Der Mireo ist eine von Siemens Mobility entwickelte Fahrzeugplattform elektrischer Triebzüge für den Schienenpersonennahverkehr. Er ist der Nachfolger des Desiro ML. Es existieren verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Wagenanzahlen und Einstiegshöhen. Siemens hat zusätzlich zur Standardversion zwei Varianten mit Stromversorgung aus dem Fahrzeug selbst für den Betrieb auf nicht elektrifizierten Strecken entwickelt, die den Fahrstrom aus Batterien als Akkumulatortriebwagen (Mireo Plus B) beziehungsweise aus Brennstoffzellen mit Wasserstoff (Mireo Plus H) beziehen.
Bis November 2025 wurden 23 Flotten mit insgesamt mehr als 550 Triebzügen verkauft. Im deutschen Fahrzeugeinstellungsregister tragen die Triebzüge die Baureihennummern 0463, 1463, 2463, 0563, 2564 sowie 3464 für den Mireo Smart.
Geschichte Der Name und erste technische Daten des Mireo wurden Ende Juni 2016 veröffentlicht. Siemens stellte die Bauart erstmals virtuell auf der Fachmesse InnoTrans im September 2016 der Öffentlichkeit vor. Der erste Auftrag über 24 Triebzüge dieser Zugplattform erfolgte im Februar 2017 aus Baden-Württemberg für den Einsatz im Netz Rheintal durch DB Regio.
Die Triebzüge werden im Siemens-Werk Krefeld gefertigt. Anfang Juni 2018 begann die Endmontage des ersten Zuges. Am 1. Oktober 2018 begann die Inbetriebsetzung des ersten Fahrzeuges. Im Dezember 2018 begann die Inbetriebsetzung des ersten von acht Vorserienzügen. Die Triebzüge wurden planmäßig zugelassen und gingen ab dem 14. Juni 2020 sukzessive in Betrieb.
Ende 2020 waren über 180 Einheiten bestellt, davon 132 Einheiten bereits bis Frühjahr 2020.
Anfang November 2020 stellte Siemens Mobility die dreiteilige Variante „Mireo Smart“ vor, die vorkonfiguriert kostengünstig angeboten und innerhalb von maximal 18 Monaten geliefert werden soll. Ein dreiteiliger Zug bietet 214 Sitzplätze, 21 Fahrradstellplätze, zwei Rollstuhlplätze, Zug-Land-Kommunikation, Klimaanlage, Internet an Bord, Fahrgastinformation, große TFT-Monitore im Einstiegsbereich und Sicherheitsüberwachung. Die 160km/h schnellen Triebzüge erreichen eine Anfahrbeschleunigung von 0,96m/s². Im November 2023 stellte Siemens den ersten fertig gestellten Triebzug des Mireo Smart vor, der für Tests im Prüfcenter Wegberg-Wildenrath produziert wurde und gab bekannt, auch die Varianten für Betrieb ohne Fahrleitung jeweils in einer zweiteiligen vorkonfigurierten Ausführung als Mireo Smart anzubieten. Später wurden von den Varianten für Betrieb ohne Fahrleitung nur noch die batterieelektrischen als Mireo Smart Plus B angeboten. Im Februar 2024 lag eine Zulassung für Deutschland vor.
Technik mini|Mireo auf dem Eisenbahnversuchsring Velim
Grundlegende Merkmale Die Triebzüge werden nur mit elektrischem Antrieb angeboten. Die Fahrzeugplattform ist mit Jakobs-Drehgestellen und Einzeldrehgestellen – ähnlich wie bei den ICE 4 – mit innengelagerten Radsätzen lieferbar. Die Wagenkästen werden in Aluminium-Integralbauweise hergestellt.Der neue Mireo. Webseite von Siemens, abgerufen am 9. Juli 2016. Die Zahl der Einzelwagen, aus denen ein Triebzug gebildet wird, kann je nach Konfiguration zwischen zwei und sieben variiert werden.Mireo – die neue Regional- und Commuter-Plattform (PDF; 0,2MB). Siemens Mobility, 20. September 2016, abgerufen am 30. Januar 2022. Jeder Mireo-Endwagen hat eine Länge von 26m, die Mittelwagen sind 19m lang. Es werden Versionen für Bahnsteighöhen von 550, 760 und 960mm angeboten. Die Zahl der Triebdrehgestelle kann variiert werden, wodurch sich unterschiedliche Werte für die Anfahrbeschleunigung ergeben. Bei der Konfiguration Eco sind bei einer vierteiligen Einheit nur die Enddrehgestelle Triebdrehgestelle, daraus resultiert eine Höchstgeschwindigkeit von 140km/h und eine Beschleunigung von 0,65m/s². In der Konfiguration Speedy werden dagegen vier von fünf Drehgestellen angetrieben, die Beschleunigung steigt auf 1,2m/s². Die Höchstgeschwindigkeit dieser Einheiten liegt dann bei 160km/h. Nach Angaben von Siemens wurden bei der Konstruktion der Triebzüge die Traktionsstromrichter und elektrodynamische Bremse optimiert.
