mini|hochkant|Stammwappen des Hauses Battenberg-Mountbatten Das Haus Battenberg ist eine morganatische Seitenlinie des Hauses Hessen, deren englischer Zweig sich seit 1917 Mountbatten nennt und in männlicher Linie zu den Vorfahren der heutigen britischen Königsfamilie Mountbatten-Windsor zählt.

Vorgeschichte mini|hochkant|Stammwappen der mittelalterlichen Grafen von Battenberg Bereits im Mittelalter gab es ein nach Battenberg, einem Ort an der Eder, benanntes gleichnamiges Adelsgeschlecht, das nicht mit dem Haus Hessen verwandt war. Es ging auf Werner I. von Battenberg und Wittgenstein (* um 1150; † 1215) zurück, herrschte über die Grafschaft Battenberg und starb 1342 im Mannesstamm aus. Nach Herrschaftsverzicht 1296 war der Titel Graf von Battenberg ab da schon vakant. Im Jahr 1464 übernahm das Haus Hessen das Gebiet der ehemaligen Grafschaft, ab 1648 gehörte es der Linie Hessen-Darmstadt.

Nach 1851: Nachkommen des Prinzen Alexander von Hessen mini|hochkant|Julia Hauke, Prinzessin von Battenberg, mit ihrem Ehemann, Prinz Alexander von Hessen-Darmstadt

Überblick über die Familienzweige 1851 bis 1917/1924 diente „Battenberg“ als Name der Nachkommen aus der morganatischen Ehe des Prinzen Alexander von Hessen-Darmstadt (1823–1888) mit der Gräfin Julia Hauke (1825–1895). Sie war die verwaiste Tochter des stellvertretenden Kriegsministers von Kongress-Polen, Graf Hans Moritz Hauke, und Hofdame von Prinz Alexanders Schwester Maria Alexandrowna, der Gemahlin des Zaren Alexander II. Die Nachkommen aus dieser nicht ebenbürtigen Ehe waren in der großherzoglich-hessischen Thronfolge nicht erbberechtigt. Großherzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein (ehem. Hessen-Darmstadt), Alexanders Bruder, verlieh Julia Hauke am 5. November 1851 den seit 1342 verwaisten Titel einer Gräfin von Battenberg. 1858 erhob er sie in den Fürstenstand mit dem Titel Prinzessin von Battenberg. Das Ehepaar lebte winters im Alexanderpalais am Luisenplatz in Darmstadt, sommers auf Schloss Heiligenberg, das Alexander und seine Schwester Marie 1836 von beider Mutter, der Großherzogin Wilhelmine geerbt hatten, das aber 1841 mit Maries Hochzeit mit dem späteren Zaren Alexander II. ganz in Alexanders Besitz überging und zum „Stammschloss“ des zweiten Hauses Battenberg wurde. Es liegt auf einem Bergvorsprung an der Bergstraße in der heutigen Gemeinde Seeheim-Jugenheim.

mini|Die 1889–1894 als Mausoleum errichtete Gedächtniskapelle des Hauses Battenberg in Seeheim-Jugenheim, davor die letzte Ruhestätte von Prinz Alexander und Prinzessin Julia

Prinz Alexander von Hessen-Darmstadt und seine Gemahlin hatten mehrere Kinder, von denen die Söhne später mehrere Familienzweige begründeten: Ludwig von Battenberg (1854–1921) zog nach England und trat 1868 in die Royal Navy ein. 1917 verzichtete er auf den Titel eines Prinzen von Battenberg und nahm für sich und seine Nachkommen den anglisierten Namen Mountbatten an, gleichzeitig wurde er zum Marquess of Milford Haven ernannt. Die späteren Marquesses of Milford Haven stammen von seinem ältesten Sohn George ab, die Earls Mountbatten of Burma von seinem jüngeren Sohn Louis. Alexander von Battenberg (1857–1893) war von 1879 bis 1886 regierender Fürst von Bulgarien. Bei seiner Heirat 1889 verzichtete er auf seine bisherigen Titel und erhielt den hessischen Titel eines Grafen von Hartenau. Heinrich von Battenberg (1858–1896) zog ebenfalls nach England und heiratete 1885 die britische Prinzessin Beatrice. Sein Sohn Alexander (1886–1960) verzichtete 1917 ebenfalls auf den Titel eines Prinzen von Battenberg und nahm für sich und seine Nachkommen den anglisierten Namen Mountbatten an, gleichzeitig wurde er zum Marquess of Carisbrooke ernannt. Der 1. Marquess of Carisbrooke hinterließ jedoch keine männlichen Nachkommen. Franz Joseph von Battenberg (1861–1924) heiratete 1897 die Prinzessin Anna von Montenegro. Er trug bis zu seinem Lebensende den Titel eines Prinzen von Battenberg, hatte jedoch keine Nachkommen.

