Mensch (Homo sapiens, lateinisch für „verstehender, verständiger“ oder „weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch“) ist nach der biologischen Systematik eine Art der Gattung Homo aus der Familie der Menschenaffen, die zur Ordnung der Primaten und damit zu den Höheren Säugetieren gehört.

Menschen sind die einzige rezente Art der Gattung Homo. Die Art ist in Afrika seit rund 300.000 Jahren fossil belegtDaniel Richter et al.: The age of the hominin fossils from Jebel Irhoud, Morocco, and the origins of the Middle Stone Age. In: Nature. Band 546, Nr. 7657, 2017, S. 293–296, doi:10.1038/nature22335. und entwickelte sich dort über das als archaischer Homo sapiens bezeichnete evolutionäre Bindeglied vermutlich aus der Art Homo erectus. Zwischen Homo sapiens, den Neandertalern und den Denisova-Menschen gab es nachweislich – vermutlich mehrfach – einen Genfluss. Weitere, jedoch deutlich jüngere fossile Belege gibt es für die Art von allen Kontinenten außer Antarktika. Von den noch lebenden Menschenaffen sind die Schimpansen den Menschen stammesgeschichtlich am nächsten verwandt, am zweitnächsten die Gorillas.

Allgemeine Eigenschaften der Menschen und besondere Formen menschlichen Zusammenlebens werden in der Anthropologie, Ethnologie und Soziologie untersucht. Im Laufe ihrer Stammesgeschichte und insbesondere der Hominisation haben sich Merkmale herausgebildet, welche die Voraussetzungen dafür bildeten, dass Menschen in hohem Maße sozialisations- und kulturabhängige Wesen werden konnten. Dazu gehören eine lang andauernde Kindheit, die Fähigkeit zum Spracherwerb und zu gemeinschaftlicher Arbeit sowie das Eingehen besonders komplexer sozialer Bindungen.

Durch das Bewusstsein erschließt sich den Menschen die zeitliche Dimension des Daseins sowie ein reflektiertes Verhältnis zu sich selbst. Daraus ergeben sich die eigene Existenz betreffende Fragen, wie zum Beispiel die nach der persönlichen Freiheit, nach der menschlichen Stellung in der Natur, nach moralischen Grundsätzen des Zusammenlebens und einem Sinn des Lebens. Im Rahmen der Reflexion des Verhältnisses zu anderen Lebewesen haben viele Kulturen ein Menschenbild entwickelt, das die Menschen von der Natur absondert und dieser gegenüberstellt. Eine solche Sonderstellung innerhalb der Tierwelt wurde etwa durch Schöpfungserzählungen begründet, die den Menschen einen separaten Ursprung zuschreiben, oder durch die Bestimmung der Menschen als Vernunftwesen. Sie findet aber auch in modernen Vorstellungen wie der Menschenwürde und den Menschenrechten einen Widerhall.

Die Gesamtzahl der Individuen wuchs eine Zeit lang exponentiell und beträgt mittlerweile mehr als acht Milliarden. In ihrer Gesamtheit werden diese als Menschheit bezeichnet. In der Geschichte der Menschheit kam es zur Bildung zunehmend komplexer sozialer Systeme, seit der neolithischen Revolution sind dies die so genannten Zivilisationen. Die Entwicklung der Technik führte bis heute zu einem dermaßen umfassenden anthropogenen Einfluss auf das Ökosystem Erde, dass vorgeschlagen wurde, das aktuelle Erdzeitalter Anthropozän zu nennen. Einige der ihr gesetzten planetaren Grenzen hat die Menschheit in jüngerer Vergangenheit bereits überschritten. Diese Entwicklung oder andere Szenarien könnten zu einem Zivilisationskollaps oder sogar zum Ende der Menschheit führen.

Etymologie und Artname

Das Wort Mensch ist im Althochdeutschen seit dem 8. Jahrhundert in der Schreibung mennisco (Maskulinum) belegt und im Mittelhochdeutschen in der Schreibung mensch(e) (Maskulinum oder Neutrum) in der Bedeutung „Mensch“. Das Wort ist eine Substantivierung von althochdeutsch mennisc, mittelhochdeutsch mennisch für „mannhaft“ und wird zurückgeführt auf einen indogermanischen Wortstamm, in dem die Bedeutung Mann und Mensch in eins fiel – heute noch erhalten in man. Das Neutrum (das Mensch) hatte bis ins 17. Jahrhundert keinen abfälligen Beiklang und bezeichnete bis dahin insbesondere Frauen von niederem gesellschaftlichen Rang.Zentralinstitut für Sprachwissenschaft, Berlin: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München 1995, S. 861, ISBN 3-423-03358-4. Zu den Relikten der Nutzung des Neutrums das Mensch im Bairischen siehe das Lemma „Mensch“ in Niederbayern-Wiki.

