Unter Sport in Berlin werden die herausragenden sportlichen Aktivitäten im Berliner Breiten- und Profisport zusammengefasst. Im Jahr 2023 waren insgesamt 729.622 Mitgliedschaften im Landessportbund Berlin verzeichnet.
Durch die hohe Dichte an regelmäßig stattfindenden sportlichen Wettbewerben in der Stadt hat sich Berlin im 21. Jahrhundert zu einem weltweit profilierten Standort für Sportereignisse und Leistungssportler entwickelt.SportBusiness Ultimate Sports Cities Awards 2016. Bei: sportsbusiness.com; abgerufen am 5. August 2018.
Geschichte
1800–1900 mini|Der Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee, gegründet 1895
Friedrich Ludwig Jahn initiierte die deutsche Turnbewegung im frühen 19. Jahrhundert. Aus dem von ihm begründeten Turnen ging u. a. die heutige Sportart Gerätturnen hervor. Das Reck und der Barren wurden von ihm eingeführt. Den ersten Turnplatz schuf Jahn 1811 in der Hasenheide.
Die Berliner Schachgesellschaft (heute: Berliner Schachgesellschaft 1827 Eckbauer) wurde 1827 gegründet und entwickelte sich durch den Einfluss der Berliner Schule zum führenden Schachverein in Preußen. Sie ist gegenwärtig Deutschlands ältester noch existierender Schachverein.
Die Turngemeinde in Berlin wurde 1848 gegründet und gilt als ältester noch existierender Sportverein in Berlin.
1867 wurde der Verein Seglerhaus am Wannsee gegründet. Er gilt gegenwärtig als drittältester Segelverein in Deutschland.
Berliner Pioniere spielten bei der Einführung des Fußballsports im deutschsprachigen Raum eine bedeutende Rolle. Der 1885 gegründete BFC Frankfurt 1885 und der 1888 gegründete BFC Germania 1888 zählten zu den ersten Fußballclubs im Land. Letzterer gilt bis heute als ältester bestehender Fußballverein in Deutschland.
Als zweitältester Golfclub in Deutschland gilt der 1895 gegründete Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee.
Seit 1900 Zwischen 1921 und 1998 wurden im Motorsport Rennen für Automobile und Motorräder und zuletzt Läufe zur Deutschen Tourenwagenmeisterschaft (DTM) auf der AVUS ausgetragen.
Seit 1974 werden Eisspeedwayrennen im Horst-Dohm-Eisstadion in Wilmersdorf abgehalten.
Der von 2003 bis 2021 in Berlin ansässige Boxstall Sauerland Event zählte zu den renommierten Boxveranstaltern in Deutschland und Europa. Die von Wilfried Sauerland gegründete Firma vermarktete zahlreiche Profiboxer international und organisierte Boxsportereignisse. Für die Verdienste im weltweiten Boxsport wurde Sauerland 2010 in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen.Wilfried Sauerland on His Hall of Fame Induction. Bei: BoxingScene; abgerufen am 14. Juli 2020.
Die 14. European Maccabi Games wurden 2015 in Berlin abgehalten. Die europäische Makkabiade wurde damit zum ersten Mal in Deutschland ausgetragen. Rund 2000 Sportler aus 36 Ländern nahmen teil, die sich in 19 Sportarten maßen.
Das Global Jumping Berlin, ein Turnier der Global Champions Tour für Springreiter, fand zwischen 2017 und 2021 jährlich im Sommergarten des Messegeländes statt.Longines Global Champions Tour ruft zum Turnier in den Sommergarten von Berlin. Eurosport; abgerufen am 22. Januar 2020.
Die Special Olympics World Summer Games 2023 fanden in Berlin statt. Es war das erste internationale Special-Olympics-Turnier in Deutschland. Rund 7000 Teilnehmer aus 190 Ländern nahmen in 25 Sportarten an den Wettbewerben der Sommerspiele teil.
Sportanlagen Zu den nicht mehr bestehenden Anlagen zählt der Berliner Sportpalast. Die Veranstaltungshalle für 10.000 Zuschauer wurde 1910 eröffnet und 1973 abgerissen. Die im Palast eingerichtete Kunsteisbahn, galt zur Anfangszeit als die größte der Welt und verhalf den Sportarten Eishockey und Eisschnelllauf erstmals zu großen Publikumserfolgen in Berlin.
Das 1913 erbaute Deutsche Stadion für 33.000 Zuschauer wich ab 1934 dem Reichssportfeld, das für die Olympischen Sommerspiele 1936 errichtet wurde. Das Deutsche Stadion war Austragungsort für Endspiele um die deutsche Fußballmeisterschaft 1922, 1923, 1924 und 1927.
