mini|250px|Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt auf einer Anhöhe oberhalb des Labertals mini|250px|Innenansicht Die römisch-katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Oberhatzkofen, einem Ortsteil der Stadt Rottenburg an der Laaber im niederbayerischen Landkreis Landshut, ist ein Rokokobau, der dem Landshuter Hofmaurermeister Johann Georg Hirschstötter zugeschrieben wird. Das stattliche Gotteshaus, das im Jahr 1743 anstelle einer Vorgängerkirche aus dem 13. Jahrhundert errichtet wurde, befindet sich auf einer Anhöhe oberhalb des Großen Labertals zwischen Pfeffenhausen und Rottenburg. Die Pfarrei Oberhatzkofen bildet heute zusammen mit den Pfarreien St. Georg in Rottenburg und Mariä Lichtmess in Inkofen die Pfarreiengemeinschaft Rottenburg/Laaber. Zur Pfarrei gehören die Nebenkirche St. Margaretha in Niederhatzkofen Schlosskapelle Niederhatzkofen.

Geschichte Im Jahr 1145 wurde die Kirche erstmals urkundlich im Zusammenhang mit den Besitzungen des Domkapitels zu Regensburg erwähnt. 1183 wird sie erstmals als Pfarrkirche genannt. Das Präsentationsrecht übten im späten Mittelalter laut dem ältesten erhaltenen Urbarsbuch die Herzöge aus.Anton Eckardt (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler von Niederbayern – Bezirksamt Rottenburg. Oldenbourg, München 1930, S. 137–141.

Der Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche dürfte im 13. Jahrhundert, also in der Frühgotik, entstanden sein. Von diesem ist heute noch der Unterbau des früheren Chorturmes erhalten. Dieser erscheint, wie in der Hallertau öfters anzutreffen, wuchtig und gedrungen, hatte er doch im Mittelalter eine Schutzfunktion für das gesamte Dorf. Auch die gleichzeitig erbaute Friedhofsmauer aus Backstein, die erst in den 1960er Jahren durch einen Neubau ersetzt wurde, strahlte durch ihr dickes Mauerwerk und die vierzig Zentimeter hohen Schießscharten in Schlitz- und Schlüsselform einen gewissen Wehrcharakter aus. Im 15. Jahrhundert wurde nördlich an den Turm ein Raum angebaut, der zunächst als Sakristei, später als Leichenhaus diente.Niedermeier, S. 6f.

Der eigentliche Kirchenraum stammt jedoch aus der Stilepoche des Rokoko, wurde 1743 erbaut und 1786 geweiht, im selben Jahr wie die Nebenkirche St. Margaretha im Nachbarort Niederhatzkofen. Wegen der großen zeitlichen Differenz zwischen Erbauungs- und Weihejahr könnte es sich um eine Wiederweihe handeln. Die weitreichende stilistische Übereinstimmung mit der Wallfahrtskirche St. Leonhard in Oberotterbach, besonders im Grundriss, deutet auf den Landshuter Hofmaurermeister Johann Georg Hirschstötter als ausführenden Baumeister hin. Allerdings gab der bürgerliche Baumeister Johann Reissmayr, Sohn des Landshuter Stuckateurs Niklas Reissmayr, beim Neubau der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Erharting bei Neuötting 1753/54 die Pfarrkirche Oberhatzkofen als Referenz an.Pfarreiengemeinschaft Rottenburg/Laaber: Kirchen der Pfarrei Oberhatzkofen. Online auf www.pfarrei-rottenburg.de; abgerufen am 25. Dezember 2020.

Der Kirchenbau wurde im 20. Jahrhundert dreimal renoviert. Zunächst in den Jahren 1906 bis 1909 ein Innen- und Außenrenovierung. Bei der nächsten Maßnahme kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die ursprüngliche Fassung der Raumschale größtenteils übermalt. Bei der Innenrenovierung 1985, die von durch die Firma Richter aus Regensburg ausgeführt, erfolgte die Wiederherstellung der originalen Fassung nach Befund. Im Jahr 1993 erhielt die Kirche ihren Volksaltar.

Ab 2003 wurde der Außenbau in mehreren Abschnitten restauriert: 2003/04 erfolgte die Sanierung des Daches, 2005/06 die Turmsanierung und 2006 die Trockenlegung des Kirchenschiffs. Nachdem sich schnell Mängel an der Turmfassade gezeigt hatten und Reklamationen bei den ausführenden Firmen zu keinem akzeptablen Ergebnis führten, dauerte es fünf Jahre, bis alle Verantwortlichkeiten geklärt waren. Erst 2013 konnten die erforderlichen Reparaturarbeiten an der Turmfassade stattfinden. 2015 gelangte die Außenrenovierung zum Abschluss: es wurden alle schadhafte Putzstellen an Chor und Langhaus ausgebessert, historische Epitaphien instand gesetzt und die Kirchentüren überholt.Rottenburger Anzeiger vom 13. November 2015: „Nach zwölf Jahren endlich fertig“ – Fassade der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt erstrahlt in neuem Glanz

