mini|Kath. Pfarrkirche hl. Elisabeth in Altenberg bei Linz mini|Südportal der Pfarrkirche Altenberg bei Linz Die römisch-katholische Pfarrkirche Altenberg bei Linz wurde um das Jahr 1500 erbaut und ist der heiligen Elisabeth von Thüringen geweiht. Ihr Standort, die Marktgemeinde Altenberg bei Linz, befindet sich im oberösterreichischen Bezirk Urfahr-Umgebung. Sie gehört seit dem Jahr 2024 zur Pfarre Mühlviertel-Mitte in der Diözese Linz und steht unter Denkmalschutz ().
Geschichte Pfarrgeschichte Als im Jahr 1248 der Ort Altenberg in der einer Urkunde des Bistums Passau erstmals genannt wurde, könnte bereits eine kleine Kirche in diesem Ort bestanden haben. Pfarrlich gehörte Altenberg jedoch noch bis 1848 zu Gallneukirchen. Zur Herrschaft Wildberg gehörten seit jeher die Kirchen in Altenberg und in Hellmonsödt, während Gallneukirchen der Herrschaft Riedegg unterstand. Als die Starhemberger die Herrschaften Wildberg im Jahr 1198 und Riedegg im Jahr 1411 erwarben, erhielt diese Adelsfamilie auch das Patronatsrechte über die dort befindlichen Kirchen und war im Gegenzug zur Erhaltung der Gebäude verpflichtet.
Im Zuge der Gegenreformation entstand in Altenberg einer der über 150 Marienwallfahrtsorte in Oberösterreich, denn gerade die Marienverehrung galt lange Zeit als typisch katholisch im Gegensatz zum Protestantismus. Die älteste schriftliche Erwähnung einer Wallfahrt nach Altenberg findet sich in einer Linzer Urkunde aus dem Jahr 1661. Ab dieser Zeit dürften regelmäßig Gruppen aus Linz nach Altenberg gekommen sein, was allerdings nach der Weihe der neu errichteten Pöstlingbergkirche im Jahr 1748 seltener wurde.Die Marienwallfahrt nach Altenberg. In: Altenberg bei Linz. Ein Heimatbuch anläßlich 750 Jahre Altenberg. S. 144–145.
Im Jahr 1774 reisten Vertreter der Katastralgemeinde Altenberg nach Wien, um den kaiserlichen Hof um die Abtrennung von der Pfarre Gallneukirchen zu ersuchen. Die Herrscherin Maria Theresia war damit einverstanden unter den Bedingungen, dass eine Wohnung für einen Geistlichen gebaut und für dessen Unterhalt gesorgt werde und dabei das Kirchenvermögen von Gallneukirchen unangetastet bleibe.Die Errichtung der Expositur. In: Altenberg bei Linz. Ein Heimatbuch anläßlich 750 Jahre Altenberg. S. 145–146. Am 29. Juli 1775 wurde Altenberg zur Expositur der Pfarre Gallneukirchen erhoben. Am 7. September 1777 trat der Priester Johann Schödl seinen Posten als erster Expositus in Altenberg an, womit auch die örtlichen Eintragungen im Tauf-, Trauungs- und Sterbebuch beginnen.
Am 1. Januar 1848 wurde Altenberg zur selbständigen Pfarre erhoben.Die Erhebung zur Pfarre. In: Altenberg bei Linz. Ein Heimatbuch anläßlich 750 Jahre Altenberg. S. 146. Sie gehörte zum Dekanat Gallneukirchen. Nach der Aufhebung der Grundherrschaft durch die Revolution von 1848/1849 im Kaisertum Österreich wollte Fürst Starhemberg das Patronat abgeben, was aber abgelehnt wurde. Dafür erhielten die Starhemberger das Präsentationsrecht für die Pfarre Altenberg, das heißt, wenn ein amtierender Pfarrer starb oder in eine andere Gemeinde ging, durfte der Patron einen neuen Pfarrer auswählen und dem zuständigen Bischof präsentieren. Der letzte von einem Starhemberger präsentierte Pfarrer war Alois Paster, Pfarrer von 1938 bis 1996.Die Patronatsherrschaft der Starhemberger. In: Altenberg bei Linz. Ein Heimatbuch anläßlich 750 Jahre Altenberg. S. 141.
1918 wurde eine Pfarrbibliothek eingerichtet, weil das Bedürfnis nach guten Büchern zur Ablenkung von den Sorgen groß war.Markante Ereignisse in der Pfarre. In: Altenberg bei Linz. Ein Heimatbuch anläßlich 750 Jahre Altenberg. S. 147.
Mit einer Erklärung vom 11. Dezember 1968 verzichtete Heinrich Rüdiger Starhemberg gegenüber dem Linzer Diözesanbischof Franz Salesius Zauner auf neun Patronate, darunter auch jenes von Altenberg. Dabei bezahlte der Patronatsinhaber 350.000 Österreichische Schillinge an die Diözese, weil diese in der Folge für alle kirchlichen Bauten in diesen Pfarren zu sorgen hatte. Der Verzicht wurde nach Ablauf der vereinbarten Frist von 10 Jahren am 11. Dezember 1978 angenommen.Die Patronatsherrschaft der Starhemberger. In: Altenberg bei Linz. Ein Heimatbuch anläßlich 750 Jahre Altenberg. S. 142.
