Stadtsteinach () – im Dialekt Stanich () – ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Kulmbach in Bayern.
Der Hauptort ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Stadtsteinach und ein staatlich anerkannter Erholungsort. Nach dem Landesentwicklungsplan für Bayern hat die Gemeinde den Status eines Unterzentrums. Stadtsteinach war die Kreisstadt des am 1. Juli 1972 aufgelösten Landkreises Stadtsteinach.
Geographie Geographische Lage Stadtsteinach liegt im nordöstlichen Oberfranken im Naturpark Frankenwald. Durch das Gemeindegebiet fließt die Untere Steinach.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Untersteinach, Guttenberg, Grafengehaig, Presseck, Rugendorf und Kulmbach.
Gemeindegliederung Es gibt 27 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Schwand (Gemarkungsteil 1), Stadtsteinach, Stadtsteinacher Forst, Triebenreuth, Vogtendorf und Zaubach. Die Gemarkung Stadtsteinach hat eine Fläche von 13,415 km². Sie ist in 3118 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 4302 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Bergleshof, Deinhardsmühle, Hammermühle, Hochofen, Mittelhammer, Oberhammer und Ziegelhütte.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Am 8. Juli 1151 wurde der Ort als „Steinaha“ erstmals urkundlich erwähnt. Benannt wurde der Ort nach dem Fluss Steinach, später mit dem Zusatz „Ober-“ bzw. „Stadt-“ zur Unterscheidung von anderen Orten gleichen Namens.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. S. 212 f. Mit der Burg Nordeck ging der Ort von den Grafen von Henneberg in den Besitz des Hochstifts Bamberg unter Eberhard II. von Otelingen über. Stadtsteinach gehörte seit dieser Zeit für über 650 Jahre zum Hochstift Bamberg, das ab 1500 im Fränkischen Reichskreis lag, und war ab 1525 nach Zerstörung der Burg Verwaltungssitz. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde Steinach zur Stadt erhoben. Mehrfach hatte die Stadt unter Verwüstungen im Krieg zu leiden, darunter im Hussitenkrieg, in den Markgrafenkriegen und im Dreißigjährigen Krieg. Die direkte Nachbarschaft zum Markgraftum mit Sitz in Kulmbach (Plassenburg) wirkte sich vor allem nach dem Übertritt der Markgrafen zur Reformation negativ aus. Des Öfteren kam es zu Übergriffen.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Stadtsteinach aus 190 Anwesen. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Stadtsteinach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Amt Stadtsteinach. Grundherren waren das Kastenamt Stadtsteinach (Amtshaus des Vogtes, 2 Beamtenhäuser, Fronveste, 2 Höfe, 8 Halbhöfe, 1 Gütlein, 4 Häuser, Hammermühle), der Bürgermeister und Rat zu Stadtsteinach (135 Häuser, 23 halbe Häuser, 2 Viertelhöflein, 1 Viertelgütlein, 1 Sägmühle, 1 Mühle, 2 Torhäuser, Armenhaus, Ziegelhütte, Hirtenhaus), die Pfarrei Stadtsteinach (Pfarrkirche, Pfarrhaus, Frühmesserhaus, Mesmerhaus, Schulhaus, 8 Häuser).
Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1802 gehört der Ort zu Bayern. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1808 der Steuerdistrikt Stadtsteinach gebildet, zu dem Bergleshof, Deinhardsmühle, Hammermühle, Hochofen, Mittelhammer, Oberhammer und Ziegelhütte gehörten. 1811 entstand die Ruralgemeinde Stadtsteinach, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Stadtsteinach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Stadtsteinach (1919 in Finanzamt Stadtsteinach umbenannt). Ab 1862 gehörte Stadtsteinach zum Bezirksamt Stadtsteinach (1939 in Landkreis Stadtsteinach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Stadtsteinach (1879 in Amtsgericht Stadtsteinach umgewandelt). Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Fläche von 13,417 km².
20. Jahrhundert Im Jahr 1913 wurde die Stadt an den Bahnverkehr angeschlossen. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt unzerstört und wurde 1945 friedlich der einrückenden US-Armee übergeben. Zu Beginn der Bundesrepublik war sie für einige Jahrzehnte Garnisonsstadt, erst mit dem Bundesgrenzschutz, später mit der Bundeswehr. Am 1. Juli 1972 wurde anlässlich der Kreisgebietsreform der Landkreis Stadtsteinach aufgelöst.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. April 1971 Gemeinden Triebenreuth, Vogtendorf und Zaubach (ohne Poppenholz) eingegliedert. Am 1. Januar 1974 kam der größte Teil der aufgelösten Gemeinde Schwand hinzu (ohne Braunersreuth, Kunreuth und Schöndorf).
