mini|hochkant|Liselotte Funcke

Liselotte Funcke (* 20. Juli 1918 in Hagen, Westfalen; † 1. August 2012 ebendaTodesanzeige der Familie in der Westfälischen Rundschau, Zeitung für Hagen, bzw. WAZ Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 4. August 2012 (Digitalisat), abgerufen am 9. September 2013.) war eine deutsche Politikerin (FDP). Sie war Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und als erste Frau in diesem Amt Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Von 1981 bis 1991 war sie die erste weibliche Ausländerbeauftragte der Bundesregierung.

Leben Funcke war viertes Kind des Fabrikanten Oscar Funcke. Sie legte am Hagener Realgymnasium 1937 das Abitur ab und studierte an der Wirtschaftshochschule Berlin Betriebswirtschaftslehre. Nach dem Abschluss als Diplom-Kaufmann 1941 arbeitete sie bis 1944 als Assistentin bei einem Wirtschaftsprüfer. Anschließend war sie in der von ihrem Urgroßvater gegründeten Schraubenfabrik und Gesenkschmiede Funcke & Hueck als Prokuristin tätig. Diese Tätigkeit übte sie bis 1969 aus. Am 1. August 2012 starb Liselotte Funcke im Alter von 94 Jahren.

Ihr Vater Oscar Funcke gehörte, ebenfalls für die FDP, dem Deutschen Bundestag in der ersten Wahlperiode an.

Partei mini|hochkant|Liselotte Funcke (1977) Am 31. Mai 1938 beantragte Funcke die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. September desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.972.505).Bundesarchiv, R 9361-IX KARTEI/10101568.Helmut Gewalt: niqel.de; abgerufen am 19. November 2011. Funcke trat 1946 in die FDP ein, ein Jahr später wurde sie Mitglied im Landesvorstand der Partei, 1964 Mitglied des Bundesvorstandes und 1968 des Präsidiums. In den Jahren 1948 bis 1968 leitete sie zudem den Landesfrauenausschuss der nordrhein-westfälischen FDP. Von 1967 bis 1978 war sie Bezirksvorsitzende der FDP Westfalen-West. In der Zeit von 1977 bis 1983 war Funcke stellvertretende Bundesvorsitzende der Liberalen.

Um 1950 gehörte sie zur Führungsgruppe der Jungdemokraten in Nordrhein-Westfalen um Willi Weyer und Walter Scheel.Christof Brauers: Die FDP in Hamburg 1945 bis 1953. München 2007, S. 465.

Unterlagen zu ihrer politischen Tätigkeit liegen im Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Gummersbach.

Abgeordnete Im Zeitraum von 1950 bis 1961 saß sie im nordrhein-westfälischen Landtag, 1961 wurde sie in den Deutschen Bundestag gewählt, dessen Vizepräsidentin sie von 1969 bis 1979 war. Von 1972 bis 1979 war sie Vorsitzende des Finanzausschusses des Bundestages, nachdem sie von 1965 bis 1969 bereits dessen stellvertretende Vorsitzende war.

Öffentliche Ämter Am 19. November 1979 wurde sie als erste Frau als Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr in die von Ministerpräsident Johannes Rau geführte Landesregierung des Landes Nordrhein-Westfalen berufen. Nachdem die FDP bei der Landtagswahl 1980 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war, schied sie am 4. Juni 1980 aus dem Kabinett aus.

Von 1981 bis zum 15. Juli 1991 war sie Ausländerbeauftragte der Bundesregierung. Aufgrund ihres Engagements für die in Deutschland lebenden Türken wurde sie als „Engel der Türken“ bezeichnet. Warum sind alle gegen uns? In: Die Zeit, 31. Januar 1986, abgerufen am 10. August 2018. Ihren Rücktritt begründete sie in einem Brief an Bundeskanzler Helmut Kohl damit, dass sie "kaum je Kontakt zur Bundesregierung und ihren Entscheidungen" gehabt habe.