Die 1935 errichtete Deutschlandhalle war als Mehrzweckhalle für über 10.000 Zuschauer ausgelegt und wurde u. a. für verschiedene Wettkämpfe während der Olympischen Spiele 1936 genutzt. Im Jahr 1938 fand in der Halle die erste Handball-Weltmeisterschaft der Männer statt. 2011 wurde die Halle abgerissen.
Aus der Zeit der DDR stammte das 1950 erbaute und 1992 abgerissene Stadion der Weltjugend. Hier wurden zwischen 1975 und 1989 die Endspiele um den FDGB-Pokal vor bis zu 55.000 Zuschauern ausgetragen.
Organisationen
Landessportbund Berlin
Der Landessportbund Berlin (LSB) ist einer von 16 regionalen Verbänden im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).
Mitgliederzahlen der größten Sportverbände im Landessportbund Berlin 2023 mini|hochkant=1.3|Internationales Deutsches Turnfest 2017 in Berlin
1. Berliner Fußball-Verband e. V. 205.898 2. Berliner Turn- und Freizeitsport-Bund e.V. 94.386 3. Hochschulsportverband Berlin e. V. 67.743 4. Tennis-Verband Berlin-Brandenburg e. V. 40.887 5. Landesverband Berlin des Deutschen Alpenvereins e.V. 29.049 6. Berliner Schwimm-Verband e. V. 28.357 7. Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Berlin e.V. 22.337 8. Betriebssportverband Berlin e. V. 17.852 9. Berliner Basketball Verband e. V. 16.688 10. Berliner Leichtathletik-Verband e.V. 14.849
Vereine mini|Hertha-BSC-Zuschauer
In Berlin gab es 2024 rund 2300 Sportvereine mit 781.295 registrierten Mitgliedern (+7 % im Vergleich zu 2023), die sich unter dem Dach des LSB organisiert haben.Landessportbund Berlin – Zahlen und Fakten, LSB Berlin, abgerufen am 28. Juli 2024. Die größten Vereine in Berlin nach Anzahl der Mitglieder zum Jahresende 2023 sind der 1. FC Union Berlin (64.466 Mitglieder) und Hertha BSC (51.464 Mitglieder). Beide Vereine zählen zu den 15 mitgliederstärksten Sportvereinen in Deutschland.
Im Jahr 2015 waren 73 Berliner Mannschaften in den verschiedenen ersten Bundesligen sowie 70 Mannschaften in den zweiten Bundesligen vertreten.Bundesligamannschaften. Auf: lsb-berlin.net
Einige Vereine sind dabei im Bereich des Profisports tätig. Zu den prominentesten und erfolgreichsten Vertretern zählen hier der 1. FC Union Berlin und Hertha BSC (Fußball), Alba Berlin (Basketball), die Eisbären Berlin (Eishockey), die Füchse Berlin (Handball), die Berlin Recycling Volleys (Volleyball) und die Wasserfreunde Spandau 04 (Wasserball).
Spitzenverbände mini|Yacht des Akademischen Segler-Vereins, Gründungsmitglied des Deutschen Segler-Verbands
Der Deutsche Schachbund (DSB) ist die Dachorganisation der Schachspieler in Deutschland und hat seinen Sitz in Berlin. Er wurde 1877 gegründet und ist Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund und seit 1926 (mit Unterbrechungen) im Weltschachverband FIDE. Der DSB hat derzeit (Stand: 2019) etwa 92.000 Mitglieder, davon rund 26.000 Jugendliche und 7.700 Frauen in 2.400 Vereinen und gehört damit zu den größten Schachverbänden der Welt.
Der 1888 gegründete Deutsche Segler-Verband (DSV) ist die nationale Interessenvertretung und der Spitzensportverband der deutschen Segler. Er ist Dachverband für über 1200 Segelvereine und Surfclubs (Stand 2019), für 16 Landesseglerverbände und 85 Klassenvereinigungen. Rund 188.000 Mitglieder sind im DSV gemeldet.
Der Deutsche Kegler- und Bowlingbund (DKB) ist der Spitzenverband für den Kegel- und Bowlingsport in Deutschland und hat seinen Sitz in Berlin.
Die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG), ist der Dachverband für den Eisschnelllaufsport der Bundesrepublik Deutschland. Zur DESG gehören die Landeseissportverbände (LEV) und die den LEV zugehörigen Vereinen, die die Sportarten Eisschnelllauf und Shorttrack betreiben. Sitz des Verbands ist in Berlin.
Der eSport-Bund Deutschland (ESBD) ist ein deutscher Interessenverband zur Förderung von E-Sport, welcher 2017 in Frankfurt am Main gegründet wurde und seinen Sitz in Berlin hat. Zu den Gründungsmitgliedern des ESBD gehörten sechs Amateurvereine und 14 professionelle Teams.
