Die Liste der schwedischen Armeeeinheiten im Großen Nordischen Krieg enthält alle Regimenter und eigenständigen Bataillone der schwedischen Armee im Zeitraum von 1700 bis 1721.

Die Liste gliedert sich in die beiden Truppengattungen der Infanterie und Kavallerie. Die Artillerie ist als solche nicht erfasst. Die schwedische Artillerie war im Gegensatz zur Infanterie und Kavallerie durchweg geworben. Sie war zu einem Regiment zusammengeschlossen, dessen einzelne Kompanien auf die Festungen verteilt waren. Eine Feldartilleriestruktur war in Stockholm und Jönköping vorhanden.

Die schwedische Armee bestand bei Inthronisierung Karls XII. 1697 aus 65.000 Mann. Während der ersten Kriegsjahre kam es zu mehreren Heeresvergrößerungen, bis der Höhepunkt im Jahr 1707 mit 115.000 Mann erreicht wurde. Von da an schrumpfte die Armee kontinuierlich aufgrund der sehr hohen Kriegsverluste. 1716 bestand die Armee aus nur noch 40.000 Mann und erholte sich bis 1718 auf 60.000 Mann. Bei Kriegsende 1721 waren noch 45.000 Mann in der schwedischen Armee vorhanden.

Übersicht miniatur|Soldaten der schwedischen Armee im Großen Nordischen Krieg miniatur|Infanteriesoldaten vom Österbottenregiment, 1705 Die schwedische Armee zur Zeit des Großen Nordischen Krieges setzte sich aus zwei verschiedenen Gruppen zusammen. Es gab wie überall in der damaligen Zeit geworbene Regimenter. Den Kern des Heeres bildeten aber die eingeteilten Regimenter. Durch das Einteilungswerk unterschied sich Schwedens Armee stark von den Staaten des übrigen Europa. Das Einteilungssystem ermöglichte eine nationale schwedische Armee, die von der Werbung und der häufigen Unzuverlässigkeit geworbener Regimenter ausgenommen war. Das Einteilungswerk sah vor, dass einzelne Provinzen eine Anzahl von Bauerngütern zusammenfasste und diese Gemeinschaften einen Infanteristen stellen mussten. Die einzelnen auf diese Weise geworbenen Landsknechte erhielten zur Eigenversorgung eine Kate mit Gartenland zur Eigenversorgung. Bewaffnung und Löhnung im Falle der Einberufung bezahlte die Krone. Die Einsatzfähigkeit der Regimenter wurde regelmäßig geprüft und Befehlshaber für die einzelnen Kompanien im Frieden vorgehalten.

Jede Landschaft und bei größeren Landschaften jedes Län stellte ein Regiment, das ihren Namen trug. Ebenso erhielten die Kompanien den Namen ihres Distrikts. Im Ganzen wurden auf diese Weise 14 schwedische und sieben finnische eingeteilte Regimenter unterhalten. Die normale Regimentsstärke betrug 1200 Mann, die in Friedenszeiten in acht Kompanien eingeteilt waren. Nur die drei småländischen Regimenter hatten 1100 Mann zu acht Kompanien und das Regiment Nerike-Wermland 1674 Mann zu zehn Kompanien. Auch die finnischen Regimenter wichen etwas von der Regel ab.

Eingeteilte Regimenter unterhielt Schweden nur in den alten schwedischen und finnischen Gebieten. In Schonen, den Ostseeprovinzen und in Schwedens deutschen Besitzungen standen geworbene Regimenter. Zu ihrer Unterhaltung mussten die betreffenden Provinzen aufkommen. Die geworbenen Regimenter setzten sich aus verschiedenen Nationalitäten zusammen. Trotzdem überwog bei den Regimentern, die eine feste Garnison hatten, die lokale Mannschaft die der auswärtigen Söldner. Diese geworbenen Regimenter waren im Gegensatz zu den im Frieden in ihre heimatlichen Dörfer entlassenen Mannschaften der eingeteilten Regimenter ständig unter Waffen und bildeten die Besatzung der Festungen, mit denen Schweden seine Herrschaft in den Randstaaten der Ostsee sicherte. Während die eingeteilten Regimenter nur für schwedische Kriege verwandt wurden, sind geworbene Regimenter entsprechend dem Zeitgeist auch für fremde Kriege, zum Beispiel an die gegen Frankreich kämpfenden Niederlande, vermietet worden.

