Das Open Charge Point Protocol, auch OCPP, () ist ein universelles, herstellerunabhängiges Anwendungsprotokoll, das die Kommunikation zwischen Ladestationen für Elektrofahrzeuge und zentralen Managementsystemen standardisiert. Vergleichbar ist es mit dem Kommunikationsprotokoll von Mobilfunknetzen. Das Protokoll ist als offener Standard unter der Lizenz CC BY-ND 4.0 veröffentlicht.

Beschreibung Ladestation-Betreiber sind durch ein herstellerunabhängiges Kommunikations-Protokoll weniger abhängig von einzelnen Systemlieferanten. Sollte beispielsweise ein einzelner Hersteller von Ladestation-Infrastruktur seine Tätigkeit einstellen, können dessen bereits installierte Komponenten über das OCPP-Protokoll in die Infrastruktur eines anderen Lieferanten integriert werden.

OCPP ermöglicht es durch das universelle Protokoll, dass bei der Fusion kleiner Ladenetze zu einem größeren Ladenetz die bereits installierte Infrastruktur weiterbetrieben werden kann. Das verbessert die Investitions-Sicherheit von Infrastruktur-Errichtern.

Der Sicherheitsteil des OCPP definiert eine End-to-End-Sicherheitsarchitektur mit Implementierungsrichtlinien sowohl für Ladesäulen als auch für zentrale Managementsysteme. Der Teil wurde 2018 mit OCPP 2.0 erstmals eingeführt und befindet sich nun in seiner vierten Überarbeitung. Die korrekte Umsetzung der OCPP-Sicherheitsrichtlinien kann vor einigen der häufigsten Angriffsszenarien schützen, wie z. B. Server-Hijacking, Abhören der Kommunikation und Nachahmung von Ladesäulen.

Zur Unterstützung betreibt die OCA Zertifizierungsprogramme für OCPP. Seit 2019 kann die Kompatibilität nach OCPP 1.6 und seit 2023 nach OCPP 2.0.1 zertifiziert werden. Eine Liste der OCPP-zertifizierten weltweiten Unternehmen und Produkte findet man auf der Website der Open Charge Alliance (OCA). Nur zertifizierte Unternehmen dürfen die Zertifizierungslogos verwenden.

Geschichte OCPP entstand 2009 auf Initiative der ELaad-Stiftung in den Niederlanden, einer von Verteilnetzbetreiber gegründeten Organisation. OCPP hat den Zweck, per offenem Anwendungsprotokoll eine herstellerunabhängige Kommunikation zwischen Elektroauto-Ladestationen und diversen Verrechnungs- sowie Management-Systemen von Ladeinfrastrukturen zu ermöglichen. Mit der wachsender Verbreitung von OCPP wurde 2014 die Open Charge Alliance (OCA) als Nonprofit-Organisation gegründet. Neben OCPP entstand in der OCA das Open smart charging protocol (OSCP), welches jedoch nicht aktiv weiterentwickelt wird. OCPP ist weltweit als universelles Kommunikationsprotokoll im Bereich der Ladeinfrastrukturen im Einsatz. Im Dezember 2024 wurde OCPP 2.0.1 Edition 3 vom International Electrotechnical Commission (IEC) als IEC-Standard IEC 63584 veröffentlicht.

Die fehlende Abwärtskompatibilität von OCPP 2.0 bzw. 2.0.1 zu OCPP 1.6 hat Unternehmen bisher davon abgehalten, OCPP 2.0 einzuführen. Daher werden Stand 2026 beide Versionen parallel weiterentwickelt und alle 2.x-Versionen sollen abwärtskompatibel zu OCPP 2.0.1 sein.

Verbreitung In den Vereinigten Staaten war das Department of Energy (DOE) der Ansicht, dass die verschiedenen Energie-Netzwerke eine für unterschiedliche Ladeinfrastrukturen ausreichende Größe aufwiesen. Daher hatte man dort Netzbetreibern, die oft gleichzeitig Hersteller von Ladeinfrastrukturen sind, eine freie Protokollwahl ermöglicht. Seit Februar 2023 fordert die Federal Highway Administration im Zuge des Programms National Electric Vehicle Infrastructure (NEVI) die Verwendung von OCPP oder eines vergleichbaren Protokolls.

Das US Department of Energy hat aber seit 2013 seine Bemühungen zur Interoperabilität von Ladestation-Netzwerken gesteigert. Das soll künftig sicherstellen, dass Fahrzeuge, Ladestationen, Kommunikations- und Netzwerksysteme im Einklang mit dem Stromnetz arbeiten. Ein Elektrofahrzeug-Smart-Grid-Interoperabilität-Center am Argonne National Laboratory, etwas außerhalb von Chicago, betreibt Forschungen zur Harmonisierung von Smart-Grid-Technologien.

Versionen Vom OCPP-Protokoll gibt es verschiedene Versionen: Version Veröffentlichungsdatum Besonderheiten 1.0 19.10.2010 Erstveröffentlichung, identisch zu Version 0.12 1.1 17.11.2010 1.2 21.02.2011 offiziell nur für SOAP spezifiziert 1.5 01.06.2012 offiziell nur für SOAP spezifiziert 1.6 08.10.2015 Spezifikation ermöglicht Implementierung mittels SOAP sowie mittels JSON (WebSocket), Erweiterung des OCPP-1.5-Standards um „Smart Charging“-Funktionalitäten (Lastmanagement) 1.6 edition 2 28.09.2017 Enthält alle bekannten Fehlerkorrekturen 1.6 edition 3 17.02.2022 Feld-Beschreibungen präzisiert 1.6 edition 4 05.02.2026 Basierend auf den für die OCPP 2.x-Spezifikation veröffentlichten Sicherheitskorrekturen 2.0 April 2018 Spezifikation erlaubt nur noch Implementierung als JSON (WebSocket)Erweiterung des OCPP-1.6-Standards um „Cyber Security“-Themen 2.0.1 31.03.2020 Erweiterte und detaillierte Überwachung und Geräteverwaltung, zertifikatsbasierte Authentifizierung, sichere Firmware-Updates 2.1 23.01.2025 Bidirektionales Laden (V2G/V2X) ISO 15118-20, Prepaid, Ad-hoc-Zahlungen, dynamische QR-Codes, Unterstützung für Stationen zum Batterietausch

Kritik Im Rahmen der Einführung batterieelektrischer Fahrzeuge (Elektroautos) in ihrem Fuhrpark beschäftigten sich 2018 Mitarbeiter der Fraunhofer-Gesellschaft mit der Sicherheit von OCPP (Version 1.5 und 1.6). Dabei wurde festgestellt, dass die Abrechnungsdaten ungeschützt zum zentralen Abrechnungsserver übertragen werden.

Weblinks Open Charge Point Protocol bei der Open Charge Alliance ElaadNL Infoseite

Einzelnachweise

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