mini|hochkant=2.5| Der 200-Meter-Lauf der Männer bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta wurde am 31. Juli und 1. August 1996 im Centennial Olympic Stadium ausgetragen. 78 Athleten nahmen teil.
Olympiasieger wurde der US-Amerikaner Michael Johnson. Er gewann in der neuen Weltrekordzeit von 19,32 s vor Frank Fredericks aus Namibia. Bronze ging an Ato Boldon aus Trinidad und Tobago.
Die Österreicher Thomas Griesser und Christoph Pöstinger scheiterten wie auch der Schweizer Alain Reimann in der Vorrunde. Athleten aus Deutschland und Liechtenstein nahmen nicht teil.
Aktuelle Titelträger Olympiasieger 1992Michael Marsh ()20,01 sBarcelona 1992Weltmeister 1995Michael Johnson ()19,79 sGöteborg 1995Europameister 1994Geir Moen ()20,30 sHelsinki 1994Panamerikanischer Meister 1995Iván García ()20,29 sMar del Plata 1995Zentralamerika und Karibik-Meister 1995Obadele Thompson ()20,49 sGuatemala-Stadt 1995Südamerika-Meister 1995Robson da Silva ()20,54 sManaus 1995Asienmeister 1995Abdulaziz Mattar ()20,76 sJakarta 1995Afrikameister 1996Oumar Loum ()20,7 sYaoundé 1996Ozeanienmeister 1994Jone Delai ()21,55 sAuckland 1994
Rekorde Bestehende Rekorde Weltrekord19,66 sMichael Johnson ()Atlanta, USA23. Juni 1996, sport-record.de (englisch)Olympischer Rekord19,73 sMichael Marsh ()Halbfinale OS Barcelona, Spanien5. August 1992
Rekordverbesserung Der US-amerikanische Olympiasieger Michael Johnson verbesserte den bestehenden olympischen Rekord im Finale am 1. August bei einem Rückenwind von 0,4 m/s um 41 Hundertstelsekunden auf 19,32 s. Damit steigerte er gleichzeitig seinen eigenen Weltrekord um 34 Hundertstelsekunden.
Doping Der Australier Dean Capobianco – zunächst Vierter in seinem Vorlauf und als Siebter ausgeschieden in seinem Viertelfinalrennen – wurde nachträglich disqualifiziert. Im Juni 1996 wurde er des Dopingmissbrauchs überführt, er hatte das verbotene anabole Steroid Stanozolol eingenommen. Auf Betreiben des australischen Verbandes wurde er im Juli dennoch für die Olympischen Spiele zugelassen. Im Frühjahr 1997 wurde er jedoch nachträglich disqualifiziert und für vier Jahre gesperrt."Bad steak" doping defence is rejected. In: The Irish Times 16. März 1997 (englisch), irishtimes.com, abgerufen am 3. Januar 2022
Benachteiligt wurde der Brite Owusu Dako. Er hätte mit seinen im zweiten Vorlauf erzielten 20,83 s über die Zeitregel die Startberechtigung für das Viertelfinale gehabt, schied so jedoch in der Vorrunde aus.
Vorrunde Datum: 31. Juli 1996Official Report of the Centennial Olympic Games, v.3 The Competition Results, Resultate Leichtathletik: S. 70, englisch/französisch (PDF, 27.555 KB), abgerufen am 3. Januar 2022
Die Läufer traten zu insgesamt elf Vorläufen an. Für das Viertelfinale qualifizierten sich pro Lauf die ersten drei Athleten. Darüber hinaus kamen die sieben Zeitschnellsten, die sogenannten Lucky Loser, weiter. Die direkt qualifizierten Athleten sind hellblau, die Lucky Loser hellgrün unterlegt.
