Ali Baba ist ein französischer Fantasy-, Abenteuer- und Komödienspielfilm von Jacques Becker aus dem Jahr 1954. Der Film behandelt die berühmte Märchenerzählung Ali Baba und die vierzig Räuber aus den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. In den Hauptrollen spielen Fernandel als Ali Baba, die ägyptische Bauchtanzlegende Samia Gamal als Morgiane, und Dieter Borsche als Anführer der vierzig Räuber.
Handlung „Es war einmal …“ – so fängt auch dieses Märchen von Ali Baba und den 40 Räubern an. In einer kleinen Wüstenstadt im Orient lebt der tapfere, bauernschlaue und großzügige Ali Baba, ein Freund der Armen und Diener des reichen Händlers Cassim. Für ihn erledigt er Geschäfte und kümmert sich um Haus und Harem. Der neueste Auftrag seines Herrn lautet, ihm auf dem Sklavenmarkt eine oder zwei Frauen zu kaufen. Ali ersteigert die schöne Morgiane, die von ihrem eigenen Vater als Sklavin verkauft wird. Ali führt sie in den Harem seines Herrn Cassim, wo die neue Sklavin einen Bauchtanz aufführt. Als Cassim sich an Morgiane vergreifen will, schützt Ali sie mehrfach durch eine List.
Da ihm Morgiane gefällt, beginnt er, um sie zu werben, und will ihr einen Papagei von einem Vogelhändler kaufen, der mit einer Karawane reitet. Unmittelbar nach dem Kauf wird die Karawane von Räubern überfallen. Ali versteckt sich in einem Weidenkorb, wird jedoch mitsamt dessen tragenden Kamel und dem Rest der Karawanentiere und den Waren von den Räubern zu deren Versteck geführt. Die Räuber bringen ihr Diebesgut in die Höhle und reiten davon, während Ali zurückbleibt und sich durch den mit angehörten Zauberspruch „Sesam, öffne dich!“ Zutritt zur Höhle verschafft. Ali stiehlt einige Goldmünzen, verlässt die Höhle und kehrt zum Anwesen von Cassim zurück. Er kündigt sein Dienstverhältnis bei Cassim und kauft ihm die Sklavin Morgiane ab. Ali ist offenherzig naiv und erzählt Qassim, dass er überaus reich geworden ist, woraufhin dieser hinter Alis Geheimnis zu kommen versucht und ihn betrunken macht, zu der Höhle führt und sogar das Passwort sagt. Als beide die Höhle wieder verlassen, werden sie von Abdul, dem Anführer der Räuber, beobachtet.
Zunächst bringt Ali Morgiane zu ihrem Vater zurück und erklärt, sie sei frei – er will freiwillig ihre Liebe erlangen. Er verteilt Goldmünzen an das einfache Volk und erwirbt ein neues Haus. Beim Gang auf die Dachterrasse sieht Ali auf den Sklavenmarkt hinunter, wo er entsetzt feststellt, dass Morgianes Vater seine Tochter erneut als Sklavin verkaufen will. Ali interveniert rechtzeitig, befreit Morgiane und bittet sie, seine Frau zu werden. Bei der Rückkehr in sein Haus begegnet Ali einem vermeintlichen Handleser, bei dem es sich in Wahrheit um Abdul, den Anführer der Räuber, handelt. Ali ist von ihm angetan und erlaubt ihm und seinen „40 Freunden“, am Abend in sein Haus zu kommen, um bei seiner Hochzeit mit Morgiane anwesend zu sein. An besagten Abend verschaffen sich sowohl Männer von Cassim als auch Abduls Räuber Zugang zu Alis Haus, wobei sie gegeneinander kämpfen. Es gelingt Ali, beide Anführer zu überwinden, die am nächsten Tag in Käfigen eingesperrt zur allgemeinen Belustigung des Volkes an den Pranger gestellt werden. Ali Baba hat nun endlich seine Morgiane geheiratet und das verbliebene Geld an die Armen und Bedürftigen der Stadt verteilt. So ist er zwar glücklich, doch letztlich wieder arm.
