mini|hochkant|Matthias Quent, 2019 Matthias Quent (* 1986 in Arnstadt) ist ein deutscher Soziologe und Rechtsextremismus-Experte. Er war seit Mai 2021 Professor für Soziologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal, sowie Gründungsdirektor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) in Jena und hat seit März 2026 eine Professur für Digitalisierung und gesellschaftliche Transformation an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena inne.
Leben und Wirken
Werdegang Quent wuchs in Thüringen auf, studierte Soziologie, Politikwissenschaft und Neuere Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und University of Leicester. 2012 wurde er für seine Magisterarbeit mit dem Nachwuchspreis des Forschungsschwerpunktes Rechtsextremismus/Neonazismus der Hochschule Düsseldorf ausgezeichnet. Website des Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus / Neonazismus an der Hochschule Düsseldorf. Abgerufen am 13. Juli 2016. Von 2011 bis 2016 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Institut für Soziologie an der Universität Jena. 2015 wurde Quent dort zum Dr. phil. promoviert.
Ebenfalls ab 2016 war er Gründungsdirektor des Institutes für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ), einer außeruniversitären Forschungseinrichtung in Trägerschaft der Amadeu Antonio Stiftung.Profil des IDZ. In: Webseite des IDZ. Abgerufen am 3. Oktober 2017. Mit der Gründung des Instituts zum 1. August 2016 setzte die Thüringer Landesregierung eine Vereinbarung aus dem 2014 geschlossenen Koalitionsvertrag zwischen Linkspartei, SPD und Grünen um.Zwist um den Kampf gegen Rechts. In: Der Tagesspiegel. 10. August 2016. Seit 2019 ist das IDZ ein Teilstandort des bundesweiten Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt.
Im Mai 2021 wurde er zum Professor für Soziologie in der Sozialen Arbeit an die Hochschule Magdeburg-Stendal berufen. Zum 1. Februar 2022 gab Quent die Leitung des IDZ an Axel Salheiser ab. Im selben Jahr gründete Quent gemeinsam mit Katrin Reimer-Gordinskaya das Institut für demokratische Kultur (IdK) an der Hochschule Magdeburg-Stendal.
Kommissionen 2012 war Quent als Sachverständiger im Untersuchungsausschuss „Rechtsterrorismus und Behördenhandeln“ des Thüringer Landtags tätig.Prof. Dr. Matthias Quent, In: Website des IDZ, abgerufen am 15. November 2019. 2016 war Quent außerdem Sachverständiger für den Deutschen Bundestag und später Sachverständiger im Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtages zum Mordfall Walter Lübcke und im Gerichtsverfahren gegen den rechtsterroristischen Attentäter Stephan Balliet.
2017 war Quent neben Florian Hartleb und Christoph Kopke einer von drei von der Stadt München eingesetzten Gutachtern zur Einschätzung des OEZ-Attentats, das zunächst als Amoktat eingeschätzt wurde. Quent bewertete die Tat als ein rassistisches Hassverbrechen, 2019 stuften auch Polizei und Landesregierung in Bayern den Anschlag als rechtsextrem ein.
2024 war Quent Teil der Sachverständigenkommission für den Vierten Engagementbericht - Zugangschancen zum freiwilligen Engagement im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Derzeit ist Quent u. a. Mitglied im Beirat des Landesprogramms für Demokratie, Vielfalt und Weltoffenheit des Landes Sachsen-Anhalt. Er ist außerdem Vertrauensdozent der Hans-Böckler-Stiftung.
Forschungsschwerpunkte Quents Forschungsschwerpunkte liegen in der Politische Soziologie und Rechtsextremismusforschung; er befasst sich insbesondere mit Rassismus (etwa dem Konzept des Klimarassismus), Radikalisierungsprozessen, Hasskriminalität, Rechtsterrorismus sowie Phänomenen von Selbstjustiz (Vigilantismus). Außerdem untersucht er, wie Demokratie im Metaversum funktionieren kann.
Im Zuge seiner Forschung legte Quent früh einen Schwerpunkt auf die Untersuchung rechtsextremer Netzwerke in Deutschland. Seine Dissertation von 2016 mit dem „Titel Rassismus, Radikalisierung, Rechtsterrorismus. Wie der NSU entstand und was er über die Gesellschaft verrät“ befasste sich mit der Aufarbeitung des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) und deren gesellschaftlichen Kontexten.
