Michael Lippold (* 18. Oktober 1970 in Regensburg) ist ein deutscher Schauspieler und Theaterregisseur.
Leben und Wirken Er ist ein Sohn des deutschen Althistorikers Adolf Lippold. Michael Lippold absolvierte von 1992 bis 1996 eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Bern. Er debütierte 1996 am Theater Augsburg als Camille Desmouslins in Dantons Tod sowie in der Titelrolle in Hamlet. Nach zwei Jahren als Ensemblemitglied in Augsburg spielte er von 1998 bis 2000 im Ensemble am Theater Konstanz und gastierte am Schauspielhaus Zürich (Spielzeit 1998/1999). Von 2002 bis 2004 war er festes Ensemblemitglied am Münchner Volkstheater. Dort spielte er unter anderem Aaron in Shakespeares Titus Andronicus (2002, Regie: Christian Stückl), Mercutio in Romeo und Julia (2003, Regie: Nuran David Calis) sowie den Narren in Was ihr wollt (2004, Regie: Jorinde Dröse). Vom Münchner Volkstheater engagierte ihn der Oberspielleiter des Bayerischen Staatsschauspiels Elmar Goerden für seine Intendanz ans Schauspielhaus Bochum, wo Lippold von 2005 bis 2010 festes Ensemblemitglied blieb. Er war in Inszenierungen von Elmar Goerden, Lisa Nielebock, Wilfried Minks, Armin Holz, Jorinde Dröse, Anne Lenk und Anna Bergmann zu sehen. Für die Titelrolle in der Uraufführungsinszenierung von Genannt Gospodin von Philipp Löhle (2007, Regie: Kristo Šagor) wurde er von Kritikern als Nachwuchsschauspieler des Jahres nominiert.Köln hat das beste Theater. Welt am Sonntag NRW vom 15. Juni 2008. Die Inszenierung wurde 2008 zu den Mülheimer Theatertagen Stücke eingeladen.Genannt Gospodin auf der Website der Mülheimer Theatertage 2008. Von 2010 bis 2018 arbeitete Lippold frei als Schauspieler. 2016 spielte er unter der Regie von Johan Simons in Urban Prayers Ruhr bei der Ruhrtriennale. auf der Website der Ruhrtriennale 2016. Seit 2018 gehört Lippold zum Ensemble des Schauspielhaus Bochum unter Intendant Johan Simons. In dieser Zeit spielte er in Inszenierungen von u. a. Johan Simons, Mateja Koležnik, Dušan David Parízek, Saara Turunen, Selen Kara, Tom Schneider, Katharina Birch, Mateusz Staniak, Liliane Brakema, Franz-Xaver Mayr, Barbara Bürk und Clemens Sienknecht sowie der Choreografin Eleanor Bauer und des Choreografen Trajal Harrell. Mit der Inszenierung Kinder der Sonne war er 2023 zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
Seit 2010 ist Lippold auch als Theaterregisseur tätig. Er gab sein Regie-Debüt an der Bochumer Off-Bühne Rottstr 5 Theater mit dem surrealistischen Weltuntergangsstück Der Disneykiller von Philip Ridley, was überregionale Aufmerksamkeit erhielt.Eine sabbernde Riesenkatze namens Realität. Nachtkritik.de vom 9. Februar 2010. In der Folge inszenierte er am Schauspielhaus Bochum im Rahmen des Autorenfestivals Ohne alles sowie die Uraufführung Böses Mädchen von Lothar Kittstein am Theater Bonn (2011).Goerdens Abschied „ohne alles“. Ruhr Nachrichten vom 27. Juni 2010In dichten Gestrüppen. Nachtkritik.de vom 26. Januar 2011. In Bonn folgten die Deutschsprachige Erstaufführung von Tief in einem dunklen Wald des amerikanischen Autors Neil LaBute (2012) sowie Ödön von Horváths Klassiker Kasimir und Karoline zur Eröffnung der Spielzeit 2012/2013 in der Bonner Halle Beuel.Michael Lippold inszeniert Kasimir und Karoline. General-Anzeiger Bonn Lippolds Uraufführungsinszenierung von Csába Mikós Die Vaterlosen am Theater Regensburg wurde zum Kortárs Drámafesztivál 2014, dem Festival für zeitgenössische Dramatik in Budapest, eingeladen. Ankündigung auf der Website des Kortárs Drámafesztivál Budapest 2014 Die Produktion zeigt am Beispiel einer Familie den gesellschaftspolitischen Wandel und die ideologische Radikalisierung Ungarns seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.Zukunft auf Sand gebaut. Nachtkritik.de vom 9. November 2014 2016 führte Lippold am Landestheater Coburg Regie bei Bilder deiner großen Liebe, einer Bühnenadaption des posthum erschienenen letzten Romans von Wolfgang Herrndorf. auf der Website des Landestheater Coburg 2017 inszenierte er am Konzert Theater Bern die deutsch-französische Uraufführung des Stücks Oh Boyoma von Elia Rediger in Koproduktion mit dem kongolesischen Theaterprojekt Studios Kabako. Am Rheinischen Landestheater Neuss folgten Inszenierungen der Romanadaption Jenseits von Eden von John Steinbeck und der Komödie Floh im Ohr von Georges Feydeau. 2021 inszenierte Lippold die deutschsprachige Erstaufführung des letzten Dramas von Sam Shepard Mondphasen.