Produktionsnotizen Ali Baba wurde vom 12. April bis zum 14. Juli 1954Jean-Claude Sabria: Cinéma français. Les années 50. Paris 1987, Nr. 24. in Marokko (Ouarzazate, Taroudant und Agadir) (Außenaufnahmen) und in den Studios von Billancourt (Atelieraufnahmen) gedreht und am 21. Dezember 1954 in Deutschland uraufgeführt. Die französische Erstaufführung war drei Tage später, am Heiligabend desselben Jahres. Am 9. April 1955 lief der Film auch in Österreich an, am 5. Februar 1961 wurde Ali Baba erstmals im deutschen Fernsehen (ARD) ausgestrahlt.
Die Kostüme entwarfen Jacqueline Moreau und Georges Wakhévitch, der auch für die Filmbauten verantwortlich zeichnete.
Kritiken
„Mäßig kurzweilige, aber farbenprächtige Variante des orientalischen Märchens“, urteilte Der Spiegel, der ferner anmerkte: „Als volksverbundener Titelheld überzuckert Fernandel seine mimischen Clownerien mit neckischer Treuherzigkeit.“Ali Baba in Der Spiegel 3/1955, S. 36
Paimann’s Filmlisten resümierte: „Hier einmal 1001 Nacht à la Fernandel: mit ironischem Grundton, vom Humor des Künstlers getragen, in echter orientalischer Umwelt, aber auch ohne das rasante Tempo der amerikanischen Verfilmung.“.
„Motive aus 1001 Nacht in einem Film, der sich zwischen Märchen und Parodie nicht recht entscheiden kann“, befand das Lexikon des internationalen Films.
Synchronisation Der Film wurde zweimal synchronisiert, sowohl in der BRD als auch in der DDR. Die westdeutsche Synchronfassung entstand 1954 bei der IFU in Remagen. Georg Rothkegel schrieb das Dialogbuch und führte Regie. Die ostdeutsche Synchronisation wurde 1989 im Ost-Berliner DEFA Studio für Synchronisation aufgenommen.
+RolleDarstellerSynchronsprecher BRD (1954)Synchronsprecher DDRAli BabaFernandelAlfred BalthoffDietmar Richter-ReinickMorgianeSamia GamalIlka HugoAndrea AustAbdul, der Anführer der RäuberDieter BorscheWerner EhrlicherCassim, der HändlerHenri VilbertWerner LievenHans-Joachim Hanischder MuftiGaston OrbalHans-Ulrich LaufferMorgianes VaterÉdouard DelmontWimm SchroersWerner Kamenikerster BettlerJulien MaffreN.N.Hans-Joachim Leschnitzzweiter BettlerJosé CasaN.N.Peter Panhansdritter BettlerEdmond ArdissonGerhard GeislerKarl Heinz Oppelvierter BettlerManuel GaryN.N.Manfred RichterProlog-SprecherN.N.N.N.Erhard Köster
Unterschiede zur ursprünglichen Ali-Baba-Erzählung Der Film weicht in zentralen Details von der Handlung der Originalerzählung ab. Im literarischen Original ist Qassim (Cassim) nicht der Arbeitgeber, sondern Bruder von Ali Baba. Die Sklavin Mardschana (Morgiane) ist bereits in seinem Besitz und wird weder auf dem Sklavenmarkt gekauft, noch später verkauft. Der im Film ledige Ali Baba ist in der Originalerzählung verheiratet und hat einen nahezu erwachsenen Sohn. Qassim stirbt, nachdem er Ali Baba das Geheimnis der Höhle entlockt hat und Mardschana geht so in Alis Besitz über. Als sie ihm später zweimal das Leben rettet, schenkt er ihr zunächst die Freiheit und verheiratet sie später mit seinem Sohn.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1954 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Märchenfilm Kategorie:Abenteuerfilm Kategorie:Filmkomödie Kategorie:Film über Ali Baba Kategorie:Haremssklaverei im Film Kategorie:Bauchtanz im Film Kategorie:Sklavenhandel im Film