Sonstiges Funcke war von 1961 bis 1991 Mitglied der Kammer für öffentliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Deutschland. Von 1970 bis 1993 gehörte sie dem Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung an.

Würdigungen Die Fernuniversität Hagen würdigte ihre Ehrendoktorin Liselotte Funcke 2012 in einem Nachruf: fernuni-hagen.de, 3. August 2012; abgerufen am 19. Mai 2022.

2024 verlieh die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit erstmals den Liselotte-Funcke-Preis für Integration und Gleichberechtigung, den die Journalistin Dunja Hayali erhielt.Liselotte-Funcke-Preis. Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, 25. Januar 2024; abgerufen am 26. März 2025.

mini|Das Grab von Liselotte Funcke auf dem Buschey-Friedhof in Hagen

Auszeichnungen 1973: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland 1975: Wolfgang-Döring-Medaille 1975: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband 1984: Ehrendoktorin der Uludağ-Universität in der türkischen Stadt Bursa 1984: Theodor-Heuss-Medaille 1984: Moses-Mendelssohn-Preis 1985: Großkreuz des spanischen Zivilverdienstordens 1986: Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen 1987: Großkreuz der portugiesischen Verdienstordens 1988: Großoffizierskreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik 1988: Jugoslawischer Stern mit goldenem Kranz 1990: Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen UnionGrande Dame. In: General-Anzeiger, 19. Juli 2008, S. 2. 1990: Kommandeur des griechischen Phönix-Ordens 1991: Heinz Herbert Karry-Preis 1991: Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte 1999: Ehrendoktorin der Fernuniversität Hagen, abgerufen am 9. September 2013. 2003: Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur 2003: Ehrenbürgerin von Hagen Ehrenvorsitzende des FDP-Bezirksverbandes Westfalen-West und des FDP-Kreisverbandes Hagen.

Schriften (Auswahl) (Hrsg.): Frauen sprechen im Bundestag. Verlag Bonn Aktuell, Stuttgart 1979, ISBN 978-3-87959-111-4. (Hrsg.): Frei sein, um andere frei zu machen. Frauen in der Politik. Die Liberalen. Seewald Verlag, Stuttgart/Herford 1984, ISBN 3-512-00707-4. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für die Integration der ausländischen Arbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen, März 1991; bundesregierung.de (PDF); abgerufen am 7. Februar 2023. Hagener Straßen erzählen Geschichte(n). Ardenkuverlag, Hagen 1999, ISBN 978-3-932070-16-7. Hagener Industriebetriebe. Tuche, Sensen, Federn, Stahl. Ardenkuverlag, Hagen 2003, ISBN 978-3-932070-44-0. Wo unsere Großeltern einkauften – Hagener Einzelhandel. Ardenkuverlag, Hagen 2009, ISBN 978-3-932070-92-1. 265 Jahre Bürgermeister der Stadt Hagen. Ardenkuverlag, Hagen 2011, ISBN 978-3-942184-17-5.

Siehe auch Kabinett Rau I

Literatur Ewald Grothe: Liselotte Funcke. Streiterin für Gleichberechtigung, solide Finanzen und Integration. (= Public History). Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Potsdam 2022, ISBN 978-3-948950-90-3. Sylvia Heinemann (Hrsg.): An Menschen ihrer Zeit – Liselotte Funcke – Briefe aus fünf Jahrzehnten. Ardenkuverlag, Hagen 2004, ISBN 3-932070-52-6. Gerd Rauhaus: Liselotte Funcke (= Menschen unserer Zeit). Transcontact-Verlagsgesellschaft, Bonn 1977.

Weblinks

Artikel zu Funckes 90. Geburtstag Nachlass von Funcke. Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Jürgen Frölich: Für Gleichberechtigung und Integration. Liselotte Funcke, erste Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, wäre heute 100 Jahre alt geworden. Artikel auf der Seite der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit Liselotte Funcke – Rebellin für die gute Sache. Digitale Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, 2021. Abgerufen am 9. Juli 2021.

Einzelnachweise

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