Aufgrund der langen Zeit ohne entsprechende Maßnahmen ist der Innenraum derzeit stark renovierungsbedürftig (Stand: April 2022). Insbesondere sind eine Durchfeuchtung des Mauerwerks, Risse in Decke und Empore, Befall des Gebälks durch Hausschwamm und Holzwurm sowie Schäden an den Stuckornamenten zu verzeichnen. Die Feuchtigkeit in den Mauern ist auf die Renovierungsmaßnahme von 1985 zurückzuführen, als eine Bodenplatte aus Beton eingebaut wurde. Da diese bis an das Mauerwerk heranreicht, gelangt Feuchtigkeit dorthin. Außerdem war damals unter und hinter den Seitenaltären Bauschutt eingebaut worden, der sich wie ein Schwamm mit Feuchtigkeit vollgesogen hatte. Aufgrund mangelnder Luftzirkulation entstanden außerdem erhebliche Schäden an den drei Stuckmarmoraltären. Im Jahr 2018 war bereits eine Notsicherung der Decke und der dort befindlichen Stuckornamente durchgeführt worden. Im Dezember 2020 erhielt die Kirchenverwaltung Oberhatzkofen die Zusage über Fördermittel in Höhe 600.000 Euro aus einem Sonderprogramm des Bundes, da insbesondere die drei Stuckmarmoraltäre der Pfarrkirche als „einmalige Kunstschätze von nationaler Bedeutung“ gelten. 1,2 Millionen Euro übernimmt das Bistum Regensburg, weitere 200.000 Euro finanziert die Stadt Rottenburg an der Laaber. Damit ist ein großer Teil der Gesamtkosten von geschätzt 2,5 Millionen Euro (Stand: Ende 2021) abgedeckt. Die Maßnahme hat im Mai 2022 begonnen und soll im Frühjahr 2024 abgeschlossen sein. Neben der konstruktiven Sicherung sollen die komplette Elektroinstallation, die Beleuchtung und die Bankheizung erneuert werden.Rottenburger Anzeiger vom 8. Dezember 2020: Gute Nachrichten aus Berlin – Sonderprogramm: 600.000 Euro für Innenrenovierung der Pfarrkirche Mariä HimmelfahrtRottenburger Anzeiger vom 27. April 2022: Holzwurm und Hausschwamm – Im Mai beginnt die Innenrenovierung der Pfarrkirche Mariä HimmelfahrtRottenburger Anzeiger vom 27. April 2022: Gotteshaus von nationaler Bedeutung: Innenrenovierung von Mariä Himmelfahrt beginnt im Mai – 2,5 Millionen Euro KostenRottenburger Anzeiger vom 15. August 2022: Bauschutt unter den Altären „vergessen“ – Sanierung der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt: Mögliche Ursache für Feuchtigkeit entdecktRottenburger Anzeiger vom 12. Mai 2023: Freudige Nachrichten: Gemälde fertig – Kirchenrenovierung: Altes Deckengemälde wohl bei Renovierung 1907 übermalt

Im Frühjahr 2023 wurde von verschiedenen Problemen berichtet: Im nördlichen Winkel zwischen Langhaus und Chor wurde ein Befall mit Hausschwamm und Holzwurm festgestellt, weshalb die Abnahme eines Stuckengels für weitere Untersuchungen diskutiert wurde. Außerdem wurde während der Arbeiten die Ursache für die erhebliche Rissbildung im Gewölbebereich über der Empore ergründet. Dafür wurden die Fundamente freigelegt. Diese waren nicht, wie angenommen, einen Meter tief, sondern nur rund 40 Zentimeter. Neben einer Nachbesserung der Gründung erwägte man auch eine Sperrung der Empore und eine Begrenzung des Zugangs.Rottenburger Anzeiger vom 1. April 2023: Kostspielige Überraschungen: Guter Restaurierungsfortschritt – Dennoch Spendenaufruf für Renovierung der Pfarrkirche

Architektur mini|250px|Außenansicht von Süden mini|250px|Chorraum mini|250px|Doppelempore

Maße Der Kirchenbau besitzt folgende Maße: Länge innen gesamt: 28,80 Meter davon Langhaus: 18,45 Meter davon Chor: 9,75 Meter Breite innen: Langhaus: 9,70 Meter Chor: 7,35 Meter Höhe innen: Langhaus/Chor bis zum umlaufenden Kranzgesims: 7,20 Meter Langhaus am Scheitelpunkt des Gewölbes: 9,90 Meter Chor am Scheitelpunkt der Flachkuppel: 11,95 Meter

