Atalanta Bergamasca Calcio, kurz Atalanta B.C. und im deutschsprachigen Raum auch bekannt als Atalanta Bergamo, ist ein 1907 gegründeter italienischer Fußballverein aus der lombardischen Stadt Bergamo.
Die größten Erfolge des Vereins, der auch unter den Spitznamen La Dea (), Gli Orobici () oder I Nerazzurri () bekannt ist, sind der Gewinn der Coppa Italia 1962/63 und der UEFA Europa League 2023/24.
Die Heimspielstätte ist die New Balance Arena, die Platz für rund 25.000 Zuschauer bietet.
Geschichte mini|links|Mannschaft der Saison 1913/14 mini|Choreografie der Curva Nord vor dem Finalspiel der Coppa Italia 1995/96 Atalanta Bergamo wurde im Oktober 1907 als Società Bergamasca di Ginnastica e Sport Atletici „Atalanta“ gegründet und ging in seiner heutigen Form aus einer Zusammenlegung mit Società Bergamasca di Ginnastica e Scherma im Jahr 1920 hervor. Er nannte sich fortan Atalanta Bergamasca di Ginnastica e Scherma, wurde 1945 jedoch wieder in seinen noch heute gültigen Namen Atalanta Bergamasca Calcio umbenannt. International ist der Verein allerdings allgemein unter der Kurzform Atalanta Bergamo bekannt. Der Verein ist nach Atalante, einer Figur der griechischen Mythologie benannt.
Obwohl Atalanta Bergamo in seiner Vereinsgeschichte überwiegend der Serie A, Italiens höchster Fußball-Liga, angehörte, blieb dem Klub aus der Lombardei die italienische Meisterschaft bis heute verwehrt. Die Mannschaft zählt daher das Jahr 2019, in dem sie die Serie A mit Platz drei abschlossen, nun zum erfolgreichsten Meisterschaftsjahr. Der einzige nationale Vereinserfolg ist der Gewinn des italienischen Pokals aus dem Jahr 1963 (3:1 gegen die AC Turin), dessen Wiederholung sie in den Jahren 1987 (gegen die SSC Neapel), 1996 (gegen die AC Florenz) und 2019 (gegen Lazio Rom) jeweils knapp durch eine Finalniederlage verpassten.
Größte internationale Erfolge bisher sind der Gewinn der UEFA Europa League 2023/24 gegen Bayer 04 Leverkusen, sowie das Erreichen des Halbfinales im Europapokal der Pokalsieger, in dem Atalanta 1987/88 trotz der Finalniederlage gegen Neapel antrat, weil dieses als Meister im Europapokal der Landesmeister startete. Nach Siegen über Merthyr Tydfil FC, OFI Kreta und Sporting Lissabon scheiterte Atalanta, das zwischenzeitlich in die Serie B (Zweite Liga) abgestiegen war, erst im Halbfinale am späteren Gewinner KV Mechelen. Damit stellte der Klub einen Rekord ein: Als Zweitligist hatte es zuvor nur Cardiff City (1967) so weit im Europapokal geschafft.
In der Saison 2005/06 wurde Atalanta mit 81 Punkten Serie-B-Meister und stieg damit wieder in die Serie A auf. Dem neuerlichen Abstieg als 18. der Saison 2009/2010 folgte der sofortige Wiederaufstieg in die Eliteklasse im Jahr 2011. Zurück in der Serie A wurde Atalanta mit einem Abzug von sechs Punkten bestraft, da die Spieler Cristiano Doni und Thomas Manfredini verdächtigt wurden, in einen Wett- und Manipulationsskandal verwickelt zu sein. Der ehemalige Mannschafts-Kapitän Doni hat gestanden, zwei Serie-B-Spiele manipuliert zu haben, um so den Aufstieg zu sichern; der Verein habe davon allerdings nichts gewusst. Manfredini hingegen wurde von den Anschuldigungen freigesprochen. Für Atalanta Bergamo lief die Spielzeit 2011/12 recht zufriedenstellend, wurde die Saison doch trotz des Punkteabzuges auf dem 12. Tabellenplatz abgeschlossen. Auch in den Folgejahren sprangen Platzierungen im Mittelfeld der ersten italienischen Fußballliga heraus.
Nach der Verpflichtung von Gian Piero Gasperini als Cheftrainer im Sommer 2016 entwickelte sich Atalanta zu einem dauerhaften Anwärter für die internationalen Plätze.
Die Saison 2016/17 schloss Atalanta Bergamo auf dem vierten Tabellenplatz ab und sicherte sich somit die Möglichkeit zur Qualifikation für die UEFA Europa League 2017/18. Nach einem dritten Platz in der Serie A 2018/19 nahm der Verein in der Saison 2019/20 erstmals an der UEFA Champions League teil, wo Bergamo das Viertelfinale erreichte. Die Heimspiele fanden wegen des Umbaus des Stadions im Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand statt. In derselben Saison stand Bergamo erstmals seit 1996 wieder im Finale des italienischen Pokalwettbewerbs, verlor dort jedoch gegen Lazio Rom mit 0:2. Aufgrund dieser Erfolge wurde Trainer Gian Piero Gasperini 2019 und 2020 zu Italiens Trainer des Jahres gewählt.