Vorlauf 1 10:45 Uhr
Wind: +1,3 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Michael Marsh 20,27 s 2 Sergejs Inšakovs 20,41 s 3 Troy Douglas 20,41 s 4 Steve Brimacombe 20,45 s 5 Alfred Visagie 21,10 s 6 Mohamed Al-Hooti 21,10 s 7 Takahiro Mazuka 21,13 s
Vorlauf 2 10:50 Uhr
Wind: +1,4 m/s Platz Name Nation Zeit Anmerkung 1 Iván García 20,49 s 2 Albert Agyemang 20,69 s 3 Elston Cawley 20,73 s 4 Owusu Dako 20,83 s eigentlich für das Finale qualifiziert 5 Thomas Sbokos 20,88 s 6 Anton Iwanow 21,20 s 7 David Wilson 21,85 s 8 Mohamed Ould Brahim 22,71 s
Vorlauf 3 10:55 Uhr
Wind: +0,7 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Ato Boldon 20,26 s 2 Obadele Thompson 20,42 s 3 Anninos Markoullidis 20,57 s 4 Carlos Gats 20,82 s 5 Joseph Gikonyo 20,88 s 6 Chris Donaldson 20,96 s 7 Wu-Shiun Tao 21,25 s
Vorlauf 4 11:00 Uhr
Wind: −0,6 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Michael Johnson 20,55 s 2 Erik Wijmeersch 20,68 s 3 Percival Spencer 20,73 s 4 Frank Waota 20,78 s 5 Benjamin Sirimou 21,00 s 6 Antoine Boussombo 21,06 s DNS Venancio José
Vorlauf 5 11:05 Uhr
Wind: −0,5 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Francis Obikwelu 20,62 s 2 Édson Ribeiro 20,69 s 3 John Regis 20,78 s 4 Pierre Lisk 20,86 s 5 Lars Hedner 20,97 s 6 Thomas Griesser 21,20 s 7 Pascal Dangbo 21,65 s 8 Hadhari Djaffar 22,68 s
Vorlauf 6 11:10 Uhr
Wind: −0,2 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Patrick Stevens 20,60 s 2 Jordi Mayoral 20,65 s 3 Claudinei da Silva 20,80 s 4 Joseph Loua 20,81 s 5 Boeviyoulou Lawson 20,99 s 6 Anderson Vilien 21,62 s 7 Peter Ogilvie 22,00 s 8 Gustavo Envela 22,09 s
Vorlauf 7 11:15 Uhr
Wind: −0,3 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Linford Christie 20,64 s 2 Robert Maćkowiak 20,67 s 3 Georgios Panagiotopoulos 20,69 s 4 Geir Moen 20,78 s 5 O’Brian Gibbons 20,79 s 6 Andrei Fedoriw 20,95 s 7 Brahim Abdoulaye 21,67 s
Vorlauf 8 11:20 Uhr
Wind: +0,8 m/s Platz Name Nation Zeit Anmerkung 1 Neil de Silva 20,54 s 2 Robson da Silva 20,61 s 3 Oumar Loum 20,69 s 4 Matthew Coad 21,25 s 5 Amos Ali 21,37 s 6 Laurence Jack 21,94 s DNS Olapade Adeniken DOP Dean Capobianco 20,76 s für das Viertelfinale zugelassen
Vorlauf 9 11:25 Uhr
Wind: −0,3 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Jeff Williams 20,37 s 2 Wladyslaw Dolohodin 20,57 s 3 Francisco Javier Navarro 20,87 s 4 Alain Reimann 20,99 s 5 Ousmane Diarra 21,20 s 6 Mohamed Al-Aswad 21,77 s DNS Ibrahim Ismail Muftah 21,77 s
Vorlauf 10 11:30 Uhr
Wind: −0,3 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Kōji Itō 20,56 s 2 Torbjörn Eriksson 20,77 s 3 Emmanuel Tuffour 20,85 s 4 Mark Keddell 20,93 s 5 Justice Dipeba 21,09 s 6 Carlton Chambers 21,32 s 7 Miguel Janssen 21,72 s
Vorlauf 11 11:35 Uhr
Wind: −0,4 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Frank Fredericks 20,59 s 2 Seun Ogunkoya 20,78 s 3 Gary Ryan 20,78 s 4 Sebastián Keitel 20,96 s 5 Christoph Pöstinger 20,98 s 6 Sandro Floris 21,01 s 7 Wenzhong Chen 21,05 s
Viertelfinale Datum: 31. Juli 1996Official Report of the Centennial Olympic Games, v.3 The Competition Results, Resultate Leichtathletik: S. 71, englisch/französisch (PDF, 27.555 KB), abgerufen am 3. Januar 2022
Aus den fünf Viertelfinalläufen qualifizierten sich pro Lauf die ersten drei Athleten für das Halbfinale. Darüber hinaus kam der Zeitschnellste, der sogenannte Lucky Loser, weiter. Die direkt qualifizierten Sprinter sind hellblau, der Lucky Loser hellgrün unterlegt.
