Die Heeresoffizierschule II (HOS II) war eine von drei Heeresoffizierschulen zur Ausbildung der Offizieranwärter des Heeres. Sie bestand von 1956 bis 1974 und war in Hamburg (von 1956 bis 1958 in Husum) ansässig. Ihre Nachfolgerin wurde die Offizierschule des Heeres (OSH) in Hannover.
Hier wurden am 10. März 1970 die vielbeachteten Arbeitsthesen „Leutnante 70“ vorgelegt. In Erscheinung trat weiterhin der Soldatenchor des Lehrbataillons.
Geschichte Nach einem Vorauskommando im Oktober 1956 unter Oberst Werner HaagHermann Zschweigert: Die Heeresoffizierschule II in Husum 1956–1958. In: Heino Hünken (Hrsg.): 300 Jahre Garnisonsstadt Husum. 50 Jahre Bundeswehrstandort. Zusammenstellung und Bearbeitung durch Henning Sehnert, Husum 2006, S. 18–21, hier: S. 18. wurde die Heeresoffizierschule II (HOS II) am 7. (respektive 1.Helmut R. Hammerich, Dieter H. Kollmer, Martin Rink, Rudolf J. Schlaffer: Das Heer 1950–1970. Konzeption, Organisation, Aufstellung (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. Band 3). Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-57974-6, S. 751.) November 1956 in Husum in Schleswig-Holstein aufgestellt. Damit war sie die zweite von drei Schulen dieser Art.Hans-Otto Mohr: Rückblick auf die Geschichte der Heeresoffizierschule II. In: Heeresoffizierschule II (Hrsg.): Festschrift aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der HOS II, Hamburg 1956–1966. Hamburg 1966, S. 24. Die HOS II bezog eine ehemalige Marinekaserne (Fliegerhorstkaserne an der Flensburger Chaussee). Im Dezember 1956 wurde Brigadegeneral Ottomar Hansen erster Kommandeur der Schule.Hans-Otto Mohr: Rückblick auf die Geschichte der Heeresoffizierschule II. In: Heeresoffizierschule II (Hrsg.): Festschrift aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der HOS II, Hamburg 1956–1966. Hamburg 1966, S. 25. Anfang des Jahres 1957 wurde der Lehrbetrieb mit dem 3. Fahnenjunkerlehrgang für 410 Offizieranwärter aufgenommen. Die offizielle Eröffnung fand am 22. Januar 1957 unter Anwesenheit des Inspekteurs des Heeres, Generalleutnant Hans Röttiger, und des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Kai-Uwe von Hassel (CDU) statt.Hans-Otto Mohr: Rückblick auf die Geschichte der Heeresoffizierschule II. In: Heeresoffizierschule II (Hrsg.): Festschrift aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der HOS II, Hamburg 1956–1966. Hamburg 1966, S. 27. Im gleichen Jahr erfolgte die Unterstellung beim Truppenamt (ab 1970 Heeresamt) in Köln.Hans-Otto Mohr: Rückblick auf die Geschichte der Heeresoffizierschule II. In: Heeresoffizierschule II (Hrsg.): Festschrift aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der HOS II, Hamburg 1956–1966. Hamburg 1966, S. 28.
Zum 1. Juli 1958 wurde der Umzug nach Hamburg-Wandsbek in die Douaumont-Kaserne beschlossen.Hans-Otto Mohr: Rückblick auf die Geschichte der Heeresoffizierschule II. In: Heeresoffizierschule II (Hrsg.): Festschrift aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der HOS II, Hamburg 1956–1966. Hamburg 1966, S. 33. 1961/62 kam es zu einer baulichen Erweiterung der Schule,Hans-Otto Mohr: Rückblick auf die Geschichte der Heeresoffizierschule II. In: Heeresoffizierschule II (Hrsg.): Festschrift aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der HOS II, Hamburg 1956–1966. Hamburg 1966, S. 57. so konnte eine neue Aula mit einer Kapazität von rund 800 Personen eingeweiht werdenHans-Otto Mohr: Rückblick auf die Geschichte der Heeresoffizierschule II. In: Heeresoffizierschule II (Hrsg.): Festschrift aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der HOS II, Hamburg 1956–1966. Hamburg 1966, S. 59.. 1963 wurden in der Aula sechs Nachbildungen von Fahnen preußischer Regimenter, die im Ersten Weltkrieg an der Schlacht bei Tannenberg (1914) teilgenommen hatten und 1945 aus dem Tannenberg-Denkmal in Ostpreußen evakuiert worden waren, aufgehängt.Hans-Otto Mohr: Rückblick auf die Geschichte der Heeresoffizierschule II. In: Heeresoffizierschule II (Hrsg.): Festschrift aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der HOS II, Hamburg 1956–1966. Hamburg 1966, S. 74. Im gleichen Jahr drehte erstmals der Norddeutsche Rundfunk (NDR) für eine Reportage an der Schule.Hans-Otto Mohr: Rückblick auf die Geschichte der Heeresoffizierschule II. In: Heeresoffizierschule II (Hrsg.): Festschrift aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der HOS II, Hamburg 1956–1966. Hamburg 1966, S. 80. 1966 wurden die Auswahllehrgänge der HOS II an die Heeresoffizierschule I bzw. die Bundeswehrfachschule (BwFachS) nach Hannover verlegt.Hans-Otto Mohr: Rückblick auf die Geschichte der Heeresoffizierschule II. In: Heeresoffizierschule II (Hrsg.): Festschrift aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der HOS II, Hamburg 1956–1966. Hamburg 1966, S. 109. Die Schule übernahm 1966 für ihr Offizierheim Gegenstände der Traditionsgemeinschaft des Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1 aus Berlin.Hans-Otto Mohr: Rückblick auf die Geschichte der Heeresoffizierschule II. In: Heeresoffizierschule II (Hrsg.): Festschrift aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der HOS II, Hamburg 1956–1966. Hamburg 1966, S. 111.