Eine besondere Stellung unter den geworbenen Regimentern nahm die Garde ein, die nur aus Schweden bestand und ihre Garnison in Stockholm hatte. In den erst kürzlich erworbenen, zeitweise dänischen Gebieten standen zur Besetzung von Malmö, Landskrona und Göteborg sowie kleinerer Plätze drei geworbene Regimenter: das schwedische Livregiment, das deutsche Leibregiment und das Garnisonregiment Malmö. Schwedisch-Pommern hatte 1700 drei Regimenter in Stettin und Stralsund (darunter das Leibregiment der Königin-Witwe), Wismar zwei und Bremen-Verden anderthalb Regimenter. Von diesen war ein Teil vorübergehend an Holstein-Gottorp zur Besatzung und zum Ausbau der Festung Tönning überlassen. In den Ostseeprovinzen standen zunächst vier geworbene Regimenter in Narva, Dorpat, Pernau und Riga.

Beim Wechsel der Regimentschefs wechselten auch die Regimenter ihre Namen. Als zweite Bezeichnung führten jedoch viele außerdem noch den Namen ihrer Garnison, zum Beispiel Wismarsches Gouverneurregiment. Die eingeteilten Regimenter waren nach ihren Aushebungsbezirken bezeichnet.

Zwar gab es in der schwedischen Armee wie auch in anderen Staaten um die Wende des 16. zum 17. Jahrhundert vereinzelt Milizregimenter oder Landwehrbataillone. Die Kampfkraft dieser Truppen war jedoch gering. Im Gegensatz hierzu gehörten die eingeteilten Regimenter Schwedens zu den besten und zuverlässigsten Truppen der schwedischen Armee, mit ganz geringen Desertionsraten.

Schon im ersten Kriegsjahr kam es zur Aufstellung weiterer Regimenter. Je drei Stellungsbezirke wurden zusammengelegt und ihre Bauerngemeinschaften stellten fortan gemeinsam einen weiteren Mann. Die so ausgeschriebenen Truppen erhielten den Namen Tremänningar (Drei-Männer-Regimenter). 1702 wurden dann noch Fyrmänningar (Vier-Männer-Regimenter) und Femmänningar (Fünf-Männer-Regimenter) auf die gleiche Weise aufgeboten, indem in den Gebieten, in denen die eingeteilten Regimenter zu Hause geblieben waren, von je vier und in den übrigen von je fünf Stellungsbezirken ein weiterer Mann gestellt werden musste. Diese Regimenter fanden jedoch im Wesentlichen in Schweden Verwendung.

Infanterie Die schwedische Infanterie bestand im Krieg aus 108 Regimentern. Zusammen ergab sich eine gelistete Sollstärke von 90.440 Mann, die aber nie als Ganzes zu einem Zeitpunkt vorhanden war. Von diesen Sollstärken ausgehend, machten die Einteilungsregimenter einen Anteil von 27,8 Prozent an der Gesamtsollstärke aus. Die provisorischen Regimenter hatten einen Anteil von 32,9 Prozent an der Gesamtinfanterie. Die Söldnerregimenter waren ähnlich stark vertreten wie die provisorischen Regimenter. Den kleinsten Anteil an der Infanterie bildeten mit 6,7 Prozent die Kriegsgefangenen. Daraus ergibt sich, dass trotz der in der Geschichtswissenschaft ausgiebig dokumentierten Rolle des Einteilungswerks die reguläre Infanterie nur einen relativ kleinen Anteil an der kämpfenden Truppe ausmachte und der Großteil der bewaffneten Kräfte provisorischen Charakter hatten, schlecht ausgebildet waren und/oder geworbene Ausländer mit geringer Motivation waren.