2019/20 und 2020/21 wurde Atalanta erneut jeweils Dritter der Serie A und verlor in der Saison 2020/21 erneut erst im Finale der Coppa Italia, diesmal gegen Juventus Turin. In der Hinrunde der Serie-A-Saison 2021/22 war Bergamo erneut auf Champions-League-Kurs. Aufgrund einer schwächeren Rückrunde beendete der Verein die Spielzeit auf dem achten Platz, was für Atalanta in Gasperinis Amtszeit das erstmalige Verfehlen des europäischen Wettbewerbs bedeutete.
In der Pokalsaison 2023/24 verlor Bergamo zum dritten Mal unter Gasperini das Finale des italienischen Pokalwettbewerbs, erneut gegen Juventus Turin. Dafür schaffte es Bergamo, ins Finale der UEFA Europa League 2023/24 einzuziehen und dort gegen Bayer 04 Leverkusen, das bis dahin in 51 Spielen in Serie wettbewerbsübergreifend ungeschlagen war, mit 3:0 den Europapokal zu gewinnen. Dies war damit zugleich der erste internationale Titel der Vereinsgeschichte.
Entwicklung des Vereinswappens
Spiel- und Trainingsstätten Historische Spielstätten Erste Spielstätten waren von 1914 bis 1918 Sportplätze in der Via Maglio del Lotto und von 1919 bis 1928 im Stadtviertel Clementina.
Stadion mini|Gewiss Stadium (2020)
Das unter dem heutigen Namen New Balance Arena bekannte Stadio Atleti Azzurri d’Italia wurde von 1927 bis 1928 erbaut. Im Laufe der Jahre wurde das Stadion immer wieder umgebaut und modernisiert. Im Mai 2017 erwarb Atalanta Bergamo die Anlage für 8,6 Mio. Euro von der Stadt. Im Kaufvertrag hat sich der Verein verpflichtet, das Stadion mit Rücksicht auf die historischen Gebäudeteile innerhalb von sechs Jahren komplett zu sanieren.
Ab 2019 wurde die Spielstätte modernisiert und bietet nach der 2024 abgeschlossenen Renovierung Platz für rund 25.000 Zuschauer. Da sich Atalanta für die UEFA Champions League 2019/20 qualifizieren konnte, wurden die Champions-League-Heimspiele aufgrund der Umbaumaßnahmen im 60 km entfernten Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand ausgetragen. Nach einer Begehung mit Offiziellen der UEFA durften die Heimspiele von Atalanta in der UEFA Champions League 2020/21 trotz der laufenden Umbaumaßnahmen wieder im Gewiss Stadium ausgetragen werden.
Im Sommer 2025 lief der Namensvertrag mit dem Elektrotechnikunternehmen Gewiss über sechs Jahre aus. Vor dem Saisonstart am 24. August 2025 gegen den Pisa Sporting Club wurde ein neuer Namenspartner präsentiert. Bis dahin trug es kurzzeitig den Namen Stadio di Bergamo. Am 25. September 2025 erhielt das Stadion schließlich den neuen Namen New Balance Arena. Namensgeber ist der Sportartikelhersteller New Balance mit Hauptsitz in Boston. Auch die Jugendakademie des Clubs trägt ab sofort den Sponsorennamen. New Balance ist seit der Saison 2025/26 auch der Trikotausrüster von Atalanta.
Daten und Fakten Vereinserfolge mini|Die Mannschaft von Atalanta Bergamo nach dem Gewinn der Coppa Italia 1962/63 UEFA Europa League: 2023/24 Italienischer Pokal: 1962/63 Finalteilnahmen: 1986/87, 1995/96, 2018/19, 2020/21, 2023/24 Italienische Serie-B-Meisterschaft: 1939/40, 1958/59, 1983/84, 2005/06, 2010/11
Jugendsystem Die Jugendarbeit wird in Italien wie in Europa hoch angesehen. Ein Grundstein dafür war Anfang der 1990er-Jahre die Maßnahme des damaligen Präsidenten Antonio Percassi, künftige Investitionen vermehrt auf den Nachwuchs zu legen. Er konnte Fermo Favini überzeugen, Como Calcio zu verlassen und ihm die Verantwortung für den Jugendsektor zu überlassen.
Das Atalanta-Jugendsystem hat nicht nur die Produktion von Spielern für die erste Mannschaft erhöht, sondern half, in den wichtigsten nationalen Ligen mehrere Titel zu gewinnen. Von 1991 bis 2014 haben die verschiedenen Jugendmannschaften 17 nationale Titel geholt.
