Das Produktionstechnische Zentrum Hannover (PZH) ist eine Einrichtung der Fakultät für Maschinenbau der Leibniz Universität Hannover und eins der großen Forschungszentren für Produktionstechnik in Deutschland.Kurzportrait des PZH Webportal des PZH. Abgerufen am 13. Juli 2016.Angaben zum Förderranking Produktionstechnik der DFG auf Seite 145 Online-Version des DFG Förderatlas 2018. ISBN 978-3-527-34520-5; abgerufen am 16. November 2020. Zum PZH gehören die acht produktionstechnischen Institute für Fabrikanlagen und Logistik, IFA (Matthias Schmidt) für Umformtechnik und Umformmaschinen, IFUM (Bernd-Arno-Behrens) für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen, IFW (Berend Denkena) für Mikroproduktionstechnik, IMPT (Marc Wurz) für Kunststoff- und Kreislauftechnik, IKK (Hans-Josef Endres) für Transport- und Automatisierungstechnik, ITA (Ludger Overmeyer) für Montagetechnik, match (Annika Raatz) für Werkstoffkunde, IW (Hans Jürgen Maier) mit insgesamt rund 280 wissenschaftlichen und 530 studentischen Mitarbeitern.Zahlen und Fakten im Jahresbericht des PZH 2019 Jahresbericht des PZH 2019, S. 54 (PDF); Webportal des PZH. Abgerufen am 15. November 2020. Die Institute decken alle Aspekte der Produktionstechnik in Forschung und Lehre ab. Außerdem sind am PZH der Ingenieurdienstleister TEWISS – Technik und Wissen GmbH, die Materialprüfanstalt für Werkstoffe und Produktionstechnik und Unternehmen und Start-ups ansässig.Übersicht aller Akteure am PZH Webportal des PZH; Startseite. Aufgerufen am 14. Mai 2018. Letztere sind häufig Ausgründungen aus den Instituten.
Geschichte Bereits in den 1980er und 90er Jahren bemühten sich einige Professoren der produktionstechnischen Institute der Leibniz Universität, eine Lösung für die Raumnot ihrer Institute zu finden, die damals an verschiedenen Standorten in Hannover untergebracht waren. Insbesondere Hans Kurt Tönshoff setzte sich dafür ein.Die 1990er Jahre - Harte Einschnitte, die fachliche Neuausrichtung, Lichtblicke in Garbsen und der Auftakt zum Bologna-Prozess. In: Andrea Kleeß: Faszination Maschinenbau. Hannover 2014, ISBN 978-3-00-048204-5, S. 76. 2001 wurde die PZH GmbH, heute TEWISS GmbH, als eine hundertprozentige Tochter der Universität gegründet. Sie sollte dazu beitragen, die Hochschulforschung zur Produktionstechnik – zu dieser Zeit sechs Institute – unter einem Dach zu vereinen und Synergien besser nutzen zu können. Im Rahmen einer Public Private Partnership mit Land und Bund trug die PZH GmbH ein Drittel zur Finanzierung des geplanten gemeinsamen Baus bei.Zahlen und Fakten im Jahresbericht des PZH 2017 Jahresbericht des PZH 2017, S. 57 (PDF); Webportal des PZH. Abgerufen am 14. Mai 2018.
Das neue Gebäude in Garbsen, nordwestlich von Hannover, das die Institute 2004 beziehen konnten, hat der Architekt Gunter Henn mit einer zentralen Glashalle so entworfen, dass Mitarbeiter sich institutsübergreifend begegnen und Verbindungen zwischen allen Einrichtungen geschaffen werden; rund 22.000 Quadratmeter Nutzfläche stehen für Forschung und Lehre zur Verfügung.Zahlen und Fakten "Ort" im Jahresbericht des PZH 2015. (PDF) Jahresbericht des PZH 2015, S. 60, auf dem Webportal des PZH. Abgerufen am 12. Juli 2016.
2013 wurde aus der PZH GmbH die TEWISS – Technik und Wissen GmbH, die weiterhin das Gebäudemanagement innehat, aber mittlerweile vor allem die Bereiche Sonderkonstruktion und Verlag ausgebaut hat.Angebot des TEWISS Verlags Webseite des TEWISS Verlags. Abgerufen am 14. Mai 2018.
Ende 2013 trat Annika Raatz ihren Ruf auf den Lehrstuhl des neu gegründeten Instituts für Montagetechnik an."Jetzt mit Montagetechnik!" Reportage zum Start des Instituts für Montagetechnik 2013 Magazin pzh2014 "Mein erster Tag" auf dem Webportal des PZH. Abgerufen am 12. Juli 2016. Seit Oktober 2019 komplettiert das Institut für Kunststoff- und Kreislauftechnik mit seinem Leiter Hans-Josef Endres das PZH."Nachhaltigkeit als Forschungsauftrag" Reportage zum Start des Instituts für Kunststoff- und Kreislauftechnik Magazin pzh2020 "Start in die 20er", S. 34, auf dem Webportal des PZH. Abgerufen am 15. November 2020.
