mini|Naomi bittet Rut und Orpa, nach Moab zurückzukehren. William Blake, 1795.
Die Konversion bzw. der Übertritt zum Judentum () ist eine formelle Handlung, die von einer nicht-jüdischen Person vorgenommen wird, um als vollwertiges Mitglied einer jüdischen Gemeinde anerkannt zu werden. Die Konversion besteht im Normalfall aus einer Reihe religiöser Handlungen und Studien, einschließlich des Ausdrucks der Verbindung mit dem jüdischen Volk und manchmal auch mit Eretz Israel. Manchmal wird die Konversion durchgeführt, um Zweifel der Religionszugehörigkeit eines Menschen auszuräumen, der als Jude anerkannt werden möchte.
Der Vorgang hängt im Einzelnen von der Ausgangsreligion ab und den besonderen Vorbedingungen für diese Religion oder auch das Fehlen einer Religion. Ohne einen formellen orthodoxen Übertritt wird die Konversion von vielen orthodoxen Juden nicht anerkannt.
mini| der Tora der British Library (Oriental MS. 1,497) aus dem 12. Jh. Die hebräischen Verse wechseln ab mit dem Targum Onkelos, einer aramäischen Übersetzung.
In manchen Fällen konvertiert jemand nicht formell, übernimmt aber einige oder alle Glaubensinhalte und Praktiken des Judentums. Trotzdem werden strenggläubige Juden diese Konversion ablehnen und die betreffende Person nicht als jüdisch anerkennen. Einige Gruppen haben jüdische Bräuche und Praktiken übernommen. In Russland gilt dies etwa für die Subbotniki, die die meisten Aspekte des jüdischen Lebens ohne formelle Konversion übernommen haben. Wenn Subbotniki in eine traditionelle jüdische Familie einheiraten oder nach Israel auswandern wollen, müssen sie eine formelle Konversion durchführen.
Fachbegriffe Ein Konvertit wird als bezeichnet (Plural gerim), eine Konvertitin als . Das Wort ist mit „Proselyt“ verwandt, das der Septuaginta entstammt. Im karäischen Judentum ist ein Ger ein Nicht-Jude, der die Konversion noch nicht vollständig durchgeführt hat. Nach der Konversion wird der Ausdruck Ger nicht mehr benutzt, der Neuling ist Jude wie jeder andere.Eli’ezer ben Ephraim haKohen: (PDF) auf karaitejudaism.org.
Das Wort ger stammt vom Verb , das „wohnen“ oder „sich aufhalten [bei]“ bedeutet. In der Bibel wird ger als Fremder oder Beisasse verstanden. Rabbiner Marc Angel schreibt dazu:
Angels Erklärung des Wortsinns lässt sich anhand biblischer Verse wie belegen:
Die Juden waren in Ägypten keine Konvertiten, sondern Fremde. Eine andere wichtige Textstelle bezieht sich auf nichtjüdische Gefangene, die zur Ehe gezwungen werden konnten, . Ein weiterer Vers ist , wo aber kein Verfahren dargestellt wird.
Im Talmud wird ger mit zwei Bedeutungen gebraucht: Ger tzedek ist der „rechtmäßige Konvertit“, ein jüdischer Proselyt, ger toshav dagegen ist ein nichtjüdischer Bewohner des Landes, „der die Sieben Noachidischen Gebote beachtet und den Götzendienst aufgegeben hat“. Im modernen Hebräisch bedeutet ger jüdischer Konvertit.
Übersicht Nach Maimonides (Issurei Biah 13:14) wurden Konvertiten seit Beginn der jüdischen Geschichte angenommen, dabei waren die fremden Ehefrauen der Führer wie Samson und Salomon Konvertitinnen. Er weist jedoch darauf hin (Issurei Biah 13:15), dass in der Zeit der Könige David und Salomo Batei Dinim (jüdische Gerichte) Konvertiten nicht annahmen, die möglicherweise keine rechte Absicht hatten. Sie mussten warten und ihre Absichten beweisen, bis sie rechtmäßig akzeptiert wurden.
Mit Ausnahme einiger charedischer Gemeinden vor allem in Brooklyn, New York, und Deal, New Jersey, sind heute alle Hauptformen des jüdischen Glaubens offen für ernsthafte Konvertiten, wobei jeweils die Regeln der Aufnahme der betreffenden jüdischen Konfession und nur für diese gelten.