Erfolge der Jugendmannschaften Italienische Primavera-Meisterschaft (4): 1992/93, 1997/98, 2018/19, 2019/20 Italienischer Primavera-Pokal (4): 1999/2000, 2000/01, 2002/03, 2025/26 Torneo di Viareggio (2): 1969, 1993 Campionato Berretti (3): 2005/06, 2009/10, 2012/13
Personal Kader der Saison 2026/27 Stand: 29.September 2026 Nr. Nat. Name Geburtsdatum Im Verein seit Vertrag bis Torhüter 22 Thomas Pompei 4. Juli 2006 2026 29 Marco Carnesecchi 1. Juli 2000 2019 2028 57 Marco Sportiello 10. Mai 1992 2025 2028 Abwehrspieler 3 Odilon Kossounou 4. Januar 2001 2024 2029 4 Isak Hien 13. Januar 1999 2024 2028 16 Raoul Bellanova 17. Mai 2000 2014 2029 23 Sead Kolašinac 20. Juni 1993 2023 2026 31 Thomas Thiesson Kristensen 17. Januar 2002 2026 2027 40 Relja Obrić 11. April 2006 2026 2028 42 Giorgio Scalvini 11. Dezember 2003 2021 2028 47 Lorenzo Bernasconi 16. November 2003 2025 2030 77 Davide Zappacosta 11. Juni 1992 2021 2028 Mittelfeldspieler 8 Mario Pašalić 9. Februar 1995 2020 2028 10 Lazar Samardžić 24. Februar 2002 2024 2029 13 Éderson 7. Juli 1999 2022 2031 19 Franck Kessié 19. Dezember 1996 2026 2029 59 Nicola Zalewski 23. Januar 2002 2025 2029 70 Gianluca Gaetano 5. Mai 2000 2026 2031 99 Eljif Elmas 24. September 1999 2026 2027 Stürmer 7 Kamaldeen Sulemana 15. Februar 2002 2025 2029 9 Gianluca Scamacca 1. Januar 1999 2023 2028 11 Jonathan Rowe 30. April 2003 2026 2027 17 Charles De Ketelaere 10. März 2001 2023 2028 18 Giacomo Raspadori 18. Februar 2000 2026 2030 90 Nikola Krstović 5. April 2000 2025 2030
Ehemalige Spieler (Auswahl)
Trainerhistorie Cheftrainer Amtszeit Name 1924–1927 1927–1928 1929–1930 1930–1932 1932–1933 1933–1935 1935–1936 1936–1938 1938–1939 1939–1941 1941–1945 1945–1946 1946–1947 1947–1948 1948–1949 1949–1950 1950–1951 und 1951–1952 1952–1953 1953–1954 und (Technischer Direktor) 1954–1956 1956–1957 1957–1958 und (Technischer Direktor) 1958–1959 1959–1962 1962–1963 1963–1964 1964–1965 1965–1966 1966–1967 1967–1968 Cheftrainer Amtszeit Name 1968–1969 1969–1970 1970–1973 1973–1974 1974–1975 1975–1976 1976–1980 1980–1981 1981–1983 1983–1987 1987–1990 1990–1991 1991–1992 1992–1993 1993–1994 und 1994–1998 1998–1999 1999–2002 2002–2003 2003–2004 2004–2005 2005–2007 2007–2009 2009–2010 2010–2014 2014–2015 2015–2016 2016–2025 2025
Präsidentenhistorie mini|hochkant|Antonio Percassi Präsidenten Name Amtszeit Piero Carminati 1913–1916 Francesco Leidi 1919–1920 Enrico Luchsinger 1920–1921 Antonio Gambirasi 1926–1928 Pietro Capoferri 1928–1930 Antonio Pesenti 1930–1932 Emilio Santi 1932–1935 Lamberto Sala 1935–1938 Nardo Bertoncini 1938–1944 Guerino Oprandi 1944–1945 Daniele Turani 1945–1964 Attilio Vicentini 1964–1969 Präsidenten Name Amtszeit Giacomo „Mino“ Baracchi 1969–1970 Achille Bortolotti 1970–1974 Enzo Sensi 1974–1975 Achille Bortolotti 1975–1980 Cesare Bortolotti 1980–1990 Achille Bortolotti 1990 Antonio Percassi 1990–1994 Ivan Ruggeri 1994–2008 Alessandro Ruggeri 2008–2010 Antonio Percassi 2010–
Vereinsrekorde In der Serie A: Meiste Punkte in einer Saison: 78 in der Saison 2019/20 Höchster Sieg: 0:7 FC Turin – Atalanta Bergamo in der Saison 2019/20 Höchste Niederlage: 9:1 AC Turin – Atalanta Bergamo in der Saison 1941/42 Rekordspieler: Stefano Angeleri mit 283 Einsätzen Rekordtorschütze: Cristiano Doni mit 83 Toren Meiste Tore in einer Saison: Filippo Inzaghi mit 24 Toren in der Saison 1996/97
Europapokalbilanz
Weiteres Fan-Freundschaften Es besteht seit 2000 ein Ultra-Fanbündnis zwischen Atalanta-Fans, Fans des deutschen Bundesligateams Eintracht Frankfurt und Fans des österreichischen Bundesligisten FC Wacker Innsbruck, das bis heute gepflegt wird. So trifft man in Frankfurt und Innsbruck oft auf Schals der Curva Nord und in Bergamo auf Anhänger aus Frankfurt und Innsbruck.
Zweite Mannschaft