Provinzinfanterie Die schwedische Armee unterhielt im Großen Nordischen Krieg 22 eingeteilte Infanterieregimenter. Ihre Sollstärke betrug kumuliert 25.211 Mann. Bedingt durch die Ausfälle und der logistischen Verzögerung, bis der Ersatz in den Regimentern eintraf, lag die tatsächliche Iststärke im Feld je Regiment bei etwa 80 bis 90 Prozent. Regiment Sollstärke Basis Aktiv von Aktiv bis KriegseinsatzhistorieUpplandregiment 1200 Uppland 17001721Södermanlandregiment 1200 Södermanland 17001721Das Regiment Södermanland war im Oktober 1699 von Schweden nach Schwedisch-Pommern überführt worden. Am 5. Januar 1700 brach es von Anklam nach Wismar auf. Kommandeur war Oberst Arvid Axel Mardefelt. Das Regiment bestand aus acht Kompanien in 1296 Mann ohne Stab. Das Regiment marschierte Anfang April nach Bremen-Verden ab. Nach dem Frieden von Traventhal ging das Regiment im September 1700 nach Schwedisch-Pommern zurück. Während des Feldzuges war das Regiment auf Kriegsstärke gesetzt und hatte vier neue (Verdoppelungs-)Kompanien erhalten, ohne dass der Bestand an Mannschaften sich verändert hätte. So bestand das Regiment jetzt aus 12 Kompanien mit 1344 Mann.

Ende November 1700 marschierten sechs Kompanien des Regiments unter dem Oberstleutnant Gabriel Lilliebök nach Wismar. In Wismar wurden sie im Dezember gemustert. Infolge des vorangegangenen Feldzuges fehlten diesen 6 Kompanien 37 Mann an der Sollstärke. Noch im Dezember gingen sie nach Pommern zurück. Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin mietete das Oberstenbataillon des Regiments, insgesamt 667 Mann, und übernahm es am 1. September 1701 in mecklenburgische Dienste. Im Mai 1702 wurde das Bataillon nach Pommern zurückbeordert und aus den mecklenburgischen Diensten entlassen, um zum Korps Gyllenstiernas zu stoßen, das sich in Pommern sammelte und an den Operationen in Polen teilnahm.

In der Schlacht bei Poltawa geriet das Regiment in russische Gefangenschaft. Es wurde bis Mitte Dezember 1709 in Schweden neu aufgestellt und nahm 1710 an der Schlacht bei Helsingborg teil. Im Dezember 1711 wurde es zur Verstärkung der Besatzung von Stralsund nach Pommern überführt und kämpfte im Korps Stenbocks in der Schlacht bei Gadebusch; es kapitulierte mit dem Rest der schwedischen Armee im April 1713 infolge der Belagerung von Tönning.Östergötlandregiment 1200Östergötland 17001721 Das Regiment war in Ostgotland eingeteilt und wurde zum Schutz Holstein-Gottorps und der deutschen Besitzungen Schwedens im Oktober 1699 nach Schwedisch-Pommern überführt. Hier hatte es wohl in Stralsund gestanden und war am 5. Januar 1700 nach Wismar aufgebrochen. Sein Kommandeur war Oberst Gustaf Ulfsparre Johansson. Der Etat des Regiments betrug ohne Stab acht Kompanien mit 1296 Mann. Am 24. Mai brach es mit der Armee nach Holstein auf, operierte dort bis zum Frieden von Traventhal gegen die Dänen und ging dann nach Pommern zurück.

Aus Pommern brach das Regiment im Jahre 1702 mit der Heeresabteilung Gyllenstiernas nach Polen auf. Dort stieß es später zur Armee Karls XII. und nahm an den Kämpfen auf dem Polnischen Kriegsschauplatz teil. Im Russlandfeldzug wurde das Regiment in der Schlacht bei Poltawa vernichtet. In der Heimat wurde es neu aufgestellt und nahm am 10. März 1710 an der Schlacht bei Helsingborg unter Magnus Stenbock teil. Mit diesem ging es im Sommer 1712 nach Pommern, kämpfte bei Gadebusch und musste in Holstein am 16. Mai 1713 bei Oldenswert kapitulieren.Jönköpingregiment 1100 Jönköpings län 17001721Kalmarregiment 1100Kalmar län 17001721Kronobergregiment 1100Kronobergs län 17001721Älvsborgregiment 1200 Älvsborgs län 17001721Västgöta-Dal-Regiment 1200Västergötland 17001721Skaraborgregiment 1200Skaraborgs län 17001721Das Regiment war in Westgotland eingeteilt und im Oktober 1699 nach Schwedisch-Pommern überführt worden. Am 4. Januar 1700 marschierte es nach Wismar. Oberst war Niels Stromberg. Das Regiment zählte in seinen acht Kompanien ohne Stab 1296 Mann. Anfang April marschierte das Regiment zusammen mit dem Regiment Södermannland zur Verstärkung der Truppen in Bremen-Verden an die Elbe ab. Nach dem Frieden von Traventhal ging das Regiment Skaraborg nach Pommern zurück.