Der Name der Art Homo sapiens (klassisch [], gebräuchliche Aussprache [], nach lat. homo sapiens ‚einsichtsfähiger/weiser Mensch‘) wurde 1758 durch Carl von Linné in der zehnten Auflage seines Werks Systema Naturæ geprägt. Auch im aktuellen Catalog of Life des Integrated Taxonomic Information System wird die Bezeichnung „Homo sapiens Linnaeus, 1758“ als „akzeptierter wissenschaftlicher Name“ ausgewiesen.Eintrag Homo sapiens im Integrated Taxonomic Information System. In gleicher Weise benannt (aber nicht bewertet) in: Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere (Mammalia) Deutschlands. (PDF). In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Naturschutz und Biologische Vielfalt. Heft 170 (2), S. 24, Bonn-Bad Godesberg 2020. Von den 1930er-Jahren bis in die 1990er-Jahre wurde der Mensch als Homo sapiens sapiens und der Neandertaler als Homo sapiens neanderthalensis bezeichnet. Diese Einordnung des Neandertalers als Unterart von Homo sapiens gilt jedoch derzeit als veraltet, da es seitdem unter Paläoanthropologen „eine zunehmende Akzeptanz, dass die Neandertaler morphologisch unverwechselbar sind,“ gibt und sich daher in der Fachliteratur die Bezeichnungen Homo sapiens und Homo neanderthalensis durchgesetzt haben.Eintrag Homo neanderthalensis King, 1864 in: Bernard Wood (Hrsg.): Wiley-Blackwell Encyclopedia of Human Evolution. 2 Bände. Wiley-Blackwell, Chichester u. a. 2011, S. 329, ISBN 978-1-4051-5510-6.

Merkmale des Körpers

mini|Der Körper des Menschen: Beispielhaft eine Frau und ein Mann, von vorne und hinten betrachtet.

Mit dem Körper des Menschen befassen sich unter anderem die Anatomie, die Humanbiologie und die Medizin. Die Anzahl der Knochen des Menschen beträgt (individuell verschieden) beim Erwachsenen 206 bis 214. Das Skelett von Säuglingen hat noch mehr als 300 Knochen, von denen einige im Laufe der Zeit zusammenwachsen.

Die Körpergröße des Menschen ist zum Teil vererbt, hängt jedoch auch von Lebensumständen wie der Ernährung ab. Auch das Geschlecht spielt eine Rolle; Männer sind im Durchschnitt größer als Frauen. Seit dem 19. Jahrhundert ist die durchschnittliche Körpergröße in Mitteleuropa bzw. Deutschland von 167,6 cm (Männer) / 155,7 cm (Frauen)5300 v. Chr.–19. Jahrhundert nach: Frank Siegmund: Die Körpergröße der Menschen in der Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas und ein Vergleich ihrer anthropologischen Schätzmethoden. Books on Demand, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8391-5314-7, S. 81 Tab. 38. auf 178 cm (Männer) / 165 cm (Frauen)Gesundheitszustand & -relevantes Verhalten. Auf einen Blick. Auf: destatis.de, eingesehen am 23. November 2015. angestiegen.

Für das Körpergewicht des Menschen gibt es keinen medizinischen Konsens, was als „wünschenswert“ oder „natürlich“ gelten sollte, zumal das Körpergewicht auch von der Körpergröße abhängig ist. Gleichwohl hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hilfsweise anhand des Body-Mass-Index (BMI) einen Normbereich (normal range) definiert, der einen BMI von 18,50 bis 24,99 umfasst.Obesity: preventing and managing the global epidemic. WHO Technical Reports Series 894, Geneva 2000, S. 9. Zuletzt abgerufen am 2. April 2022.

Im Folgenden werden einige der wichtigsten Merkmale der Spezies, insbesondere im Vergleich zu anderen Menschenaffen und sonstigen Primaten, genannt.

Aufrechter Gang

mini|Darstellung der Evolution des aufrechten Gangs (angelehnt an den „March of Progress“ von Rudolph Zallinger)

Der Mensch besitzt einen aufrechten Gang (Bipedie), was in der Tierwelt an sich nichts Ungewöhnliches, jedoch bei den Säugetieren selten ist. Der aufrechte Gang ermöglicht dem Menschen das zweibeinige Stehen, Gehen, Laufen. Er hat damit zwei Gangarten. Gerade im Säuglingsalter hat er aber noch ein großes Repertoire weiterer Bewegungsabläufe (krabbeln) und kann auch eigene entwickeln (z. B. Hopserlauf).

