Briesen ()Niedersorbische Namen ist ein Ortsteil der Gemeinde Halbe im Landkreis Dahme-Spreewald des Landes Brandenburg. Der Ort wurde 1455 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte damals zur Herrschaft Golßen in der Niederlausitz. Bis zur Eingemeindung nach Halbe war Briesen eine eigenständige Gemeinde.
Geografische Lage Briesen liegt etwa sechs Kilometer südlich des Gemeindezentrums von Halbe und ist über die K 6148 (über Oderin und Teurow) zu erreichen. Die Gemarkung grenzt im Westen an Baruth/Mark, im Südwesten an Staakow, im Süden an Schönwald und im Osten an den Ortsteil Krausnick der Gemeinde Krausnick-Groß Wasserburg.
Die Bahnstrecke von Wismar nach Cottbus durchquert den Ortsteil in Nord-Süd-Richtung, während die Bundesautobahn 13 im Westen wenige Kilometer außerhalb der Gemarkung in Nordwest-Südost-Richtung an dem Ortsteil vorbeiführt. Der überwiegende Teil des Gebietes ist mit Wald und Wiesen bewachsen. Durch den Ortskern führt der Seegraben Briesen. Der alte Dahme-Lauf bildet die westliche Gemarkungsgrenze.
Beim Forsthaus Hammelstall gibt es wieder zwei kleinere, in der Topographischen Karten namenlose Teiche. Im Urmesstischblatt 3948 Oderin von 1841 befand sich hier noch ein größerer See, in der Karte nur der See genannt und ein kleinerer Teich, Wierich-Teich genannt. Der See und der Teich wurden später trockengelegt. Der Ortskern liegt auf etwa .
Auf der Gemarkung Briesen liegen der bewohnte Gemeindeteil Staakmühle, der Wohnplatz Forsthaus Hammelstall, sowie das Areal des Ferienresort Tropical Islands und der größere Teil des ehemaligen Flugplatzes Brand.
Geschichte Briesen wurde 1455 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte zu dieser Zeit fast vollständig zur Herrschaft Golßen, die sich damals im Besitz derer von Stutterheim befand. Der Name leitet sich von nso. brjazyna = Birkenhain, Birkenwäldchen ab. Nach Rudolf Lehmann soll die ursprüngliche Dorfstruktur ein Straßendorf gewesen sein.
Die Stutterheimsche Besitzzeit Briesen war ursprünglich ein Teil der Herrschaft Golßen der Niederlausitz, die hier mit Oderin und Briesen keilartig in das Gebiet des Kurfürstentum Brandenburg hinein ragte. Innerhalb der Kreiseinteilung der Niederlausitz gehörte Briesen zum Luckauischen Kreis. 1439 hatten vier Brüder von Stutterheim, Otto, Georg, Heinrich und Hans. Von den vier Brüdern hatten Otto und George Nachkommen, unter denen die Herrschaft Golßen weiter vererbt wurden. Durch Erbteilungen und Teilverkäufe verlor die Herrschaft Golßen bis ins 17. Jahrhundert hinein ihren Charakter als Herrschaft.
Schon um 1500 gehörten dem Siegemund von Chlome zu (Neu-)Zauche einige Zinsleute in Briesen. Diese musste er dem Rat zu Lübben und dem Altaristen des Altars Mariä Verkündigung in der Stadtkirche von Luckau Valentin Gast wegen eines Darlehens von 50 Gulden verpfänden. Anderer Fremdbesitz in Briesen ist nicht bekannt. In einigen Dörfer, die ursprünglich zur Herrschaft Golßen gehörten, bildeten sich neue Rittersitze und Rittergüter, darunter auch in Golßen.
1517 wurden die Brüdern und Vettern Friedrich, Nickel, Andreas und Georgs unmündiger Sohn Christoph, alle von Stutterheim mit der Herrschaft Golßen belehnt; unter den zugehörigen Dörfern war auch Briesen. Dieser 1517 noch unmündige Christoph besaß zwar noch einen Anteil von Golßen, neben anderen Besitzungen, unter anderem einem Anteil an Briesen, hatte sich schon in Krossen einen eigenen Rittersitz angelegt. Sein Sohn George starb noch vor ihm, hatte aber drei Söhne, Philipp, Ernst und Christoph, die nach dem Tod des Großvaters 1578/79 mit dem Vorwerk und Rittersitz Krossen, Dorf und Vorwerk Waldow, Briesen, sowie Anteilen an den Dörfern Drahnsdorf, Jetsch, Wendisch-Gersdorf und Falkenhain belehnt.
1596 teilten sie den Besitz auf. Christoph (1580 noch unmündig, † 1641) erhielt in der Erbteilung Briesen und einen Anteil von Drahnsdorf. Vermutlich war es dieser Christoph, der in Briesen einen Rittersitz aufbaute und somit dem Grundstock für das Rittergut Briesen legte. 1596 kaufte er von seinen Vettern Bartusch, Apollo und Reichardt deren Anteil an Oderin für 1.700 Gulden. 1625 konnte er für 2.100 Gulden ein weiteres Lehnstück an Oderin von Heinrich von Stutterheim erwerben.
