Die Gesellschaft bildender Künstler Österreichs, Künstlerhaus wurde am 29. April 1861 als „Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens“ gegründet und ist eine Künstlervereinigung, die das Kunstleben Österreichs maßgebend prägte. Der laut Eigendefinition „unabhängige, private Verein mit knapp 500 Künstlermitgliedern aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Architektur, angewandte Kunst und Film versteht sich als Plattform für Kunstschaffende und Kunstinteressierte sowie als Sprachrohr seiner Mitglieder in kulturpolitischen Anliegen“. Ungleich anderer österreichischer Künstlervereinigungen, wie etwa des Hagenbunds, wurde die heute „Künstlerhaus, Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs“ genannte Vereinigung nie aufgelöst oder verboten.

Die kunsthistorisch bedeutende, avantgardistische Bewegung der Wiener Secession bezog sich bei ihrer „Abspaltung“ vom Künstlerhaus Wien im Jahr 1897, namentlich auf ihre Abkehr vom damals in der Gesellschaft bildender Künstler vorherrschenden traditionellen Konservatismus.

Historische Einordnung Die Gründung des Vereins als Stadtvertretung der Wiener Maler, Bildhauer und Architekten erfolgte durch den Zusammenschluss des 1851 gegründeten – Vereins junger Künstler und Akademiker, der sich bald in Albrecht-Dürer-Verein umbenannte und des Vereins Eintracht. Bereits kurz nach ihrer Gründung, erhob die Vereinigung in einer Denkschrift an die kaiserliche Regierung Anspruch der Hebung der Kunstverhältnisse in Österreich zu dienen. Für viele Jahre sollte die Wiener Genossenschaft auch der einzige repräsentative Bezugspunkt des öffentlichen Kunstlebens bleiben. Mit Ausnahme Ungarns, das nach dem Ausgleich 1867, die Länder der Ungarischen Krone bildete und fortan seine eigenen Institutionen aufbaute, gehörte jeder Künstler, der in der Monarchie auf Namen und gewisse Bedeutung Anspruch erheben konnte bzw. für sich selbst in Anspruch nahm, ihr an.

Erst mit Aufkeimen des Nationalismus innerhalb der Doppelmonarchie, sowie mit immer größer werdenden Vehemenz gestellten Frage nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, erfolgte die Neugründung weiterer Künstlervereinigungen in den österreichischen Kronländern, wie etwa in Böhmen, oder in der heutigen slowenischen Hauptstadt, der Landeshauptstadt der Krain: Ljubljana.

In den 1890er Jahren wurde vermehrt die Kammer-Funktion der Vereinigung kritisiert: war die Vereinsmitgliedschaft zunächst zugänglich für alle von ihrem Kunstschaffen lebenden Personen (Amateure konnten außerordentliche Mitglieder werden), so führte die zunehmende Zahl an Künstlern in der wachsenden Gesellschaft der späten Donaumonarchie zu wiederholten Ablehnung der Aufnahme. Doch auch Neid, mag eine Rolle gespielt haben, bei der folgenden Gründung der Wiener Secession 1897, wie der Historiker Wladimir Aichelburg (seit 1972 Archivar des Künstlerhauses) hervorhebt: „Diese Lebensfähigkeit, der Lebenswille, vor allem aber der relative Wohlstand der Vereinigung erweckten oft Neid, führten zu Aversionen und zu Angriffen gegen sie. Den ersten Höhepunkt erreichten diese Anfeindungen kurz vor der Jahrhundertwende im Zusammenhang mit der Entstehung der Secession, den zweiten nach dem Zerfall der Monarchie in den Geburtswehen der neuen kleinen Republik, einen weiteren in den fünfziger Jahren nach der Entstehung der Föderation und des Berufsverbands bildender Künstler Österreichs. Allgemein vorherrschend war dabei stets die Tendenz, das Künstlerhaus als eine rückständige, konservative Vereinigung darzustellen, die sich überlebt hatte. (…) Das Problem der Angriffe lag und liegt nicht immer ausschließlich im bösen Willen, sondern hauptsächlich in der mangelnden Information bzw. fehlender Imagewerbung durch das Künstlerhaus selbst; so gab etwa die „Genossenschaft der bildenden Künstler im Künstlerhaus“ – bzw. später die „Gesellschaft der bildenden Künstler im Künstlerhaus“ (das waren die im Künstlerhaus ansässige Künstlervereinigungen) – nie eine Kunstzeitschrift heraus, in der sie sich im richtigen Licht darstellen und falsche Meinungen dementieren hatte können.“

Einfluss Bereits nach obig erwähnter erster Denkschrift erfolgte die Gründung einer eigenen Kunst-Sektion im Staatsministerium. Aus der 1882 erfolgten Eröffnung der Erweiterung des Vereinsgebäudes, des heutigen Künstlerhauses, mit der 1. Internationalen Kunstausstellung, erfolgte die Initiative Hans Makarts zur Gründung einer Modernen Galerie: der heutigen Österreichischen Galerie Belvedere.