Zu seinen wichtigsten Publikationen zählt das 2019 erschienene Buch "Deutschland rechts außen", in dem er die Neue Rechte und ihre gesellschaftlichen Anschlussstellen analysiert. Mit der Monografie "Klimarassismus. Der Kampf der Rechten gegen die ökologische Wende" (2022) setzte Quent ein innovatives Thema auf die Agenda, das in der öffentlichen Debatte unter dem von ihm geprägten Schlagwort „Klimarassismus“ Aufmerksamkeit erlangte. Daran anknüpfend richtet Quent in „Keine Macht der Ohnmacht“ (2026) den Blick auf den gesellschaftliche Umgang mit multiplen Krisen und analysiert Ohnmacht als zentrales Gefühl in der Gesellschaft. Zugleich betont der Soziologe die Rolle der Zivilgesellschaft und ruft zu demokratischer Handlungsfähigkeit auf.
In jüngerer Zeit beteiligte sich Quent zudem an Projekten zur Stärkung von Demokratie in digitalen Räumen, etwa im Rahmen eines Horizon-Europe-Verbundprojekts (seit 2025), sowie an Vorhaben zur Prävention von Rechtsextremismus durch den Einsatz von Virtual-Reality-Technologien.
Neben seiner eigenen Forschung ist Quent im Wissens- und Ergebnistransfer aktiv. Er ist Mitherausgeber der Fachzeitschrift Zeitschrift für Rechtsextremismusforschung (ZRex). Darüber hinaus publiziert er regelmäßig sowohl in wissenschaftlichen Formaten wie der IDZ-Schriftenreihe "Wissen schafft Demokratie" als auch in populärwissenschaftlichen Medien wie der Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), dem Tagesspiegel oder im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen. Damit trägt er zu einer Verknüpfung akademischer Forschung mit öffentlicher Aufklärung im Sinne einer „öffentlichen Soziologie“ bei.
Rezeption und Kritik Quent ist als Experte für Rechtsextremismus, politische Gewalt und Terrorismus regelmäßig in überregionalen Medien präsent, darunter in Nachrichtensendungen wie der Tagesschau sowie in internationalen Medien wie der New York Times und in Talkshows wie Markus Lanz und bezieht Position zu aktuellen Themen. Beispielsweise zählt er zu den Wissenschaftlern, die ein Verbotsverfahren gegen die AfD befürworten. Quent begründet ein AfD Verbotsverfahren damit, dass die Partei elementaren Prinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung wie der Menschenwürde widerspreche. Quent verfasste auch Studien mit hoher Resonanz, etwa 2021 zur Korrelation von AfD-Wahlergebnissen und SARS-CoV-2-InfektionsratenHolger Dambeck und Peter Maxwill: Study Finds Link Between Far Right and High Corona Rates in Germany. In: Spiegel.de. 19. November 2021., über die überregionale Medien berichteten.
Die Gründung des IDZ hatte 2016 in Thüringen für Kritik gesorgt. Aus Sicht von CDU und AfD wurde damals die Berliner Amadeu-Antonio-Stiftung rechtswidrig ohne Ausschreibung zum Träger der öffentlich geförderten Einrichtung bestimmt. Die Staatsanwaltschaft Erfurt prüfte nach einer anonymen Anzeige Ermittlungen wegen Untreue, sah aber keinen Anfangsverdacht.
Auch Quents Berufung zum Direktor des IDZ wurde von den Thüringer Landtagsfraktionen der AfD und der CDU kritisiert, da er zuvor Mitarbeiter der LINKEN-Abgeordneten Katharina König-Preuss war und diese laut Medienberichten schon Monate vor Gründung des Instituts verlautbaren ließ, dass Quent zum Direktor berufen werde. Im Bewerbungsverfahren war dieser dann der einzige Bewerber; der Deutschlandfunk spricht in diesem Zusammenhang von einer „sehr unattraktiv wirkenden Stellenausschreibung“. Nach einer anonymen Strafanzeige beschäftigte sich die zuständige Staatsanwaltschaft mit dem Vorwurf. Der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Mike Mohring kritisierte zudem, das IDZ sei darauf ausgelegt, Aufgaben des Verfassungsschutzes zu übernehmen; anders als dieser unterstehe es jedoch keiner parlamentarischen Kontrolle.
2021 untersagte das Landgericht Berlin der Thüringer AfD-Landtagsfraktion per einstweiliger Verfügung, mehrere falsche Behauptungen über Quent zu verbreiten, darunter die Darstellung, dass Quent ohne öffentliche Ausschreibung zum Gründungsdirektor des IDZ ernannt worden sei.