Lauf 1
18:15 Uhr
Wind: +0,7 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Frank Fredericks 20,38 s 2 Jeff Williams 20,47 s 3 Obadele Thompson 20,53 s 4 Erik Wijmeersch 20,59 s 5 Percival Spencer 20,59 s 6 Troy Douglas 20,63 s 7 Francisco Javier Navarro 21,06 s DNS O’Brian Gibbons
Lauf 2 mini|hochkant=0.8| 18:20 Uhr
Wind: −0,7 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Michael Johnson 20,37 s 2 Geir Moen 20,48 s 3 Neil de Silva 20,62 s 4 Robson da Silva 20,65 s 5 Jordi Mayoral 20,68 s 6 Georgios Panagiotopoulos 20,86 s 7 Oumar Loum 21,31 s DOP Dean Capobianco 21,03 s
Lauf 3 mini|hochkant=0.8| 18:25 Uhr
Wind: +0,9 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Iván García 20,36 s 2 Kōji Itō 20,47 s 3 Steve Brimacombe 20,53 s 4 Robert Maćkowiak 20,61 s 5 Anninos Markoullidis 20,63 s 6 Wladyslaw Dolohodin 20,65 s 7 Elston Cawley 20,75 s 8 Frank Waota 21,14 s
Lauf 4 mini|hochkant=1.1| 18:30 Uhr
Wind: +0,3 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Michael Marsh 20,39 s 2 Patrick Stevens 20,43 s 3 John Regis 20,56 s 4 Sergejs Inšakovs 20,58 s 5 Albert Agyemang 20,87 s 6 Seun Ogunkoya 21,00 s 7 Joseph Loua 21,01 s DNF Claudinei da Silva
Lauf 5 mini|hochkant| 18:35 Uhr
Wind: +1,9 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Ato Boldon 20,25 s 2 Francis Obikwelu 20,49 s 3 Emmanuel Tuffour 20,49 s 4 Linford Christie 20,59 s 5 Édson Ribeiro 20,60 s 6 Torbjörn Eriksson 20,83 s 7 Carlos Gats 20,84 s 8 Gary Ryan 20,89 s
Halbfinale Datum: 1. August 1996
Aus den Halbfinalläufen qualifizierten sich die jeweils ersten vier Athleten für das Finale (hellblau unterlegt).
Lauf 1
19:10 Uhr
Wind: +0,3 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Michael Johnson 20,27 s 2 Iván García 20,34 s 3 Jeff Williams 20,39 s 4 Patrick Stevens 20,46 s 5 Francis Obikwelu 20,56 s 6 John Regis 20,58 s 7 Emmanuel Tuffour 20,61 s 8 Neil de Silva 21,26 s
Lauf 2 19:15 Uhr
Wind: +0,1 m/s Platz Name Nation Zeit 1 Frank Fredericks 19,98 s 2 Ato Boldon 20,05 s 3 Michael Marsh 20,26 s 4 Obadele Thompson 20,32 s 5 Steve Brimacombe 20,38 s 6 Kōji Itō 20,45 s 7 Sergejs Inšakovs 20,48 s 8 Geir Moen 20,96 s
Finale mini|hochkant=1.1| Datum: 1. August 1996, 21:00 Uhr
Wind: +0,4 m/s Platz Name Nation Zeit Anmerkung 1 Michael Johnson 19,32 s WR 2 Frank Fredericks 19,68 s 3 Ato Boldon 19,80 s 4 Obadele Thompson 20,14 s 5 Jeff Williams 20,17 s 6 Iván García 20,21 s 7 Patrick Stevens 20,27 s 8 Michael Marsh 20,48 s Für das Finale hatten sich alle drei angetretenen US-Amerikaner qualifiziert. Komplettiert wurde das Finalfeld durch je einen Starter aus Barbados, Belgien, Kuba, Namibia sowie Trinidad und Tobago.
