Costanza e fortezza (deutsch: Beständigkeit und Stärke) ist eine Festa teatrale in drei Akten von Johann Joseph Fux (Musik) mit einem Libretto von Pietro Pariati. Die Musik der Ballette und der abschließenden Licenza stammt von Nicola Matteis. Das Werk wurde am 28. August 1723 anlässlich der Krönung Kaiser Karls VI. zum König von Böhmen in einem eigens errichteten Freilufttheater im Hof der Prager Burg, dem sogenannten Hradschin, uraufgeführt.
Handlung
Die Oper spielt bei Rom am 9. Juni 508 v. Chr.Das genaue Datum ist nicht explizit angegeben. In der Literatur findet sich meist die Angabe „um 500 v. Chr.“ Die Belagerung fand jedoch den Legenden zufolge im Jahr 508 v. Chr. statt. Laut Libretto (erster Akt, Szene 2) spielt die Handlung am Tag der Vesta, d. h. am 9. Juni (vgl. Inhaltsangabe in Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters). Der historische Hintergrund findet sich im zweiten Buch von Titus Livius’ Ab urbe condita: Der römische König Lucius Tarquinius Superbus war aufgrund seines tyrannischen Regimes gestürzt und aus Rom verbannt worden. Um ihre Macht wiederzuerhalten, schlossen die Tarquinier ein Bündnis mit dem etruskischen König Porsenna. Die Kampfhandlungen führten schließlich zur Belagerung Roms durch die Etrusker. In der eigentlichen Handlung geht es um die Friedensverhandlungen zwischen Rom und den Etruskern, die durch Liebeswirren verkompliziert werden, sowie um die Heldentaten einiger Römer. Immer wieder werden Parallelen zwischen Rom und dem österreichischen Kaiserreich gezogen. Schon der Werktitel basiert auf dem persönlichen Motto Karls VI. („Constantia et Fortitudine“). Besondere Würdigung erfährt die Kaiserin Elisabeth, deren Geburtstag am Tag der Uraufführung gefeiert wurde, durch ihre Gleichsetzung mit der Göttin Vesta. Jeder der drei Akte wird durch ein Ballett beschlossen. Am Anfang und am Ende des Werks gibt es jeweils eine aufwändige bühnentechnische Szenenverwandlung.
Die Etrusker unter ihrem König Porsenna belagern Rom, um Tito Tarquinio, den Sohn des vertriebenen Königs Lucio Tarquinio „Superbus“, wieder auf den Thron zu setzen. Sie haben einige Gefangene gemacht, darunter Valeria und Erminio, die Kinder des römischen Konsuls Publio Valerio. Valeria liebt den Römer Muzio, wird jedoch auch von Porsenna begehrt. Tarquinio wie auch Erminio sind in die römische Edeldame Clelia verliebt, die aber mit Orazio verlobt ist.
Zu Beginn verheißt der Flussgott des Tiber Rom eine große Zukunft. Porsenna schickt Valeria und Erminio auf ihr Ehrenwort zu Friedensverhandlungen nach Rom. Seine Bedingungen sind die Übergabe des Throns an Tarquinio und dessen Hochzeit mit Clelia. Die Verhandlungen scheitern, und die beiden Geiseln kehren zurück zu den Etruskern. Tarquinio unternimmt daraufhin einen eigenmächtigen Angriff auf Rom, den Orazio abwehrt, indem er alleine die Tiber-Brücke verteidigt, während diese hinter ihm abgebrochen wird. Er schwimmt anschließend zurück zum römischen Ufer.
Im zweiten Akt versucht Muzio, Valeria aus den Händen der Etrusker zu befreien. Da diese, um ihren Vater nicht zu enttäuschen, bleiben will, unternimmt er stattdessen einen erfolglosen Mordanschlag auf Porsenna. Er wird festgenommen, beweist aber seine „Beständigkeit und Stärke“, indem er seine Hand in das Altarfeuer hält. Beeindruckt lässt Porsenna ihn frei und vereinbart einen Waffenstillstand mit Publio Valerio. Nach einem Streit zwischen Clelias Verehrern Tarquinio, Erminio und Orazio fordert Orazio Tarquinio zum Duell, das Porsenna verhindern kann.
Zu Beginn des dritten Akts versucht Tarquinio, Clelia zu vergewaltigen. Diese wehrt sich erfolgreich und entreißt ihm sein Schwert. Erminio hindert sie daran, ihren Gegner zu töten. Clelia befreit daraufhin die römischen Geiseln und schwimmt mit ihnen über den Tiber nach Rom. Tarquinio gibt Orazio die Schuld daran und lässt ihn festnehmen. Empört zieht Orazio sein Schwert, lässt sich aber von Muzio damit besänftigen, dass Publio Valerio über sein Schicksal entscheiden solle. Dieser erscheint zu weiteren Verhandlungen und führt die entflohene Clelia zurück ins etruskische Lager. Clelia erklärt ihre Flucht mit dem Vergewaltigungsversuch Tarquinios, den sie mit dessen Schwert beweisen kann. Porsenna lässt Tarquinio fallen und willigt in den Frieden mit Rom ein.
