mini|Winston Churchill, 1942 Die Kriegsregierung Churchill () unter Führung des konservativen Premierministers Winston Churchill regierte das Vereinigte Königreich in der Zeit des Zweiten Weltkrieges vom 10. Mai 1940 bis zum 23. Mai 1945.
Sie wurde nach dem Rücktritt des vorherigen Premierministers Neville Chamberlain infolge der Norwegendebatte gebildet und umfasste alle im Parlament vertretenen Fraktionen. Die Regierung wurde infolge der Beendigung der Koalition durch die zweitgrößte Partei, die Labour Party, mit dem Rücktritt Churchills aufgelöst. Churchill bildete umgehend eine neue Übergangsregierung, die das Land bis zur Bekanntgabe des Endergebnisses der von Churchill angesetzten Unterhauswahlen 1945 am 26. Juli regierte, in denen Labour den Sieg davontrug.
Vorgeschichte und Regierungsbildung Der ab 1937 unter Neville Chamberlain regierenden vierten Nationalen Regierung war am Tage des Eintritts des Vereinigten Königreichs in den Zweiten Weltkrieg die überwiegend konservative Kriegsregierung Chamberlain gefolgt, in der Churchill erstmals ab 1929 wieder ein Amt (das des Marineministers) übernommen hatte. Im Mai 1940 kam es infolge der Entscheidung der Regierung Chamberlain zum Abzug der Truppen aus Norwegen, das zuvor im Unternehmen Weserübung vom Deutschen Reich angegriffen worden war und Unterstützung von den Alliierten erhalten hatte, zur Norwegendebatte im britischen Unterhaus, in der die Regierung und insbesondere Chamberlain eine klare Schlappe erlitt. Es wurde deutlich, dass für Chamberlain kaum Chancen bestanden, das Land erfolgreich durch die Prüfung eines großen Krieges zu führen. Von den Nachfolgekandidaten, hauptsächlich Churchill und Außenminister Lord Halifax, hatte Churchill von Anfang an die besseren Aussichten, die bisherigen Oppositionsparteien (Labour und die Liberal Party) in eine Regierung einzubinden. Dagegen bestanden von den innerhalb der Konservativen Partei noch immer dominierenden Chamberlain-Anhängern – der „ehrbaren Strömung“ – Vorbehalte gegen Churchill und dessen nächste Unterstützer, die als „Glamour Boys“ verschrien waren. Halifax ließ in Anbetracht der Diskreditierung der bis 1939 vorherrschenden Appeasement-Politiker, zu denen er selbst gehört hatte, Churchill den Vortritt bei der Regierungsbildung.
Die Regierungsbildung fiel auf den Tag des deutschen Überfalls auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg, dem Beginn des Westfeldzugs. Chamberlains Versuche, seine Regierung durch Einbeziehung von Labour zu verbreitern, scheiterten an diesem Morgen endgültig an der Weigerung Clement Attlees, deren Parteiführer. Chamberlain fuhr, obwohl er Bedenken hatte, zu einem solchen Zeitpunkt die Regierung umzubilden, in den Buckingham Palace, um den König zu bitten, ihn zu entlassen und um Churchill als seinen Nachfolger vorzuschlagen. Um 21 Uhr strahlte die BBC Chamberlains Rücktrittsrede aus, um 3 Uhr des Folgetages ging Churchill zu Bett, nachdem er sein inneres Kriegskabinett und die wichtigsten Minister der neuen Regierung benannt hatte.
Obwohl eigentlich nicht notwendig, da der König die Regierung ernennt, sprach das Unterhaus der neuen Regierung am 13. Mai 1940 einstimmig das Vertrauen aus. Im Januar 1942 bat Churchill erneut um das Vertrauen des Hauses, welches dieses auch mit nur einer Gegenstimme aussprach.
Kriegskabinett Wie sein Vorgänger bildete Churchill ein verkleinertes Kriegskabinett, das die wichtigsten Entscheidungen traf. Diesem gehörten neben Churchill, der neben dem Amt des Premierministers das des Verteidigungsministers übernahm, ursprünglich folgende Minister an: Neville Chamberlain (Lord President of the Council) Clement Attlee (Lordsiegelbewahrer) Edward Wood, 1. Viscount Halifax (Außenminister) Arthur Greenwood (Minister ohne Geschäftsbereich)
Die Zusammensetzung des Kriegskabinetts unterlag in den folgenden fünf Jahren größeren Änderungen, die deshalb hier zusammengefasst werden:
NameParteiRegierungsämterZeit im KriegskabinettWinston Churchill ConservativePremierminister First Lord of the Treasury Minister of DefenceMai 1940 bis Mai 1945Clement Attlee LabourLordsiegelbewahrerDeputy Prime MinisterLord President of the CouncilMai 1940 bis Februar 1942Februar 1942 bis Mai 1945September 1943 bis Mai 1945Neville Chamberlain ConservativeLord President of the CouncilMai bis Oktober 1940aufgrund einer Erkrankung zurückgetreten, am 9. November 1940 verstorbenLord Halifax ConservativeAußenministerMai bis Dezember 1940wurde Botschafter in den USAArthur Greenwood LabourMinister ohne GeschäftsbereichMai 1940 bis Februar 1942wurde Oppositionsführer im UnterhausLord Beaverbrook ConservativeMinister für FlugzeugproduktionStaatsministerVersorgungsministerMinister für KriegsproduktionAugust 1940 bis Mai 1941Mai bis Juni 1941Juni 1941 bis Februar 1942Februar 1942schied aus dem Kriegskabinett ausSir John Anderson NationalLord President of the CouncilSchatzkanzlerOktober 1940 bis September 1943September 1943 bis Mai 1945Ernest Bevin LabourMinister für Arbeit und KriegsdienstOktober 1940 bis Mai 1945Anthony Eden ConservativeAußenministerDezember 1940 bis Mai 1945Oliver Lyttelton ConservativeMinister-Resident für den Nahen OstenMinister für KriegsproduktionFebruar bis März 1942März 1942 bis Mai 1945Stafford Cripps LabourLordsiegelbewahrerFebruar bis Oktober 1942Richard Casey NationalMinister-Resident für den Nahen OstenMärz 1942 bis Januar 1944wurde Gouverneur von BengalenHerbert Morrison LabourInnenministerOktober 1942 bis Mai 1945Lord Woolton ConservativeMinister für WiederaufbauNovember 1943 bis Mai 1945Lord Moyne ConservativeMinister-Resident für den Nahen OstenJanuar bis November 1944wurde bei einem Attentat in Kairo getötet
Liste der Amtsträger Liste der Kabinettsminister und sonstige hochrangige Mitglieder Zugehörigkeit Konservative Labour Nationalliberale Liberale National Labour National Unabhängige