mini|hochkant=1.15|Hermann Winkelmann als Parsifal, 1882 Die Bayreuther Premierenbesetzungen des Parsifal listen die Mitwirkenden an den Neuinszenierungen von Richard Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal auf, einschließlich der Uraufführung, die am 26. Juli 1882 bei den Bayreuther Festspielen stattfand.
Zur Aufführungsgeschichte In der letzten Aufführung der Uraufführungsserie im Jahr 1882 übernahm Richard Wagner im III. Akt persönlich die Stabführung von Hermann Levi, unbemerkt vom Publikum, da der überbaute Orchestergraben des Festspielhauses den Dirigenten und das Orchester für das Publikum unsichtbar machte. Es war das einzige Mal, dass der Komponist in seinem Haus selbst dirigierte.»Wie wunderbar! – der König verlangt sehnlichst vom Parsifal zu hören«. Die Entstehungsgeschichte von Richard Wagners »Parsifal«. In: Thalia: Festspiel-Magazin Bayreuth 2016 Aktuelle Informationen zu den 105. Richard-Wagner-Festspielen. Hg. von Thalia.de, S. 9 bis 11, Beschreibung der Dirigatsübernahme auf S. 11.
Parsifal wurde eigens für das Bayreuther Festspielhaus komponiert und sollte, wie Wagner 1880 in einem Brief an König Ludwig II. von Bayern festlegte, ausschließlich dort aufgeführt werden. Die Uraufführungsinszenierung war in Bayreuth quasi sakrosankt und stand in einem Zeitrahmen von 51 Jahren nahezu unverändert auf dem Spielplan der Festspiele. Dirigent blieb bis 1894 Hermann Levi, nur 1888 (und danach 1897) dirigierte Felix Mottl. Später übernahmen auch Franz Fischer und Karl Muck die musikalische Leitung der Parsifal-Festspielaufführungen.Wagneropera.net: , abgerufen am 17. Juli 2016.
Die Schutzfrist von 30 Jahren nach dem Tod des Komponisten endete am 31. Dezember 1913. Jedoch bereits 1901 wandte sich die Witwe des Komponisten und Leiterin der Festspiele, Cosima Wagner, an den Deutschen Reichstag mit dem Ersuchen, das alleinige Aufführungsrecht für Bayreuth zu sichern. Die Bitte wurde abgelehnt.Bélart: Friedrich Nietzsches Freundschaftstragödie mit Richard Wagner und Cosima Wagner-Liszt, Hamburg 2013, ISBN 978-3-86347-477-5, S. 111 Bereits vor Ende der Schutzfrist kam es zu nicht autorisierten Aufführungen, beispielsweise an der New Yorker Metropolitan Opera, dort am 24. Dezember 1903Metropolitan Opera (New York): The United States Premiere of Richard Wagner's Parsifal, December 24, 1903, siehe: United States Premiere,New Production Parsifal (1), mit einer Ankündigung der US-Erstaufführung unter Angabe der kompletten Besetzung, abgerufen am 17. Juli 2016., Cosima 66. Geburtstag, und in Amsterdam.Christian Wildhagen: Geschichte des „Parsifal“: Der Gralsraub von Bayreuth Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Januar 2014, abgerufen am 17. Juli 2016.
Nach Ende der Schutzfrist kam es noch innerhalb des Monats Januar 1914 zu vierzig Inszenierungen des Werkes. Die erste dieser legalen Produktionen begann in der Silvesternacht 1913 um 11:30 Uhr im Teatro Liceu von Barcelona.Wagneropera.net: , abgerufen am 17. Juli 2016. Bis heute ist Parsifal das am häufigsten aufgeführte Werk der Bayreuther Festspiele.
1934 Erst 1934 wurde – im Auftrag Adolf Hitlers – eine Neuinszenierung mit Bühnenbildern von Alfred Roller, Hitlers Lieblingsbühnenbildner, gezeigt.Oskar Pausch: Der Besuch Alfred Rollers bei Adolf Hitler 1934. Ein verschollenes Dokument. Abgerufen via [5153_OEZG_2_2012_S237-244_Pausch.pdf] am 18. Juli 2016. Nach der politisch bedingten Absage Arturo Toscaninis, der die Neuproduktion hätte dirigieren sollte, sprang Richard Strauss ein.
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs durch den deutschen Überfall auf Polen durfte das Werk – mutmaßlich wegen seiner Versöhnungsbotschaft – auf Geheiß Hitlers in Bayreuth nicht mehr gespielt werden. Wie durch ein Wunder wurde das Bayreuther Festspielhaus im Bombenkrieg der Alliierten nicht zerstört, doch zwei Drittel der Stadt lagen in Schutt und Asche. Auch die Villa Wahnfried wurde am 5. April 1945 zur Hälfte zerstört, der Saal samt Rotunde und darüberliegender Etage sowie der südöstliche Teil des Hauses wurden weggesprengt.
