mini|hochkant=1.2|Dorfkirche in Groß Machnow. Die evangelische Dorfkirche Groß Machnow ist eine Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert in Groß Machnow, einem Ortsteil der Gemeinde Rangsdorf im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg.

Geschichte Handwerker errichteten in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus Feldsteinen zunächst den eingezogenen und in seinem Grundriss quadratischen Chor mit einer Priesterpforte an der Nordseite sowie zwei romanischen Fenstern. Anschließend bauten sie die runde Apsis mit drei Fenstern. Nach einer Unterbrechung entstanden vermutlich im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts das Kirchenschiff mit einem Nord- und einem Südportal sowie der querrechteckige Westturm, der im 14. oder 15. Jahrhundert in zwei Bauabschnitten aufgestockt wurde. Im 15. Jahrhundert kam die südliche Patronatsloge sowie eine Gruft hinzu. Zu einem späteren Zeitpunkt wurden die zuvor spitzbogenförmigen Fenster barock überformt, indem sie flachbogig vergrößert wurden. Gleichzeitig erhöhte die Kirchengemeinde die Patronatsloge. Theo Engeser und Konstanze Stehr vermuten, dass dies im Jahr 1699 im Zusammenhang mit einer Sanierung des Turms sowie des Altars erfolgte. 1827 wurde die vermutlich rechteckige Gruft quadratisch überformt; 1950 erfolgte deren Abriss. In den Jahren 1964 bis 1966 und im Jahr 1985 führte die Kirchengemeinde Restaurierungsarbeiten durch. 2000 wurde der Turmaufsatz rekonstruiert.

Architektur mini|Barocker Anbau. Apsis, Kirchenschiff und der untere Teil des Kirchturms wurden aus gleichmäßig behauenen Feldsteinen errichtet. Das Schiff hat einen quadratischen Grundriss mit den Abmessungen 10,80 mal 10,80 Meter. Der östliche Giebel wurde aus Mauersteinen errichtet. Es folgt der Chor mit einer Länge von 8,05 Metern und 8,10 Metern Breite. Sein Innenmaß beträgt 6,10 mal 7 Meter. Am Chor sind zwei bienenkorbförmige Fenster erhalten geblieben. An seiner südlichen Wand befindet sich eine zweigeschossige, barocke Patronatsloge, die nach Osten hin über die Länge des Chors hervorspringt. Die Fenster sind hier, wie auch am übrigen Bauwerk, mit großen, hell verputzten Faschen versehen, die die Form hervorheben. Die Loge selbst wurde aus einem rund 80 cm starken Mischmauerwerk errichtet, das aus unregelmäßig angeordneten Feldsteinen und großformatigen Ziegeln besteht. Links neben der Loge ist ein kleines, zugesetztes und rundbogenförmiges Portal erkennbar. Die oberen zwei Drittel des Westturms wurden spätgotisch ausgeführt. Die Steine sind in diesem Bereich nur kaum behauen und ungeschichtet, die Zwischenräume mit Mauersplittern verfüllt. Auffällig ist jedoch, dass die Ecken aus rötlichem Mauerstein errichtet wurden und damit die Form des mächtigen Turms nochmals betonen. Er kann durch ein spitzbogenförmiges, zweifach abgetrepptes Stufenportal an seiner Westseite betreten werden und hat eine Grundfläche von 6,7 × 10,80 Metern. Auf der Ost- und Westseite sind je drei, an der Nord- und Südseite je eine Klangarkade vorhanden. Daran schließt sich eine geschweifte Turmhaube mit Turmkugel und Wetterfahne an. Die Dächer von Kirchenschiff und Chor sind als Satteldächer ausgeführt, während die Apsis mit einem Halbkegeldach und die Patronatsloge mit einem Walmdach versehen ist. Alle Dachflächen wurden mit Biberschwanz eingedeckt.

Ausstattung Der Altaraufsatz stammt aus dem Jahr 1699 und zeigt in seiner mit seitlichen Wappen geschmückten Predella das Abendmahl Jesu. Im Hauptbild ist zwischen Weinlaubsäulen, Putten und Akanthuswangen die Kreuzigung Christi zu sehen. Der Aufsatz zeigt die Grablegung Jesu; darüber ist in einem gesprengten Giebel der Auferstandene zu sehen. Aus derselben Zeit stammt auch die hölzerne Kanzel mit einem polygonalen Korb, Ecksäulen und Bildern Christi sowie der vier Evangelisten. Die Konstruktion wird von einer Skulptur getragen, die Simon Petrus zeigt. Am Aufgang sind Bilder der Tugenden Fides (Glaube) und Caritas (Liebe) angebracht. Experten aus dem Dehio vermuten, dass Spes (Hoffnung), die dritte der theologischen Tugenden, bei einem nachträglichen Einbau der mit einem Gemälde von Moses verzierten Kanzeltür entfernt wurde. Oberhalb des Korbs hängt ein Bild aus dem 17. Jahrhundert, das Jesus als guten Hirten zeigt.