Für das rabbinische Judentum beruhen die Gesetze zur Konversion (gerut) auf Kodizes und Texten einschließlich des Talmud, darunter der Schulchan Aruch und weitere darauf folgende Interpretationen. Viele der Richtlinien gründen sich auf das Buch Ruth und die Weise, wie Ruth über ihre Schwiegermutter Naomi in die Gemeinde eingeführt wurde. Die Regeln werden vom orthodoxen und konservativen Judentum für verbindlich gehalten. Das Gesetz wird oft so angesehen, als ob es von der Proselytenmacherei abraten würde, und die gerut ist auch etwas entmutigend. In der Vergangenheit wiesen Rabbiner oft Anwärter auf die Konversion drei Mal zurück, und nur wenn sie eisern bei ihrem Wunsch blieben, wurde ihnen die Konversion schließlich gestattet.
Erst nach Überzeugung von den ernsthaften Absichten wird der Anwärter einem halachisch festgelegten religiösen Gerichtshof vorgeführt, das aus drei dayanim (Richtern) bestehen muss, dem beth din („religiöses Gericht“). Nach erfolgreicher Überprüfung erhält der Konvertit das Shtar geirut („Konversionszertifikat“).
Das konservative Judentum nimmt die Anwendung der halachischen Regeln nicht ganz so streng wie das moderne orthodoxe Judentum. Die formelle Anwendung der Regeln erscheint hier wichtiger als die Reputabilität der Beteiligten oder die Art der Verpflichtungen. Dementsprechend werden auch einige Konversionen des Reformjudentums oder des Rekonstruktionismus anerkannt, aber nur, wenn sie das Untertauchen in einem rituellen Bad (mikvah) einschließen, das Erscheinen vor einem Rabbinergericht (beit din) und die Beschneidung bei Männern (brit milah) bzw. eine symbolische Art der Beschneidung für die schon beschnittenen Männer. (hatafat dam brit.)
Die Erfordernisse für das Reformjudentum sind andersartig. Hier wird gefordert, dass man die jüdische Theologie, die Rituale, die Geschichte, Kultur und Brauchtum studiert und jüdische Verhaltensweisen in das Alltagsleben integriert. Erwartet wird neben dieser ganz unterschiedlich ausgestalteten Form des Studiums die Teilnahme am Gottesdienst und am Gemeindeleben.
Kinder müssen als Voraussetzung einer Konversion mindestens 12 (Mädchen) oder 13 Jahre alt sein (Jungen). Bei einer früheren Aufnahme in die Religionsgemeinschaft durch Adoption oder Konversion der Eltern müssen die Kinder im religionsmündigen Alter nachträglich ihre Zustimmung geben. Diese Regelung gilt für das orthodoxe wie das konservative Judentum, die beide die Halacha als verbindlich betrachten.
Das rekonstruktionistische Judentum betont die symbolische Bedeutung des Rituals. Das vorgeschriebene Studienprogramm schließt Geschichte, Glaubensinhalte und religiöse Verhaltensweisen zur Einhaltung der Religionsgesetze ein. Ein rituelles Untertauchen, Beschneidung oder hatafat dam brit (ein symbolischer Bluttropfen) falls keine besondere körperliche oder seelische Gefährdung besteht; schließlich ein Bet Din (ein Gespräch mit zwei fachlich gebildeten Juden, von denen mindestens einer ein Rabbiner sein muss), dazu oft eine öffentliche Aufnahme- und Begrüßungszeremonie.
Das karaitische Judentum akzeptiert nicht das rabbinische Judentum und verlangt andersartige Aufnahmebedingungen. Traditionell gegen die Konversion ausgerichtet, hat das karaitische Judentum seit Kurzem seine Ablehnung aufgegeben. Am 1. August 2007 nahmen Karäer seit 500 Jahren erstmals Konvertiten in ihre Reihen auf. Bei einer Feier in ihrer Synagoge in Nordkalifornien schworen 10 Erwachsene und 4 Minderjährige einen Treueschwur, nachdem sie ein ganzjähriges Studium absolviert hatten. Die Konversion geschah 15 Jahre nach dem Beschluss des karaitischen Weisheitsrats, das jahrhundertealte Verbot aufzuheben.Karaites hold first conversion in 500 years. 2. August 2007, JTA Breaking News.
Erfordernisse Die Amora'im, die den Talmud hervorbrachten, setzten drei Bestimmungen für die Konversion fest (Keritot 8b), die bezeugt und von einem beth din hedyot bestätigt werden müssen. Dieses Gericht muss aus drei männlichen Juden über 13 Jahren bestehen, die nicht notwendigerweise Rabbiner sein müssen: Beschneidung (Brit milah oder hatafat dam brit) für Männer Immersion (tevilah) in einem rituellen Bad (mikveh) für Männer und Frauen Darbringung einer Opfergabe (korban) im Tempel (dem Beit Hamikdash) – Diese Forderung wird für die Zeit zurückgestellt, bis der Tempel wieder aufgebaut wird. Der Konsens halachischer Autoritäten verlangt außerdem das Verständnis für die Pflichten des klassischen Religionsgesetzes. Dies steht so nicht ausdrücklich im Talmud, aber in den nachfolgenden Kommentaren.