Seit Januar 2016 ist das erste der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eingerichteten Kompetenzzentren „Mittelstand 4.0“ mit dem Motto „Mit uns digital!“ am PZH gestartet. Es soll kleine und mittlere Unternehmen aus Niedersachsen und Bremen auf die Herausforderungen und Potenziale der Industrie 4.0 vorbereiten.Das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 für Niedersachsen und Bremen, "mit uns digital!" Webseite des Zentrums. Abgerufen am 14. Mai 2018. Als zentrales Exponat betreibt das Mittelstand-Digital Zentrum Hannover eine mobile Fabrik in einem Anhänger. Diese dient dazu, die Digitalisierung von Fertigungsprozessen überregional bei Schulungsveranstaltungen zu veranschaulichen.
Der Campus Maschinenbau der Leibniz Universität Hannover, der die weiteren Institute der Fakultät für Maschinenbau beherbergt, wurde im September 2019 gegenüber dem PZH eingeweiht.Campus Maschinenbau der Leibniz Universität Hannover Campus-Webseite der Fakultät für Maschinenbau der Leibniz Universität. Abgerufen am 15. November 2020.
Organisation und Finanzierung Die acht Institutsleiter bilden den Vorstand des PZH; der Vorstandssprecher wechselt jährlich. Die Institute des PZH finanzieren ihre Arbeit zum weit überwiegenden Teil aus Drittmitteln. 2019 hat das PZH gut 22 Millionen Euro Drittmittel eingeworben. Eingeworbene Landesmittel sind in dieser Summe nicht enthalten.Zahlen und Fakten "Drittmittel" und "Struktur" im Jahresbericht des PZH 2019. Jahresbericht des PZH 2019, S. 55, auf dem Webportal des PZH. Abgerufen am 15. November 2020.
Produktionstechnik Hannover Zusammen mit seinen regionalen Nachbarn, dem IPH (Institut für Integrierte Produktion Hannover) und dem LZH (Laser Zentrum Hannover) bildet das PZH einen einzigartigen Produktionstechnik-Cluster. LZH und IPH wurden in den 1980er-Jahren aus der Universität heraus gegründet, um Forschungsergebnisse schneller in die Industrie transferieren zu können, und sind beide im Wissenschaftspark Marienwerder in Hannover angesiedelt. Die drei Einrichtungen betreiben gemeinsam das Newsportal phi – Produktionstechnik Hannover informiert.phi: Produktionstechnik Hannover informiert, die Plattform für Produktionsforschung aus Hannover Webportal phi. Abgerufen am 14. Mai 2018.
Forschung Das PZH betreibt Grundlagenforschung, beispielsweise innerhalb von Sonderforschungsbereichen (SFB), die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert werden. Zwei SFB sind derzeit am PZH angesiedelt, an weiteren sind Wissenschaftler aus dem PZH beteiligt. Ergänzend wird Wert auf den Wissenstransfer in die Unternehmen gelegt, etwa durch vorwettbewerbliche Forschung im Rahmen der AiF, durch Industriearbeitskreise, Verbundprojekte und eine Vielzahl bilateraler Forschungsaufträge.
Sonderforschungsbereiche am PZH Die Wissenschaftler des seit Sommer 2015 bestehenden Sonderforschungsbereichs Tailored Forming arbeiten daran, Massivbauteile aus unterschiedlichem Werkstoff zuerst zu fügen und dann umzuformen. Diese Vorgehensweise könnte ganz neue, maßgeschneiderte hybride Hochleistungsbauteile möglich machen. Bernd-Arno Behrens, Leiter des Instituts für Umformtechnik und Umformmaschinen (IFUM), ist Sprecher dieses Sonderforschungsbereiches.
Der Sonderforschungsbereich Sauerstofffreie Produktion erforscht Möglichkeiten, den unerwünschten Einfluss von Sauerstoff bei produktionstechnischen Verfahren, wie Löten, Schweißen oder additiver Fertigung, auf ein bisher nicht erreichtes Niveau zu senken, wovon sich die Forscher einen großen Vorteil hinsichtlich Energieeffizienz und Ressourcenschonung erhoffen. Hans Jürgen Maier, Leiter des Instituts für Werkstoffkunde (IW) ist hier Sprecher.