Die Ausstattung mit Fahrgastinformationssystemen, WLAN im Fahrgastraum, einem Entertainment-System oder Werbebildschirmen ist möglich. Die Gestaltung des Innenraums kann von den Verkehrsunternehmen frei konfiguriert werden.Der Mireo – Intelligenz auf Schienen. (PDF; 2,1MB), Webseite von Siemens, Juli 2016, abgerufen am 9. Juli 2016.
Varianten für Betrieb ohne Oberleitung
Mireo Plus B Im März 2020 erhielt Siemens Mobility den ersten Auftrag für eine zweiteilige Variante, die ihren Fahrstrom sowohl aus einer Batterie als auch aus der Fahrleitung erhält (Mireo Plus B). Die Batterie kann im Stand und während der Fahrt aus der Fahrleitung geladen werden. Die Reichweite eines Mireo Plus B im Batteriebetrieb wird mit 80 bis 120 Kilometern angegeben. Der erste Fahrgasteinsatz startete am 8. April 2024 im Netz Ortenau.
Zum Einsatz kommen Lithiumtitanat-Akkumulatoren (LTO) von Toshiba. Diese haben eine hohe Zyklenfestigkeit auch bei hohen Ladeströmen, wie sie beim Bremsen und Anfahren auftreten – bei einer Laderate von 10C garantiert der Hersteller seit 2019 mindestens 15.000 Ladezyklen und seit 2022 mindestens 40.000 Ladezyklen.https://www.global.toshiba/ww/products-solutions/battery/scib/product/cell/high-power.html
Die Züge des Ortenaunetzes und für die Hermann-Hesse-Bahn besitzen Batterien mit 500 kWh Speicherkapazität. Für die Reichweite von 120 km sollen die Batterien zu nicht weniger als 70 Prozent entladen werden. Siemens garantiert die Reichweite über mindestens 15 Jahre.
Mireo Plus H Gemeinsam mit dem kanadischen Unternehmen Ballard Power Systems hat Siemens eine Mireo-Variante entwickelt, die den benötigten Strom mit Hilfe eines Brennstoffzellensystems aus Wasserstoff erzeugt (Mireo Plus H). Eine Brennstoffzelle mit einer Nennleistung von 200kW soll dabei gemeinsam mit Lithiumtitanat-Akkumulatoren von Saft eine Geschwindigkeit von 160km/h ermöglichen. Der Zug wurde Anfang Mai 2022 in Krefeld der Öffentlichkeit vorgestellt.Mireo Plus H: Neuer Zug tankt zerlegtes Wasser und gibt bald Stoff. heise online, 5. Mai 2022, abgerufen am selben Tage.
Zur Wasserstoffspeicherung werden Drucktanks vom Typ IV (Behälter aus kohlenstofffaserverstärktem Kunstharz mit einem innenliegenden Liner aus Kunststoff wie Polyamid- oder Polyethylen) verwendet. Das Pilotprojekt H2goesRail arbeitet dabei mit Sattelaufliegern zum Speichern (Kapazität: 950 kg Wasserstoff bei 300 bar) und Betanken (Kapazität: 190 kg Wasserstoff bei 500 bar). Die Deutsche Bahn testet im Pilotprojekt die Wasserstoffherstellung durch lokale Elektrolyse aus dem Bahnstromnetz. Die Züge der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) erhalten den Wasserstoff dagegen teils direkt aus Anlieferungen.
Mireo City mini|hochkant|Mock-up der Baureihe 1420 für die S-Bahn München
Ein Triebzug für den S-Bahn-Verkehr, der auf die Beförderung einer großen Zahl von Fahrgästen ausgelegt ist, wird durch Siemens als „Mireo City“ vermarktet. Zu dieser Plattform gehören die Fahrzeuge der Baureihe 1420, die für den Einsatz bei der S-Bahn München ab 2028 bestellt wurden. Aufgrund der großen technischen Unterschiede werden diese Fahrzeuge nicht im Infokasten oder der Übersicht behandelt.
Einsatz
Netz Rheintal mini|Siemens Mireo auf der Kaiserstuhlbahn (Netz 9a, Breisgau-S-Bahn) mini|Siemens Mireo für DB Regio Baden-Württemberg (Netz 4, Netz Rheintal)
Seit dem 14. Juni 2020 sind insgesamt 24 dreiteilige Triebzüge vom Typ Mireo für DB Regio zwischen Offenburg und Basel bzw. Neuenburg als Regionalbahn unterwegs. Diese Linie ist ein Teil des Netzes „Rheintal“, das vom Land Baden-Württemberg ausgeschrieben wurde. Zudem waren sie bis Dezember 2024 sonn- und feiertags auf dem Linienbündel Freiburg – Breisach am Rhein / Endingen am Kaiserstuhl unterwegs, da die normalerweise verkehrenden Züge der Baureihe 1440 alle auf der Höllentalbahn unterwegs waren. Seit dem 1. November 2020 werden die 24 Einheiten eingesetzt. Drei weitere nachbestellte Fahrzeuge wurden im Frühjahr 2021 in Dienst gestellt.