Die Hufeisenempore wurde 1690 errichtet. Sie ist mit Bildern Jesu und der zwölf Apostel in den Kassetten verziert. An der Südseite des Chors befindet sich eine barocke Patronatsloge, deren Öffnungen im 19. Jahrhundert erweitert wurden. Ein steinernes Epitaph erinnert an den preußischen General der Infanterie Otto von Schlabrendorf, der 1721 auf seinem Gut in Groß Machnow verstarb. Das Epitaph ist mit Marmorfiguren verziert, darunter ein Prunksarg, vor dem Fama, die Gottheit des Ruhmes in der römischen Mythologie, sitzt. Vier Lehnsessel stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. In der Vorhalle befindet sich ein hölzerner Opferstock aus dem 15. Jahrhundert.

Die Orgel wurde 1863 von Carl Ludwig Gesell erbaut. Sie hat 9 Register, verteilt auf ein Manual und Pedal. Sie ersetzte ein Positiv aus den Jahren 1761/62, das ab ca. 1730 nicht mehr spielbar war. 1917 mussten die Zinn-Prospektpfeifen abgegeben werden, 1922 wurden sie durch Zinkpfeifen ersetzt. Die Gesell-Orgel wurde 1934 und 1937 durch die Fürstenwalder Orgelbauer Gebrüder Teschner und 1985 von dem Berliner Orgelbauer Alexander Zwirner instand gesetzt.Orgellandschaftbrandenburg.de (Inventar): Die Orgel, Stand 14. Juni 2022.

Der Sakralbau ist in seinem Inneren flach gedeckt und mit längs verlaufenden Holzbalken abgestützt. Zwischen dem Turm und dem Kirchenschiff ist ein spitzbogenförmiger Verbindungsbogen vorhanden, während der Triumphbogen entfernt wurde. Der Bogen in der Apsis ist rund.

Das Kirchenpatronat übernahmen nach der Familie von Schlabrendorff die jeweiligen Herren auf Gut Großmachnow. Zeitlich um 1839/1840 war es die Familie von Oven, nach verschiedenen QuellenKarl Friedrich Rauer (Hrsg.): Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter. Selbstverlag, Berlin 1857, S. 83. Herr von Oven, dann die Frau von Oven.E. Fidicin: Geschichte des Kreises Teltow und der demselben belegenen Städte, Rittergüter, Dörfer etc. In: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karls IV. Band I, Verlag von J. Guttantag, Berlin 1857, u. a. S. XV., S. 103 f., S. 150. Um 1876 tritt ein in Thüringen geadelter Friedrich Freiherr von Ehrhardt als örtlicher Gutsherr auf, verheiratet mit einer gebürtigen Frau von Oven.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1876. Jahrgang 26, mit: v. Erhardt, Verlag Justus Perthes, Gotha 1875, S. 185 f. Freiherr von Ehrhardt spendete ein großes vergoldetes Kruzifix.Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. 1867. Nr. 7. Mit: Nachweisung. Geschenke an Kirchen. Verlag A. W. Hayn, Potsdam 15. Februar 1867, S. 68. Alsbald folgte u. a. die Familie von Winterfeldt, hier vertretenGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1904. Fünfter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 2. November 1903, S. 919/920. durch den Rittmeister und Johanniterritter Reinhold von Winterfeld-Felchow (1818–1883). Ihm folgte durch HeiratChristoph Franke, Moritz Graf Strachwitz von Groß Zauche und Camminetz: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 2005. Band XXVIII, Band 138 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2005, , ISBN 3-7980-0838-8, S. 201. die Tochter und Gutserbin Alice von Winterfeldt (1844–1905), verheiratet mit dem Major Hermann von Schierstädt-Dahlen (1835–1908), dadurch die Familie von Schierstädt, Hauslinie Gut Dahlen. Zuletzt waren es mehrere Geschwister von Schierstädt,Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1977. Band XIV, Band 66 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1977, , ISBN 3-7980-0766-7, S. 413 f. welche auch die Kirchengemeinden in Dahlen und Mahlenzien, beide im Fläming gelegen, im Patronat standen.Vgl. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen, der Graf(f)schaften Wernigerode, Roßla und Stolberg. Sechzehnter Jahrgang, Selbstverlag Pastor Dr. Haase/Rechnungsrath Hilbert, Magdeburg 1896/97, S. 122. Letztlebende Patronin war die Mitinhaberin von Großmachnow Maria von dem Knesebeck geborene von Schierstädt-Dahlen (1881–1971).

Literatur Gerhard Vinken, Barbara Rimpel, u. v. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. 2. Auflage, Hrsg. Georg-Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4.

Weblinks

Evangelische Kirche Groß Machnow, Gemeinde Rangsdorf, Stand 20. Juni 2016. Routen der Romanik in Berlin und Brandenburg – Dorfkirche Groß Machnow Dorfkirche Groß Machnow, Untersuchung von Theo Engeser und Konstanze Stehr, Stand 20. Juni 2016 Evangelischer Kirchenkreis Zossen-Fläming Synodaler Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg.): Zwischen Himmel und Erde – Gottes Häuser im Kirchenkreis Zossen-Fläming, Laserline GmbH, Berlin 2019, S. 180.

Einzelnachweise

Gross Machnow Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert Gross Machnow Kategorie:Baudenkmal in Rangsdorf Gross Machnow Kategorie:Bauwerk in Rangsdorf Gross Machnow