Quent machte nach eigener Angabe in seiner Jugend in Thüringen viele Erfahrungen durch Bedrohung und Gewalt durch Neonazis. In seinem 2019 erschienenen Buch Deutschland rechts außen lässt er auf seine eigenen Erfahrungen eine Analyse folgen, in der er ausdrücklich davor warnt, die Neue Rechte zu unterschätzen und zu verharmlosen. Das Buch wurde von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung im Jahr 2020 mit dem jährlich verliehenen Preis Das politische Buch ausgezeichnetAuszeichnung der Friedrich-Ebert-Stiftung für Matthias Quent „Deutschland rechts außen“. In: Piper.de. 5. März 2020. und stand auf der Spiegel Bestseller-Liste. Bastian Brandau vom Deutschlandfunk nannte es das „Buch der Stunde“; der Politikwissenschaftler Vincent Wolff nannte es einen „Meilenstein“. „Matthias Quent hat sich in den vergangenen Jahren und Monaten medial zu einem wichtigen Experten von Rechtsextremismus in Deutschland entwickelt. Dieses Werk stärkt seine Position weiter“, so Wolff.
Schriften (Auswahl) Mehrebenenanalyse rechtsextremer Einstellungen: Ursachen und Verbreitung in unterschiedlichen sozioökonomischen Regionen Hessens und Thüringens (= Thematische Schriften – Reihe Politische Soziologie. Bd. 1). Meine, Magdeburg 2012, ISBN 978-3-941305-32-8. mit Peter Schulz: Rechtsextremismus in lokalen Kontexten. Vier vergleichende Fallstudien. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-07369-5. Rassismus, Radikalisierung, Rechtsterrorismus. Wie der NSU entstand und was er über die Gesellschaft verrät. Beltz Juventa, Weinheim 2016, ISBN 978-3-7799-3435-6 (zugleich Dissertation, Universität Jena, 2015). mit Daniel Geschke und Eric Peinelt: Die haben uns nicht ernst genommen. Eine Studie zu Erfahrungen von Betroffenen rechter Gewalt mit der Polizei. Ezra, Jena 2014, ISBN 978-3-00-046922-0. Deutschland rechts außen: Wie die Rechten nach der Macht greifen und wie wir sie stoppen können. Piper Verlag, München 2019, ISBN 978-3-492-06170-4. 33 Fragen. 33 Antworten. Rechtsextremismus. Piper Verlag, München 2020, ISBN 978-3-492-30775-8. mit Onur Suzan und Jonas Zipf: Rassismus. Macht. Vergessen. Transcript Verlag, Bielefeld 2021, ISBN 978-3-8376-5863-7. mit Axel Salheiser und Christoph Richter: Klimarassismus. Der Kampf der Rechten gegen die ökologische Wende. Piper Verlag, München 2022, ISBN 978-3-492-06399-9. mit Fabian Virchow (Hrsg.): Rechtsextrem, das neue Normal? Die AfD zwischen Verbot und Machtübernahme. Pieper Verlag, München 2024, ISBN 978-3-492-07317-2. Keine Macht der Ohnmacht. Wie wir Krisen bewältigen und uns gegen Faschismus wehren. Strategien gegen Resignation und Rechtsruck. Piper, München 2026, ISBN 978-3-492-07470-4.
Beiträge in Sammelbänden und Fachzeitschriften
Der „Volkstod“ und die Übriggebliebenen. Rechtsradikale Angebote und Machtgewinne in abdriftenden und dörflichen Regionen. In: Berliner Debatte Initial. Bd. 25, 2014, Nr. 1, S. 40–53. mit Raj Kollmorgen: Innovation und Reziprozität. Zur Bedeutung von sozialen Innovationsbeziehungen in der Entwicklung des Rechtsextremismus. In: Berliner Debatte Initial. Bd. 25, 2014, Nr. 1, S. 5–17. Sonderfall Ost – Normalfall West? Über die Gefahr, die Ursachen des Rechtsextremismus zu verschleiern. In: Wolfgang Frindte u. a. (Hrsg.): Rechtsextremismus und „Nationalsozialistischer Untergrund“. Interdisziplinäre Debatten, Befunde und Bilanzen. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2015. Neuer Vigilantismus in der Alten Welt. Bürgerwehren, Gewalt gegen Flüchtlinge und die Ambivalenz des rechten Terrors. In: Berliner Debatte Initial. Bd. 26, 2015, S. 122–134.