Mit bischöflichen Dekreten vom 31. Dezember 2023 wurden die bisherigen Pfarren Alberndorf, Altenberg, Gallneukirchen, Hagenberg, Hellmonsödt, Katsdorf, Kirchschlag, Pregarten, Reichenau, Steyregg, Treffling und Wartberg ob der Aist aufgelöst und mit 1. Januar 2024 zur neu gegründeten Pfarre Mühlviertel-Mitte fusioniert.
Patrozinium Das Patrozinium der hl. Elisabeth lässt sich indirekt bis um das Jahr 1400 zurückverfolgen. Zur Zeit des Gallneukirchner Pfarrers Stephan (1356–1408) entstanden einige Zechen. Das waren Vereine religiöser Art, die vor allem für die Verwaltung und Erhaltung kirchlicher Baulichkeiten im damals großen Pfarrgebiet von Gallneukirchen zuständig waren. Eine davon war die „St. Elspeth-Zeche“, die für die kleine Filialkirche bzw. Kapelle in Altenberg verantwortlich war. In den Abrechnungen der St. Elspeth-Zeche sind in den Jahren 1495 bis 1519 größere Aufwendungen zur Zeit des Kirchenneubaus verzeichnet.Altenberg bei Linz. Ein Heimatbuch anläßlich 750 Jahre Altenberg. Abschnitt „Baugeschichte“ S. 153.
Im Jahr 1565 ist das Patrozinium der hl. Elisabeth für die Pfarrkirche eindeutig urkundlich nachweisbar.
Lange Zeit war die Altenberger Kirche die einzige in Oberösterreich, die der heiligen Elisabeth geweiht war. Erst nachdem die Elisabethinen Mitte des 18. Jahrhunderts ein Kloster mit Krankenhausbetrieb in Linz gegründet hatten und in den 1760er-Jahren die heutige Elisabethinenkirche erbauen ließen, weihten sie verständlicherweise ihre Kirche und die Hauskapelle ihrer Ordensheiligen.Altenberg bei Linz. Ein Heimatbuch anläßlich 750 Jahre Altenberg. Abschnitt „Das St. Elisabeth-Patrozinium“ S. 154.
Baugeschichte Ein Vorgängerbau befand sich sehr wahrscheinlich abseits des heutigen Kirchengrundrisses, wie Ausgrabungen im Jahr 1991 nahelegen.
Der Bau des Kirchengebäudes begann um das Jahr 1496 und dauerte gemäß den finanziellen Aufzeichnungen der St. Elspeth-Zeche etwa 20 Jahre lang. Ein Chorstrebepfeiler ist mit dem Schriftzug „1506 I. V.“ bezeichnet.Dehio Mühlviertel 2003, S. 23.
1694 stürzte das Kreuzrippengewölbe des Hauptschiffes ein. Das Langhaus wurde durch eine niedrigere, schmucklose Kreuzgewölbekonstruktion ersetzt, zugleich wurde das Kircheninnere barockisiert.
Zur Renovierung des Kirchendachstuhls im Jahr 1718 spendete der Starhemberger Patron das Holz aus seinem Wald um die Burgruine Zöch.
Ein Blitzschlag vernichtete im Jahr 1742 das Turmdach. Danach wurde eine barocke Zwiebelkuppe aufgesetzt, und an die Stelle des Turmkreuzes kam eine Figur der Kirchenpatronin Elisabeth, von den Altenbergern scherzhaft „blecherne Liesl“ genannt. Am 18. Juli 1866 zerstörte wiederum ein Blitz das halbe Turmdach. Daraufhin erhielt der Turm mit dem Blechdach sein heutiges Aussehen.
Nach den Außenrenovierungen in den Jahren 1898 und 1915 erfolgte 1991/92 eine Generalsanierung der Pfarrkirche mit dem Einbau einer Entfeuchtungsanlage. Turm, Gewölbe und Empore wurden statisch gesichert. In einem Anbau wurden ein Aussprachezimmer und Heizungs- und Klimageräte untergebracht. Das Presbyterium wurde neu eingerichtet und ein neuer Volksaltar aufgestellt.Altenberg bei Linz. Ein Heimatbuch anläßlich 750 Jahre Altenberg. Abschnitt „Renovierungen“ S. 153–154. Das vorher unterschiedliche Fußbodenniveau wurde ausgeglichen.
Architektur An die spätgotische dreischiffige vierjochige Hallenkirche mit Gratgewölben schließt ein dreijochiger, netzrippengewölbter Chor mit überraschender Raumweite mit einem Dreiachtelschluss an. Die dreiachsige Westempore hat ein Kreuzgewölbe. Der Westturm trägt einen neuen Spitzhelm. Die Strebepfeiler sind fein durchgebildet. Die Langhausdienste haben Knospenkapitelle.
