mini|Die Herrschaften des Königreichs Jerusalem um 1187
Das Königreich Jerusalem der Kreuzfahrer, das 1099 geschaffen wurde, war, dem westeuropäischen Feudalismus entsprechend, in eine Reihe kleinerer Herrschaften aufgeteilt. Nicht dazu gehörten die drei anderen Kreuzfahrerstaaten, das Fürstentum Antiochia, die Grafschaft Edessa und die Grafschaft Tripolis, die nicht Teil des Königreichs waren und auch keine feudalen Leistungen zu erbringen hatten (die militärische Unterstützung wurde ebenso oft gewährt wie versagt).
Johann von Ibelin folgend, waren die vier höchsten Barone des Reichs der Graf von Jaffa und Askalon, der Fürst von Galiläa, der Herr von Sidon und der Graf von Tripolis.zu Johann von Ibelin und seinen Auflistungen: Peter W. Edbury: John of Ibelin and the Kingdom of Jerusalem, Woodbridge 1997, bes. S. 110–176. Im Falle Tripolis jedoch war Johann sich nicht sicher und er schreibt, dass andere behaupteten, der Herr von Oultrejordain wäre der vierte Baron. Wahrscheinlich verdrehte Johann hier die Wahrheit, da er sich zu diesem Zeitpunkt mit dem nominalen Herrn von Oultrejordain (das Gebiet war rund 70 Jahre bevor Johann schrieb an die Muslime verloren gegangen) im Konflikt befand, mit dem Grafen von Tripolis hingegen befreundet war. Tripolis war jedoch nie Teil des Königreiches Jerusalem, sondern zu jeder Zeit unabhängig, so dass vermutlich doch Oultrejordain die vierte Baronie war. Ebenso ist in der Forschung umstritten, ob es den Status der Baronien tatsächlich gab, oder es nur eine Art Wunschdenken Johanns war, der selbst die Grafschaft Jaffa und Askalon besaß. Darüber hinaus führt er 16 weitere unabhängige Herrschaften auf, die Seigneurien. Baronien und Seigneurien besaßen laut Johann das Recht von cour et coins et justice, das Recht also auf ein Feudalgericht, ein eigenes Bleisiegel zur Bestätigung von Urkunden und die Gerichtsbarkeit über die sonstigen Einwohner der Herrschaft. Von Johanns Auflistung der Seigneurien muss seine Auflistung unterschieden werden, welche Gebiete dem Königreich wie viele Ritter schuldeten. Die hier angedeuteten Abhängigkeiten der kleineren Herrschaften von den größeren Baronien sind laut Peter Edbury eher auf Kampfverbände als auf feudalrechtliche Vorgaben zurückzuführen. Der Rest des Landes wurde von der Krone direkt gehalten, die vier Zentren dieser Krondomäne lagen in Jerusalem selbst, Akkon, Nablus und Tyrus. Obwohl die Herrschaften im Königreich in den ersten Jahren nicht erblich waren, konnten sich die meisten Familien ab den 1130er Jahren in ihren Gebieten halten.
Viele dieser Herrschaften hörten nach dem Verlust Jerusalems 1187 auf zu existieren, erst recht nach dem Verlust Akkons 1291, dennoch traten noch Jahrzehnte und Jahrhunderte später in Europa Prätendenten auf.
Grafschaft Jaffa und Askalon
Die Grafschaft Jaffa (ab 1153 einschließlich Askalon) war üblicherweise im Besitz der königlichen Familie – entweder direkt im Besitz des Königs, oder mindestens eines seiner Verwandten. Jaffa war Ende Mai 1099 vom Ersten Kreuzzug erobert, 1100 von Gottfried von Bouillon befestigt und erfolglos von Daimbert von Pisa, dem ersten Lateinischen Patriarchen von Jerusalem für sich beansprucht worden. Als Hugo II. von Le Puiset 1134 gegen König Fulko rebellierte, wurde die Grafschaft in eine Reihe kleinerer Einheiten aufgeteilt, Jaffa selbst wurde Krongut. 1187 ging Askalon an Saladin verloren, das zwar 1239 wieder zurückerobert, aber nicht wieder mit der Grafschaft Jaffa vereint wurde. Askalon wurde stattdessen 1243 von Kaiser Friedrich II. an den Hospitaliterorden verkauft, welcher die Burg 1247 endgültig an die Muslime verlor. Ungeachtet dessen nannte sich der seit 1247 amtierende Graf Johann von Jaffa auch weiterhin Graf von Jaffa und Askalon, wohl um seinen Besitzanspruch auf Askalon zu untermauern, der aber nie ausgeübt werden konnte. Am 3. März 1268 wurde auch Jaffa endgültig von den Mamluken unter Baibars I. erobert. Der Grafentitel wurde noch lange nach dem Fall der Grafschaft als bloße Titulatur weitergeführt.