Zuletzt ging die zuvor erwähnte Gründung der Wiener Sezession auf die Vereinsdiskussionen über die Ausrichtung zeitgenössischer Kunst zurück, welche unter Führung des Malers Gustav Klimt am 7. April 1897 zur Abspaltung vom Mainstream der Gesellschaft führte. Neben Klimt forderten auch Koloman Moser und Josef Hoffmann (Begründer der Wiener Werkstätte), oder Joseph Maria Olbrich u. a. eine andere gesellschaftliche Auffassung von Kunst und eine neue Ausstellungspolitik. Der namensgebende Sezessionsstil wurde zu einer Spielart des Jugendstils. Dennoch gab es auch Doppelmitgliedschaften, oder auch Mitglieder der alten Genossenschaft im Künstlerhaus, wie zum Beispiel der Architekt Alfred Keller, welche durchaus im sezessionistisch Stil Bauten, ohne aber der Sezession anzugehören.

Mit der Ausstellung Kunst um 1970 im Jahre 1979, welche der damalige Präsident Hans Mayr zusammen mit dem Sammler-Ehepaar Peter und Irene Ludwig im Wiener (Garten)Palais Liechtenstein organisierte, ging schließlich das heutige MUMOK im Wiener MuseumsQuartier hervor. Die damalige Bundesministerin für Wissenschaft und Forschung Hertha Firnberg führte die Verhandlungen zur 1981 erfolgten Einbindung der privaten Stiftung Ludwig in die als Museum des 20. Jahrhunderts benannte Sammlung.

Das Vereinsgebäude Das heutige Künstlerhaus in Wien war das erste von Künstlern selbst finanzierte Schau- und Vereinsgebäude im deutschsprachigen Raum. Der Baubeginn fand bereits vier Jahre nach der Gründung statt, auf Anregung von Friedrich Stache. Erbaut am Nordufer, des damals noch offen fließenden Wienflusses, im Stil der italienischen Renaissance, ist das heute noch bestehende Gebäude des Architekten August Weber dem vorherrschenden Historismus des Ringstraßenstils zuzuordnen. Es wurde am 1. September 1868 eröffnet, nach nur dreijähriger Bauzeit und neun Monate vor Einweihung der sich in unmittelbarer Nähe befindlichen k. k. Hofoper. Direkt gegenüber einem der beiden 1882 errichteten Seitenflügel befindet sich das Gebäude des Musikvereins, welches neun Monate nach der Hofoper seiner Bestimmung übergeben wurde. Heute beherbergt das Haus das 1949 eröffnete Künstlerhaus-Kino – seit 2013 Stadtkino – sowie seit 1974 ein Theater, welches seit 2007 unter dem Namen brut Wien firmiert.

Präsidenten 1861/62 – August Sicard von Sicardsburg 1862/63 – Friedrich Stache 1863/64 – Friedrich Friedländer 1864/65 – Anton Hefft 1865/66 – Alois Schönn 1866/67 – Eduard Engerth 1867/68 – Joseph Selleny 1868/69 – Friedrich Friedländer 1869/70 – Heinrich von Angeli 1870/71 – Siegmund L’Allemand 1871–1873 – Eduard Peithner von Lichtenfels 1873/74 – Rudolf von Alt 1874–1876 – Eugen Felix 1876–1878 – Friedrich Schilcher 1878–1880 – Carl Freiherr von Hasenauer 1880–1882 – Hans Makart 1882–1884 – Andreas Streit 1884–1886 – August Schaeffer 1886–1888 – Friedrich Freiherr von Schmidt 1888–1890 – Eugen Felix 1890–1892 – Franz Roth 1892–1894 – Josef Mathias Trenkwald 1894–1896 – Julius Deininger 1896–1898 – Eugen Felix 1898–1900 – Rudolf Weyr 1900–1905 – Andreas Streit 1905–1910 – Heinrich von Angeli 1910/11 – Andreas Streit 1911/12 – Rudolf Weyr 1912–1919 – Hugo Darnaut 1919/20 – Hans Ranzoni 1920–1923 – Ernst Hegenbarth 1923–1925 – Otto Schönthal 1925–1929 – Alexander Demetrius Goltz 1929–1937 – Hans Ranzoni 1937–1939 – Leopold Blauensteiner 1939–1945 – Rudolf Hermann Eisenmenger 1945–1954 – Karl Maria May 1954–1961 – Rudolf Heinz Keppel 1961–1965 – Alfons Riedel 1965–1974 – Karl Kupsky 1975–1993 – Hans Mayr 1993–1996 – Peter Kodera 1996–2006 – Manfred Nehrer 2006–2012 – Joachim Lothar Gartner 2012–2019 – Michael Pilz 2019 – Tanja Prušnik

Siehe auch

Künstlerhaus Wien

Einzelnachweise

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