Das Lehrbataillon der HOS II hatte einen Soldatenchor, der etwa 1974 auf der Schallplatte Wenn wir marschieren in Erscheinung trat.W. A. Chislett, Andrew Lamb: Nights At The Roundtable. In: Gramophone 52 (1974) 614, S. 282 f.
Am 5. Juli 1974 sind im Zuge der AufstellungHelmut R. Hammerich: Kommiss kommt von Kompromiss. Das Heer der Bundeswehr zwischen Wehrmacht und U.S. Army (1950 bis 1970). In: Helmut R. Hammerich, Dieter H. Kollmer, Martin Rink, Rudolf J. Schlaffer (Hrsg.): Das Heer 1950 bis 1970. Konzeption, Organisation, Aufstellung (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 3). Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-57974-6, S. 329, Fn. 255. der zwei Bundeswehrhochschulen (1973) in München und Hamburg die Heeresoffizierschulen I bis III in der Offizierschule des Heeres (OSH) in Hannover, später Dresden, aufgegangen.Helmut R. Hammerich, Dieter H. Kollmer, Martin Rink, Rudolf J. Schlaffer: Das Heer 1950–1970. Konzeption, Organisation, Aufstellung (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. Band 3). Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-57974-6, S. 766.
Gliederung Der HOS II stand ein Kommandeur im Dienstgrad eines Brigadegenerals vor, der von einem Stab (Kommando- und Schulstab) unterstützt wurdeHermann Zschweigert: Die Heeresoffizierschule II in Husum 1956–1958. In: Heino Hünken (Hrsg.): 300 Jahre Garnisonsstadt Husum. 50 Jahre Bundeswehrstandort. Zusammenstellung und Bearbeitung durch Henning Sehnert, Husum 2006, S. 18–21, hier: S. 19.. Die Schule gliederte sich in zwei Lehrgruppen (A und B) mit insgesamt sechs Inspektionen und achtzehn Hörsälen sowie ein Lehrbataillon. Die Inspektionen und Hörsaale wurden durch Majore/Oberstleutnante geführt; ein Hörsaal bestand aus 22 bis 24 Offizieranwärtern. An der Schule lehrten Sport-, Taktik- und Truppenfachlehrer sowie zivile Dozenten.
Kommandeure Brigadegeneral Ottomar Hansen (1956–1957) Brigadegeneral Wilhelm Willemer (1957–1959) Brigadegeneral Harald Freiherr von Uslar-Gleichen (1959–1963) Brigadegeneral Dietmar Eckert (1963–1965) Brigadegeneral Hermann Wulf (1965–1971) Brigadegeneral Horst Scheuermann (1971–1974)
Lehrbataillon Am 16. November 1956 wurde das Lehrbataillon (LehrBtl HOS II) in Husum aufgestellt. Das Kampfbataillon gliederte sich in vier Kompanien.Hermann Zschweigert: Das Lehrbataillon der HOS II in Husum 1956–1958. In: Heino Hünken (Hrsg.): 300 Jahre Garnisonsstadt Husum. 50 Jahre Bundeswehrstandort. Zusammenstellung und Bearbeitung durch Henning Sehnert, Husum 2006, S. 22–23, hier: S. 22. Das anfangs eingesetzte Stammpersonal kam vom Zoll, vom Bundesgrenzschutz, von der Bereitschaftspolizei und aus der ehemaligen Wehrmacht. Es wurde auf den nahe gelegenen Truppenübungsplätzen in Putlos an der Ostsee und in Bergen-Hohne u. a. auf amerikanischen Waffensystemen ausgebildet. Im Juli und August 1958 erfolgte der Umzug nach Hamburg.
