams (Dioscorea villosa) mini|Habitus und einfache Laubblätter von Dioscorea wallichii Dioscorea abysmophila : Sie kommt nur im venezolanischen Amazonas vor. Dioscorea abyssinica Dioscorea acanthogene : Sie kommt in Südamerika von Kolumbien und Peru über Bolivien sowie Paraguay bis ins westliche-zentrale Brasilien vor. Dioscorea acerifolia : Sie kommt nur im südlichen Chile vor. Dioscorea acuminata : Sie kommt in Madagaskar nur an etwa zwei Fundorten in Analamanga in der Provinz Antananarivo sowie in Atsimo-Atsinanana in der Provinz Fianarantsoa vor und gilt als EN = „Endangered“ = „stark gefährdet“. Dioscorea adenantha Dioscorea aesculifolia Dioscorea aguilarii Dioscorea alainii (Syn.: Rajania hastata , Smilax hastata , Smilax lanceolata nom. illeg., Smilax jacquinii nom. superfl., Smilax bona-nox var. hastata nom. illeg.): Sie wurde 2016 von der Insel Hispaniola erstbeschrieben. Purpur-Yams (Dioscorea alata , Syn.: Dioscorea alata var. purpurea , Dioscorea purpurea ): Sie stammt wohl aus Südostasien und wird in den Tropen fast weltweit kultiviert. Sie bildet ganz unterschiedlich aussehende Wurzelknollen aus. Dioscorea alatipes : Sie kommt in Madagaskar nur an etwa drei Fundorten in Atsimo-Andrefana in der Provinz Toliara vor. Dioscorea althaeoides Dioscorea amaranthoides Dioscorea amazonum Dioscorea amoena Dioscorea analalavensis : Sie kommt in Madagaskar nur an etwa drei Fundorten in Boeny sowie Sofia in der Provinz Mahajanga vor. Dioscorea ancachsensis Dioscorea andina Dioscorea andromedusae Dioscorea anomala Dioscorea antaly : Die zwei Varietäten kommen nur an wenigen Fundorten in Madagaskar vor. Dioscorea antucoana Dioscorea arachidna Dioscorea araucana Dioscorea arcuatinervis : Sie kommt nur in Madagaskar vor und gilt als NT = „Near Threatened“ = „potenziell gefährdet“. Dioscorea argyrogyna Dioscorea arifolia Dioscorea aristolochiifolia Dioscorea asclepiadea Dioscorea aspera Dioscorea aspersa Dioscorea asperula Dioscorea asteriscus Dioscorea atrescens Dioscorea auriculata Dioscorea bahiensis