mini|Thomas Wozniak auf dem Historikertag 2014 in Göttingen mini|Thomas Wozniak auf dem Historikertag 2014 in Göttingen Thomas Wozniak (* 1973 in Quedlinburg) ist ein deutscher Historiker. Seit 2025 lehrt und forscht er als Professor für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Klagenfurt. Wozniak ist in der Fachwelt vor allem mit Studien zur Geschichte Quedlinburgs, zum Onlinelexikon Wikipedia, zur Wahrnehmung von Naturereignissen im Frühmittelalter und zu den Historischen Hilfswissenschaften hervorgetreten.
Leben Thomas Wozniak studierte an der Universität zu Köln die Fächer Mittlere und Neuere Geschichte, Geographie und Historische Hilfswissenschaften. Dort wurde er im Sommersemester 2009 bei Marita Blattmann und Eberhard Isenmann mit einer vergleichenden Studie über Quedlinburg im 14. und 16. Jahrhundert promoviert. Von 2009 bis 2015 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Philipps-Universität Marburg bei Verena Epp und Andreas Meyer. Seit 2009 übt Wozniak Lehrtätigkeiten an den Universitäten Köln, Marburg, Stuttgart und Tübingen aus. Von 2015 bis 2020 war er Assistent von Ellen Widder am Seminar für mittelalterliche Geschichte der Universität Tübingen.
Im Juni 2017 wurde er habilitiert mit einer Arbeit über Wahrnehmung, Darstellung und Instrumentalisierung extremer Naturereignisse und ihrer Folgen in Chroniken und Annalen vom 6. bis 11. Jahrhundert. Er erhielt die Lehrberechtigung für mittelalterliche Geschichte, vergleichende Landesgeschichte und historische Hilfswissenschaften. Im Wintersemester 2017/18 lehrte er für Sigrid Hirbodian als Vertretungsprofessor für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Tübingen. Vom Sommersemester 2018 bis zum Sommersemester 2019 hatte er die Vertretung der Professur für Historische Grundwissenschaften und Historische Medienkunde für Irmgard Fees an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er war 2019 Visiting scholar (Gastdozent) an der Weber State University in Ogden. Im Sommersemester 2020 hatte er an der Universität München einen Lehrauftrag. Er wurde 2021 an der Universität Tübingen zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Seit 2021 ist er in Teilzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für geschichtliche Landeskunde Tübingen an der Universität Tübingen und seit 2022 in Teilzeit zudem Projektmitarbeiter am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) in Leipzig. Von Wintersemester 2024/2025 bis Sommersemester 2025 hat er eine Professurvertretung für Historische Hilfswissenschaften für Christof Rolker an der Universität Bamberg übernommen. Seit dem Wintersemester 2025/26 ist er Universitätsprofessor für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften am Institut für Geschichte der österreichischen Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.
Wozniak ist Mitglied im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands, im Mediävistikverband und korrespondierendes Mitglied des südwestdeutschen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung.
Forschungsschwerpunkte Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Geschichte der mittelalterlichen Stadt, die Geschichte der Ottonen und Salier, die Kreuzzüge, die Geschichte der Witterungs- und Klimafolgen im Früh- und Hochmittelalter sowie die Historischen Hilfswissenschaften. Wozniak gab gemeinsam mit Sebastian Müller und Andreas Meyer eine Festschrift für Hans K. Schulze heraus.Vgl. dazu die Besprechungen von Claudia Garnier in: Rheinische Vierteljahrsblätter 81, 2017, S. 272–273 (online); Detlev Kraack in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 63, 2015, S. 85–87; Bernd Feicke in: Harz-Zeitschrift 67, 2015, S. 182–183; Rudolf Schieffer in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 71, 2015, S. 209–211 (online); Sören Kaschke in: Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt 28, 2016, S. 293–295; Holger Berwinkel in: Mediaevistik 28, 2015, S. 384–385; Stephan Schwenke in: Zeitschrift für hessische Geschichte und Landeskunde 120, 2015, S. 254–255. Damit sollten sowohl das 50-jährige Promotionsjubiläum als auch der im Herbst 2012 anstehende 80. Geburtstag Schulzes gefeiert werden. Aus diesem Anlass fand am 8. Oktober 2012 ein Festakt im Hessischen Staatsarchiv Marburg statt. Der 2014 veröffentlichte Sammelband enthält Beiträge von 15 Autoren, die über verschiedene Themen mit der Forschung Schulzes verbunden sind. Wozniak unternahm dabei einen Deutungsversuch des Cognomens magnus des römisch-deutschen Kaisers Otto I.Thomas Wozniak: Wie groß war Otto der Große? Zur Deutung des Cognomens magnus. In: Thomas Wozniak, Sebastian Müller und Andreas Meyer (Hrsg.): Königswege. Festschrift für Hans K. Schulze zum 80. Geburtstag und 50. Promotionsjubiläum. Leipzig 2014, S. 95–124.