Auch als Bühnenautor ist Lippold tätig. Das von ihm verfasste Drama Ute, die Gute, eine vom Nibelungenlied inspirierte Neudichtung des Lebens der Mutter von Kriemhild, die er 2011 am Rottstr 5 Theater inszenierte, wurde im Rahmen des NRW Theatertreffen 2012 gezeigt.Der Bochumer Ring auf der Website des NRW Theatertreffen 2012 2013 realisierte er zusammen mit dem Autor Lothar Kittstein das Theaterprojekt Zu spät! Zu spät! Zu spät!, das auf Basis von Recherchen und aus Improvisationen mit Schauspielern entstand und die Mechanismen von Überforderung und Coaching-Branche zeigt.Zu spät! Zu spät! Zu spät! Website des Theaterprojekts Die Produktion wurde für den Kölner Theaterpreis 2013 nominiert und war bis 2016 am Theater im Bauturm zu sehen.Der Zeit im Hamsterrad hinterher. Theater pur vom 14. Februar 2014 2016 tourte eine Neuinszenierung des Stücks des Theaterveranstalters Kempf Theatergastspiele durch mehrere deutsche Städte.Zu spät! Zu spät! Zu spät! auf der Website der Kempf Theatergastspiele Für das Konzert Theater Bern schrieb Lippold eine Neufassung von J. M. Barries Romanklassiker Peter Pan, die er zusammen mit der Basler Art-Pop-Band The bianca Story im Dezember 2015 auf die Bühne des Berner Stadttheaters brachte.Peter Pan auf der Website des Konzert Theater Bern 2018 verfasste er zusammen mit der Schauspielerin Johanna Wieking den Theatermonolog Johanna.Stimmen, der am Rottstr 5 Theater zur Uraufführung kam.
Neben seiner Tätigkeit für das Theater war Lippold auch in Kino und Fernsehen zu sehen. Er spielte unter anderem in den Filmen Der Untergang (Regie: Oliver Hirschbiegel), Der letzte Zug (Regie: Joseph Vilsmaier und Dana Vávrová) und Der deutsche Freund (Regie: Jeanine Meerapfel). Auch als Sprecher für Hörfunkproduktionen ist er tätig.
Filmografie (Auswahl) 2001: Anwalt des Herzens 2004: Der Untergang 2006: Der letzte Zug 2007: Eintag 2012: Der deutsche Freund 2013: The Other Side of Life (AT) 2016: On the Wrong Side of Life 2021: SOKO Köln (Fernsehserie, Folge Die Büßer)
Bühne (Auswahl) 1996: Dantons Tod (Georg Büchner), Rolle: Camille Desmoulins, Regie: Friderike Vielstich 1996: Hamlet (William Shakespeare), Rolle: Hamlet, Regie: Friderike Vielstich 1998: Tod des Herakles (UA) (Karst Woudstra), Rolle: Hyllos, Regie: Karst Woudstra 2002: Titus Andronicus (William Shakespeare), Rolle: Aaron, Regie: Christian Stückl 2003: Romeo und Julia (William Shakespeare), Rolle: Mercutio, Regie: Nuran David Calis 2003: Der Räuber Kneißl (Christian Stückl), Rolle: Josef Schreck, Regie: Christian Stückl 2004: Was ihr wollt (William Shakespeare), Rolle: Narr, Regie: Jorinde Dröse 2005: Die Räuber (Friedrich Schiller), Rolle: Franz Moor, Regie: Frank Hellmund 2005: Mein ist Dein Herz! (Ovid), Rolle: Paris, Regie: Lisa Nielebock 2005: Sanft und grausam (Martin Crimp), Rolle: James, Regie: Wilfried Minks 2006: Traum eines lächerlichen Menschen (Fjodor M. Dostojewski), Monolog, Regie: Hans Dreher 2006: Doña Rosita oder Die Sprache der Blumen (Federico García Lorca), Rollen: Neffe, Junge, Regie: Armin Holz 2007: Genannt Gospodin (UA) (Philipp Löhle), Rolle: Gospodin, Regie: Kristo Šagor 2008: Der eigene Raum (UA) (Kristo Šagor), Rolle: Ich, Regie: Kristo Šagor 2009: Hanglage Meerblick (David Mamet), Rolle: John Williamson, Regie: Elmar Goerden 2009: A Tribute to Quentin Tarantino, Liederabend, Regie: Hans Dreher 2009: Die Unsicherheit der Sachlage (UA) (Philipp Löhle), Rollen: Björn, Zeitungstyp, Polizist, Regie: Anne Lenk 2009: König Lear (William Shakespeare), Rolle: Edmund, Regie: Elmar Goerden 2010: Leonce und Lena (Georg Büchner), Rolle: Die Gouvernante, Regie: Anna Bergmann 2011: Der Großinquisitor (Fjodor M. Dostojewski), Monolog, Regie: Hans Dreher 