mini|CORE Das Center for Operations Research and Econometrics (CORE) ist ein interdisziplinäres Forschungsinstitut der Université catholique de Louvain (UCL), das sich in Louvain-la-Neuve, Belgien, befindet. Seit 2010 ist es Teil des Institute for Multidisciplinary Research in Quantitative Modelling and Analysis (IMMAQ), neben dem Institute for Economic and Social Research (IRES) und dem Institute of Statistics, Biostatistics and Actuarial Sciences (ISBA).UC Louvain:
CORE integriert die Grundlagenforschung und die angewandte Forschung in den folgenden Schlüsselbereichen: Ökonomie und Spieltheorie, Ökonometrie, quantitative und ökonomische Geografie und Operations Research. Die Forschung an CORE hat zum Ziel, eine theoretische und methodologische Basis zu gestalten, um die Entscheidungsprobleme zu analysieren, die mit der Wirtschaftspolitik und der Verwaltung des öffentlichen und privaten Sektors verbunden sind; die Theorie der Optimierung und der Statistik zu entwickeln, für die Lösung von Design- und Entscheidungsproblemen; und Rechenwerkzeuge (Algorithmen und Software) bereitzustellen.
Geschichte und internationale Anerkennung CORE wurde 1966 in Leuven auf Initiative von Jacques Drèze gegründet, der als seinen Gründervater betrachtet wird. Ursprünglich existierte das Zentrum innerhalb der Katholischen Universität von Löwen. Nach seiner Aufteilung 1968 mit der Bindung der niederländischsprachigen Katholieke Universiteit Leuven und der französischsprachigen Université catholique de Louvain verlegte CORE 1977 seinen Sitz nach Louvain-la-Neuve, um sich der letzten Universität anzuschließen.Düppe, T., "When Modern Economics Learned French: Jacques Drèze and the Foundation of CORE". European Journal of the History of Economic Thought, April 2016
CORE, deren Schaffung von der Cowles Foundation inspiriert wurde, sowie von den anderen Institutionen, die Jacques Drèze während seiner Forschungsarbeit in den Vereinigten Staaten besucht hatte, hat die ökonomische Modellierung nach Europa gebracht. Als Pionier in diesem Bereich hat CORE die Entwicklung der belgischen und europäischen ökonomischen Forschung stimuliert, die um diese Zeit sehr „lokal“ war. Das Zentrum hat sie durch die aus den Vereinigten Staaten importierten ökonomischen Kenntnisse und Forschungsverfahren modernisiert und zu seiner Internationalisierung beigetragen. Gleichzeitig wurde eine lokale ökonomische Kultur in Europa kreiert, z. B. durch die Ungleichgewichtsökonomie, die als französisches Warenzeichen in der Makroökonomie betrachtet werden kann. Ein weiteres Element der kontinentalen ökonomischen Kultur war die Entwicklung von spezifischen Forschungsverfahren wie Forschungsteams, Mitautorschaft und Peer-Review.
Die Gründung erfolgte 1966. Zum Vergleich zählt das Zentrum heute rund 40 akademische Mitarbeiter einschließlich der emeritierten Professoren (Emeritus), 26 Associate Fellows und Research Associates sowie über 40 Doktoranden und Postdoktoranden.
1967 erhielt CORE eine Fünfjahressubvention von der Ford Foundation, die durch Anziehen von akademischen Mitarbeitern und Gastforschern eine rasante Entwicklung vom Zentrum ermöglicht hat. Diese Forscher, darunter Gérard Debreu, Truman Bewley, Hildegard Dierker, Birgit Grodal, David Schmeidler, Karl Vind und Werner Hildenbrand, haben dazu beigetragen, dass CORE internationale Anerkennung im Bereich der mathematischen Ökonomie erhalten hat. Die Zeit der Ford-Subvention fiel mit der Periode der neowalrasianischen Ökonomie zusammen, die auch die Differenzierung der Disziplinen in Gang gesetzt hat. Während die Forschungsbereiche ursprünglich integriert waren, sind es um diese Zeit die komplementären, aber unabhängigen Disziplinen der mathematischen Ökonomie, des Operations Research und der Ökonometrie entstanden. Nach der Abteilung der Disziplinen wurde die Ungleichgewichtsökonomie der wichtigste und der einflussreichste Forschungsbereich an CORE, der das Zentrum von den US-Praktiken differenzierte und dazu geführt hat, das sich CORE als eine spezifische makroökonomische Schule etabliert hat.