Quedlinburger Stadtgeschichte Beim Ausbau des Dachstuhles in seinem Geburtshaus in Quedlinburg 1998 stieß Wozniak auf drei Schossregister (Steuerbücher) aus den Jahren 1547, 1548 und 1570.Thomas Wozniak: Quedlinburg im 14. und 16. Jahrhundert. Ein sozialtopographischer Vergleich. Berlin 2013, S. 24 ff. Dieser Fund veranlasste ihn zu einer topographischen Analyse der Stadtgesellschaft des 16. Jahrhunderts.Thomas Wozniak: Quedlinburg im 14. und 16. Jahrhundert. Ein sozialtopographischer Vergleich. Berlin 2013, S. 11. Eine weitere Hauptquelle war ein um 1830 wieder entdecktes Stadtbuch, das unter anderem ein Steuerverzeichnis von 1310 (Altstadt) bzw. 1330 (Neustadt) enthält. Diese beiden Funde gehörten zur Quellengrundlage seiner Dissertation über Quedlinburg im 14. und 16. Jahrhundert. Außerdem wurden Häuserverzeichnisse, Neubürgerlisten und Stadtrechnungen ausgewertet. Neuere Forschungsarbeiten zu Quedlinburg hatten sich bislang vor allem auf das Früh- und Hochmittelalter konzentriert. Wozniak befasste sich dagegen mit der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt Quedlinburg und ihrer sozialen und wirtschaftlichen Topographie. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt „auf dem Vergleich der Stadtentwicklung, der Wirtschafts- und Sozialtopographie sowie der Sozialstruktur der Stadt Quedlinburg im 14. und 16. Jahrhundert“.Thomas Wozniak: Quedlinburg im 14. und 16. Jahrhundert. Ein sozialtopographischer Vergleich. Berlin 2013, S. 12. Er verfolgt mit seiner Studie das Erkenntnisziel „eine möglichst differenzierte Sicht der sozialen Verhältnisse und der topographischen Entwicklung in Quedlinburg im frühen 14. und im 16. Jahrhundert“ zu bieten. Auf Basis einer „Analyse der topographischen Entwicklung, der Vermögensverhältnisse sowie der Berufs- und Sozialstrukturen“ werden „die Beziehungen zwischen Vermögen, Wohnlage, Beruf, Bildung und der Teilhabe an der lokalen politischen Macht untersucht“.Thomas Wozniak: Quedlinburg im 14. und 16. Jahrhundert. Ein sozialtopographischer Vergleich. Berlin 2013, S. 45. Die Arbeit besteht aus drei Hauptteilen. Nach einer ausführlichen Einleitung (S. 11–62) werden die wirtschaftlichen und natürlichen Grundlagen der Entwicklung Quedlinburgs (S. 63–116), die Störfaktoren in der Stadtentwicklung in Form von Bränden, Hochwasser, Epidemien, Aufruhr sowie die politischen Zäsuren behandelt (S. 117–179). Das dritte und umfangreichste Kapitel befasst sich mit einem sozialtopographischen Vergleich (S. 180–342). In diesem Kapitel werden die demographische Entwicklung, die Vermögensstruktur, die Sozial- und Berufsstruktur, kirchliche-geistliche Institutionen und die gebildeten Bevölkerungsschichten behandelt. Der Anhang enthält eine Neuedition des Stadtbuches von 1310/30 und zahlreiche Tabellen vor allem mit Angaben aus den Steuerregistern. In seiner Arbeit hat Wozniak die These vertreten, dass die Gründung der Neustadt sich im 12. Jahrhundert als Textilzentrum vollzog und sich dadurch die Abwanderung der Bewohner aus den 14 Stiftsdörfern erklären ließe. Er sprach sich damit gegen die ältere These aus, dass die Neustadt durch einen planlosen Zuzug entstanden sei.Thomas Wozniak: Quedlinburg im 14. und 16. Jahrhundert. Ein sozialtopographischer Vergleich. Berlin 2013, S. 79. Kritisch dazu Christine Müller in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 65, 2015, S. 171–174, hier: S. 172. Anders als bislang vermutet konnte Wozniak für das Spätmittelalter nachweisen, dass die Bevölkerungszahl Quedlinburgs deutlichen Schwankungen unterworfen war. Die Zahl der Haushalte in Quedlinburg lag 1310/30 bei insgesamt 750. Bis 1460 stieg die Zahl auf 1064 an und fiel zwischen 1525 und 1539 auf nur noch 700 ab.Thomas Wozniak: Quedlinburg im 14. und 16. Jahrhundert. Ein sozialtopographischer Vergleich. Berlin 2013, S. 45. Erst um 1570 wurde die Bevölkerungszahl von 1460 wieder erreicht. Einen neuen Einbruch in den Bevölkerungszahlen macht Wozniak für den Dreißigjährigen Krieg aus, der erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vollständig überwunden wurde. Die Arbeit gilt als wichtiger Beitrag zur Erforschung der Quedlinburger Stadtgeschichte.Vgl. die Besprechungen von Manfred Groten in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 101, 2014, S. 81–82; Henning Steinführer in: Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt 27, 2015, S. 309–311, hier: S. 311; Michael Scholz: Quedlinburg im 14. und 16. Jahrhundert; Quedlinburg. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 61, 2016, S. 488–493, hier: S. 492; Uwe Schirmer in: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 69, 2015, S. 339–340; Matthias Meinhardt in: Historische Zeitschrift 306, 2018, S. 549–550; Sven Rabeler in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 123, 2015, S. 194–196 (online). Im Jahr 2014 veröffentlichte er eine Überblicksdarstellung zur Geschichte Quedlinburgs von den Anfängen der Besiedlung bis in das 20. Jahrhundert.Vgl. dazu die Besprechungen von Bettina Vaupel in: Monumente. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland 25, 2015, H. 3, S. 14; Bernd Feicke in: Harz-Zeitschrift 67, 2015, S. 164; David Nicholas in: Mediaevistik 28, 2015, S. 433–434; Michael Scholz in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 61, 2016, S. 492–493; vgl. zur 2. aktualisierten Auflage 2021 die Besprechung von Ortwin Pelc in: Hansische Geschichtsblätter 140, 2022, S. 286.