Details zu einzelnen Familienzweigen Bulgarien/Hartenau Das Haus Battenberg war von 1879 bis 1886 regierende Dynastie von Bulgarien, als Prinz Alexander von Battenberg (1857–1893), der zweitgeborene Sohn des Prinzen Alexander von Hessen-Darmstadt und der Julia Hauke, Prinzessin von Battenberg, als Alexander I. Fürst von Bulgarien war. Die Konsequenz von prorussischen Putschversuchen und Putschen war am 7. September 1886 die Abdankung Alexanders.

1889 heiratete Alexander von Battenberg in Südfrankreich die österreichische Opernsängerin Johanna Loisinger (1865–1951) und verzichtete auf seine bisherigen Titel. Anstelle des Namens Battenberg erhielt er durch großherzoglich hessische Verleihung am 11. Januar 1889 in Darmstadt den erblichen Titel und Namen Graf von Hartenau. Das gleichzeitig verliehene Wappen wurde aus den Wappen Hessen, Battenberg, Ostrumelien und Bulgarien zusammengesetzt.

Das Grafenpaar von Hartenau lebte in Österreich und bekam 1890 einen Sohn (Krum-Assen), 1893 wurde eine Tochter (Wera-Zwetana) geboren. Der ehemalige Fürst von Bulgarien starb noch im selben Jahr und wurde in einem Mausoleum in der bulgarischen Hauptstadt Sofia beigesetzt. Seine Gemahlin starb 1951 und wurde auf dem Friedhof St. Leonhard in Graz beigesetzt.

Der Name von Hartenau wird heute im Mannesstamm von Nachkommen der nicht blutsverwandten Familie Polaczek geführt, da Graf Alexanders Sohn Assen Hartenau (1890–1965) seinen Stiefsohn Wilhelm (1915–1991), aus der ersten Ehe seiner Gemahlin Bertha geb. Hussa (1892–1971) mit Alois Polaczek, adoptierte. Wilhelm von Hartenau wurde mit Maria Elisabeth Freiin Klein von Wisenberg Vater eines Sohnes und zweier Töchter.Hugh Montgomery-Massingberd, Burke’s Royal Families of the World, Volume 1: Europe & Latin America (London, U.K.: Burke’s Peerage Ltd, 1977), S. 58.

Mountbatten Im Ersten Weltkrieg nahmen 1917 die in England lebenden Nachkommen des Prinzen Alexander den Namen Mountbatten an, eine Übersetzung des deutschen BattenbergIn der Bucht von Plymouth besteht seit 1640 eine Festungsanlage mit dem Namen Mount Batten; es ist unwahrscheinlich, daß der erste Seelord den Hafen von Plymouth nicht gekannt haben soll.. Hierbei spielten politische Gründe, die sich aus der zunehmenden Deutschenfeindlichkeit ergaben, eine Rolle. Im Zuge der Anglisierung des Namens wurde Prinz Ludwig von Battenberg zum erblichen Marquess of Milford Haven ernannt. Sein sohnloser Neffe Prinz Alexander von Battenberg, Sohn des Prinzen Heinrich Moritz von Battenberg und der Prinzessin Beatrice von Großbritannien und Irland, erhielt den erblichen, mit seinem Tod bereits wieder erloschenen Titel Marquess of Carisbrooke.

1946 erhielt Louis Mountbatten, der jüngere Sohn des 1. Marquess of Milford Haven, aufgrund seiner militärischen Leistungen im Zweiten Weltkrieg den erblichen Titel eines Earl Mountbatten of Burma.

Prinz Philip von Griechenland und Dänemark, ein Neffe des 1. Earl Mountbatten of Burma, verzichtete 1947 bei seiner Einbürgerung in die britische Staatsangehörigkeitauf alle seine bisherigen Titel und Würden. Väterlicherseits aus der griechischen Linie des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg stammend, nahm er den Nachnamen seiner Mutter Prinzessin Alice von Battenberg in der anglisierten Form als Familiennamen Mountbatten an. Genealogisch gehörte er damit nicht dem Haus Battenberg an. Philip heiratete im selben Jahr die britische Thronfolgerin Elisabeth und erhielt den erblichen Titel eines Duke of Edinburgh, womit sein Familienname keine Verwendung mehr fand.