2013: Anna Karenina (Armin Petras nach Leo Tolstoi), Rolle: Wronski, Regie: Sibylle Broll-Pape 2013: Othello (William Shakespeare), Rolle: Jago, Regie: Sibylle Broll-Pape 2015: Die Göttliche Komödie – Inferno (Dante Alighieri), Lesung, Regie: Laura Olivi 2016: Die Göttliche Komödie – Purgatorio (Dante Alighieri), Lesung, Regie: Laura Olivi 2016: Urban Prayers Ruhr (Björn Bicker, Malte Jelden), Rolle: Chor der gläubigen Bürger, Regie: Johan Simons 2018: Die Jüdin von Toledo (Lion Feuchtwanger), Rolle: Rodrigue, Regie: Johan Simons 2019: New Joy (Eleanor Bauer), Ensemble, Regie: Eleanor Bauer 2019, Séance de Travail (Trajal Harrell), Ensemble, Regie: Trajal Harrell 2019: Leonce und Lena (Georg Büchner), Rolle: König Peter, Regie: Liliane Brakema 2020: Samstag, Sonntag, Montag (Eduardo de Filippo), Rolle: Don Peppino, Regie: Johan Simons 2020: King Lear (William Shakespeare), Rolle: Regan, Regie: Johan Simons 2021: Peer Gynt (Henrik Ibsen), Rollen: Aase, Herr von Eberkopf, Regie: Dušan David Parízek 2021: Das Gespenst der Normalität (Saara Turunen), Rollen: Mann 1 (Vater, Beschwichtiger, Pfarrer, Wolf, Mann an der Haltestelle, Mann im Nachtleben, Massenmörder, Kind, Gast auf einer Beerdigung), Regie: Saara Turunen 2021: antigone. ein requiem / Die Politiker (Thomas Köck / Wolfram Lotz), Rollen: Kreon / Ensemble, Regie: Franz-Xaver Mayr 2022: Mit anderen Augen (Selen Kara, Torsten Kindermann), Liederabend, Regie: Selen Kara 2022: Die Hermannsschlacht – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie (Heinrich von Kleist), Rollen: Quintilius Varus / Marbod / Luitgar, Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht 2022: Kinder der Sonne (Maxim Gorki), Rollen: Jegor, Regie: Mateja Koležnik 2022: Die Schöne und das Biest (Lucy Kirkwood, Katie Mitchell), Rolle: Pink, Regie: Katharina Birch 2023: Am laufenden Band (Joseph Ponthus), Ensemble, Regie: Tom Schneider 2023: Früchte der Vernunft (Saara Turunen), Rollen: Pfarrer / Storch / Mann / Bodenwischer, Regie: Saara Turunen 2023: Don Juan (Molière), Rollen: Ludwig / Pierrot / Francisque, Regie: Mateusz Staniak 2024: Die Schutzbefohlenen – was danach geschah (2024) (Elfriede Jelinek), Ensemble, Regie: Johan Simons 2024: Grelle Tage (Selma Kay Matter), Rollen: Archäologe / Ensemble, Regie: Caroline Kapp 2025: Fabian (Erich Kästner), Ensemble, Regie: Thomas Dannemann
Regiearbeiten (Auswahl) 2010: Der Disneykiller, Rottstr 5 Theater 2010: Wir haben der Menschheit nichts berechnet (UA), Schauspielhaus Bochum 2011: Böses Mädchen (UA), Theater Bonn 2011: Ute, die Gute (UA), Rottstr 5 Theater 2012: Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, Rottstr 5 Theater 2012: Tief in einem dunklen Wald (DSE), Theater Bonn 2012: Kasimir und Karoline, Theater Bonn 2013: Nathans Kinder, Rheinisches Landestheater Neuss 2013: Zu spät! Zu spät! Zu spät! (UA), Theater im Bauturm, Theater im Pumpenhaus, Rottstr 5 Theater 2014: Spiel’s nochmal, Sam, Theater Regensburg 2014: Atmen, Prinz Regent Theater 2014: Die Vaterlosen (UA), Theater Regensburg 2015: Das Ende des Regens, Rheinisches Landestheater Neuss 2015: Peter Pan, Konzert Theater Bern 2016: Schutt, Rottstr 5 Theater 2016: Bilder deiner großen Liebe, Landestheater Coburg 2017: Jenseits von Eden, Rheinisches Landestheater Neuss 2017: Oh Boyoma (UA), Konzert Theater Bern/Studios Kabako 2018: Floh im Ohr, Rheinisches Landestheater Neuss 2018: Johanna.Stimmen (UA), Rottstr 5 Theater 2021: Mondphasen (DSE), Theater Tiefrot, Köln/Brotfabrik Bonn/Prinzregenttheater, Bochum/Freies Schauspiel Frankfurt
Weblinks
Michael Lippold, Homepage
Michael Lippold auf der Webseite des Schauspielhaus Bochum
Einzelnachweise
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