Die Opernbesetzungen der Salzburger Festspiele 1935 bis 1937 umfassen alle Neuproduktionen der Salzburger Festspiele in den Jahren 1935 bis 1937, in welchen die Festspiele von den Dirigenten Arturo Toscanini und Bruno Walter geprägt wurden. Beide waren überzeugte Antinationalsozialisten und positionierten das Festival als Ort der Internationalität und der Humanität. Diese Periode endete mit der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich im März 1938. Toscanini verweigerte daraufhin seine Rückkehr nach Salzburg, Walter war zur Emigration gezwungen.
Neuinszenierungen Die Jahre 1935 bis 1937 waren besonders erfolgreiche für die Salzburger Festspiele. Die Zahl verkaufter Festspielkarten stieg von 53 % im Jahr 1934 auf 89 % im Jahr 1937. Jedes Jahr dirigierte Toscanini Beethovens Freiheitsoper Fidelio und eine aufwändige Neuinszenierung, die alljährlich aufgrund ihrer hohen Kosten die Salzburger Verantwortlichen aufs Neue in Furcht und Schrecken versetzte. Die Wahl der Werke erfolgte diktatorisch durch ihn allein: 1935 entschied er, er wolle Verdis Spätwerk Falstaff vorstellen. Ein Tabubruch und die erste Verdi-Produktion der Geschichte der Festspiele.Die Entscheidung Toscaninis erwies sich in der Retrospektive als passend für das Salzburger Programm. Falstaff wurde zu einem Salzburger Klassiker, dirigiert 1957 und 1981/82 von Herbert von Karajan, 1993 von Sir Georg Solti, 2001 von Lorin Maazel und 2013 von Zubin Mehta. 1936 positionierte er Salzburg mit seiner Neuproduktion der Meistersinger von Nürnberg als Anti-Bayreuth und bestand darauf, dass Wagners Werke der Weltkultur gehörten und nicht den Nationalsozialisten. (Die Meistersinger waren Hitlers Lieblingsoper.) Der spätere Festspiel-Präsident Josef Kaut kritisierte in der Retrospektive von 1982 Toscaninis Entscheidung als „mehr eine politische Demonstration als künstlerisch begründet“.Josef Kaut: Die Salzburger Festspiele 1920-1981, Mit einem Verzeichnis der aufgeführten Werke und der Künstler des Theaters und der Musik von Hans Jaklitsch. Salzburg: Residenz Verlag 1982. ISBN 3-7017-0308-6. S. 44. 1937 schließlich präsentierte er Mozarts zentrale Oper Die Zauberflöte, eine Produktion, die zwar musikalisch durchaus unausgegoren war, dennoch mit hoher Zustimmung von Presse und Publikum aufgenommen wurde.Stephen Gallup: Die Geschichte der Salzburger Festspiele, Vienna: Orac 1989, ISBN 3-7015-0164-5, S. 124–154 (Kapitel: Der glorreiche Toscanini).
Bruno Walter war einer der wenigen Dirigenten, die von Toscanini – trotz des unterschiedlichen Stils – im hohen Maß geschätzt wurden. Auch er erweiterte das Salzburger Repertoire und hatte dort schon 1930 und 1931 zwei Gluck-Opern vorgestellt: Iphigénie en Aulide und Orfeo ed Euridice. 1936 dirigierte er eine Neuinszenierung der Gluck’schen Orpheus-Vertonung. Ansonsten konzentrierte er sich auf zentrale Werke Mozarts, Don Giovanni, Die Entführung aus dem Serail und Le nozze di Figaro. Und er präsentierte in Salzburg erstmals Wolfs Der Corregidor und Webers Euryanthe, zwei selten gespielte, aber gut in die Programmatik passende Werke. Betreffend Wagner teilte Walter die Meinung Toscaninis und bestand auf Wiederaufnahmen der großen Liebesoper Tristan und Isolde in Salzburg, mit einer exzellenten Besetzung, angeführt von Anny Konetzni und Josef Kalenberg.Robert Kriechbaumer: Zwischen Österreich und Großdeutschland. Eine politische Geschichte der Salzburger Festspiele 1933–1944. Böhlau, Wien 2013, ISBN 978-3-205-78941-3, darin insbesondere S. 77–79, 125–136, 142–144, 257–262.
