Das Kleine Streifenhörnchen (Neotamias minimus, Syn.: Tamias minimus) ist eine Hörnchenart aus der Gattung der Streifenhörnchen (Neotamias). Es kommt in zahlreichen Unterarten in großen Teilen Nordamerikas, im zentralen bis südlichen Kanada sowie in den Vereinigten Staaten vor und ist damit die mit Abstand am weitesten verbreitete Art der Gattung in Nordamerika.

Merkmale Das Kleine Streifenhörnchen erreicht eine durchschnittliche Kopf-Rumpf-Länge von etwa 10,6 bis 11,4 Zentimetern, die Schwanzlänge beträgt etwa 8,0 bis 8,5 Zentimeter und das Gewicht etwa 45 bis 50 Gramm. Es handelt sich damit um ein sehr kleines Streifenhörnchen. Innerhalb des sehr großen Verbreitungsgebiet kommt die Art in zahlreichen Unterarten vor, die sich im Aussehen teilweise sehr deutlich unterscheiden. Die Rückenfarbe ist generell Rot- bis Zimtbraun oder Grau. Wie bei anderen Arten der Gattung befinden sich auf dem Rücken mehrere dunkle Rückenstreifen, die durch hellere Streifen getrennt und gegenüber den Körperseiten abgegrenzt sind. Auch im Gesicht besitzt die Art charakteristische helle Streifen, zwischen denen sich ein dunkler Streifen über die Augen zieht. Häufig kommt ein heller Fleck hinter den Ohren, ein Postaurikularfleck, vor. Der Bauch ist weiß bis cremeweiß, manchmal auch grau bis grauweiß. Die Unterseite des Schwanzes variiert von rötlich braun über gelblich bis braun.

Von den zahlreichen anderen kleinen Streifenhörnchen, mit denen das Kleine Streifenhörnchen in Teilen des Verbreitungsgebietes lebt, ist es häufig nur durch Merkmale des Schädels oder Details der Färbung zu unterscheiden.

Verbreitung thumb|Verbreitungsgebiet des Kleinen Streifenhörnchens Das Kleine Streifenhörnchen kommt in großen Teilen Nordamerikas im zentralen bis südlichen Kanada sowie in den Vereinigten Staaten vor. Die Verbreitung reicht dabei vom Yukon River im Nordosten Kanadas bis in den Westen von Québec und Michigan und von dort südwärts bis New Mexico, Arizona und die Sierra Nevada in Kalifornien.

Lebensweise mini|Das Kleine Streifenhörnchen beim Fressen mini|Kleines Streifenhörnchen im Geäst eines Baumes Kleine Streifenhörnchen leben in zahlreichen, sehr unterschiedlichen Lebensräumen ihres Verbreitungsgebietes. Sie bevorzugen offene Waldgebiete mit wenig Unterholz und in Wassernähe, vor allem im Flusssystem des Green River in Utah, Wyoming und Colorado. In vielen Regionen ist die Habitatwahl abhängig von der Konkurrenz durch andere Streifenhörnchen; beispielsweise kommt das Kleine Streifenhörnchen im Westen von Colorado häufig gebunden an Baumbestände vor, bei Anwesenheit des Hopi-Streifenhörnchens (Neotamias rufus) weicht es jedoch auf Buschbestände aus.

Die Art ist tagaktiv mit Hauptaktivitäten am frühen Morgen und am späten Nachmittag. Sie ist primär bodenlebend, kann jedoch auch in Bäume und Gebüsche klettern. Die Tiere ernähren sich vor allem herbivor von Samen, wobei die regionale Verfügbarkeit eine große Rolle spielt. Hinzu kommen andere Pflanzenteile wie Blätter und Früchte sowie Insekten und kleine Wirbeltiere als ergänzende Nahrung. Die Tiere legen unterirdische Baue für die Überwinterung und als Nester an, es kommen jedoch auch Nester aus Blättern im Geäst vor oder sie besiedeln Baumhöhlen. Die Erdbaue sind sehr flach mit Tiefen von maximal 0,5 bis 1 Meter und mit kurzen Gängen von 0,4 bis maximal 3,5 Metern Länge. Sie bestehen aus einer oder zwei Kammern und haben einen bis drei Ausgänge. Das Territorium der Tiere ist regional unterschiedlich groß. Bei Untersuchungen in Alberta, Kanada, wurde das durchschnittliche Territorium der Männchen auf 1,22 und das der Weibchen auf 0,66 ha bestimmt. Fallendaten in anderen Regionen lassen auf kleinere Territorien schließen. Die Tiere kommunizieren durch vielfältige Rufe und Pfiffe und es sind fünf oder sechs verschiedene Alarmrufe dokumentiert, jedoch nicht näher untersucht.