Nach der Bestätigung der Erfüllung aller Voraussetzungen stellt der beth din ein Shtar Giur aus, ein Konversionszertifikat.
Frühe Diskussion um die Beschneidung Der Artikel der Jewish Encyclopedia über die Beschneidung von Proselyten stellt dar, dass im 1. Jahrhundert v. u. Z., also vor der Abfassung der Mischna, die Beschneidung zwischen Zeloten und liberalen Gruppen diskutiert wurde. R. Joshua forderte das Untertauchen in der mikveh. R. Eliezer fordert die Beschneidung. Eine ähnliche Kontroverse zwischen Shammaiten und Hilleliten betrifft Proselyten, die von Geburt an keine Vorhaut haben: Erstere fordern einen symbolischen Blutstropfen, damit der Anwärter durch den symbolischen Brit Milah Teil des Bundes wird; Letztere halten dies für unnötig.
Es wurde auch über die Notwendigkeit bei Männern gesprochen, die von einer jüdischen Mutter geboren wurden, was der Forderung nach Beschneidung der Konvertiten entgegenkam. Der Midrasch legt fest: „wenn deine Söhne meine Gottheit annehmen [indem sie sich beschneiden lassen], werde ich ihr Gott sein und sie in das Land führen; aber wenn sie meinen Bund nicht beachten, hinsichtlich der Beschneidung oder des Sabbats, sollten sie das Land der Verheißung nicht betreten.“ (Midrasch Genesis Rabbah xlvi). “The Sabbath-keepers who are not circumcised are intruders, and deserve punishment,” (Midrasch Genesis. Rabbah xIvi). „Die den Sabbat halten, die nicht beschnitten sind, sind Eindringlinge und verdienen Strafe“ (Midrasch, Deut. Rabbah i).
Die entgegengesetzte Sicht der Dinge wird im Babylonischen Talmud vertreten: „Ein männlicher Konvertit, der untergetaucht, aber nicht beschnitten wurde, ist ein (gültiger) Konvertit.“
Flavius Josephus berichtet in seinen Jüdischen Altertümern 20,2 die Geschichte von König Izates von Adiabene, der sich dazu entschied, dem Gesetz des Moses zu folgen, wie es ihm ein jüdischer Händler namens Ananias geraten hatte. Als er sich beschneiden lassen wollte, riet seine Mutter ab, die selbst jüdischen Bräuchen folgte, weil seine Untertanen es nicht akzeptieren würden, von jemandem regiert zu werden, der solch „sonderbaren und fremdländischen“ Riten folgte. Auch Ananias riet ab, weil die Anbetung und Verehrung Gottes wichtiger als die Beschneidung sei. (Robert Eisenman behauptet in seinem Werk James the Brother of Jesus, Ananias sei Paulus von Tarsus, der ähnliche Ansichten vertrat; diese neuartige Interpretation findet in der Mehrheitsinterpetation keine Unterstützung) und dass Gott ihm wegen der Furcht seiner Untertanen vergeben würde. Daher entschied Izates dagegen. Später jedoch kam „ein anderer Jude aus Galiläa, Eleazer“, der mit dem Recht gut vertraut war. Er überzeugte ihn davon, dass Gesetze nicht nur verstanden, sondern auch angewandt werden sollten, weshalb Izates dies tat. Als Helen und Ananias es bemerkten, waren sie voller Angst vor den möglichen Folgen, aber, wie Josephus darstellt, sorgte Gott für Izates. Seine Regierungszeit war friedlich und gesegnet, Helen besuchte den Tempel um ihm zu danken, und da dort eine Hungersnot herrschte, brachte sie eine Menge Nahrungsmittel und Hilfe für das Volk von Jerusalem.F. Josephus: CHAPTER 2. In: Antiquities of the Jews. 20.
Moderne Praktiken Die Anforderungen sind unterschiedlich, sodass auch die wechselseitige Anerkennung zwischen unterschiedlichen Glaubensrichtungen schwierig ist. Orthodoxe lehnen die Konversion zu nicht orthodoxen Richtungen ab. Hinsichtlich den Konservativen liegt die Anlehnung weniger in den Riten begründet, die sehr ähnlich sind, sondern in Fragen der angemessenen Ausbildung durch qualifizierte Lehrer.