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 3420 auf 3138 um 282 bzw. um 8,3 %. Am 31. Dezember 1990 hatte Stadtsteinach 3559 Einwohner.
Gemeinde Stadtsteinach Jahr 1819 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2007 2010 2015 2018Einwohner 1201 1357 1375 1379 1466 1493 1492 1568 1579 1555 1498 1508 1502 1483 1513 1585 1853 1831 2524 2708 2958 2892 3481 3409 3309 3229 3138HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2018 wurden diese als Wohngebäude bezeichnet. 237 245 249 240 261 340 440 888 993 1003Quelle Für die Gemeinde Stadtsteinach zuzüglich der Einwohner von Bergleshof (S. 8)
Ort Stadtsteinach Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 1306 1422 1490 1423 1518 2560 2816 2783 2561Häuser 186 235 229 250 320 418 643Quelle
Religionen Die Bevölkerung von Stadtsteinach ist mehrheitlich römisch-katholisch. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts bis Anfang der 1970er Jahre war Stadtsteinach Sitz eines katholischen Archidiakonats, das dann nach Kulmbach verlegt wurde. Untersteinach ist eine Filialkirche der Pfarrei St. Michael. Stadtsteinach ist auch Sitz einer evangelisch-lutherischen Pfarrei.
Politik Stadtrat Der Stadtrat hat 16 Mitglieder. Zusätzlich gehört ihm der Erste Bürgermeister an. Die Kommunalwahl am 15. März 2020 führte zu folgendem Ergebnis:Wahl des Stadtrats Stadtsteinach 2020, Amtliches Endergebnis mini|hochkant=1.2|Luftbild von Stadtsteinach (2006)
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CSU 40,6 % 7 Freie Wähler Stadtsteinach 24,5 % 4 SPD/Offene Liste 27,9 % 4 BLS (Bunte Liste Stadtsteinach) 7,1 % 1
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2008 Roland Wolfrum (SPD), 2014 und 2020 wurde dieser wiedergewählt. Seine Vorgängerin war Anneliese von Ramin (CSU). Zweiter Bürgermeister ist seit 2020 Jonas Gleich (CSU).
Wappen
Städtepartnerschaften Eine Partnerschaft besteht mit der Gemeinde Leutenberg in Thüringen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Das Heimatmuseum gibt Auskunft über die bewegte Vergangenheit des Ortes. Es enthält auch eine urzeitliche Abteilung. Seit 1951 informiert ein Schaukasten über das Schicksal des katholischen Pazifisten Alfred Andreas Heiß aus dem Ortsteil Triebenreuth, der 1940 wegen Kriegsdienstverweigerung in Brandenburg-Görden ermordet wurde. In der Pfarrkirche erinnert auch eine Gedenktafel an ihn.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 193f.
Baudenkmäler
Der historische Stadtkern mit dem Gebäudeensemble um den Marktplatz steht unter Denkmalschutz.
mini|Kirche vom Freibad aus (2008) Das Stadtbild dominiert die katholische Pfarrkirche St. Michael aus dem Jahr 1905. Sie ist der Nachfolgebau der 1903 abgebrannten Pfarrkirche und wurde im Stil des Neorokoko errichtet. In direkter Nähe befindet sich das älteste sakrale Gebäude der Stadt, die Marienkapelle. Sie lag vor der Stadtmauer und besitzt eine romanische Apsis.
Die sogenannte Fronveste in der Hauptstraße ist ein Barockbau aus der Zeit der fürstbischöflichen Herrschaft. Dort war ab 1525 der Verwaltungssitz des Amtes Stadtsteinach, später das Landratsamt. Heute befindet sich dort die Polizeiinspektion. Die Bedeutung der mittelalterlichen Wappensteine im Toreingang ist unklar. Über dem Toreingang wurde später das bayerische Wappen angebracht.
Die Stadtmauer ist noch in Teilen erhalten, vor allem in der Knollenstraße und am Kirchplatz. Erkennbar ist der teilweise doppelte Mauerring. Die drei Stadttore wurden im 19. Jahrhundert abgebrochen.
Im Stadtgebiet befinden sich mehrere Mühlen (u. a. Hammermühle, Deinhardsmühle); am Beginn der Steinachtals (Hochofen) steht die restaurierte Schneidmühle mit funktionstüchtigem Sägewerk, in der bis heute gearbeitet wird.