Bevor die Ford-Subvention 1973 beendet wurde, hatte CORE seine fest angestellte akademische Belegschaft bis zu 21 Mitarbeitern, ergänzt durch ungefähr ebenso viele Gastforscher. Der Unterhalt des Zentrums wurde von der Universität übernommen mit externer Finanzierung durch verschiedene Forschungsverträge mit der belgischen Regierung und unterschiedlichen Organisationen. Mit den immer mehr differenzierten Disziplinen haben sich die mathematische Programmierung und die Ökonometrie, ursprünglich Nebenfächer, auch zu wichtigen Forschungsbereichen von CORE entwickelt. Die bayesianische Ökonometrie gehört so auch zu den emblematischen Bereichen des Zentrums, das manchmal die Belgische Bayesianische Schule genannt wird.
Im Jahr 1977 erweiterte CORE durch die Erstellung des European Doctoral Program in Quantitative Economics seine Ausbildungstätigkeiten, woran andere Partner nachher beteiligt wurden. 1985 wurde die Europäische Ökonomische Vereinigung (European Economic Association) gegründet, auf Initiative von Jacques Drèze (der ihr erster Präsident war), Jean Gabszewicz, Louis Phlips, Jacques Thisse und Jean Waelbroeck.
Heute sind die Hauptforschungsbereiche von CORE die Ökonomie, die Spieltheorie, das Operations Research, die quantitative und ökonomische Geographie. Seine Hauptziele umfassen die Förderung von Qualitätsforschung, die Entwicklung von Netzwerkverbindungen für wissenschaftlichen Austausch und Kooperation, die Ausbildung von jungen Doktoranden und Postdoktoranden sowie die Bereitstellung von wissenschaftlichen Kenntnissen für Experten und Geschäftsleute im privaten und öffentlichen Sektor.
Personal Das Stammpersonal von CORE besteht üblicherweise aus etwa 40 akademischen Mitarbeitern, die von der Université catholique de Louvain und von anderen belgischen und manchen benachbarten ausländischen Universitäten kommen (Katholieke Universiteit Leuven, Université libre de Bruxelles, Université Saint-Louis – Bruxelles, Université de Liège, Université de Mons, Université de Namur, Universiteit Maastricht, Université de Lille und Université du Luxembourg), sowie aus mehreren administrativen Mitarbeitern.
Alljährlich empfängt CORE durchschnittlich 25 Forscher, die ins Zentrum mit Langzeitbesuchen kommen. Dazu gehören zwei Kategorien von Gastforschern, Associate Fellows und Research Associates, die an CORE jeweilig auf wöchentlicher und jährlicher Basis arbeiten. Sie werden für die Dauer von zwei Jahren ernannt, vorbehaltlich der Unterstützung von zwei CORE-Mitgliedern, mit der Möglichkeit diese Dauer zu verlängern. Die Associate Fellows und Research Associates werden aufgefordert, sich an allen CORE-Aktivitäten zu beteiligen, einschließlich der wissenschaftlichen Projekte, Seminare und Publikationen. Jährlich bekommen mehrere Research Fellows Postgraduiertenstipendien von CORE, die auf wettbewerblicher Grundlage für die Dauer von einem bis zu drei Jahren verteilt sind. Im Rahmen seiner Postgraduiertenausbildung empfängt das Zentrum jährlich etwa 30 Doktoranden. Zusätzlich zu den längeren Aufenthalten lädt CORE regelmäßig Kurzzeitbesucher ein, die für die Zeit von manchen Tagen bis zu mehreren Wochen ins Zentrum kommen.
Mit seinen aus Institutionen in der ganzen Welt kommenden Mitgliedern und Gastforschern und jedem dritten von externen Forschern ernannten Forschungsdirektor ist CORE durch eine internationale Arbeitsumgebung gekennzeichnet und schenkt eine besondere Bedeutung den Forschungsnetzwerkverbindungen.
Forschung Die Hauptforschungsbereiche von CORE sind: Ökonomie und Spieltheorie, Ökonometrie, quantitative und ökonomische Geografie und Operations Research.