In Hamburg wurden die Rekruten in der Hanseaten-Kaserne untergebracht.Hermann Zschweigert: Das Lehrbataillon der HOS II in Husum 1956–1958. In: Heino Hünken (Hrsg.): 300 Jahre Garnisonsstadt Husum. 50 Jahre Bundeswehrstandort. Zusammenstellung und Bearbeitung durch Henning Sehnert, Husum 2006, S. 22–23, hier: S. 23. 1959 wurde das Lehrbataillon in ein Panzergrenadierbataillon, das PzGrenBtl (L) 173, umgegliedert und der Panzergrenadierbrigade 17 unterstellt. Es wurde dann auf den Schützenpanzer (lang) HS 30 umgerüstet. Das Bataillon machte sich bei der Unterstützungsmaßnahmen im Zuge der Sturmflut 1962 und des harten Winters 1963 u. a. unabdingbar.Lindner: 10 Jahre Lehrbataillon HOS II. In: Heeresoffizierschule II (Hrsg.): Festschrift aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der HOS II, Hamburg 1956–1966. Hamburg 1966, S. 117. Etwa 400 Soldaten erhielten die Hamburgische Dankmedaille.Lindner: 10 Jahre Lehrbataillon HOS II. In: Heeresoffizierschule II (Hrsg.): Festschrift aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der HOS II, Hamburg 1956–1966. Hamburg 1966, S. 118.
1971 erfolgte die Verlegung nach Wentorf bei Hamburg, die Unterstellung bei der Panzergrenadierbrigade 16 und die Umbenennung in Panzergrenadierbataillon 163 (SPz). In Wentdorf wurde 1973 auf den Schützenpanzer (SPz) Marder umgerüstet.
Mit der Einnahme der Heeresstruktur V wurde das Bataillon 1993 endgültig aufgelöst.
Ausbildung, Bildung und Erziehung Die Gründung von Heeresoffizierschulen in den 1950er Jahren diente der „Standardisierung“ der Ausbildung.Rüdiger Wenzke, Irmgard Zündorf: »Ein eiserner Vorhang ist niedergegangen«. Militärgeschichte im Kalten Krieg 1945–1968/70. In: Karl-Volker Neugebauer (Hrsg.): Grundkurs deutsche Militärgeschichte. Drei Bände mit interaktiver DVD. Band 3: Die Zeit nach 1945. Armeen im Wandel. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, R. Oldenbourg Verlag, München 2008, ISBN 978-3-486-58100-3, S. 116. Bedeutung erlangte an den Schulen der 1957 durch ein „Grundsatzprogramm“ vereinheitlichte militärhistorische Unterricht, der inhaltlich einen Zeitraum vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges umfasste.Friedhelm Klein: Militärgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland. In: Johann Christoph Allmayer-Beck u. a.: Militärgeschichte in Deutschland und Österreich vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart (= Vorträge zur Militärgeschichte. Bd. 6). Mittler, Bonn 1985, ISBN 3-8132-0214-3, S. 183–214, hier: S. 198 f. Zu den Lehrkräften gehörten u. a. die Oberstleutnante Karl-Hermann Freiherr von Brand zu NeidsteinErnst-Heinrich Schmidt: Zum Gedenken an Oberstleutnant a. D. Karl-Hermann Freiherr von Brand zu Neidstein. Museumsleiter von 1963–1974. In: Der Bote aus dem Wehrgeschichtlichen Museum 9 (1985) 17, S. 23 f. und Günter WillChristian Hauck: Historische Bildung – Politische Bildung. Zwei neue Wege der Bildung für die Bundeswehr. In: Uwe Hartmann, Claus Freiherr von Rosen (Hrsg.): Wissenschaften und ihre Relevanz für die Bundeswehr als Armee im Einsatz (= Jahrbuch Innere Führung. 2013). Hartmann, Miles-Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-937885-67-4, S. 223., die Militär- und Kriegsgeschichte unterrichteten.
An der HOS II doziertenGerd Kaldrack: Die soziale Rolle des Kompaniechefs. Ein Beitrag zur Inneren Führung von Wolfgang R. Vogt; Streit um eine verkannte Reform. Ein Beitrag zur Inneren Führung von Rudolf Hamann. In: Zeitschrift für Politik NF 17 (1970) 4, S. 489. auch die Soziologen Rudolf Hamann und Wolfgang R. Vogt, die nach dem Militärpädagogen Uwe Hartmann als „militärkritische Intellektuelle“ zu „Spannungen zwischen Intellektuellen und Militärs“ beitrugenUwe Hartmann: Intellektuelle und ihre Auseinandersetzung mit dem Militär – Grenzen, Möglichkeiten, Erwartungen. In: Helmut R. Hammerich, Uwe Hartmann, Claus Freiherr von Rosen: Die Grenzen des Militärischen (= Jahrbuch Innere Führung. 2010). Hartmann, Miles-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-937885-30-8, S. 37..