Nach dem Tod seines Bruders Philipp 1600 hatte er Waldow geerbt, und nach dem Tod seines Neffen Georg 1630 fiel ihm dessen Hälfte von Krossen und einen Anteil an Falkenhain zu. Doch der Dreißigjährige Krieg brachte große Verwüstungen über die Gegend. So musste er 1632 den Landvogt wegen Terminversäumnissen in Lehnssachen um Entschuldigung bitten.
Dabei erwähnte er, dass er mit Frau und Kindern wochenlang in den Wäldern hausen musste, wo er sich vor der Soldateska in Sicherheit gebracht hatte. Das Rittergut Briesen war völlig verwüstet; er konnte die Kontributionen nicht mehr bezahlen und musste 1637 um Stundung bitten. Waldow hatte er schon 1630 verkauft, die Anteile Drahnsdorf und Falkenhain musste er ebenfalls verkaufen. Letztendlich musste er auch die Hälfte von Krossen verkaufen und behielt nur noch Briesen und den Anteil Oderin. Trotzdem war dieser Besitz so überschuldet, dass nach seinem Tod 1641 der Konkurs folgte. Immerhin konnte sein Sohn Hans George Briesen für 2.500 Gulden aus der Konkursmasse zurückkaufen. Der Anteil Oderin wurde von Hans Ernst von Schlieben erworben.
Auch noch 1651 wird Briesen als so da zimblich oede undt wueste sich befunden beschrieben. Trotz aller Widrigkeiten gelang es George von Stutterheim das Gut Briesen wieder aufzubauen. Er war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Anna Sibylla von Oppen (Eltern: George von Oppen und Anna Sibylla von Langen auf Kossenblatt) und in zweiter Ehe mit Anna Sophie von Kettwigk. George starb zwischen 1661 und 1664. Er hatte aus der ersten Ehe sieben Kinder, die zweite Ehe war kinderlos. Seine Witwe Anna von Kettwigk wirtschaftete zunächst weiter, verpachtete das Gut 1681 an Hans Wilhelm von Stutterheim auf Waldow.
1687 übernahm George, ihr Stiefsohn, das Rittergut Briesen. Er war mit Eva Catharina von Schlieben verheiratet, der Tochter des Hans Ernst von Schlieben aus dem benachbarten Oderin, die 800 Taler Ehegeld mit in die Ehe brachte. Da seine zwei älteren Brüder unverheiratet starben, war er alleiniger Erbe von Briesen. 1723 übergab er Briesen seinem Sohn George Wilhelm; dieser musste den Unterhalt der Eltern und die standesgemäße Ausstattung seiner Schwestern übernehmen. George Wilhelm starb unverheiratet 1732. Der Vater überschrieb nun Briesen seinem älteren Sohn Adam Heinrich.
Ab 1742 verpachtete Adam Heinrich das Gut Briesen für jährlich 800 Taler an seinen Schwager Carl August von Stutterheim adH Ogrosen, der mit seiner Schwester Johanna Louise verheiratet war. 1744 starb Carl August und seine Witwe Johanna Louise übernahm nun die Pacht. Der nächste Schicksalsschlag folgte nur zwei Jahre später, denn 1745 starb ihr Bruder Adam Heinrich, der Inhaber des Lehens. Da Briesen Mannlehen war, konnte sie das Gut nicht erben.
Das Rittergut Briesen fiel nun an entfernte Verwandte, Christian Heinrich und Carl Friedrich von Stutterheim auf Serba (Saale-Holzland-Kreis, Thüringen). Carl Friedrich verkaufte seine Hälfte an Briesen an seinen Bruder; er starb 1748 kinderlos. 1749 verkaufte Christian Heinrich Briesen für 16.150 Taler an Joachim Seyfried von Schlieben auf Oderin.
Die Schliebensche Besitzzeit Mit ihm begann nun die Besitzzeit der von Schlieben, die bis 1817 in Briesen saßen. Joachim Seyfried von Schlieben war der Sohn des Hans Joachim von Schlieben von Oderin und der Christina von Stutterheim aus dem Hause Pitschen. Er leistete am 9. Juli 1750 den Lehnseid für Briesen. Das Rittergut Briesen konnte er allerdings nicht aus eigenen Mitteln bezahlen, sondern musste dazu ein Darlehen in Höhe von 3.000 Talern von der Luckauer Kirchenkasse aufnehmen. Er hatte 1708 Marie Elisabeth von Berger geheiratet.