Ökonomie und Spieltheorie Zu den wichtigsten an CORE erschlossenen Forschungsfeldern gehören traditionell die allgemeine Gleichgewichtstheorie (Unsicherheit, unvollständige Märkte, Gleichgewichtsberechnung, Nicht-Konvexitäten im Produktionssektor, die Einführung von Geld, Preisgleichgewicht, das Studium der Arbeitslosigkeit), die Industrieökonomie, die politische Ökonomie, die räumliche Ökonomie, die öffentliche Ökonomie, die Umweltökonomie, die Entscheidungstheorie, die Makroökonomie sowie die nicht-kooperative und kooperative Spieltheorie (Gleichgewichtskonzepte, Unsicherheit, kooperative Lösungen). Die aktuelle Forschung in diesem Bereich umfasst theoretische, angewandte und empirische Entwicklungen. Ihr Ziel ist eine theoretische Basis zur Lösung von Problemen zu bieten, die mit der Marktregulierung und der Organisation des öffentlichen Sektors in Verbindung stehen. Die derzeitigen Forschungsfelder enthalten die industrielle Organisation, die öffentliche Ökonomie und die politische Ökonomie, die Umweltökonomie, die Wohlfahrtsökonomie und die Sozialwahltheorie, die allgemeine Gleichgewichtstheorie und verschiedene spieltheoretische Themen.
Ökonometrie Die Forschung im Bereich der Ökonometrie an CORE zielt darauf ab, quantitative Modelle sowie statistische und computergestützte Methoden zu entwickeln, die für die Bearbeitung von ökonomischen Daten geeignet sind. Zu den wichtigsten Beiträgen von CORE zur Ökonometrie gehören die bayesianische Schätzung von Systemen gleichzeitiger Gleichungen (Methoden der bayesianischen Inferenz werden in der Forschung an CORE weit verwendet) und die Konzepte der schwachen und der starken Exogenität, die in der statistischen Inferenz eingesetzt werden. Weitere bedeutsame Forschungsfelder umfassen die Finanzökonometrie mit solchen Themen wie die Mikrostruktur von Finanzmärkten oder Volatilitätsmodelle und die strukturelle Ökonometrie. Die derzeitigen Ökonometrie-Forschungsgebiete sind Finanzökonometrie, die Zeitreihenökonometrie und bayesianische Methoden.
Operations Research Die Forschung in diesem Bereich ist mit der Optimierung und der mathematischen Programmierung verbunden. Zu den wichtigsten Beitragsgebieten gehören die diskrete Optimierung, die ganzzahlige Programmierung und die konvexe Optimierung. Die Forschungsthemen umfassen auch große Energieinvestitionen, Elektrizitätsübertragung und Elektrizitätsmärkte, das Design und die Regulierung vom Europäischen Markt sowie Supply-Chain-Management. Die Operations Research steht in enger Verbindung mit der ökonomischen Geographie, durch die Verwendung von Methoden der mathematischen Programmierung für die Lösung von Standortentscheidungsproblemen. Die derzeitigen Operations-Research-Forschungsgebiete enthalten die Modellierung und die Lösung von Problemen der industriellen Ökonomie, die diskrete Optimierung, die nicht-lineare und lineare Optimierung und Gleichgewichtsberechnungen.
Quantitative und ökonomische Geographie Die Forschung im Bereich der Geographie an CORE steht in engem Zusammenhang mit der Ökonomie, z. B., das gemeinsame Studium des Standorts von menschlichen Aktivitäten und ihres Umweltfußabdrucks. Sie konzentriert sich auf die Gebiete der quantitativen und ökonomischen Geographie und findet Anwendung in der Politik der Landnutzungsplanung. Die derzeitigen Geographie-Forschungsfelder umfassen die Standortzuordnungsmodelle, die Verkehrsgeographie und die nachhaltige Mobilität, die räumlichen quantitativen Analysen, die Humangeographie und die ökonomische Geographie.
Lehrstühle und wissenschaftliche Projekte Jährlich werden etwa 30 wissenschaftliche Projekte an CORE entwickelt. Sie werden durch Subventionen und Verträge vom privaten und öffentlichen Sektor finanziert, worunter die Belgische Föderale Regierung, z. B., das Amt für Belgische Föderale Wissenschaftspolitik, die Stiftung für Wissenschaftliche Forschung (FNRS), die Französische Gemeinschaft Belgiens, die Europäische Kommission, z. B., der Europäische Forschungsrat, Forschungsrahmenprogramme, COST Aktionen, verschiedene belgische und ausländische öffentliche Institutionen, private Unternehmen usw.
An CORE gibt es momentan drei Forschungsaufträge: