Mit dem Begriff Strukturverbennach Heinrich Weber: Strukturverben im Deutschen. In: Danuta Stanulewicz, Roman Kalisz, Wilfried Kürschner, Cäcilia Klaus (Hrsg.): De lingua et litteris: Studia in honorem Cassimiri Andreae Sroka. Wydawnictwo Uniwersytetu Gdańskiego, Gdańsk 2005, , ISBN 837-3-26267-9 werden in diesem Artikel die nicht-lexikalischen Verben des Spanischen zusammengefasst, also die Verbklassen der Kopula-, Hilfs- und Modalverben,Nueva gramática. Básica de la lengua española. Asociación de Academias de la Lengua Española. Espasa Libros, S.L.U, Barcelona 2011, ISBN 978-84-670-3471-4, S. 154–162 im Gegensatz zu den Vollverben.
Erläuterungen, Zusammenfassung Für die Morphologie des spanischen Verbs gilt, dass es nur eine kleine Auswahl an Suffixe zur Verfügung hat, so enden die Verben immer entweder auf die Suffixe -ar, -er oder -ir. Im Gegensatz zu den Vollverben, verbos plenos sind die Strukturverben nicht in der Lage, ohne die Hilfe eines weiteren Worts ein PrädikatPrädikat – Predicado (Recop.), Justo Fernández López, hispanoteca.eu zu bilden. Während also Vollverben allein als Prädikat, predicado auftreten können, erscheinen die Kopulaverben zusammen mit einem Prädikativum, atributo und die Hilfsverben und Modalverben dienen in Verbindung mit einem Vollverb der Bildung zusammengesetzter Prädikate.Reinhard Kiesler: Sprachsystemtechnik. Einführung in die Satzanalyse für Romanisten. Winter, Heidelberg, ISBN 978-3-8253-6409-0, S. 33
Charakteristika der Strukturverben So bilden sie im Gegensatz zu den Vollverben eine eigene Gruppe, bestehend aus: Kopula bzw. Kopulative Verben, verbos copulativos, Hilfsverben, verbos auxiliares und Modalverben, verbos modales.
Kopulative Verben werden mit einem Nomen, Pronomen oder Adverb zu einem mehrgliedrigen Prädikat ausgebaut, das wegen der Beteiligung nominaler Wortarten in der Grammatik des Spanischen dann als „nominales Prädikat“ bezeichnet wirdEin Prädikat kann je nach dem lexikalischen Element „verbal“ (verbal, d. h. eine Tätigkeit angebend) oder „nominal“ (nominal, d. h. einen Zustand angebend) sein. Das „verbale Prädikat“ wird durch die Personalform eines Verbs gebildet. Das „nominale Prädikat“ hingegen besteht aus zwei Teilen: einem Funktionsverb, das in erster Linie die grammatische Information enthält, und einem Prädikativ (Prädikatsnomen) mit der lexikalischen Information.Die Syntax, S. 1–11. Sie haben also die Funktion, die betreffenden Wörter prädizierbar zu machen. Hilfsverben sind Funktionswörter, die zur Bildung der analytischen Formen des Verbs dienen. Modalverben verbinden sich regelmäßig mit Vollverben zu einem mehrgliedrigen verbalen Prädikat. So bestimmt die Auswahl des Hilfsverbs bzw. der Kopula darüber, ob der zu bildende Satz im Aktiv, mit „haber“ steht oder aber im Passiv, mit „ser“ bei sich vollziehenden Handlungen bzw. „estar“ bei vollendeten Handlungen.
Sie lassen sich zu einer Einheit zusammenfassen, gleichwohl ohne bisher in der sprachwissenschaftlichen Literatur hierfür eine spezifische Gruppenbezeichnung für diese Verbalgruppen aufzuweisen, einer Gruppe, die also nicht für sich allein das Prädikat zu bilden im Stande ist. Sie könnten in Spanisch in Anlehnung an Weber (2005) als „Strukturverben“, »verbos estructurados«freie Übersetzung ins Spanische, durch die wissenschaftliche Literatur nicht gesichert bezeichnet werden. Indem sie dieses Ziel erreichen, bilden sie „komplexe Prädikate“ oder zusammengesetzte Prädikate, aber auf einem ihnen jeweils spezifischen, innewohnenden und charakteristischen Wege.
Marcos Marín u. a. (1998)Francisco Marcos Marín, F. Javier Satorre Grau, María Luisa Viejo Sánchez: Gramática española. Síntesis, Madrid 1998, S. 511. klassifizieren die Verben, verbos no predicativos wie folgtmodifiziert nach Francisco A. Marcos Marín (1998) ergänzt um die einzelnen Beispielverben und um die Rubrik verbos modales: verbos copulativos: ser, estar; verbos auxiliaries: haber, ser, estar; verbos semicopulativos o cuasi-copulativos: quedarse, volverse, ponerse, parecer und llamarse; verbos cuasi-auxiliaries: abrir, acabar, alcanzar, andar, comenzar, continuar, deber, decir, empezar, hallarse, ir, llevar, quedar, resultar, seguir, tener, venir; verbos modales: poder, querer, saber, soler, necesitar, tener que, haber que und deber de.
Kopulaverben und Kopulaersatz Neben den beiden Kopulaverben „estar“ und „ser“ finden sich im Spanischen noch eine weitere Anzahl von Verben, die neben ihrer Funktion als Vollverben auch als Kopulaverben eingesetzt werden können.zu den Kopulaverben siehe auch Proto-Indoeuropäische Kopula, verbo copulativo protoindoeuropeo In dieser Funktion verlieren sie dann ihren lexikalischen Wert und meinen nur noch eine Seinshaftigkeit. Denn während die prädikativen Verben, verbos predicativos volle semantische Bedeutung aufweisen und als semantischer bzw. syntaktischer Kopf des Prädikats in Erscheinung treten, agieren die kopulativen Verben, verbos copulativos als „Bindewörter“ zwischen Subjekt und Attribut.Elena Santillán: Spanische Morphosyntax. Ein Studienbuch zum Lehren, Lernen un Üben. Narr, Tübingen 2015, ISBN 978-3-8233-6980-6, S. 52 – Beispiele:
Juana conducía el coche de su hermano. conducía ist der Kopf des Prädikats José está cansado. está ist zu einem „Bindewort“ zwischen Subjekt und Attribut geworden.
Durch ihre Eigenschaft, schon als Vollverben Zustandhaftigkeit auszudrücken, sind sie besonders als Kopulaersätze, verbos pseudocopulativos geeignet. Anders aber als die echten Kopulaverben sind semantischAuf der Ebene der Semantik wird die Beziehung (Relation) zwischen dem versprachlichten oder bezeichneten Objekt (Denotat) und dem sprachlichen Zeichen (Denotans) verstanden nicht leer.Kopulaersätze. Verben mit der Funktion als Kopulaersatz – Verbos pseudocopulativos. Justo Fernández López, hispanoteca.euVerbos semipredicativos o semicopulativos. murciaeduca.es
Hinsichtlich der Anzahl der Verben die im spanischen zu den Kopulaverben, verbo copulativo o verbo copulativo zählen gibt es keine Einhelligkeit bei den verschiedenen Hispanisten; Felixberger (1974)Josef Felixberger: Untersuchungen zur Sprache des spanischen Sprichwortes. Fink, München 1974, S. 152. rechnet hierzu achtzehn Verben. Es werden neben den beiden wichtigsten Kopulaverben estar und ser noch weitere bedeutsame Verben wie etwa quedarse, volverse, ponerse, parecer und llamarse genannt.Kopulaersätze. Verben mit der Funktion als Kopulaersatz-Verbos pseudocopulativos. Justo Fernández López hispanoteca.eu – Beispiele:
Volverse: Miguel se volvió loco de alegría. sich wandeln; werden Hacerse: Miguel se hizo el tonto con la fecha de la entrevista de trabajo. sich verwandeln; werden Salir: La comida no salió rica. entspringen; werden; hervortreten Ponerse: Miguel se puso loco de alegría. werden zu; vorübergehend werden; anfangen
Seguir: Sigue enfadada conmigo. verfolgen; weiterverfolgen; folgen Mantenerse: Miguel se mantuvo callado toda la clase. bleiben; sich erhalten Quedarse: Miguel se quedó de piedra. bleiben; dableiben; zurückbleiben
Resultar: El problema resultó difícil. sich erweisen; sich ergeben Salir: Salió enfermo del examen. ausgehen; hinausgehen Llamarse: Ese alumno se llama Pedro. heißen; sich nennen Andar: Anda despistado todo el día. gehen; wandeln Creerse: Miguel se cree listo. sich halten für; glauben Sentirse: Miguel se siente indispuesto. sich fühlen
Die Abgrenzung ist deshalb schwierig, weil es eine Reihe von (Voll-)Verben gibt, die die Funktion von Kopulaverben übernehmen können und dann in der Konsequenz als solche verwendet werden.Die Kopulaersätze, alphabetisch. hispanoteca.euJoyce Bruhn de Garavito: Eventive and Stative Passives: The Role of Transfer in the Acquisition of ser and estar by German and English L1 Speakers. In: Joseph Collentine u. a. (Hrsg.): Selected Proceedings of the 11th Hispanic Linguistics Symposium. Cascadilla Proceedings Project, Somerville, MA 2009, S. 27–38.