Bodendenkmäler
Die Burgruine Nordeck im vorderen Steinachtal wurde 1151 erstmals urkundlich erwähnt und 1525 im deutschen Bauernkrieg zerstört. Sie ist frei zugänglich.
Der Ringwall Grünbürg auf dem gleichnamigen Berg war eine vermutlich karolingische Fluchtburg mit dreifachem Ringwall.
Naturdenkmäler mini|Steinachklamm im Winter (2009) Die Steinachklamm im hinteren Steinachtal (etwa acht Kilometer) markiert den Durchbruch der Unteren Steinach. Sie gehört bereits zum Gemeindegebiet von Presseck.
Baumdenkmal Das Baumdenkmal für die Deutsche Einheit nahe der Steinachtalhalle wurde am 15. Juli 2022 gepflanzt.(red.): Einheitsdenkmal im Park der Stadthalle in: Stadtsteinacher Anzeiger September 2022, Seite 5, abgerufen am 17. Januar 2024
Regelmäßige Veranstaltungen Der Fränkische Stammtisch „Wer mooch ko kumma“ findet jeden 1. Freitag im Monat statt. Bauernmarkt: jeden 1. und 3. Samstag im Monat in der Marktscheune / Knollenstraße. Am letzten Wochenende im Januar und am ersten Wochenende im Februar finden jährlich die vier Veranstaltungen des Schlappenfaschings-Teams der Zäunger Faschingsschlappen 1995 in Zaubach statt. Jeweils am Faschingssonntag findet das Stadtsteinacher Narrentreiben mit dem Schlachtruf „Stanich Helau“ in der Faschingshochburg Stadtsteinach statt. Stadtfest: alle zwei Jahre am Marktplatz im Frühsommer, viele Vereine der Stadt sind eingebunden (seit 2017) Ein Dîner en blanc findet jährlich im Juli am Marktplatz statt. Schützenfest: im September. Kirchweih: am zweiten Sonntag im Oktober. Die Landjugend Zaubach veranstaltet immer am dritten Oktobersamstag ihren traditionellen Kirchweihtanz. Am 3. Adventssamstag findet der Weihnachtsmarkt Stadtsteinacher Weihnachtszauber auf dem Festplatz in der Knollenstraße statt (seit 2017).
Infrastruktur Verkehr mini|Bahnhofsgebäude Mitten durch die Stadt führte bis 2021 die Bundesstraße 303 nach Untersteinach (4 km südöstlich) bzw. nach Rugendorf (5 km nordwestlich); am 12. November 2021 wurde die enge, kurven- und steigungsreiche Ortsdurchfahrt durch eine östliche Umgehungsstraße ersetzt.Freie Fahrt rund um Stadtsteinach in: Nordbayerischer Kurier vom 13./14. November 2021, S. 17. Von der B 303 zweigt bei Unterzaubach die Staatsstraße 2195 ab, die nach Presseck verläuft (7,5 km nordöstlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Baumgarten (3,1 km südwestlich), nach Triebenreuth (4,2 km nordöstlich) und nach Gumpersdorf (2,4 km südwestlich). Anliegerwege verbinden mit Frankenreuth (2,2 km nördlich) und mit Mittelhammer (1,3 km nördlich).
Die 1913 zur Abfuhr von Schotter für den Eisenbahnbau eröffnete Bahnstrecke Untersteinach–Stadtsteinach dient ausschließlich dem Güterverkehr. Nur zwischen 1943 und 1956 verkehrten von und nach Stadtsteinach auch Personenzüge. Der nächstgelegene Bahnhof ist Untersteinach in vier Kilometer Entfernung an der Bahnstrecke Bamberg–Hof.
Stadtsteinach besitzt einen Flugplatz, den es mit Kulmbach teilt. Durch Stadtsteinach verläuft der Fränkische Marienweg.
Öffentliche Einrichtungen Campingplatz Forstamt Freiwillige Feuerwehr Stadtsteinach Hauptamtliche Rettungswache des BRK Kulmbach Krankenhaus (Fachklinik) Leihbücherei Polizeiinspektion solarbeheiztes Freibad Stadthalle mit Bundeskegelbahnen Tennisplätze und -halle
Bildung Die Friedrich-Baur-Schule besteht aus Grund- und Hauptschule (Mittelschule). Sie beherbergt auch die Volkshochschule und die öffentliche Leihbücherei. Das Bayerische Rote Kreuz unterhält eine Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe.
Persönlichkeiten Ehrenbürger