Die beiden spätgotischen Hauptportale sind reich gestaltet. Das spitzbogige Nordportal und das schulterbogige Südportal sind an der Außenseite durch rezent angebaute, kleine Portalvorhallen vor Verwitterung geschützt. Das Sakristeiportal hat eine spätgotische Rahmung und die Tür einen gotischen Beschlag.
Ausstattung Innenausstattung Der barocke Hochaltar, um 1723, stammt aus der Filialkirche Sautern, die zur Stiftspfarre Schlierbach gehörte und 1958 wegen Einsturzgefahr abgerissen und neu erbaut wurde. Über dem Altarblatt der hl. Elisabeth, das 1959 von Josef Perndl geschaffen wurde, ist unter anderem das Wappen des Stiftes Schlierbach zu sehen.Dehio Mühlviertel 2003, S. 24.
Die beiden Seitenaltäre wurden 1960/61 von der Firma Plössl errichtet.Firma „Pöschl in Wels“ statt „Plössl“ laut Heimatbuch S. 156. Die gotische Marienstatue im linken Seitenaltar stammt aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts und wurde in den 1970er-Jahren von der Winklinger-Kapelle hierher übertragen.
Ein Renaissance-Lavabo mit Halbsäulen und Rundgiebel aus rotem Marmor, das neben dem rechten Seitenaltar steht, ist mit der Inschrift „Christophorus Wincklhover, Raths Burger, Ano Dni 1632“ (Anno Domini 1632) bezeichnet.
Die modernen Kreuzwegstationen im Innern der Pfarrkirche Altenberg bestehen aus Glasplatten, auf denen Holzschnitte aufgedruckt sind. Sie wurden im Jahr 2006 vom Künstler Herbert Friedl geschaffen, der auch Kreuzwege in Treffling und Pregarten neu gestaltete.
Im Chor ist vor dem Hochaltar ein in den Boden versenktes und mit einer Glasplatte abgedecktes Wappen der Familie Starhemberg sehen, das 1991 hierher versetzt wurde. Darunter befindet sich die 1698 errichtete, heute unzugängliche Gruft der Gräfin Ester von Starhemberg.
Glocken Die älteste erwähnte Glocke stammte aus dem Jahr 1669. Eine weitere Glocke wurde 1752 gegossen, nachdem ein Blitz das Turmdach zehn Jahre zuvor zerstört hatte. 1765 zersprang eine Glocke. 1917 wurden die Glocken beschlagnahmt und weggeliefert trotz heftigen Widerstandes des Pfarrers Josef Preishuber (1912–1937), der mit Geldstrafen bedroht wurde. 1923 wurden drei neue Glocken angeschafft. Die zwei größeren Glocken wurde 1941 aber wiederum für Kriegszwecke weggeschafft und eingeschmolzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der Glockengießerei Sankt Florian drei neue Glocken bestellt, die verbliebene Glocke wurde vom Turm abgenommen und in der Werkstätte abgeschliffen, damit sie klanglich dazupasst. Die bislang letzte Glockenweihe erfolgte am 28. Oktober 1962 durch Abt Florian Pröll vom Stift Schlägl.Altenberg bei Linz. Ein Heimatbuch anläßlich 750 Jahre Altenberg. Abschnitt „Glocken“ S. 159–160.
Das Geläut der Pfarrkirche Altenberg umfasst damit folgende Glocken: Die große Glocke mit 720 kg und Ton g ist den heiligsten Herzen Jesu und Mariae geweiht. Die zweitschwerste Glocke mit Ton h wiegt 340 kg und ist der Kirchenpatronin Elisabeth geweiht. Die Glocke aus dem Jahr 1923 mit 720 kg und Ton d ist weiterhin dem hl. Florian von Lorch geweiht. Die kleine Glocke mit 140 kg ist dem heiligen Aloisius geweiht und erinnert an den Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils 1962.
Orgel Die neue, von der Firma Rieger gebaute Orgel wurde 1995 in Betrieb genommen.Josef Keplinger: Die Geschichte der Orgeln vom Altenberg. In: Altenberg bei Linz. Ein Heimatbuch anläßlich 750 Jahre Altenberg. S. 162–164.
Umgebung
Pfarrhof 1774/75 wurde ein Pfarrhof als Wohngelegenheit errichtet und gleichzeitig das Hofstattgut zum Unterhalt des Geistlichen erworben. Allerdings dürfte diese Hofstatt nicht mehr in bestem Zustand gewesen sein, da sie 1809 einstürzte. 1928 wurde das Wirtschaftsgebäude umgebaut und für einen bevorstehenden Straßenausbau ein wenig verlegt. 1987/88 wurde der Pfarrhof gänzlich neu gebaut. Der Neubau wurde etwas nach Süden versetzt, damit ein breiterer Gehsteig zu den benachbarten Schulgebäuden eingerichtet werden konnte.Pfarrhof und Pfarrheim. In: Altenberg bei Linz. Ein Heimatbuch anläßlich 750 Jahre Altenberg. S. 161.