Mountbatten-Windsor

Mountbatten-Windsor ist der persönliche Nachname (Familienname) der Nachkommen der Königin Elisabeth II. von Großbritannien und Nordirland aus ihrer 1947 geschlossenen Ehe mit Prinz Philip, Duke of Edinburgh. Im Februar 1960 gab Elisabeth II. bekannt, dass „Mountbatten-Windsor“ der Nachname ihrer Nachkommen aus der Ehe mit Prinz Philip sei.Genealogisches Handbuch des Adels, Fürstliche Häuser Band XV, Band 114 der Gesamtreihe, Limburg (Lahn) 1997, S. 25: „Bei den Nachgeborenen im Mannesstamm der Königin Elisabeth II. tritt, soweit sie nicht den Titel Kgl. Prinz v. Großbritannien u. Nord-Irland führen, an Stelle des Familiennamens „Windsor“ der Familienname „Mountbatten-Windsor“ (Kgl. Erlaß vom 8. Februar 1960).“ (Die Nachgeborenen der regierenden Königin (bzw. des Königs) in der ersten und zweiten Generation führen in der Regel nämlich den Titel „Königlicher Prinz bzw. Königliche Prinzessin von Großbritannien und Nordirland“.) Der offizielle Name des königlichen Hauses bleibt allerdings Windsor.Der Spiegel 9/1960: England/Mountbatten, Die Rache der Battenberger (Digitalisat) Der neue Name gilt auch nicht für Mitglieder der Royal Family, die nicht von Elisabeth II. abstammen. Die Order-in-Council appliziert den neuen Nachnamen nur für Nachkommen von Elizabeth und Philip, die nicht „königliche“ Titel tragen. Grundsätzlich verwenden Angehörige der britischen Königsfamilie keine Familiennamen in der Anrede oder Schriftverkehr. Im Regelfall wird hinter dem Vornamen der Titel geführt oder die Ortsbezeichnung des Titels der Eltern, wenn die Kinder den Titel His bzw. Her Royal Highness tragen. Rechtlich besteht auch nach britischem Recht für die Königsfamilie keine Verpflichtung für einen Familiennamen in Personenstandsurkunden oder Pässen. So dienten die Söhne von Charles, Prince of Wales unter dem Nachnamen Wales in den britischen Streitkräften und die Kinder von William, Duke of Cambridge werden unter dem Nachnamen Cambridge eingeschult. Erstmals wurde der Name Mountbatten-Windsor bei der Eheschließung zwischen Prinzessin Anne und Mark Phillips im November 1973 in der Eheurkunde benutzt, später bei der Eheschließung von Prince Charles, Prince of Wales. Als Nachnamen trugen nur einige Urenkel der Königin den Familiennamen, da sie bisher keine königlichen Titel erhalten haben. Erste Person war ab 2003 Louise Mountbatten-Windsor, Tochter des Earl of Wessex.

Nachdem König Charles III. seinem Bruder Prinz Andrew, Duke of York 2025 sämtliche militärischen und zivilen Orden und Ehrentitel aberkannt hatte, führt dieser auch nicht mehr den Titel Duke of York, obgleich er ihm nicht formal entzogen wurde. Seitdem führt er den Namen Andrew Mountbatten-Windsor.

Die Angehörigen des Hauses Windsor gehören genealogisch nicht zum Haus Battenberg, die Benennung ist auf die Zugehörigkeit der Mutter Philips, des Duke of Edinburgh, zum Haus Battenberg zurückzuführen. Philip trug väterlicherseits als Prinz von Griechenland und Dänemark den Familiennamen Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg.

Wappen

Laut dem Diplom von 1858 zeigt das Stammwappen des Hauses Battenberg einen gevierten Schild; in Feld 1 und 4 innerhalb von Rot und Silber gestückten Schildbords in Blau ein von Silber und Rot siebenfach geteilter, golden gekrönter (hessischer) Löwe; in Feld 2 und 3 in Silber zwei schwarze Pfähle (Stammwappen Battenberg). Auf dem Schild ruhen zwei Helme: auf dem rechten mit rot-silbernen Decken zwei von Rot und Silber siebenfach gestreifte Büffelhörner, außen mit je drei, an den Mündungen mit je einem grünen Lindenzweig besteckt; auf dem linken mit schwarz-silbernen Decken vier Straußenfedern, abwechselnd schwarz und silbern.

Die Söhne des 1. Marquess of Milford Haven trugen im oberen Teil des Battenberg-Wappens zusätzlich den Wappenschild ihrer Großmutter, der Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland, aufgelegt.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band I, Band 53 der Gesamtreihe, Limburg (Lahn) 1972, S. 244 f. - dort ist bei dieser Form der Wappenführung irrtümlich vom "Chef des Hauses Battenberg-Mountbatten" die Rede.