mini|Der bebaute Hochbunker im Jahr 2023 Der Hochbunker im Bonner Ortsteil Poppelsdorf, eine Mischung aus Hoch- und Stollenbunker, wurde 1941 errichtet. Er diente im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker, wurde nach dem Krieg als Studentenwohnheim genutzt und während des Kalten Krieges instand gehalten. Im Jahr 2006 wurde er zur Substruktion für ein Wohngebäude. Der Bunker liegt an der Trierer Straße 24 und steht seit 1995, Kolpingsfamilie Bonn-Poppelsdorf e. V., Fotos und Berichte aus dem Vereinsleben, via: www.poppelsdorf.de, 27. Februar 2007. als Baudenkmal unter Denkmalschutz.

Geschichte Bei der Bunkerplanung im Jahr 1940 war Bonn in die Liste der 61 „Luftschutzorte 1. Klasse“ des Führer-Sofortprogramms zur Errichtung von Luftschutz-Sonderbauten aufgenommen worden.Bonn im Bombenkrieg 1939–1945. Portal Rheinische Geschichte, Landschaftsverband Rheinland In Bonn und Beuel wurden 14 Schutzgroßbauten vom Reich finanziert. Damit sollten der Bevölkerung wenigstens 12.000 Plätze in der höchsten Schutzkategorie zur Verfügung stehen.

Nach der Umwidmung von Liege- zu Sitzplätzen im Jahr 1944 erhöhte sich die Zahl auf 15.000. Fünf Bunkeranlagen waren Mitte 1941 fertiggestellt, die restlichen bis Jahresende. Die Bauzeit betrug je etwa 6 Monate. Ein Drittel der eingesetzten Bauarbeiter waren französische Kriegsgefangene aus dem Stalag VI G in Bonn-Duisdorf.

Der Bunker an der Trierer Straße ist ein dreigeschossiger Hochbunker, der in den Hang des Kreuzbergs hineingebaut wurde. Er ist 20 Meter tief; an der rückwärtigen Seite wurden außerdem zwei je 44 Meter lange Stollen in den Hang getrieben. Luftschutzstollen erzeugten kostengünstigeren Schutzraum als Betonbunker, die darüberliegende Erdschicht musste zwischen 6 und 15 Metern betragen; neben dem Bunker in Poppelsdorf wurden solche Hangstollen auch beim Dransdorfer Krankenhausbunker gegraben.

Die Poppelsdorfer Stollen haben eine Breite von 3,50 Meter und verfügen über 60 cm starke Ziegelmauern. Heute nicht mehr vorhandene Zellen unterteilten die Stollen. Der Bunker selbst hat bis zu 4,70 Meter starke Stahlbetonwände und 1,40 Meter starke Decken.Rolf Kleinfeld: Überleben im Poppelsdorfer Studentenbunker. Bonner General-Anzeiger, 25. März 2011. Er verfügte insgesamt über 105 Liege- und 724 Sitzplätze. Der Bunker blieb während des alliierten Luftkriegs unversehrt.Dimitri Soibel: Express (Ausgabe Bonn), 14. Februar 2011.

Studentenwohnheim mini|Der Hochbunker in Bonn-Poppelsdorf (Aufnahme 1996) mini|Innenaufnahme 2011 Nach dem Krieg wurde der Bunker nicht gesprengt, da hier im Falle einer erneuten militärischen Auseinandersetzung die Bonner Stadtverwaltung untergebracht werden sollte. Kurz nachdem die Bonner Universität wieder ihren Betrieb aufgenommen hatte, wurde der Bunker als Studentenwohnheim umgenutzt, da die Wohnungssituation in Bonn nach dem Krieg sehr angespannt war.

Bedingung war die Vorlage eines Arbeitsbefreiungs- und eines Wohnberechtigungsscheins. Spätestens ab 1948 lebten männliche Studenten in der „Wohngemeinschaft Poppelsdorf e. V.“Die im Bunker wohnen …: Studentenherrlichkeit in trübem Glanz – Den Anschluß verpaßt? Die Zeit, 4. Mai 1962. Studentenwohnheime gab es damals kaum.Waldemar Krönig, Klaus-Dieter Müller: Nachkriegs-Semester: Studium in Kriegs- und Nachkriegszeit. HIS Hochschul-Informations-System GmbH, Franz Steiner Verlag, 1990, ISBN 978-3-515-05597-0, S. 184.

In Bonn wurden drei Bunker als Wohnheime für Studenten genutzt, neben dem Poppelsdorfer waren das die Bunker in Beuel (Auf der Schleide) und an der Bonner Theaterstraße. Ein „kulturhistorisches Kuriosum“ stellte die Unterbringung von Studenten in ehemaligen Luftschutzbunkern dar. Weitere „Studentenbunker gab es neben Bonn nur in Münster und Mannheim“.Christian George: Studieren in Ruinen: Die Studenten der Universität Bonn in der Nachkriegszeit (1945–1955) (= Bonner Schriften zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte, Band 1). Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN 978-3-86234-111-5, 2010, S. 204f. Die Bunker wurden von den Bewohnern selbst verwaltet.