Roger und Gerhard (1099–1100) Krongut (1100–1110) Hugo I. von Le Puiset (1110–1118) (Haus Le Puiset) Albert von Namur (1118–1122) als Regent für Hugo II. von Le Puiset Hugo II. von Le Puiset (1122–1134) Krongut (1134–1151) Amalrich I. (1151–1163) Krongut (1163–1176) Sibylle (1176–1185) ⚭ Wilhelm von Montferrat (1176–1177) ⚭ Guido von Lusignan (1180–1185) Krongut (1185–1187) Gottfried von Lusignan (1191–1193) Amalrich II. (1193–1197) Krongut (1197–1221) Walter IV. von Brienne (1221–1246) Johann von Ibelin (1247–1266) Jakob von Ibelin (1266–1276)
Guido von Ibelin (Titulargraf 1276–1304) Philipp von Ibelin (Titulargraf 1304–1316) Hugo von Ibelin (Titulargraf 1316–1349) Balian von Ibelin (Titulargraf 1350–um 1351) Marie von Ibelin (Titulargräfin um 1351–1367) Florin (Titulargraf um 1450) Johann Perez Fabrice (Titulargraf) Louis Perez Fabrice (Titulargraf) Giorgio Contarini (Titulargraf) N. Contarini (Titulargraf)
Giorgio Contarini. (Titulargraf um 1579)
Eine Reihe von Herrschaften waren Vasallen des Grafen von Jaffa, bzw. direkt der Krone unterstellt, wenn die Grafschaft Jaffa Teil des Krongutes war:
Herrschaft Ramla
Ramla wurde ebenfalls 1099 vom Ersten Kreuzzug erobert. Ramla wurde kurz, bis 1101, vom Bischof von Ramla und Lydda regiert. Es ist nicht bekannt, wann Ramla eine eigene Herrschaft wurde, obwohl es einen Balduin von Ramla gab, einen Großgrundbesitzer in den frühen Jahren des Königreichs. 1126 wurde Ramla Teil der Grafschaft Jaffa, 1134, nach der Revolte des Hugo II. von Le Puiset, eigenständig mit Balduin II. von Ramla als Herrn (obwohl Balduin I. kein Herr aus eigenem Recht war). Helvis, die Erbtochter Balduins II. heiratete um 1130 Barisan von Ibelin und nach dessen Tod Manasses von Hierges. Ihr Sohn Hugo aus erster Ehe folgte ihr 1152. Dessen Bruder Balduin III. übernahm Ramla nach Hugos Tod um 1170 und ging 1187 im Streit mit König Guido von Lusignan nach Antiochia ins Exil. Sein minderjähriger Sohn Thomas übernahm die Herrschaft nur kurzzeitig. Noch im selben Jahr wurde Ramla von Saladin erobert. Durch den vom Kreuzzug von 1239 bis 1241 bewirkten Friedensvertrag mit den Muslimen erhielten die Christen die Herrschaft Ramla 1241 zurück, und Johann von Ibelin wurde mit der Herrschaft belehnt. Um 1268 wurde Ramla endgültig von den Mamluken erobert.
Balduin I. von Ramla Balduin II. von Ramla (1134–1138) Helvis von Ramla (1138–1152) ⚭ Barisan von Ibelin (1138–1150) ⚭ Manasses von Hierges (1150–1152) Hugo von Ibelin (1152–1170) Balduin von Ibelin (1170–1187) Thomas von Ibelin (1187)
Johann von Ibelin (1241–1266) Jakob von Ibelin (1266–1268)
Herrschaft Ibelin
Ibelin wurde um 1141 gegründet. Es lag rund um die neu errichtete Burg Ibelin nahe Ramla und wurde an Barisan von Ibelin gegeben, den vormaligen Konstabler der Grafschaft Jaffa. Die Ibelins wurden in der Folgezeit die mächtigste Familie im Land und beherrschten bald weite Teile des Königreiches. 1187 wurde Ibelin von Saladin besetzt und nicht mehr durch die Christen zurückerobert.
Barisan von Ibelin (1134–1150) Hugo von Ibelin (1150–1170) Balduin von Ibelin (1170) Balian von Ibelin (1170–1187)
Herrschaft Mirabel
Mirabel war eigentlich eine Untereinheit der Herrschaft Ramla und wohl nur kurzzeitig in den 1160er Jahren eigenständig, als Hugo von Ibelin es an seinen Bruder Balduin ausgab.Denys Pringle, The Castle and Lordship of Mirabel. In: Montjoie. Studies in Crusade History in Honour of Hans Eberhard Mayer. Aldershot 1997, S. 94–97 Nach Hugos Tod wurden beide Herrschaften unter Balduin wieder vereinigt. Mirabel wurde 1187 von Saladin erobert.