Die Paarungszeit ist abhängig von der Region und den klimatischen Bedingungen. Sie beginnt kurz nachdem die Weibchen die Überwinterung abgeschlossen haben, der Eisprung der Weibchen erfolgt nach etwa sieben Tagen. Die Tragzeit beträgt 28 bis 30 Tage. Der Wurf besteht abhängig von der Region aus durchschnittlich 4 bis 6,5 Jungtieren, in der Regel haben die Tiere nur einen Wurf pro Jahr. Laktierende Weibchen wurden vom Mai bis in den späten August dokumentiert.

Im größten Teil des Verbreitungsgebietes kommt die Art sympatrisch mit anderen Streifenhörnchen vor. In der Konkurrenz mit anderen Arten der Streifenhörnchen und anderer Erdhörnchen zieht sich das Kleine Streifenhörnchen häufig zurück, ist jedoch aufgrund der großen Anpassungsfähigkeit in der Lage, verschiedene Lebensräume effizient zu nutzen. In den Rocky Mountains kommt beispielsweise das Kleine Streifenhörnchen gemeinsam mit dem Gelben Fichtenstreifenhörnchen (Neotamias amoenus) vor und besiedelt in der Regel die höheren Regionen. Bei experimentellen regionalen Entfernungen des Gelben Fichtenstreifenhörnchen wurden deren Habitate jedoch rasch vom Kleinen Streifenhörnchen besiedelt, ersteres kann entsprechend als konkurrenzstärker in diesen Habitaten angesehen werden, kann jedoch die erweiterten Lebensräume des Kleinen Streifenhörnchens nicht besiedeln. Als Kleinsäuger werden die Tiere wahrscheinlich von verschiedenen Raubtieren wie Mardern, Katzen und Hunden sowie Greifvögeln erbeutet, allerdings sind keine Prädatoren konkret nachgewiesen und das Kleine Streifenhörnchen profitiert wahrscheinlich von seiner geringen Größe und Beweglichkeit. Mehrere Arten von Tierläusen, Flöhen, Milben und Zecken sowie eine Dasselfliege wurden als Ektoparasiten nachgewiesen. Als Träger verschiedener Viren und Bakterien kann das Kleine Streifenhörnchen auch für die Übertragung potenziell für den Menschen relevanter Krankheitserreger relevant sein. So ist die Art Träger und Erregerreservoir des Colorado-Zeckenfiebers und eventuell auch des Bakteriums Borrelia burgdorferi, des Erregers der Lyme-Borreliose. Anfällig ist die Art zudem für den Pesterreger Yersinia pestis und für Bartonella.

Systematik Das Kleine Streifenhörnchen wird als eigenständige Art innerhalb der Gattung der Streifenhörnchen (Neotamias) eingeordnet, die aus etwa 25 Arten besteht. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung stammt von dem amerikanischen Priester und Naturforscher John Bachman aus dem Jahr 1839, der es anhand von Individuen vom Colorado River nahe Green River im Sweetwater County, Wyoming, beschrieb. Teilweise wurden verschiedene heute eigenständige Arten als Unterart betrachtet.