Aus der Ehe waren vier Söhne und eine Tochter hervorgegangen. Allein drei seiner Söhne waren Offiziere der preußischen Armee, der älteste Sohn Joachim Wilhelm, der später das Rittergut Jetsch kaufte, war Landesdeputierter des Kreises Luckau. Joachim Seyfried von Schlieben starb am 23. Juni 1757. In der Erbteilung, die per Los entschieden wurde, erhielt Joachim Wilhelm das Gut Oderin, das auf 16.000 Taler geschätzt wurde, der zweite Bruder Hans Ernst erhielt Briesen, das damals auf einen Wert von 14.000 Talern geschätzt wurde, und der dritte Bruder Georg Friedrich erhielt das Gut Riesdorf (Gemeinde Niederer Fläming, Landkreis Teltow-Fläming), das auf 6.000 Taler geschätzt wurde.
Hans Ernst von Schlieben, der neue Lehensherr von Briesen, hatte mit seiner Frau Catharina Johanna von Bredow drei Töchter, die nicht lehnberechtigt waren; Briesen war Mannlehen. So wurden die Mitbelehnten Vettern von Schlieben, Georg Friedrich auf Rietzneuendorf sowie seine Neffen aus dem Haus Oderin, Seyfried Ernst, Caspar Seyfried, Sigismund Wilhelm und Hans Friedrich Wilhelm mit dem Rittergut Briesen belehnt. Allerdings steckte in dem Rittergut eine große Summe Geldes, das der Witwe Catharina Johanna von Bredow gehörte und so prozessierte sie gegen die Belehnung. Schließlich mussten ihr die Belehnten das Gut 1786 abtreten und sie erhielt 1787 den Lehnbrief über Briesen und das Recht der freien Disposition.
Am 29. Januar 1807 starb Catharina Johanna und wurde in Krossen begraben. Danach erhielt Hans Friedrich Wilhelm von Schlieben auf Oderin das Rittergut Briesen, der es aber umgehend für 20.000 Taler an Wilhelmine Luise Elisabeth von Schlieben, Tochter der Catharina Johanna von Bredow. Wilhelmine Luise Elisabeth (Elisabeth) verkaufte Briesen 1822 an den Ökonomen Johann Gottlob Meyer um 39.000 Taler (Berghaus schreibt 1826). 16.000 Taler blieben als unblösliches Hypothekenkapital auf dem Rittergut Briesen stehen und mussten mit 5 % verzinst werden.
Wilhelmine Luise Elisabeth von Schlieben, die vor allem als deutsche Lyrikerin bekannt wurde, machte danach einige wohltätige Stiftungen im Dorf, die nach ihrem Tode zur Ausführung kommen sollte. Eine Stiftung zog sie vor; 1825 setzte sie 6.000 Taler des Stiftungskapital, also 300 Taler jährliche Zinsen für die Begründung und Unterhalt einer Freischule in Briesen ein, die danach auch aufgebaut wurde. Die Briesener würdigten diese Frau, indem sie eine Straße, die Elisabeth-von-Schlieben-Straße nach ihr benannten.
Die Zeit nach den von Schlieben – rasche Besitzerwechsel Johann Gottlob Meyer erhielt am 28. Juli 1819 den Lehnbrief über das Rittergut Briesen. 1830 verkaufte er Briesen an den Generalpächter des Amtes Rotzis Johann Friedrich Romanus. Dieser starb bereits 1832 und vererbte Briesen an seine Söhne Friedrich und Gustav Romanus. Sie verkauften Briesen 1839 für 24.000 Taler an Carl August Winzer, der es vier Jahre später (1842) für 50.000 Taler an Paul Biegner weiter veräußerte.
1851 war Briesen in den Besitz eines NN Misch gekommen, der es für 50.000 Taler gekauft hatte. 1856 bzw. 1860/61 gehörte das Rittergut Briesen Alfred Freiherr von Kottwitz. 1866 wurde Briesen von den Brüdern Wilhelm und Gustav Lehmann erworben, die es bis nach 1875 besaßen. 1879 nennen Ellerholz et al. einen NN Vater als Besitzer.
1885 war der Landrat a. D. von Keller im Besitz von Briesen. Von 1894 bis 1910 gehörte das Gut dem Euskirchner Düngemittelfabrikanten Joseph Lückerath. Auf dem Gutsgelände wurde eine Brennerei betrieben. Zum Gut gehörte auch eine 1873 angelegte Ziegelei. 1910 gelangte der Berliner Theaterunternehmer Fritz Paul Jentz in den Besitz des Rittergutes Briesen. Er ließ von 1910 bis 1912 ein repräsentatives Herrenhaus im neobarocken Stil – im Volksmund Theaterschloss genannt – neben dem alten Herrenhaus errichten.
Niekammer’s landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher von 1923 gibt eine Gesamtgröße des Ritterguts von 1500 Hektar (ha) an. Davon waren 300 ha Acker, 150 ha Wiesen und 1050 ha Wald. 48 Pferde, 170 Stück Vieh, davon 100 Milchkühe und 20 Schweine standen in den Ställen. Der Grundsteuerreinertrag war auf 7500 Mark angesetzt.