Ketobemidon (auch Cetobemidon) ist ein vollsynthetisch hergestelltes Opioid aus der Gruppe der Pethidine mit starker schmerzstillender Wirksamkeit. Ketobemidon ist ein morphinähnlich wirkendes Piperidinderivat und ein reiner Agonist am μ-Opioid-Rezeptor.

Beschreibung Ketobemidon wurde zusammen mit Methadon bei der Farbwerke Hoechst unter Otto Eisleb als VA 10720 entwickelt und kam nach dem Zweiten Weltkrieg als Kriegsdemontage in die Vereinigten Staaten.

Ketobemidon wurde 1947 und 1948 als starkes Analgetikum von Ciba (Cliradon) und auch von Winthrop und der I. G. Farben patentiert. Ketobemidon ist in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund seiner Auflistung in der zu § 1 Abs. 1 des BtMG ein verkehrsfähiges, aber nicht verschreibungsfähiges Betäubungsmittel.

Chemie Struktur Gelöstes Ketobemidon liegt in zwei Konformeren vor mit äquatorialer oder axialer Stellung des Phenylrings am Piperidinring. Letzteres wird als die aktive, am Rezeptor wirksame Konformation angesehen.K. Hardtke et al. (Hrsg.): Kommentar zum Europäischen Arzneibuch Ph. Eur. 7.0, Ketobemidinhydrochlorid. Loseblattsammlung, 23. Lieferung 2011, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.

Gewinnung und Darstellung Ketobemidon wird vollsynthetisch hergestellt.

rahmenlos|hochkant=2.5|zentriert|Synthese von Ketobemidon

Ein anderer Syntheseweg geht vom 3-Methoxybenzylcyanid aus, das mit N,N-Bis(2-chlorethyl)-N-methylamin in Gegenwart der starken Base Natriumamid zum Methylpiperidinderivat kondensiert, welches mit dem Grignard-Reagenz Methylmagnesiumbromid zu einer Zwischenstufe reagiert, die nach Spaltung mit Bromwasserstoffsäure zum Ketobemidon führt.

Pharmakologie Wirkung Ketobemidon hat als Opioid dasselbe Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil und somit im Wesentlichen dasselbe Gefahrenpotential wie andere Opioide. Ketobemidon besitzt eine Analgetische Potenz von 1Eberhard Klaschik: Schmerztherapie und Symptomkontrolle in der Palliativmedizin. In: Stein Husebø, Eberhard Klaschik (Hrsg.): Palliativmedizin. 5. Auflage, Springer, Heidelberg 2009, ISBN 3-642-01548-4, S. 207–313, hier: S. 234. bis 2 und wirkt bei einer Einzeldosis von 5 bis 15 mg vier bis fünf Stunden.

Nebenwirkungen Dies sind Müdigkeit, Schlafstörungen, Benommenheit, Übelkeit, Erbrechen, Ödeme in den Beinen, Harnverhaltung, Obstipation und Pruritus. Sie verschwinden in der Regel mit der Toleranzentwicklung oder Reduktion der Dosis. Am längsten halten sich Schlaf- und sexuelle Störungen.

Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit: Ketobemidon hat bei Einnahme während der Schwangerschaft eine Wirkung auf den Fötus.

Handelsnamen Monopräparate: Cliradon (außer Handel), Ketodur, Ketogan Novum, Ketorax

Literatur Hermann P. T. Ammon et al.: Hunnius Pharmazeutisches Wörterbuch. 9. Auflage, Walter de Gruyter Verlag, Berlin – New York, 2004, ISBN 3-11-017475-8 geb. und ISBN 3-11-017487-1 brosch., S. 327. Römpp Lexikon Chemie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart – New York, 1997, S. 649 f. The Merck Index, 15. Auflage, The Royal Society of Chemistry 2013, ISBN 978-1-84973-670-1, S. 982 f.

Einzelnachweise

Kategorie:Phenol Kategorie:N-Alkylpiperidin Kategorie:Methylamin Kategorie:Keton Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Synthetische psychotrope Substanz Kategorie:Betäubungsmittel (BtMG Anlage II) Kategorie:Psychotropes Opioid Kategorie:Psychotroper Wirkstoff Kategorie:Opioid