Sportveranstaltungen Berlin war in der Geschichte mehrfach Austragungsort internationaler Sportwettkämpfe.
Olympische Spiele mini|Medaille der Olympischen Sommerspiele 1936
Die Olympischen Sommerspiele 1916 wurden vom Internationalen Olympischen Komitee 1912 nach Berlin vergeben. Das IOC gab damit Berlin den Vorzug gegenüber Alexandria, Amsterdam, Brüssel, Budapest und Cleveland. Als Wettkampfstätte der Spiele war auf dem Gebiet der damals noch eigenständigen Stadt Charlottenburg das 1913 eingeweihte Deutsche Stadion errichtet worden. Wegen des Ersten Weltkriegs fanden die Spiele jedoch nicht statt.
Auf der 30. Session des IOC im Jahr 1931 wurden die Olympischen Sommerspiele 1936 nach Berlin vergeben. Bei der Stichwahl gegen die bis zuletzt übriggebliebene Kandidatenstadt Barcelona setzte sich die Bewerbung Berlins durch. Die Spiele der XI. Olympiade konnten vom 1. bis zum 16. August 1936 in Berlin ausgetragen werden. Das neuerrichtete Olympiastadion mit einem Fassungsvermögen von 100.000 Zuschauern wurde als zentrale Arena der Spiele ausgelegt. Mit 49 teilnehmenden Nationen und 3961 Athleten stellten die Olympischen Spiele in Berlin einen neuen Teilnehmerrekord sowie einen neuen Besucherrekord auf.
Berlin war außerdem eine der offiziellen Kandidatenstädte, die sich um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2000 bewarben. Im Auswahlverfahren scheiterte jedoch die Bewerbung 1993 in der ersten Runde.Berlin: ein Kaiser ohne Kleider. In: Focus, 19. April 1993; abgerufen am 11. Februar 2011.
Welt- und Europameisterschaften im Fußball Das Olympiastadion Berlin war mit 85.000 Plätzen (davon 61.800 Sitzplätze) das größte deutsche Stadion während der Fußball-Weltmeisterschaft 1974. In dem Stadion fanden drei Spiele der ersten Finalrunde statt. Insgesamt sahen 126.800 Zuschauer die drei Spiele. Die meisten (81.100) kamen zum Auftaktspiel der Mannschaft der Bundesrepublik gegen Chile, das damit das bestbesuchte Spiel der WM war.
mini|links|Die Mannschaft des Fußball-Weltmeisters 2014 auf dem Weg durch Berlin
Im Jahr 2006 fanden vier Vorrunden-, ein Viertelfinal- und das Finalspiel der Fußball-Weltmeisterschaft im Berliner Olympiastadion statt. Im Endspiel der WM standen sich Frankreich und Italien gegenüber. Weltmeister wurde Italien nach einem 5:3 im Elfmeterschießen. Das Spiel wurde in mehr als 200 Länder im Fernsehen live übertragen und nach Angaben der FIFA weltweit von etwa 715 Millionen Zuschauern gesehen. Die Liveübertragung zählt damit zu den zehn meistgesehenen TV-Ereignissen (Stand: 2015).
Seit 2006 fanden zu Fußball-Europa- und Weltmeisterschaften Fan Feste statt, bei denen zehntausende Zuschauer öffentlich die Fußballspiele auf Großbildleinwänden verfolgen. Der Veranstaltungsort, die Fanmeile, hat seinen Platz in der Straße des 17. Juni.
Die offizielle Siegesfeier des Fußball-Weltmeisters 2014 fand in Berlin statt. Die bei der WM in Brasilien erfolgreiche Mannschaft aus Deutschland landete im sogenannten „Siegerflieger“ nach einem Überflug der Fanmeile in Berlin-Tegel. Es folgte eine Fahrt auf einem offenen Lkw-Auflieger. Etwa eine halbe Million Menschen versammelten sich auf den Straßen Berlins um die Spieler, Trainer und Betreuer der deutschen Mannschaft zu begrüßen. Auf einer Bühne vor dem Brandenburger Tor präsentierten sich die Weltmeister mit dem FIFA-WM-Pokal um sich bei den Fans für ihre Unterstützung zu bedanken und sich feiern zu lassen.
Berlin war Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft 2024 und dessen Endspiels.
Großer Preis von Berlin mini|Zieleinlauf beim Großen Preis von Berlin
Der Große Preis von Berlin ist ein Pferderennen, das jährlich auf der Rennbahn Berlin-Hoppegarten stattfindet. Es ist eins von sieben Gruppe-Ι-Rennen in Deutschland.
German Masters (Snooker) Seit 2011 finden die German Masters im Snooker jährlich im Tempodrom statt.German Masters 2019 – abgerufen am 29. Mai 2022
Formel-E-Meisterschaft mini|Rennwagen der Formel E