Die Studenten lebten im Poppelsdorfer Bunker in Ein- oder Zweibettzellen, Examenskandidaten bekamen die beliebteren Einzelzellen zugewiesen. Es gab einen Waschraum für alle Bewohner. Die Miete in dem fensterlosen Bunker war niedrig, sie betrug zwischen 8 und 15 DM im Monat (umgerechnet auf heutige Verhältnisse etwa bis Euro).

Die natürliche Temperatur in dem Gebäude lag jahreszeitenunabhängig bei acht bis zehn Grad Celsius, weshalb regelmäßig warme Luft durch die Lüftungsrohre geblasen wurde und viele Studenten ganzjährig elektrische Heizöfen betrieben. Den Strom mussten sich die Bewohner von den Hauptleitungen in den Fluren selbst in ihre Zimmer legen. Damenbesuch war laut Hausordnung zwischen 23 Uhr und 8 Uhr morgens nicht gestattet. Im Sommer fanden auf dem Bunkerdach manchmal Tanzveranstaltungen statt. Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vom 12. April 2011.

Mehr über den „Bonner Studentenbunker“ und die Lebensumstände seiner Bewohner war im November 2017 in einer Ausstellung der in Bonn-Kessenich geborenen Pressefotografin Käthe Augenstein (1899–1981) in der Berliner „Liebermann-Villa am Wannsee“ zu erfahren. In ihren „Aufnahmen erfasste Augenstein die verschiedenen Aspekte des Lebens im Bunker: von den einfachen Wohnverhältnissen bis hin zur lebendigen und geselligen Stimmung“.Lucy Wasensteiner: Ein bekanntes Gesicht. In: „Blog der Liebermann-Villa“, 13. November 2017, abgerufen am 18. Januar 2023.

Anfang der 1950er Jahre begannen die Stadt Bonn und das Studentenwerk die Nutzung der Bunker als Wohnheim zu kritisieren; in der Folge kam es mehrfach zu Protesten gegen angekündigte Räumungen. Auch die Poppelsdorfer Bunkergemeinschaft widersetzte sich Bestrebungen, den Bunker zu räumen, und wandte sich an den AStA mit der Bitte um Unterstützung. Vertreter in den Verhandlungen mit der Stadt war Arno Müller.

Eine vom Studentenwerk und dem AStA im Jahr 1952 gegründete „Bunkerkommission“ stellte fest, dass viele Bewohner auch weiterhin in dem Bunker leben wollten, eine Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt könne man sich nicht leisten. Im Oktober 1952 wohnten 270 Studenten in den drei Bonner Bunkern.

1953 wurde der Bunker schließlich geräumt und stand in der Folgezeit überwiegend leer.

Nutzungsüberlegungen mini|Bunker Poppelsdorf, Nutzungsüberlegung von T. Engelskirchen, FH Köln mini|Vorschlag zur Nutzung des Hochbunkers Bonn-Poppelsdorf durch Umhüllung mini|Bunker Poppelsdorf, Nutzungsüberlegung von B. Kessler + H. Steinbach, FH Köln mini|Der Bunker im Jahr 2016 mit dem aufgesetzten Doppelhaus In der Folgezeit wurde der Bunker als Plakatierungsobjekt benutzt und mit Graffiti und „Kunstwerken“ überzogen. Die damit einhergehende Frage: „Ist das Kunst, oder kann das weg?“Victoria Schopf: Ist das Kunst oder kann das weg? Überlegungen zu den Produktions- und Rezeptionsästhetiken der Gegenwartskunst. Masterarbeit Universität Wien, 2016, abgerufen am 13. Januar 2023. zeigte, dass man den erratischen Block in der einzeiligen Bebauung entlang der Trierer StraßeHochbunker Bonn-Poppelsdorf, Straßenansicht, März 1996 als optisch und städtebaulich störendes Element empfand. Das Technische Hilfswerk nutzte das Kriegsrelikt zur Einlagerung von Einsatzmitteln sowie für Katastrophenschutzübungen. Sanitär-, Elektro-, Heizungs- und Lüftungsanlagen wurden in der Zeit instand gehalten.Hochbunker Bonn-Poppelsdorf, Innenaufnahme März 1996

Am 23. März 1996 stellte ein Bürger „den eher ausgefallenen Antrag auf dem Dach des LuftschutzbunkersHochbunker Poppelsdorf, Dachfläche, März 1996 an der Trierer Straße ein Wohngebäude zu errichten“. Die Verwaltung verwies auf den Bund als Eigentümer und auf den Eintrag von 1995 in die Denkmalliste der Stadt Bonn.Liste der Baudenkmäler im Bonner Ortsteil Poppelsdorf, Denkmal Nr. A 3186.