Kopulaverben haben die syntaktische Funktion zwei Elemente zu verknüpfen. So verbinden sie das Subjekt des Satzes mit einem Nomen oder einem Adjektiv, den Prädikativa. Zusammen mit dem Nomen oder dem Adjektiv bilden sie das Prädikat eines Satzes. „Ser“ in Verbindung mit einem Adjektiv ordnet dem Subjekt ein konstitutives Merkmal zu; vereinfacht klassifiziert und definiert es das Subjekt. „Estar“ in Verbindung mit einem Adjektiv zeigt einen durch Veränderung entstandenen oder aber veränderlichen Zustand des Subjekts an; vereinfacht konkretisiert es das prozesshafte im Subjekt.Helmut Berschin, Julio Fernández-Sevilla, Josef Felixberger: Die spanische Sprache. Verbreitung, Geschichte, Struktur. 3. Auflage. Georg Olms, Hildesheim / Zürich / New York 2005, ISBN 3-487-12814-4, S. 273.
Manche Hispanisten, Kay-Eduardo González-Vilbazo und Eva-Maria Remberger (2007)Eva-Maria Remberger, Kay-Eduardo González-Vilbazo: Die Kopula im Romanischen. In: Ljudmila Geist, Björn Rothstein: Kopulaverben und Kopulasätze: intersprachliche und intrasprachliche Aspekte. (= Linguistische Arbeiten. Band 512). De Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-484-30512-0, S. 201–227. betrachten die Kopulaverben auch als eine Art von Hilfsverben. Da die Kopula sich als eine semantisch leere verbale Kategorie darstellten, einer Kategorie also, die nur funktionale, aber keine lexikalische Bedeutung in sich trüge. Wird das Prädikat (siehe auch Verbalphrase) vermittels eines Kopulaverbs gebildet, steht es mit einem substantivischen oder adjektivischen Prädikativum; die Kopulaverben sind intransitive Zustandsverben. Die Kopula oder die als Kopula verwendeten Verben sind gewissermaßen eine semantisch leere Kategorie, also eine Kategorie die lexikalisch unbedeutend und mehr funktionell zu sehen ist (siehe auch Urindogermanische Kopula).Eva-Maria Remberger, Kay-Eduardo González-Vilbazo: Die Kopula im Romanischen. In: Ljudmila Geist, Björn Rothstein: Kopulaverben und Kopulasätze: intersprachliche und intrasprachliche Aspekte. (= Linguistische Arbeiten. Band 512). Walter de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-484-30512-0, S. 1–27.Claudia Maienborn: Zustände – Stadien – stative Ausdrücke: Zur Semantik und Pragmatik von Kopula-Prädikativ-Konstruktionen. In: Linguistische Berichte. 183, 2000, S. 271–307.Claudia Maienborn: Situationsbezug und die Stadien/Individuen-Distinktion bei Kopula-Prädikativ-Konstruktionen. In: ZAS Papers in Linguistics. 14, 1999, S. 41–64.
Auf Carlson (1977)Greg Carlson: A unified analysis of the English bare plural. Linguistics and Philosophy 1, 3, (1977), S. 413–458.Greg Carlson: Reference to Kinds in English. Garland, New York 1977. geht die semantische Unterscheidung zwischen individual level predicates (ILP) und stage level predicates (SLP) zurück.Gerhard Jäger: Stage levels, states, and the semantics of the copula. In: ZAS Papers in Linguistics. 14, 1999, S. 65–94. Das Kopulaverb „ser“ (sein/ser/essere) wird in sprachlichen Kontexten verwendet, die die Individuenprädikate (ILP) betreffen, während das Kopulaverb „estar“ (stehen/estar/stare) vor allem zusammen mit Stadienprädikaten (SLP) auftreten. – Beispiele: Juana es inteligente. „individual level predicates (ILP)“ mit „ser“ Juana está enamorada. „stage level predicates (SLP)“ mit „estar“José Camacho: “Ser” and “Estar”: Individual/Stage level predicates or aspect? Rutgers University, S. 1–18.