Weltmeister und Weltrekordler Michael Johnson aus den USA war klarer Favorit für dieses Rennen. Seit 1994 war er auf dieser Distanz nur einmal geschlagen worden und hatte bei den Olympiaausscheidungen den siebzehn Jahre alten Weltrekord des Italieners Pietro Mennea um sechs Hundertstelsekunden verbessert. Als stärkste Herausforderer galten Ato Boldon aus Trinidad und Tobago sowie der Namibier Frankie Fredericks, der Johnson zwei Wochen vor den Spielen besiegt hatte. Johnson war drei Tage vor diesem Finale bereits Olympiasieger über 400 Meter geworden und wollte nun das Double über beide lange Sprintstrecken gewinnen, ein Kunststück, das vor ihm nur seiner Landsfrau Valerie Brisco-Hooks bei den Spielen von Los Angeles 1984 gelungen war. Hier in Atlanta war dann auch die Französin Marie-José Pérec zehn Minuten vor dem Start des 200-Meter-Finales der Männer Doppelolympiasiegerin über diese beiden Strecken geworden.
Johnson auf Bahn drei, derselben Bahn, auf der Pérec kurz vorher zum Sieg gelaufen war, hatte den schnellsten Start und schloss schnell zum Gegner auf Bahn vier, dem Kubaner Iván García, auf. Ausgangs der Kurve führte Johnson schon mit einem Meter Vorsprung vor Fredericks und Boldon. Auf der Zielgeraden zog Johnson allen Konkurrenten noch weiter davon und stand sein hohes Tempo durch, sodass er seinen eigenen Weltrekord um gleich 34 Hundertstelsekunden auf 19,32 s verbesserte. Frank Fredericks kam mit ebenfalls noch hervorragenden 19,68 s als Zweiter ins Ziel und lag dabei knapp drei Meter hinter Johnson zurück. Fredericks lief die bis dahin drittschnellste Zeit über 200 Meter. Ato Boldon, einen weiteren Meter zurück, gewann mit 19,80 s die Bronzemedaille. Die anderen Finalisten erzielten sehr gute Zeiten, blieben allerdings allesamt über der 20-Sekunden-Marke.
Auf Platz 2 und 3 gab es dieselbe Medaillenverteilung wie schon im 100-Meter-Lauf.
Michael Johnson gewann im 22. olympischen Finale die 16. Goldmedaille in dieser Disziplin für die USA. Es war zugleich der vierte US-Sieg in Folge.
Für Frank Fredericks war dies nun schon seine vierte Silbermedaille nach seinen zweiten Plätzen 1992 in Barcelona über 100 und 200 Meter sowie Rang zwei über 100 Meter hier in Atlanta.
Literatur Gerd Rubenbauer (Hrsg.), Olympische Sommerspiele Atlanta 1996 mit Berichten von Britta Kruse, Johannes Ebert, Andreas Schmidt und Ernst Christian Schütt, Kommentare: Gerd Rubenbauer und Hans Schwarz, Chronik Verlag im Bertelsmann Verlag, Gütersloh / München 1996, S. 28f
Videolinks 6422 Olympic 1996 200m Men, youtube.com, abgerufen am 3. Januar 2022 Men’s 200m Final Atlanta Olympics 1996, youtube.com, abgerufen am 25. Februar 2018 Michael Johnson Atlanta 1996 Gold 400m/200m, youtube.com, abgerufen am 3. Januar 2022 Michael Johnson Breaks 200m & 400m Olympic Records - Atlanta 1996 Olympics, youtube.com, abgerufen am 3. Januar 2022
Weblinks Official Report of the Centennial Olympic Games, v.3 The Competition Results, Resultate Leichtathletik: S. 70f, englisch/französisch (PDF, 27.555 KB), abgerufen am 3. Januar 2022