Erster Akt
Weites Feld mit dem Tiber und der Subliciusbrücke in der Nähe von Rom
Auf einer Seite der prächtig geschmückte Vesta-Tempel, in der Ferne verschiedene Ansichten Roms. Auf der anderen der an vielen Stellen verfallene Landpalast Tarquinios. Wald und der von der etruskischen Armee besetzte Gianicolo.
Szene 1. Die Etrusker Porsenna, Tarquinio und die Soldaten besingen den erwarteten Fall Roms, während Valeria, Erminio und die anderen römischen Gefangenen die Unbesiegbarkeit der Stadt beschwören (Chor: „Ceda Roma; o spenta cada“).
mini|links|Rechts: Eine große Wassermasse erhebt sich aus dem Tiber und verwandelt sich in das Reich des Flussgottes. Links: Schlussbild des dritten Akts: Eine prächtige Grotte verwandelt sich in den großen Triumphbogen
Szene 2. Plötzlich steigt aus dem Fluss eine gewaltige Wassermasse. Flussnymphen erscheinen und verheißen Rom Sicherheit, da heute der Geburtstag Vestas, der Schutzgöttin Roms, sei (Chor: „Roma, non paventar“).
Szene 3. Die Wassersäule sinkt zurück, und das Reich des Tiber wird sichtbar. Dessen Personifikation erscheint mit weiteren Flussgöttern, und auch sie versichern, dass Rom nicht untergehen werde (Chor: „Spera, o Roma“). Der Tiber fordert in seiner Arie die Zuschauer auf, der Kaiserin ebenso zu huldigen wie Rom der Vesta (Tevere: „L’Ire deponi: e Vesta adora“). Die Erscheinungen ziehen sich zurück.
Szene 4. Porsenna bietet Valeria und Erminio an, sie auf ihr Ehrenwort nach Rom zurückkehren zu lassen. Sie sollen dort ihren Vater und den Senat überreden, Tarquinio als König anzuerkennen. Da Erminio diesen Vorschlag für unehrenhaft hält, erklärt Tarquinio, dass er die Römerin Clelia heiraten und mit ihr gemeinsam herrschen wolle. Valeria weist darauf hin, dass Clelia sowohl ihrem Vaterland als auch ihrem Verlobten Orazio treu sei. Erminio, der Clelia heimlich ebenfalls liebt, nimmt dies betroffen zur Kenntnis. Porsenna fordert Tarquinio auf, seine Truppen aufmarschieren zu lassen. Tarquinio vergleicht ihre Stärke mit der des (etruskischen) Löwen, dem alles weichen müsse (Tarquinio: „Al magnanimo Leone“). Anschließend entfernt er sich, gefolgt von einem Teil der Soldaten, aus dem Lager. Die übrigen Soldaten nähern sich, um Valeria und Erminio zu bewachen.
Szene 5. Allein mit seinen beiden Gefangenen zurückgeblieben, erklärt Porsenna Valeria seine Liebe und verspricht ihr, den etruskischen Thron mit ihr zu teilen, wenn Tarquinio den von Rom erhalte. Als Valeria und Erminio dieses Ansinnen entrüstet ablehnen, besteht Tarquinio darauf, dass ihr Vater Valerio darüber entscheiden müsse. Valeria verspricht, ihm sein Angebot vorzutragen, schwört aber, ihrem Verlobten Muzio die Treue zu halten. Porsenna lässt sich dadurch nicht abschrecken (Porsenna: „Se regna in su quest’ alma il tuo sembiante“). Valeria und Erminio werden von den Wachen zum römischen Lager geführt.
Szene 6. Dort treffen Valeria und Erminio zunächst auf Clelia, Muzio und Orazio. Das Volk begrüßt sie mit einem erneuten Lob der Vesta (Chor: „Lodi a Vesta: a Vesta onori“).