Balduin von Ibelin (1162–1170)
Fürstentum Galiläa
Das Fürstentum Galiläa, nach seinem Zentrum auch Herrschaft Tiberias, wurde bereits – wenigstens dem Namen nach – 1099 errichtet, als Tankred von Tarent Tiberias, Haifa und Bethsan eroberte und von Gottfried von Bouillon als Lehen erhielt. 1101 beschränkte Balduin I. Tankreds Macht, indem er Haifa an Waldemar Carpenel gab; auch wurde Tankred gezwungen, das Fürstentum aufzugeben, als er Regent in Antiochia wurde. Das Fürstentum wurde 1187 von Saladin erobert, wurde 1240 zurückgegeben, aber 1247 endgültig von den Ayyubiden zerschlagen. Der Titel wurde jedoch von den Erben der Könige von Jerusalem in Akkon weitergeführt.
Tankred (1099–1101) Hugo von Saint-Omer (1101–1106) Gervaise von Bazoches (1106–1108) Tankred (1109–1112) Joscelin von Courtenay (1112–1119) Wilhelm von Bures (1120–1143) Elinand (1143–1148) Simon (1148–1153) Wilhelm von Bures (1153–1158)Martin Rheinheimer: Das Kreuzfahrerfürstentum Galiläa, Frankfurt a. M. 1990, S. 39–63; Hans Eberhard Mayer: The Crusader Principality of Galilee between Saint-Omer and Bures-sur-Yvette. In: Itinéraires d'Orient. Hommages à Claude Cahen, S. 157–167. Eschiva von Bures (1158–1187) ⚭ Walter von Saint-Omer (1159–1174) ⚭ Raimund III. von Tripolis (1174–1187) Hugo II. von Saint-Omer (1187–1204) Titularfürst Rudolf von Saint-Omer (1204–1219) Titularfürst Eschiva von Saint-Omer (1219–1265) Titularfürstin 1219–1240, 1247–1265 ⚭ Odo von Montbéliard († 1244)
Philipp von Ibelin, Titularfürst Balian von Ibelin, Titularfürst Bohemund von Lusignan (um 1280), Titularfürst Guido von Lusignan (um 1320) Titularfürst Hugo von Lusignan (bis 1386) Titularfürst Johann von Brie, Titularfürst Heinrich von Lusignan, Titularfürst
Das Fürstentum hatte seine eigenen Vasallen, die Herrschaften Beirut, Nazaret und Haifa, die wiederum oft Untervasallen hatten.
Herrschaft Beirut
Beirut wurde 1110 erobert und Fulko von Guines gegeben. Sie war eine der langlebigsten Herrschaften, da sie bis zum endgültigen Zusammenbruch des Königreichs 1291 bestand, obwohl oder gerade weil sie nur aus einem schmalen Streifen Mittelmeerküste rund um Beirut bestand. Beirut war wichtig für den Europahandel und hatte innerhalb des Fürstentums Galiläa eigene Vasallen. 1187 bis 1197 war Beirut von Saladin besetzt und fiel 1291 an die Mamluken.
Fulko von Guines (1110–1125) (Haus Guînes) Walter I. Brisebarre (1125–1138) Guido I. Brisebarre (1138–1149) Walter II. Brisebarre (1149–1156) Guido II. Brisebarre (1156–1164) Walter III. Brisebarre (1164–1166) Krongut (1166–) Androniko Komnenos (um 1174)
Johann von Ibelin (1197–1236) Balian von Ibelin (1236–1247) Johann (II.) von Ibelin (1247–1264) Isabella von Ibelin (1264–1282) ⚭ Hugo II. von Zypern (1264) ⚭ Hamo le Strange (1272–1273) ⚭ Nicolas l’Aleman (1276–1277) ⚭ Wilhelm Barlais (1277–1282) Eschiva von Ibelin (1282–1291) ⚭ Humfried von Montfort (1282–1284) ⚭ Guido von Zypern-Lusignan (Titularherr 1291–1303) Hugo von Zypern-Lusignan (Titularherr, 1303–1330) Guido von Zypern-Lusignan (Titularherr 1330–1343) Johann von Zypern-Lusignan (Titularherr ab 1384)
Die Untervasallen Beiruts waren:
Herrschaft Banias
Banias wurde 1128 von den Assassinen an Balduin II. gegeben, der es an Rainer Brus weitergab, der wiederum auch die Herrschaft Assebebe innehatte, die mit Banias verschmolzen wurde. Rainers Tochter heiratete Humfried II. von Toron, der um 1148 Herr von Banias wurde. Er verkaufte 1157 Teile von Banias und Chastel Neuf an die Johanniter. Banias wurde mit Toron vereinigt, bis es 1164 an Nur ad-Din fiel. Als es 1176 zurückerobert wurde, wurde es Teil der Herrschaft Joscelins III. von Edessa (siehe unten). Nach der Niederlage der Kreuzfahrer bei Hattin 1187 fiel die Herrschaft an Saladin.
Rainer Brus (1128–1148) Humfried II. von Toron (1148–1157)
Joscelin III. von Edessa (1176–1187)
Herrschaft Toron