1935 Orchester, Chor, DirigentRegie, Bühnenbild, KostümeSängerinnenSänger Die Entführung aus dem Serail von Johann Gottlieb Stephanie und Wolfgang Amadeus Mozart – 12., 21. und 29. AugustWiener PhilharmonikerWiener StaatsopernchorBruno WalterHerbert GrafOskar Strnad BühnenbildMargherita Perras KonstanzeMargit Bokor/Lotte Schöne BlondchenAlfred Muzzarelli Bassa SelimCharles Kullmann BelmonteWilliam Wernigk PedrilloBerthold Sterneck/Ludwig Hofmann Osmin Falstaff und Arrigo Boito und Giuseppe Verdi – 29. Juli, 3., 17. und 26. AugustWiener PhilharmonikerWiener StaatsopernchorArturo ToscaniniGuido SalviniRobert Kautsky, Ladislaus CzettelMargarete Wallmann ChoreographieMaria Caniglia/Dusolina Giannini Mrs. Alice FordEdith Mason NannettaAngelica Cravcenco Mrs. QuicklyMita Vasari Mrs. Meg PageMariano Stabile Sir John FalstaffPiero Biasini FordDino Borgioli FentonAngelo Badà Dr. CajusGiuseppe Nessi BardòlfoFernando Autori Pistòla
Wiederaufnahmen Così fan tutte, Dir. Felix von Weingartner – 5. und 19. August Don Giovanni, Dir. Bruno Walter – 1., 8., 15., 23. und 28. August Fidelio, Dir. Arturo Toscanini – 7., 14., 24. und 31. August Le nozze di Figaro, Dir. Felix von Weingartner – 13. und 30. August Der Rosenkavalier, Dir. Josef Krips – 30. Juli, 9. und 27. August Tristan und Isolde, Dir. Bruno Walter – 27. Juli
1936 Orchester, Chor, DirigentRegisseur, AusstattungSängerinnenSänger Orfeo ed Euridice von Ranieri de’ Calzabigi und Christoph Willibald Gluck – 1. und 17. AugustWiener PhilharmonikerWiener StaatsopernchorBruno WalterMargarete WallmannRobert Kautsky, Ladislaus CzettelKerstin Thorborg OrfeoJarmila Novotná EuridiceMargit Bokor AmorDora Komarek Seliger Geist Die Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner – 8., 14., 18. und 22. AugustWiener PhilharmonikerWiener StaatsopernchorArturo ToscaniniHerbert GrafRobert Kautsky, Willi BahnerLotte Lehmann EvaKerstin Thorborg MagdalenaHans Hermann Nissen Hans SachsHerbert Alsen Veit PognerGeorg Maikl Kunz VogelsangRolf Telasko Konrad NachtigallHermann Wiedemann Sixtus BeckmesserViktor Madin Fritz KothnerAnton Dermota Balthasar ZornEduard Fritsch Ulrich EißlingerHermann Gallos Augustin MoserAlfred Muzzarelli Hermann OrtelCarl Bissuti Hans Schwarz/Ein NachtwächterKarl Ettl Hans FoltzCharles Kullmann Walther von StolzingRichard Sallaba DavidWolf Daucha, Marie Eder, Ludwig Fleck,Josef Fruchter, Lucy Haupt, Martha Karl,Marie Langhans, Erich Majkut, Matthias Oswald,Hans Rosenberg, Oskar Schweiberer, Otto Zuzan Lehrbuben Der Corregidor von Rosa Mayreder und Hugo Wolf – 11. und 21. AugustWiener PhilharmonikerWiener StaatsopernchorBruno WalterLothar WallersteinRobert Kautsky, Ladislaus CzettelKerstin Thorborg Donna MercedesJarmila Novotná Frasquita, Gattin des MüllersPolly Batic Duenna, im Dienste des CorregidorsBella Paalen Manuela, Magd bei Juan LopezGunnar Graarud Don Eugenio de Zuniga, CorregidorCarl Bissuti Juan Lopez, AlkaldeWilliam Wernigk Pedro, dessen SekretärNicola Zec Tonuelo, GerichtsboteLudwig Hofmann Repela, Diener des CorregidorsAlfred Jerger Tio Lukas, MüllerHermann Gallos Ein NachbarAlfred Muzzarelli Ein Nachtwächter
Wiederaufnahmen Così fan tutte, Dir. Felix von Weingartner – 29. Juli und 25. August Don Giovanni, Dir. Bruno Walter – 28. Juli, 4., 13. und 24. August Falstaff, Dir. Arturo Toscanini – 31. Juli, 10., 20. und 26. August Fidelio, Dir. Arturo Toscanini – 25. Juli, 5., 16. und 31. August Le nozze di Figaro, Dir. Felix von Weingartner – 27. Juli und 29. August Tristan und Isolde, Dir. Bruno Walter – 27. August
1937 Die Zauberflöte von Emanuel Schikaneder und Wolfgang – 30. Juli, 7., 16. und 31. AugustWiener PhilharmonikerWiener StaatsopernchorArturo ToscaniniHerbert GrafHans Wildermann BühnenbildJúlia Osváth Königin der NachtJarmila Novotná PaminaHilde Konetzni Erste DameStefania Fratnik Zweite DameKerstin Thorborg Dritte DameDora Komarek PapagenaAlexander Kipnis SarastroHelge Roswaenge TaminoWilli Domgraf-Fassbaender PapagenoAlfred Jerger SprecherRichard Sallaba PriesterWilliam Wernigk MonostatosAnton Dermota, Carl Bissuti Zwei GeharnischteKurt Pech, Albert Feuhl, Fritz Mascha Drei KnabenHugo Lindinger, Harry Horner, Eduard Fritsch Drei Sklaven Le nozze di Figaro von Lorenzo Da Ponte und Wolfgang Amadeus Mozart – 11., 19. und 30. AugustAudioaufzeichnung der Inszenierung im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek (anmeldepflichtig)Wiener PhilharmonikerWiener StaatsopernchorBruno WalterLothar WallersteinAlfred RollerMargarete Wallmann ChoreographieAulikki Rautawaara Contessa d'AlmavivaEsther Réthy SusannaAngelica Cravcenco MarcellinaJarmila Novotná CherubinoDora Komarek BarbarinaMaria Kastl, Grete Zehetmayer BrautjungfernMariano Stabile Conte d'AlmavivaEzio Pinza FigaroWilliam Wernigk BasilioVirgilio Lazzari BartoloViktor Madin AntonioGiuseppe Nessi Don Curzio Euryanthe von Helmina von Chézy und Carl Maria von Weber – 18. und 25. AugustWiener PhilharmonikerWiener StaatsopernchorBruno WalterLothar WallersteinClemens Holzmeister, Marielouise LukschMargarete Wallmann, Willy Fränzl ChoreographieMaria Reining Euryanthe von SvoyenKerstin Thorborg Eglantine von PuisetDora Komarek BerthaHerbert Alsen König Ludwig VIKarl Friedrich Adolar, Graf von NeversAlexander Svéd Lysiart, Graf von ForestEduard Fritsch Rudolf, ein Lehensmann
Wiederaufnahmen Don Giovanni, Dir. Bruno Walter – 2., 13. und 28. August Elektra, Dir. Hans Knappertsbusch – 8. und 22. August Falstaff, Dir. Arturo Toscanini – 26. Juli, 9. und 23. August Fidelio, Dir. Arturo Toscanini – 24. und 26. August Die Meistersinger von Nürnberg, Dir. Arturo Toscanini – 5., 12. und 20. August Orfeo ed Euridice, Dir. Bruno Walter – 31. Juli und 14. August Der Rosenkavalier, Dir. Hans Knappertsbusch – 27. Juli, 6. und 24. August
Siehe auch Opernproduktionen der Salzburger Festspiele
Quelle
Einzelnachweise
Kategorie:Salzburger Festspiele Kategorie:Besetzungsliste