Szene 7. Während alle in den Gesang einstimmen, erscheint der Konsul Publio Valerio mit den Liktoren. Er schließt seine Kinder in die Arme. Erminio weist ihn darauf hin, dass sie noch nicht endgültig frei seien und Porsenna in diesem Augenblick die Belagerung verstärke. Er sei nur dann zu einem Frieden bereit, wenn Publio Valerio den Thron an Tarquinio übergebe und dies mit der Hand Clelias besiegle. Publio Valerio hält diese Bedingung für unerhört und wirft seinem Sohn vor, zum Feind übergelaufen zu sein. Sein Zorn verstärkt sich noch, als Valeria von Tarquinios Werbung um sie berichtet. Auch Muzio reagiert empört, denn er glaubt, sie sei ihm untreu geworden. Da aber Valeria und Erminio versichern, alle Angebote ausgeschlagen zu haben, beruhigen sie sich schnell wieder. Publio Valerio schickt Erminio zurück zu Porsenna, um diesem seine Entscheidung mitzuteilen. Erminio gehorcht – froh darüber, ehrenhaft handeln zu können (Erminio: „Lieto i’ torno a mie catene“).
Szene 8. Muzio entschuldigt sich bei Valeria für seinen Zornesausbruch. Als auch Orazio und Clelia und Publio Valerio für ihn sprechen, vergibt sie ihm. Publio Valerio fordert sie auf, ebenfalls ins etruskische Lager zurückzukehren. Valeria verabschiedet sich von ihrem Geliebten (Valeria: „Pensa, che fosti, e sei“) und entfernt sich mit den etruskischen Soldaten.
Szene 9. Publio Valerio erklärt Muzio und Orazio, dass er in erster Linie Römer, und erst nachrangig Vater sei (Publio Valerio: „Padre son; ma figlio a Roma“). Er tritt in den Tempel, gefolgt von den Edelleuten und den Liktoren.
mini|links|Vom Fluss Tiber durchflossene Landschaft beim Pons Sublicius in der Nähe von Rom. Orazio verteidigt die Brücke, gegen ihn stürmen Etrusker an. Hinter ihm brechen seine Leute die Brücke ab. Im Vordergrund Muzio und Clelia.
Szene 10. Muzio kann es nicht ertragen, Valeria in den Händen der Feinde zu wissen. Er will ihr folgen, um sie zu befreien. Clelia und Orazio halten ihn auf und überreden ihn, sich zum Wohle des Vaterlandes zu beruhigen. Zögernd gibt Muzio nach (Muzio: „Farò, che per un poco“).
Szene 11. Clelia versteht Muzios Aufregung. Als Orazio sie darauf hinweist, dass die Liebe vor ihren Pflichten Rom gegenüber zurückstehen müsse, beneidet sie Valeria um die Treue ihres Geliebten; sie glaubt, Orazio werde sich nicht so ehrenvoll verhalten, wenn sie selbst in Not gerate. Dennoch versichert sie ihm ihre Liebe. Ihr Gespräch wird von Trompetenklängen aus dem etruskischen Lager unterbrochen. Ein Angriff steht bevor. Orazio schickt einige Soldaten zum Tempel, um Muzio zu benachrichtigen.
Szene 12. Muzio kommt mit den Soldaten hinzu. Von der anderen Seite des Flusses nähern sich Tarquinio und die etruskischen Truppen. Orazio bittet Muzio, sich um Clelia zu kümmern, da er sich auf der Subliciusbrücke alleine dem Feind entgegenstellen wolle. Nach einem kurzen Gebet an den Tiber versichert er der erschrockenen Clelia, dass er nicht wirklich allein sei, denn mit ihm seien Stärke, Ehre, Ruhm und Sieg (Orazio mit Chor: „Non è solo Orazio, no“). Während er – angefeuert von den römischen Soldaten („De’ Romani la virtù osa tutto: e tutto può“) – die Stellung gegen die Etrusker verteidigt, lässt Muzio auf seinen Zuruf hin die Brücke einreißen.
Szene 13. Publio Valerio kommt mit den römischen Rittern und den Liktoren aus dem Tempel und bewundert Orazios Tapferkeit. Nachdem die Etrusker den Angriff abgebrochen haben, stürzt sich Orazio in den Fluss, um an das römische Ufer zurückzukehren. Die Etrusker schießen einige Pfeile nach ihm und ziehen sich dann zum Gianicolo zurück. Clelia, die das Geschehen beobachtet hat, glaubt, er sei umgekommen (Clelia: „Non mi resta da sperar“).
Szene 14. Muzio berichtet, dass sich der Fluss selbst angesichts der herausragenden Tat Orazios erhoben habe, um ihn unversehrt zum rettenden Ufer zu bringen. Der Akt endet mit einem Lobpreis an die Göttin Vesta („Gran Diva possente“).
Ballett der Salier
Im anschließenden Ballett der „Salier“ oder Marspriester (Chor: „Per te più irato, e nubilo“) kämpft die Allegorie der römischen Beständigkeit („Costanza Romana“) gegen den etruskischen Wert („Valore degli Etruschi“), entwaffnet diesen und zerbricht dessen Lanze.
Zweiter Akt
Lager des etruskischen Heeres bei Rom; königliches Quartier mit den prunkvollen Zelten von Porsenna und Tarquinio