Schmiedefeld ist ein Ortsteil der Gemeinde Großharthau im Landkreis Bautzen. Schmiedefeld hat 413 Einwohner (Stand Mai 2011) auf einer Fläche von etwa 6,6 km² und war bis zu seiner Eingemeindung 1994 eine selbstständige Gemeinde.
Geografie Das Waldhufendorf Schmiedefeld liegt südlich der Bundesstraße 6 von Dresden nach Bautzen. Die Kreisstraße 7264 führt in den Großharthauer Ortsteil Seeligstadt. Schmiedefeld wird von zwei Buslinien des Verkehrsverbunds Oberelbe (VVO) angefahren.
Nachbarorte und -regionen
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung Schmiedefelds unter dem Namen Smydivelt ist aus dem Jahr 1221 überliefert. Der Ortsname änderte sich im Lauf der Jahrhunderte mehrfach, so sind etwa die Schreibweisen Smidefelt (1222), Smedevelt (1262), Smydevelt (1354), Schmydefelt (1538) und Schmiedefeldt (1559) bekannt. Der Ortsname bezieht sich auf eine Feldschmiede, die sich nahe der heutigen Bundesstraße 6, etwa am Standort der ehemaligen Gastwirtschaft „Dürrer Fuchs“ befand.
Durch die nahegelegene historische Fernverbindungsstraße von Hamburg nach Breslau war Schmiedefeld bereits im Mittelalter stets Anlaufstelle für Reisende und Kaufleute. Ab 1727 befand sich eine Posthalterei im Dorf. Bis zur Eröffnung der Bahnstrecke Görlitz–Dresden 1846 waren in der Schmiedefelder Poststation bis zu 80 Pferde stationiert. Viele der Reisenden machten im Erbgericht, im Dürren Fuchs oder im Postgut selbst Station.
mini|hochkant|Kirche Schmiedefeld Ende des 19. Jahrhunderts Während des Frühjahrsfeldzugs 1813 kam es in Schmiedefeld zu schweren Gefechten zwischen russischen und französischen Truppen. Die Russen beschossen die im Dorf stationierten Franzosen vom Kapellenberg aus, den Kämpfen fielen am 12. Mai 1813 bei einem Großbrand beinahe sämtliche Gebäude, inklusive der Kirche, des Gerichts, der Schule und des Posthofs, zum Opfer. Nachdem der Friedenskongress von Prag ohne Einigung geendet hatte, kam es im Ort erneut zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Außerdem mussten die Schmiedefelder Truppen und Ausrüstung der napoleonischen Streitkräfte beherbergen. Für 1813 sind folgende Einquartierungen in Schmiedefeld dokumentiert:
Bis Ende 1813 wurden durch die Soldaten die noch bestehenden Gebäude zu großen Teilen zerstört. Von 143 Gebäuden in Schmiedefeld zu Beginn des Jahres 1813 waren 1814 nur noch drei bewohnbar, die meisten Bewohner waren geflohen. Erst nach dem Abzug der Truppen kehrten die Einwohner nach Schmiedefeld zurück und bauten das Dorf wieder auf.
Der Legende nach sollen in und um Schmiedefeld diverse Schätze aus Kriegszeiten vergraben sein, die von ihren Besitzern aus Angst vor plündernden Soldaten versteckt wurden. Bei Grabungsarbeiten im Keller eines Wohnhauses wurde 1898 zum Beispiel ein Gefäß mit 160 preußischen, kursächsischen und österreichischen Silbermünzen aus den Jahren von 1750 bis 1812, darunter fünf Speciestaler, gefunden.
Bis 1875 war Schmiedefeld dem Amt Stolpen zugehörig. Danach übernahm die Amtshauptmannschaft Pirna die Verwaltung, bis der Ort 1952 in den Landkreis Bischofswerda eingegliedert wurde. Seit 1994 gehört Schmiedefeld zum Landkreis Bautzen.
Kirche mini|St.-Michaelis-Kirche
Eine Kirche in Schmiedefeld wurde erstmals 1354 erwähnt. Die heutige St.-Michaelis-Kirche wurde im Oktober 1818 geweiht, nachdem der Vorgängerbau während der Befreiungskriege im Mai 1813 zerstört wurde. In der Kirche befindet sich eine Orgel von Christian Gottfried Herbrig aus dem Jahr 1821, sie ist eine Station der Herbrig-Orgelstraße.
Einwohnerentwicklung Im Jahr 1559 wurden in Schmiedefeld 29 besessene Männer, 16 Häusler, neun Hausgenossen und 25¾ Hufen gezählt, 1764 verzeichnete man 28 besessene Männer, 14 Gärtner, neun Häusler und 25¼ Hufen. Jahr 1834 1871 1890 1910 1925 1939 1946 1950 1964 1990 2001 2011 Einwohner 473 520 578 617 639 631 771 764 679 459 455 413
Natur und Umwelt Im Südosten des Ortes verläuft, aus Großharthau kommend, die Wesenitz, ein Nebenfluss der Elbe. Ein Tümpel am Flusslauf zwischen Bühlau und Schmiedefeld ist als Naturdenkmal geschützt. Die Scheibenmühle, eine von zahlreichen ehemaligen Wassermühlen des Wesenitztals, befand sich in Schmiedefeld. Außerdem fließt der Schmiedefelder Bach (auch „Schmiedefelder Wasser“ genannt) im Süden des Dorfes in die Wesenitz. Nordöstlich des Ortes befindet sich der 323 Meter hohe Kapellenberg, auf dem bis ins 20. Jahrhundert ein Steinbruch betrieben wurde. Westlich von Schmiedefeld befindet sich das Waldstück Schmetterholz, im Norden liegt das Landschaftsschutzgebiet Massenei.
Vereine und Veranstaltungen Der Kultur- und Sportverein Schmiedefeld wurde 1992 gegründet und organisiert regelmäßig verschiedene Veranstaltungen wie Fußballturniere, Faschingsfeiern, Seniorenveranstaltungen oder Sonnenwendfeuer im Ort. Seit Ende der 1990er Jahre befindet sich ein Hundeerlebnispark mit Hundepension in Schmiedefeld. Seit 2012 existiert der Hundesportverein „Pfotenfreunde“, der gemeinsam mit der Hundeschule „Pfotentrainer“ das „Pfotenschulzentrum Schmiedefeld“ betreibt. Bereits 1948 wurde der Kleintierzüchterverein „Schmiedefeld und Umgebung“ im Ort gegründet.
Persönlichkeiten Max Curt Bille (* 22. August 1884 in Schmiedefeld; † 16. Juni 1961 in Oppach), Marionettenspieler
Literatur
Weblinks
Schmiedefeld auf der Internetseite der Gemeinde Großharthau
Einzelnachweise Zeitgeschichte: Napoleons Truppen auf der Flucht / Schmiedefeld brennt nieder / Frankenthal litt besondere Not / Geflohene sahen ihre Heimat nicht wieder. Vierteilige Serie, veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung 2003 (Online).
Kategorie:Ort im Landkreis Bautzen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Bautzen) Kategorie:Großharthau Kategorie:Ersterwähnung 1221 Kategorie:Gemeindeauflösung 1994