Außenbau Der stattliche, nach Osten ausgerichtete Saalbau ist vollständig verputzt und in Altrosa getüncht. Er ist außen sehr schlicht gehalten, was eigentlich untypisch für die Stilepoche des Rokoko ist. Nur die geschwungenen „Bassgeigenfenster“ (charakteristisch für die Kirchenbauten Johann Georg Hirschstötters), die darüber befindlichen Ochsenaugen und die von Pilastern flankierten Portale auf der Nordseite und zur Sakristei lassen auf die reichhaltige farbenprächtige Innenausstattung schließen. Das an allen vier Ecken abgerundete Langhaus der Kirche umfasst drei Joche, der eingezogene Chor ein Joch und eine korbbogige Apsis. Langhaus und Chor sind unter einem gemeinsamen, auf der Westseite abgewalmten Dach vereinigt. Die Sakristei ist nördlich des heutigen Chorraums im Unterbau des Turmes untergebracht; sie entspricht dem Presbyterium der frühgotische Vorgängerkirche und wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Das ursprünglich spitzbogige Fenster auf der Ostseite wurde im 18. Jahrhundert barock ausgerundet. Auch die Sakristei der Vorgängerkirche, später als Leichenhaus genutzt, ist erhalten. Sie ist wiederum nördlich an die heutige Sakristei angebaut und im spätgotischen Stil des 15. Jahrhunderts ausgeführt. Auf der Nordseite befindet sich ein kleines Stichbogenfenster.

Dessen frühgotischer, beinahe quadratischer Unterbau ist weitgehend ungegliedert. Darüber befindet sich der barocke Oberbau mit abgeschrägten Kanten, der den Glockenstuhl enthält. Hier befinden sich vier rundbogige Schallöffnungen, darüber je ein Ziffernblatt der Turmuhr. Über vier Dreiecksgiebeln geht der Turm in einen Spitzhelm über, der um 1880 aufgesetzt wurde. An der Westseite der Sakristei befindet sich ein Portal, das von Pilastern flankiert und von einem geschweiften Giebel auf Volutenkonsolen bekrönt wird. Auf der Nord- und Südseite des westlichen Langhausjochs befinden sich die beiden Portal zum Kirchenraum. Das Nordportal ist wie das zur Sakristei durch Pilaster und einen Schweifgiebel auf Volutenkonsolen ausgezeichnet. Das Südportal ist einfacher gehalten und schließt nach oben hin korbbogig ab.

Innenraum Das helle, lichtdurchflutete Kirchenschiff wird von einem flachen Tonnengewölbe mit Stichkappen überspannt. Die große Spannweite konnte zur Erbauungszeit nur durch die Ausführung als Schalgewölbe technisch umgesetzt werden; bei dem Gewölbe handelt es sich also um eine verputzte Holzschalung. Gleiches gilt für die etwas höhere Flachkuppel über Hängezwickeln im Chorraum und die Halbkuppel mit Stichkappe im Chorschluss. Die Wände in Langhaus und Chor sind durch rund 60 Zentimeter breite Pilaster mit korinthisierenden Kapitellen gegliedert. Darauf ruht ein umlaufendes, durch lebhafte Profilierung weit ausladendes Kranzgesims. Den großen „Bassgeigenfenstern“ unterhalb des Kranzgesimsen entsprechen kleinere Rundfenster (Ochsenaugen) oberhalb der Gesimsebene.

In der heutigen Sakristei, die dem Presbyterium der Vorgängerkirche entspricht, befindet sich ein spitzbogiges Kreuzgewölbe ohne Rippen. Die frühere Sakristei, die nördlich an die heutige Sakristei angebaut ist, wird innen von einem spätgotischen Netzrippengewölbe mit Schlussstein überspannt. Die gekehlten, an der Stegen abgeschrägten Rippen ruhen auf profilierten Eckkonsolen. Das Obergeschoss der Sakristei öffnet sich als Oratorium zum Chorraum hin. Im westlichen Langhausjoch, in dem sich auch die Portale befinden, ist eine Doppelempore eingezogen. Die untere Empore ruht auf zwei, die obere, kleinere Empore auf drei Rundsäulen. Die jeweils geschweifte Brüstung ist mit Rahmenstuck verziert. Der Zugang zur Empore erfolgt über eine Wendeltreppe, deren kreisrundes Treppenhaus auf der Westseite an das Langhaus angebaut ist.

Ausstattung Die beachtenswerte Ausstattung der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt besticht durch ihre Einheitlichkeit im Stile des frühen Rokoko. Die frühgotischen Fresken in der Sakristei, das Gnadenbild und der Taufstein aus spätgotischer Zeit, das Deckengemälde im Stile des Neorokoko sowie zahlreiche Grabdenkmäler komplettieren die Einrichtung.

Stuck und Deckengemälde