1951 Als die Bayreuther Festspiele 1951 wieder neu institutionalisiert werden konnten, präsentierte der neue Künstlerische Leiter der Festspiele, Wieland Wagner, eine radikale Neufassung des Parsifals, als erste Inszenierung des „Neuen Bayreuth“. Er verzichtete auf einen detaillierten Naturalismus und stellte durch Abstraktion und suggestive Lichtregie die Musik in den Vordergrund. Das Bühnengeschehen wurde expressiv verdichtet und nur durch äußerst zurückgenommene stilisierte und bedeutungsstarke Gesten und Bewegungen unterstrichen. Sein Bayreuther Inszenierungsstil wurde zum vielfach kopierten Modell für zahlreiche Wagner-Inszenierungen bis in die 1970er-Jahre.Wagner Operas: Parsifal, abgerufen am 28. September 2016.Der Spiegel (Hamburg): Nachruf: Wieland Wagner, 5.1.1917-17.10.1966, 24. Oktober 1966, N. 44/1966, abgerufen am 28. September 2016. Die Neuinszenierung wurde von Hans Knappertsbusch dirigiert und ist auch als Schallplatte erschienen.Amazon: Richard Wagner: Parsifal (Gesamtaufnahme) (Live, Bayreuth 1951) Box-Set, abgerufen am 28. September 2016. Wieland Wagners Inszenierung blieb mehr als zwanzig Jahre auf dem Bayreuther Spielplan und erreichte 101 Aufführungen. Die Premiere war mit den weltweit besten Wagner-Sängern besetzt, darunter Wolfgang Windgassen in der Titelpartie, Martha Mödl als Kundry und George London als Amfortas.
Premierenbesetzungen In der sechsten Spalte ist die Zahl der Aufführungen der jeweiligen Inszenierung angegeben bis einschließlich der Festspiele 2026. AmfortasTiturelGurnemanzParsifalKundryKlingsorStimme aus der HöheZwei GralsritterVier KnappenKlingsors ZaubermädchenBayreuther Festspiele: Abgerufen am 18. Juli 2016. 26. Juli 1882 Uraufführung, Inszenierung: Richard Wagner, Dirigent: Hermann Levi, Bühnenbild: Max Brückner, Paul von Joukowsky, Siegfried Wagner, Kurt SöhnleinDiese Inszenierung war bis 1933 bei den Bayreuther Festspielen zu sehen. Theodor ReichmannAugust KindermannEmil Scaria Hermann Winkelmann Amalie MaternaKarl HillSophie Dompierre Anton von Fuchs, Eugen StumpfHermine Galfy, Mathilde Keil,Max Mikorey, Adolf von Hübbenet Pauline Horson, Johanna Meta,Carrie Pringle, Johanna André,Hermine Galfy, Luise Belce 205 1934–1936 Inszenierung: Heinz Tietjen, Dirigent: Richard Strauss, Bühnenbild: Alfred Roller, Emil PreetoriusFür das Jahr 1934 liegt bislang nur eine Besetzungszettel der Aufführung vom 23. August vor. Dies war eine Reprise, nicht die Premiere und wurde von Franz von Hoeßlin dirigiert. Es kann auch zu Umbesetzungen bei den Sängern seit der Premiere gekommen sein.Der Besetzungszettel listet Ruth Berglund, hier gewählt wurde jedoch die Schreibweise Rut Berglund, weil diese auch auf dem Besetzungszettel 1937 und in späteren Plattenaufnahmen gewählt wurde, siehe . Im Fall der Sopranistin Käthe Heidersbach wurde die Schreibweise von 1934 gewählt, weil diese auch in der Nach-NS-Zeit die geläufige war. Herbert JanssenFranz SauerIvar Andresen Helge Rosvaenge Marta FuchsRobert BurgRut Berglund Fritz Marcks, Hans WranaIrmingard Scheidemantel, Edith Neudahm,Gerhard Witting, Edwin Heyer Käthe Heidersbach, Irene Hoebink,Hildegard Weigel, Franziska von Dobay,Irmingard Scheidemantel, Margery Booth 11 1937–1939 Inszenierung: Heinz Tietjen, Dirigent: Wilhelm Furtwängler, Bühnenbild und Trachten: Wieland Wagner Herbert JanssenMichael von RoggenJosef von Manowarda Max Lorenz Marta FuchsRobert BurgRut Berglund Ferdinand Bürgmann, Carl SchlottmannHilde Scheppan, Beate Asserson,Erich Zimmermann, Edwin Heyer Käthe Heidersbach, Elfriede Marherr,Beate Asserson, Anny von Stosch,Hilde Scheppan, Rut Berglund 15 1951–1973 Inszenierung: Wieland Wagner, Dirigent: Hans Knappertsbusch, Ausstattung: Wieland Wagner, Charlotte