„Prinzipiell denkbar“ sei eine Wohnbebauung auf dem Bunker. Allerdings müsse sie mit der Nachbarbebauung korrespondieren; auch sollte „im Hinblick auf den Pilotcharakter … ein kleiner Ideenwettbewerb veranstaltet werden“. Pläne des Antragstellers lagen jedoch nicht vor. Der Antragsteller, der angab, bei allen zuständigen angefragten Dienststellen „auf wenig oder keine Bedenken gestoßen zu sein“, bezeichnete im Ausschuss für Bürgerbeteiligung die Stellungnahme der Verwaltung als „Unverschämtheit“. Anstelle von Bürgernähe habe man seine Initiative „niedergewalzt“.Wohnbebauung auf Poppelsdorfer Bunker „prinzipiell denkbar“. Bonner Rundschau, 23. März 1996.

Einen Monat später griff deshalb der Bonner Architekt und Hochschullehrer Peter Riemann der Technischen Hochschule Köln den Vorschlag der Stadtverwaltung nach einem „kleinen Ideenwettbewerb“ durch eine entsprechende Aufgabenstellung für den ehemaligen Studentenbunker auf.Bunkerüberbauung Poppelsdorf, Ortsbesichtigung (21. April 1996) und Bearbeitungshinweis (29. Juni 1996), Kleiner Entwurf, Fachbereich Architektur, FH Köln. Allerdings sollte der Bunker nicht nur bebaut, sondern seine oberirdische Bausubstanz nach Möglichkeit angemessen in das Entwurfskonzept integriert und somit als Solitär kaschiert werden.

Ein Teil der studentischen Entwürfe (für einen Investor, der an das Studentenwerk Bonn vermieten sollte), wurde ein Jahr später, auf Einladung des frisch gewählten SPD-Bezirksvorstehers Herbert SpoelgenZukunft des Bunkers in Bonn-Poppelsdorf – Planungs- und Entwurfskonzepte der FH Köln. Einladungsfaltblatt der Stadt Bonn, 21. April 1997. im Foyer des Bonner Stadthauses ausgestellt und am 22. und 23. April 1997 im ExpressWohnungen, ein Konzertsaal oder ein Forschungsinstitut. Express, 22. April 1997., im Bonner General-AnzeigerLisa Inhoffen: Spagat zwischen Vision und möglicher Umsetzung. Bonner Stadtanzeiger, 22. April 1997 (genios.de) und in der Bonner RundschauJede Menge Perspektiven für den Poppelsdorfer Bunker. Bonner Rundschau, 23. April 1997 entsprechend gewürdigt.

Endgültige Nutzung Im Jahr 2006 erhielt der Immobilienentwickler Rheininvest GmbH & Co KG die Erlaubnis, das Bunkerdach zu bebauen.Richard Bongartz: Auf dem Bunker wächst ein Doppelhaus. Bonner General-Anzeiger, 31. März 2006. Der Entscheidung waren jahrelange Diskussionen in der Bonner Bürgerschaft zu einer zukünftigen Nutzung des Gebäudes vorausgegangen.Wohnen auf dem Bunker. Website des Bonner Architekturbüros Scherfarchitekten.

Ein von Rheininvest vorgelegter Entwurf des Bonner Architektenbüros Scherfarchitekten (Architekt: Raimund Restle) zur gleichzeitigen Bebauung des Bunkerdaches sowie einer Lücke rechts neben dem Bunker mit einem sechsgeschossigen (fünf Geschosse plus Staffelgeschoss) Haus mit zehn Eigentumswohnungen (Größe: 40 bis 100 Quadratmeter) wurde vom Bauordnungsamt und vom Denkmalamt akzeptiert. Auf dem Bunkerdach sollten zwei dazu passende, exklusive, zweigeschossige Doppelhaushälften mit je 180 Quadratmeter Wohnfläche entstehen. Die Stadt behielt sich bei Vertragsabschluss ein Nutzungsrecht für die Schutzräume vor; die Zivilschutzfunktion muss von den neuen Eigentümern erhalten werden.Holger Willcke: Weltkriegsbunker: Geheimtüren noch nicht gefunden. Kölner Stadt-Anzeiger, 24. Juni 2010.

Das Apartmenthaus sowie die Bunkerbebauung wurden von der Trierer Straße aus errichtet. Das Tiefbauunternehmen S+H aus Neustadt-Wied verfestigte den Hang vor Baubeginn in der Methode Berliner Verbau mit bis zu acht Meter tiefen Armierungen. Der Zugang zu den auf dem Bunker stehenden Haushälften erfolgt über den direkt hinter dem Bunker am Hang liegenden Wallfahrtsweg.