Der Sonderforschungsbereich Gentelligente Bauteile im LebenszyklusSonderforschungsbereich Gentelligente Bauteile bei Uni Hannover ist 2017 nach zwölf Jahren ausgelaufen. Er hat mit der Entwicklung kommunikationsfähiger Bauteile, Maschinen und Systeme, die ihre Eigenschaften außerdem "vererben" können, eine Voraussetzung für Industrie 4.0 geschaffen. Aus ihm heraus ist 2015 das Production Innovations Network PIN gegründet worden, ein Industrienetzwerk, in dem gemeinsam daran gearbeitet wird, die Potenziale der Digitalisierung umzusetzen. Sprecher war Berend Denkena, Leiter des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW).
Der Sonderforschungsbereich Transregio Planare Optronische Systeme PlanOS ist ebenfalls 2017 ausgelaufen. Sein Ziel war es, flexible Polymerfolien mit optischen Sensoren zu entwickeln, die Druck, Temperatur, Feuchtigkeit, aber auch molekulare Veränderungen registrieren können. Da diese optronische Sensorik keine Elektronik enthält, ist mit ihr ortsaufgelöstes, kostengünstiges Messen auch dort möglich, wo elektromagnetische Störfelder vorhanden sind.Video: An introduction to PlanOS Video des SFB PlanOS. Abgerufen über youtube am 12. Juli 2016. Sprecher war Ludger Overmeyer, der das Institut für Transport- und Automatisierungstechnik (ITA) leitet.
Übergreifende Forschungsthemen am PZH IT-gestützte Produktion & Industrie 4.0: Das erste von bundesweit fünf Kompetenzzentren Mittelstand 4.0 ist seit Anfang 2016 am PZH angesiedelt. Die wissenschaftlichen Grundlagen dafür legte unter anderem seit 2005 der Sonderforschungsbereich „Gentelligente Bauteile“, in dem kommunikationsfähige, fühlende Bauteile, Maschinen und Systeme erforscht werden. Aus diesem SFB entstand bereits 2015 ein Arbeitskreis mit Unternehmen, das PIN.Website des Production Innovations Network, abgerufen am 12. Juli 2016.PZH-Forschungsschwerpunkt IT-gestützte Produktion & Industrie 4.0 Webportal des PZH, abgerufen am 12. Juli 2016.
Ressourceneffizienz: Nachhaltige Konzepte wie Weiternutzen, Umnutzen, Recyceln sind auf Werkzeuge, Späne oder Fördergurte gleichermaßen anwendbar; ein weiteres Beispiel ist die bedarfsgerechte Anpassung von Kühlschmierstoffen, die die Energieaufnahme einer Werkzeugmaschine um gut ein Drittel senkt. Im Lehrangebot ist das Thema durch die Vorlesung „Nachhaltigkeit in der Produktion“ vertreten.Film zur Nachhaltigkeitsvorlesung am PZH Beitrag auf dem Portal der Initiative Wissenschaft Hannover, abgerufen am 12. Juli 2016.PZH-Forschungsschwerpunkt Ressourceneffizienz Webportal des PZH, abgerufen am 12. Juli 2016.
Medizintechnik: Viele der Medizintechnik-Projekte, die am PZH bearbeitet werden, wurden im Rahmen des Sonderforschungsbereichs Biomedizintechnik begonnen, der Anfang 2015 nach zwölf Jahren ausgelaufen ist. Entwickelt wurden unter anderem bioresorbierbare Magnesium-Legierungen, die sich im Körper auflösen,Film über ein bioresorbierbares Magnesiumgeflecht fürs Herz Beitrag auf dem Portal der Initiative Wissenschaft Hannover, abgerufen am 12. Juli 2016. sobald etwa ein Bruch verheilt ist, aber auch Endoprothesen, deren Lebensdauer deutlich verlängert wurde.PZH-Forschungsschwerpunkt Medizintechnik Webportal des PZH, abgerufen am 12. Juli 2016.
Rückbau kerntechnischer Anlagen: Am PZH arbeiten Wissenschaftler daran, die Einbauten stillgelegter Anlagen in ihrer kontaminierten und oft schwer zugänglichen Umgebung so zu zerlegen, dass niemand geschädigt wird und möglichst wenig radioaktiver Abfall entsteht. Insbesondere Seilsägetechnologien kommen zum Einsatz, um Stahl- und Stahlverbundwerkstoffe zu trennen. Elektronenstrahl- und Wasserstrahltechnik, Schweißen und Schneiden sind Verfahren, die zum Teil gezielt für den Rückbau kerntechnischer Anlagen entwickelt wurden.PZH-Forschungsschwerpunkt Rückbau kerntechnischer Anlagen Webportal des PZH, abgerufen am 12. Juli 2016.