Vocke George LondonArnold van MillLudwig Weber Wolfgang Windgassen Martha MödlHermann UhdeRuth Siewert Walter Fritz, Werner FaulhaberHanna Ludwig, Elfriede Wild,Günter Baldauf, Gerhard Stolze Lore Wissmann, Erika Zimmermann,Hanna Ludwig, Paula Brivkalne,Maria Lacorn, Elfriede Wild 101 1975–1981 Inszenierung: Wolfgang Wagner, Dirigent: Horst Stein, Ausstattung: Wolfgang Wagner, Reinhard Heinrich Bernd WeiklKarl RidderbuschHans Sotin René Kollo Eva RandováFranz MazuraOrtrun Wenkel Heribert Steinbach, Nikolaus HillebrandTrudeliese Schmidt, Hanna Schwarz,Martin Finke, Martin Egel Hannelore Bode, Trudeliese Schmidt,Hanna Schwarz, Yoko Kawahara,Irja Auroora, Alicia Nafé 39 1982–1988 Inszenierung: Götz Friedrich, Dirigent: James Levine, Ausstattung: Andreas Reinhardt Simon EstesMatti SalminenHans Sotin Peter Hofmann Leonie RysanekFranz MazuraHanna Schwarz Toni Krämer, Matthias HölleRuthild Engert-Ely, Sabine Fues,Helmut Pampuch, Peter Maus Monika Schmitt, Anita Soldh,Hanna Schwarz, Francine Laurent-Gérimont,Deborah Sasson, Margit Neubauer 33 1989–2001 Inszenierung: Wolfgang Wagner, Dirigent: James Levine, Ausstattung: Wolfgang Wagner, Reinhard Heinrich Bernd WeiklMatthias HölleHans Sotin William Pell Waltraud MeierFranz MazuraHitomi Katagiri Richard Brunner, Sándor Sólyom-NagyCarmen Anhorn, Annette Küttenbaum,Helmut Pampuch, Peter Maus Christiane Hossfeld, Carmen Anhorn,Alexandra Bergmeister, Hilde Leidland,Deborah Sasson, Jane Turner 65 2004–2007 Inszenierung: Christoph Schlingensief, Dirigent: Pierre Boulez, Ausstattung: Thomas George, Daniel Angermahr, Tabea Braun, Licht: Voxi Bärenklau Alejandro Marco-BuhrmesterKwangchul YounRobert Holl Endrik Wottrich Michelle de YoungJohn WegnerSimone Schröder Tomislav Mužek, Samuel YounJulia Borchert, Atala Schöck,Norbert Ernst, Miljenko Turk Julia Borchert, Martina Rüping,Carola Guber, Anna Korondi,Jutta Maria Böhnert, Atala Schöck 21 2008–2012 Inszenierung: Stefan Herheim, Dirigent: Daniele Gatti, Ausstattung: Heike Scheele, Gesine Völlm, Video: Momme Hinrichs, Torge Møller Detlef RothDiógenes RandesKwangchul Youn Christopher Ventris Mihoko FujimuraThomas JesatkoSimone Schröder Arnold Bezuyen, Friedemann RöhligJulia Borchert, Ulrike Helzel,Clemens Bieber, Timothy Oliver Julia Borchert, Martina Rüping,Carola Guber, Anna Korondi,Jutta Maria Böhnert, Ulrike Helzel 29 2016–2019 Inszenierung: Uwe Eric Laufenberg, Dirigent: Hartmut Haenchen, Ausstattung: Gisbert Jäkel, Jessica Karge, Licht: Reinhard Traub Ryan McKinnyKarl-Heinz LehnerGeorg Zeppenfeld Klaus Florian Vogt Elena PankratovaGerd GrochowskiWiebke Lehmkuhl Tansel Akzeybek, Timo RiihonenAlexandra Steiner, Mareike Morr,Charles Kim, Stefan Heibach Anna Siminska, Katharina Persicke,Mareike Morr, Alexandra Steiner,Bele Kumberger, Ingeborg Gillebo 242023-2026 Inszenierung: Jay Scheib, Dirigent: Pablo Heras-Casado, Ausstattung: Mimi Lien, Meentje Nielsen, Video: Joshua Higgason, Licht: Rainer CasperDerek Welton Tobias Kehrer Georg ZeppenfeldAndreas SchagerElīna Garanča Jordan Shanahan Marie Henriette ReinholdSiyabonga Maqungo, Jens-Erik Aasbø Betsy Horne, Margaret Plummer, Jorge Rodríguez-Norton, Garrie DavislimEvelin Novak, Camille Schnoor, Margaret Plummer, Julia Grüter, Betsy Horne, Marie Henriette Reinhold22
Quellen Inszenierungsübersicht der Bayreuther Festspiele (vollständig ab 1951), abgerufen am 20. August 2019. Wagner-Portal, Besetzung der Uraufführung, abgerufen am 15. Juli 2016. Tamino Autographs, Besetzungszettel der Aufführung vom 23. August 1934, abgerufen am 18. Juli 2016. Tamino Autographs, Besetzungszettel der Aufführung vom 23. Juli 1937, abgerufen am 18. Juli 2016.
Einzelnachweise
Kategorie:Bayreuther Festspiele Kategorie:Besetzungsliste