mini|Kleines Streifenhörnchen mini|hochkant|Kleines Streifenhörnchen im Deschutes National Forest, nahe Fort Rock, Oregon Innerhalb der Art werden gemeinsam mit der Nominatform 21 Unterarten unterschieden: Neotamias minimus minimus: Nominatform; die Form kommt in den Ebenen und mittleren Höhenlagen in Wyoming, dem nordöstlichen Utah und dem nordwestlichen Colorado vor. Die Grundfärbung ist mattgrau bis gräulich und sandfarben meliert. Die Haare der Unterseite des Schwanzes sind rotbraun mit schwarzer Bänderung und sandfarbener Abgrenzung. Neotamias minimus arizonensis: vom Prieto Plateau am Südende der Blue Range im Greenlee County in Arizona. Die Unterart entspricht in der Färbung Neotamias minimus consobrinus, ist jedoch grauer und weniger sandfarben. Die Schultern sind blass rauchgrau eingewaschen, der Schwanz ist an der Unterseite hell sandfarben. Neotamias minimus atristriatus: aus Piñasco in New Mexico. Die Körperseiten sind grau rötlich braun, die Unterseite ist gelblich weiß. Die hellen Streifen am Rücken haben eine graue bis weiße Färbung mit rostrotem oder sandfarbenem Einschlag. Verglichen mit dem ähnlichen Neotamias minimus operarius ist die Unterart etwas größer, dunkler und matter in der Färbung. Neotamias minimus borealis: in Kanada und in den höheren Gebieten von Montana. Die Herbstfärbung der Tiere ist blass gelblich grau, die Körperseiten sind mit einem gelblichen Braun eingewaschen. Die Bauchseite ist garu-weiß mit sandfarbenem Einschlag. Die dunklen Rückenstreifen sind schwarz, die hellen grau und die äußersten Streifen weiß mit gelblichem Einschlag. Neotamias minimus cacodemus: beschrieben aus den „Sheep Mountains, Big Bad Lands“, wobei die White River Badlands in South Dakota gemeint sind. Die Unterart entspricht Neotamias minimus pallidus, ist jedoch etwa blasser mit sehr langem Schwanz. Neotamias minimus caniceps: in Kanada vom Yukon River bis British Columbia. Die Unterart entspricht Neotamias minimus borealis, ist jedoch vor allem am Kopf, den Füßen und am Schwanz grauer und die Unterseite ist weiß. Neotamias minimus caryi: Im San Luis Valley in Colorado. Die Form entspricht der Nominatform, ist jedoch etwas blasser und grauer. Die Gesichtsstreifen sind weiß. Neotamias minimus chuskaensis: in den Chuska Mountains in Arizona und New Mexico. Verglichen mit der Nominatform ist diese Unterart blasser. Die Oberseite der Füße ist grau, die Unterseite des Schwanzes gelblich bis rötlich braun, abgegrenzt durch einen blass sandfarbenen Bereich. Neotamias minimus confinis: in den Brighthorn Mountains im Norden von Wyoming. Die Unterart entspricht Neotamias minimus consobrinus, ist jedoch etwas größer und die Grundfarbe ist im Winterfell mehr sandfarben. Die dunklen Rückenstreifen sind schwarz mit ockerfarben-dunkelbraunen Anteilen. Neotamias minimus consobrinus: in Utah und Colorado entlang der nördlichen Grenzgebiete zu Idaho und Wyoming. Die Unterseite des Schwanzes ist rotbraun. Neotamias minimus grisescens: im zentralen Washington. Die Unterart ähnelt Neotamias minimus pictus, ist jedoch grauer und weniger sandfarben sowie kleiner. Die dunklen Rückenstreifen sind schmaler und der Schwanz ist blasser und grauer. Neotamias minimus hudsonius: im nördlichen Manitoba in Kanada. Die Form gleicht Neotamias minimus borealis, ist jedoch dunkler grau gefärbt. Die Unterseite des Schwanzes ist blasser und der Rotanteil auf den Schultern, dem Rücken und dem Rumpf ist geringer. Die Hinterbeine sind dunkelgrau, die dunklen Rückenstreifen sind breiter. Neotamias minimus jacksoni: im Oneida County in Wisconsin. Die Unterart gleicht Neotamias minimus borealis, die Oberseite sowie der Schwanz sind jedoch mehr gelbbraun und das Gesicht und der Kopf sowie der Schwanz sind generell dunkler. Neotamias minimus neglectus: im südlichen Manitoba und Ontario in Kanada sowie im nördlichen Minnesota und Wisconsin. Die Form gleicht Neotamias minimus borealis, ist jedoch größer und kräftiger gefärbt. Neotamias minimus operarius: im westlichen Colorado bis in das nördliche New Mexico, das östliche Utah und das südliche Wyoming. Die Unterart ähnelt dem Gelben Fichtenstreifenhörnchen (Neotamias amoenus), besitzt jedoch im Gegensatz zu diesem keine schwarze Färbung am Ohr. Der Schwanz ist länger, die Oberseite des Schwanzes ist rotbraun. Neotamias minimus oreocetes: von der südlichen Grenze zwischen Alberta und British Columbia in Kanada bis nach Montana in den Vereinigten Staaten. Die Grundfarbe ist gräulich, an den Körperseiten mit gelblichen Einwaschungen, der Kopf ist an der Oberseite grau meliert. Die äußersten hellen Rückenstreifen sind weiß. Die Unterseite des Schwanzes ist blass rotbraun und schwarz begrenzt. Die Oberseite des Schwanzes ist gräulich gelb. Neotamias minimus pallidus: von Montana, dem Osten von North Dakota und dem Nordosten von Wyoming bis nach South Dakota und Nebraska. Die Unterart entspricht der Nominatform, ist jedoch größer und die Körperseiten sind mehr ockerfarben.