Die Züge sind im Landesdesign der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg in gelb-weiß-schwarz lackiert und verfügen über 220 Sitzplätze. Außerdem haben sie einen Mehrzweckbereich mit Platz für 27 Fahrräder.
Die über Kupplung 69,860m langen und 120t schweren Triebzüge erreichen 160km/h bei einer Leistung von 2600kW und einer Anfahrbeschleunigung von 0,96m/s² (bis 72km/h). Die Einstiegshöhe liegt bei 600 mm.
S-Bahn Rhein-Neckar mini|Siemens Mireo S-Bahn Rhein-Neckar mini|Fahrgastraum Mireo S-Bahn Rhein-Neckar
Im Zuge der Erweiterung der S-Bahn Rhein-Neckar auf den Strecken zwischen Mannheim, Eppingen, Karlsruhe und Aglasterhausen, an der Bergstraße und nach Mainz setzt DB Regio seit 13. Dezember 2020 stufenweise insgesamt 57 Neufahrzeuge vom Typ Mireo ein. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 waren 38 Triebzüge ausgeliefert. Zuvor fand bereits seit 14. September 2020 ein mehrstufiger Probebetrieb im Fahrgastbetrieb statt. Die restlichen 19 Triebzüge wurden im Jahr 2021 geliefert und werden seit Dezember 2021 planmäßig auf dem Linienteil zwischen Mannheim und Mainz eingesetzt.
Die Einheiten gehen ins Eigentum einer Landesgesellschaft der Aufgabenträger über und werden während der 14-jährigen Laufzeit des Verkehrsvertrages an DB Regio Mitte verpachtet. Das Außendesign der Fahrzeuge integriert bestehende Designelemente der Länder Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg und ergänzt sie mit einem fahrzeughohen S-Bahn-Symbol.
Die Einheiten weisen pro Seite sechs doppelflüglige Schwenkschiebetüren mit einer Einstiegshöhe von 800mm mit Schiebetritten auf 770mm auf und sind mit Fahrgast-WLAN ausgestattet. Sie bieten acht Sitzplätze in der ersten Klasse, in der zweiten Klasse 152 Festsitze mit Armlehnen und je einer Steckdose für zwei Sitze sowie 40 Klappsitze. Mit Stehplätzen bieten sie eine Kapazität von etwa 454 Fahrgästen. Mit bis zu sechs Fahrrädern in den fünf Mehrzweckbereichen können in einem Triebzug 26 Fahrräder mitgenommen werden. Die optische Fahrgastinformation erfolgt über sechs doppelseitige Flachbildschirmdeckengondeln sowie Flachbildschirme in den Einstiegsbereichen. Im Fahrgastraum erfolgt – wie schon in den modernisierten Triebzügen der Baureihe 425 – eine Videoüberwachung, deren Aufzeichnungen 72 Stunden lang gespeichert werden. Die Antriebsleistung beträgt bis zu 2600 kW. Die Triebzüge kosten zusammen etwa 340 Mio. Euro.
Mittelrheinbahn mini|Siemens Mireo MittelrheinBahn
Um auf dem stärker frequentierten Streckenabschnitt der MittelrheinBahn zwischen Köln und Remagen längere Züge aus den vorhandenen Triebzügen des Typs Desiro Mainline in Dreifachtraktion bilden zu können, werden über das Leasingunternehmen Alpha Trains sechs Mireo-Triebzüge beschafft. Sie wurden seit Ende 2019 in Krefeld gebaut und sind seit Dezember 2020 vom Eisenbahnverkehrsunternehmen TransRegio Deutsche Regionalbahn auf dem Streckenabschnitt zwischen Mainz und Bingen im Einsatz. Der Verkehrsvertrag lief zunächst bis Dezember 2023 und wurde anschließend bis 2033 verlängert. Zudem werden die Fahrzeuge, zusammen mit weiteren Fahrzeugen über Smart Train Lease, seit Dezember 2025 auch auf der nach der Flutkatastrophe 2021 wiederaufgebauten Ahrtalbahn eingesetzt.
Die Triebzüge sind nahezu baugleich mit der Version für die S-Bahn Rhein-Neckar. Wegen unterschiedlicher Bahnsteighöhen an der Strecke erhalten alle Einstiege zwei übereinanderliegende Schiebetritte. Die Neufahrzeuge sind nicht in Mehrfachtraktion mit den zuvor eingesetzten Fahrzeugen einsetzbar.
Augsburger Netze mini|Siemens Mireo für Arverio mini|Fahrgastraum Mireo Arverio