Bei der Kirche zur Geburt des Hl. Johannes des Täufers in Orłowo () handelt es sich um ein Bauwerk aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bis 1945 war es eine evangelische Kirche für das ostpreußische Kirchspiel Orlowen (Adlersdorf); heute ist es gottesdienstliches Zentrum der polnisch-orthodoxen Pfarrgemeinde Orłowo in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Orłowo liegt im nördlichen Osten der Woiwodschaft Ermland-Masuren am Südwestrand des Borkener Forsts (auch: Borker Heide, ) und ist auf einer Nebenstraße von der Woiwodschaftsstraße 655 bei Pietrasze (Pietraschen, 1938–1945 Petersgrund) aus zu erreichen. Eine Bahnanbindung besteht nicht mehr.
Die Kirche steht in der Ortsmitte nördlich der Straße von Łękuk Mały (Klein Lenkuk) nach Gajrowskie (Friedrichsheyde, 1938–1945 Friedrichsheide) und ist nur wenige hundert Meter von der römisch-katholischen St.-Kasimir-Kirche entfernt.
Kirchengebäude Der kleine masurische Ort wurde im Jahr 1857 Kirchdorf. In den Jahren 1855 bis 1857 wurde die Kirche erbaut,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 121. die als evangelisches Gotteshaus fungierte. Es entstand ein rechteckiger Ziegelbau mit Apsis und einem hohen Westturm in gotischem Baustil.Die Kirche in Bildern
Ein Jahr nach der Einweihung erhielt die Kirche eine Orgel. Das Geläut bestand ursprünglich aus zwei Glocken.
Bis 1945 war der Bau ein evangelisches Gotteshaus, seit 1965 nutzt die Polnisch-Orthodoxe Kirche ihn als ihre Pfarrkirche, wozu sie baulich den anderen liturgischen Ansprüchen entsprechend innen baulich verändert wurde.Parafia Orłowo
Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Im Jahr 1853 wurde in Orlowen eine evangelische Kirchengemeinde gegründet,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 492. deren Pfarrkirche im Jahr 1857 fertiggestellt wurde. Orlowen wurde ein Pfarrsitz, dem ein weitflächiges Kirchspiel zugewiesen wurde. Die Pfarrei gehörte zum Kirchenkreis Lötzen in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union und zählte im Jahr 1925 insgesamt 3300 Gemeindeglieder in nahezu 20 Dörfern, Ortschaften und Wohnplätzen. Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung bereiteten dem evangelischen Kirchenleben im nun Orłowo genannten Dorf ein Ende. Die heute hier lebenden wenigen evangelischen Kirchenglieder sind jetzt in die evangelische Kirchengemeinde in Wydminy (Widminnen) eingepfarrt, eine Filialgemeinde der Pfarrei Giżycko in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Orlowen (ab 1938 Kirchspiel Adlersdorf) gehörten vor 1945 neben dem Pfarrort noch 18 Dörfer, Ortschaften bzw. Wohnplätze, die zu vier Landkreisen (Kreis Angerburg, Oletzko/Treuburg, Kreis Lötzen und Kreis Lyck) gehörten:Ein * kennzeichnet einen Schulort.
Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Dobrowolla (ab 1935)Willenheim Dobra Wola Klein Lenkuk (Gut) Łękuk Mały *Friedrichsheyde Friedrichsheide Gajrowskie Kowalewsken Kowalewskie Gaylowken Gailau Gajlówka *Lipowen (ab 1928) Lindenheim Lipowo *Grondzken Funken Grądzkie Pietraschen Petersgrund Pietrasze *Grünheyde (Dorf) Grünheide (Dorf) Jelonek Rhog Klein Lenkuk(Gemeinde) Róg Orłowski Grünheyde (Forst) Grünheide (Forst) Jelonek Steinbach Kamienna Struga Haasznen Haschen Łażne, auch:Zamoście *Sczyballen Lorenzhall Szczybały Orłowskie Hagenhorst (Forst) Jurkówko Walisko Waldsee Wolisko Jorkowen Jorken Jurkowo Wessolowen Kleinfronicken Wesołowo
Pfarrer (bis 1945) Zwischen 1853 und 1945 amtierten an der Kirche Orlowen bzw. Adlersdorf als evangelische Geistliche die Pfarrer:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 105.
Carl August Ferdinand Kiehl, 1853–1866August Kiehl (1813–1897) war Angehöriger des Corps Masovia. Friedrich Wilhelm Flöß, 1888–1913 Johann Hermann Jungius, 1913–1923 Wilhelm Denzer, 1925–1930 Walter Ambrosy, 1931 Siegfried F.M. Symanowski, 1932–1945
Polnisch-orthodox Im Jahr 1947 fasste aufgrund von Umsiedlungen besonders aus der Ukraine die Polnisch-Orthodoxe Kirche (POK) in Orłowo Fuß und übernahm die bisher evangelische Kirche als ihr Gotteshaus. Es wurde 1965 eine Pfarrei gegründet, die heute von Giżycko aus pfarramtlich betreut wird. Sie ist Teil der Diözese Białystok-Gdańsk der POK.
Literatur M. Meyhöfer: Der Kreis Lötzen. Würzburg 1961.
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1850er Jahren Kategorie:Kirchengebäude der Backsteingotik Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Johannes-der-Täufer-Kirche Kategorie:Polnisch-orthodoxes Kirchengebäude Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Wydminy