Die Einladung zur Reise (Originaltitel L’invitation au voyage) ist ein französischer Stummfilm, den Germaine Dulac 1927 in eigener Produktion realisierte. Ihrem Szenario, das sie mit Irène Hillel-Erlangereigtl. Berthe Rebecca Alice Irène Hillel-Manoach, 1878–1920, Schriftstellerin und mehrfach Drehbuchautorin für Dulac, vgl. Irène Hillel-Erlanger in der französischsprachigen Wikipedia verfasste, lag ein Gedicht von Charles Baudelaire zugrunde.Es handelt sich um das Gedicht L’Invitation au voyage aus der Sammlung Les Fleurs du mal von 1857, nachzulesen bei etudes-litteraires.com
Handlung Gegenstand der Darstellung sind die geheimen Sehnsüchte einer verheirateten Frau auf der Suche nach neuen erotischen Erfahrungen. Sie ist zugleich ängstlich und abenteuerlustig. Sie begibt sich in ein Etablissement von zweifelhaftem Ruf. Dort erregt sie die Aufmerksamkeit eines gutaussehenden Marineoffiziers. Doch dieser geht auf Distanz, als er bemerkt, dass sie nicht mehr frei ist. Die Matrosen in dem Lokal hingegen empfinden nicht so feinfühlig.Eine detaillierte Darstellung des Inhalts gibt Perger (2007)
Hintergrund Das Bühnenbild entwarf Cesare Silvagni. Hinter der Kamera standen Paul Guichard und Lucien Bellavoine. Der Regie assistierte Marie-Anne Malleville. Regie und Produktion lagen in den Händen von Germaine Dulac. Der Film war viragiert. Er wurde im Dezember 1927 in Frankreich uraufgeführt. Auch in Polen und den USA wurde der Film gezeigt.IMDb/releaseinfo
Rezeption Literarische Vorlage
Dulac zeigt in ihrem Film „the loneliness of femininity especially as a wife and mother. The trapped sensation of being confined by home and responsibility, that even beyond the walls of her prison, she is trapped by her own mind and the expectations that they bring. The sailors of the bar represent a sort of freedom, they ask young women to come on journeys with them, but it’s under the pretext of sexual favours, a sort of slavery. For some though, this is the only escape. There is no escape from the world of men, they rule all.“ (Justine Smith)
Filmsprache Insgesamt arbeitet Dulac in diesem Kurzfilm mit vielen Überblendungen, Darstellungen der Natur, Traumdarstellungen, Nah- und Großaufnahmen sowie einer assoziativen Montage. Hier wird die Handlung wieder in den Hintergrund gerückt, um Emotionen und Sehnsüchte der Protagonisten besonders zu veranschaulichen.So Kirstin Hammann und Maria Malzew bei , 18. Mai 2014
Die Montage des Films ist, verglichen mit der von La Coquille et le Clergyman, weniger spektakulär, doch gleichermaßen virtuos gehandhabt und kommt ganz und gar den Darstellern zugute. Sie wird nur durch deren Traumsequenzen unterbrochen. Diese sind voll mit Bildern erotischen Verlangens, schäumender See, einsam-romantischer Schiffe und der Chance auf eine Partnerschaft. Die Phantasie der männlichen Matrosen ist nicht so subtil: die Bilder werden beherrscht von „Sieg“, „Krieg“ und unverhohlenem Sex.
Filmmusik
Eine neue Begleitmusik für Die Einladung zur Reise komponierte 2002 Catherine Milliken. Sie wurde vom Ensemble Modern, in dem Milliken die Oboe blästvgl. „La musique du film date donc du 21ème siècle : Catherine Milliken, hautboïste de l’Ensemble Modern, compose le nouvel accompagnement en 2002. Elle renonce à la figure du redoublement ostentatoire en cherchant davantage à transcrire l’univers affectif de la protagoniste par l’emploi de variations pour clarinette, bugle, cordes basses, percussions et piano. “ (Arte TV), mit Klarinette, Horn, Streichbass, Klavier und Schlagwerk eingespielt. Gegenüber der im Film bildlich evozierten Musik erweist sich Millikens neue Begleitmusik zwar als aufmerksam, aber unabhängig.vgl. Perger (2007)
Résumé
Wiederaufführung Der Kultursender Arte strahlte den Film in restaurierter Fassung am 25. Juni 2005 als deutsche Erstaufführung im Fernsehen aus.vgl. Am 9. Februar 2007 wurde er bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin aufgeführt.vgl. Retrospective 2007
Die Arte édition brachte Die Einladung zur Reise/L’invitation au voyage in ihrem Verlag absolut medien zusammen mit noch zwei weiteren FilmenDas Lächeln der Madame Beudet (La souriante Madame Beudet) (1922) und Die Muschel und der Kleriker (La coquille et le clergyman) (1927) nach einem Drehbuch von Antonin Artaud. von Germaine Dulac auf DVDGermaine Dulac: 3 Filme der französischen Stummfilm-Pionierin. Best. Nr.: 865, ISBN 978-3-89848-865-5, vgl. absolutmedien.de heraus.
Literatur Freunde der Deutschen Kinemathek e. V. und Kinothek Asta Nielsen e.V. (Hrsg.) [Red.: Sabine Nessel]: L’invitation au voyage, Germaine Dulac. Internationales Symposium „L’invitation au voyage – Germaine Dulac“, (Frankfurt am Main) : 2002.10.31-11.03. Verl.: Freunde der Dt. Kinemathek, Berlin 2002, Reihe Kinemathek, Heft 93, ISBN 3-927876-17-8. Kirstin Hammann, Maria Malzew: Filmtheorie: Impressionismus im Film. Artikel on line bei , eingestellt 18. Mai 2014. Ekkehard Knörer: Ein BH macht sich als Muschel gut, in der TAZ vom 11. Oktober 2007. Clarissa Lempp: L’Invitation au voyage Germaine Dulac. Rezension vom 7. Juli 2007 auf AVIVA-Berlin.de, aufgerufen am 1. Mai 2020. Justine Smith: L’Invitation au voyage (Germaine Dulac), on line bei wordpress.com, posted on April 6, 2009. Mischa von Perger: L’Invitation au voyage (Germaine Dulac) , 9. November 07. Claude Rieffel: L’horizon chimérique. Dans voir-alire.com, 27. Februar 2012.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1927 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Stummfilm Kategorie:Filmdrama Kategorie:Literaturverfilmung