Der Mensch besitzt keinen Greiffuß wie die meisten anderen Primaten, sondern einen Fuß mit verkürzten Zehen und anliegender Großzehe. Dafür dient die Hand des Menschen nicht mehr zur Fortbewegung. Untypisch für einen Affen sind beim Menschen die Arme kürzer als die Beine. Wie bei allen Menschenartigen fehlt der Schwanz. Eine weitere Folge der Entwicklung des aufrechten Gangs beim Menschen ist seine doppelt-S-förmige Wirbelsäule und das kräftig ausgebildete Gesäß, welches die aufrechte Haltung und Fortbewegung erst ermöglicht.

Der aufrechte Gang muss erst individuell erlernt werden, was etwa ein bis eineinhalb Jahre ab der Geburt dauert.

Gehirn

mini|Rotationsanimiertes Modell eines menschlichen Gehirns (ohne rechtes Großhirn; Frontallappen rot markiert)

Das menschliche Gehirn entspricht in seinem Aufbau dem Gehirn anderer Primaten, ist jedoch im Verhältnis zur Körpergröße größer.Donald Johanson: From Lucy to language. Simon and Schuster, New York 1996, S. 80. Die Anzahl der Nervenzellen im Gehirn eines erwachsenen Menschen beträgt etwa 86 Milliarden, in der Rinde des Großhirns etwa 16 Milliarden. Im Vergleich dazu hat das Gehirn eines Rhesusaffen ca. 6,4 Milliarden Nervenzellen und das Gehirn eines Elefanten ca. 257 Milliarden, davon 5,6 Milliarden in der Großhirnrinde (Cortex cerebri). Doch beim Grindwal beträgt die Neuronenanzahl allein im Neocortex ca. 37 Milliarden, also etwa doppelt so viel wie beim Menschen.

Die Großhirnrinde ist am menschlichen Gehirn besonders stark ausgeprägt, insbesondere die Frontallappen, denen exekutive Funktionen wie Impulskontrolle, emotionale Regulation, Aufmerksamkeitssteuerung, zielgerichtetes Initiieren und Sequenzieren von Handlungen, motorische Steuerung, Beobachtung der Handlungsergebnisse und Selbstkorrektur zugeordnet werden. Der Bereich der Großhirnrinde, der für das Sehen zuständig ist, sowie Zonen, die für die Sprache eine Rolle spielen, sind ebenfalls beim Menschen deutlich vergrößert.

Anhand von Fossilienfunden ist belegbar, dass sich der aufrechte zweibeinige Gang des Menschen deutlich früher entwickelte als die starke Vergrößerung des Gehirns.C. Owen Lovejoy, ein Anatom an der Kent State University, bezeichnete 1988 den Übergang zum aufrechten Gang als die augenfälligste Veränderung der Anatomie, die man in der gesamten Evolutionsbiologie bisher nachgewiesen habe. Quelle: C. Owen Lovejoy: Evolution of Human Walking. In: Scientific American. November 1988, S. 118–125. Die Vergrößerung des Gehirns ereignete sich zeitgleich mit einer Verkleinerung der Kaumuskulatur.

Das Gesicht des Menschen ist flacher als bei einem Menschenaffen-Schädel, der eine hervorstehende Schnauze hat. Hingegen hat der Mensch durch die Rücknahme des Ober- und Unterkiefers ein vorspringendes Kinn. Mit der starken Zunahme des Gehirnvolumens entstand eine hohe Stirn und seine charakteristische Schädelform.

Haut und Behaarung Der Mensch verfügt in besonderem Maße über die Fähigkeit der Wärmeabfuhr durch Schwitzen. Kein anderer Primat besitzt eine so hohe Dichte an Schweißdrüsen wie der Mensch. Die Kühlung des Körpers durch Schwitzen wird unterstützt durch die Eigenheit, dass der Mensch im Unterschied zu den meisten Säugetieren kein (dichtes) Fell hat. Während seine Körperbehaarung nur gering ausgebildet ist, wächst sein Kopfhaar ohne natürlich begrenzte Länge. Ein Teil der verbliebenen Körperbehaarung entwickelt sich erst in der Pubertät: das Scham- und Achselhaar sowie die Brustbehaarung und das Barthaar beim Mann.