Die Phlegräischen Felder ( [zu „brennen, flammen“]; ; ) sind ein etwa 20 km westlich des Vesuvs gelegenes dichtbesiedeltes Gebiet mit hoher vulkanischer Aktivität in der italienischen Region Kampanien. Die Phlegräischen Felder sind ein klassisches Beispiel eines Vulkanfeldes und werden als Supervulkan eingestuft. Sie lösten die größte explosive Eruption der letzten 200.000 Jahre im Mittelmeerraum aus. Der bislang letzte Ausbruch auf den Phlegräischen Feldern fand 1538 mit der Monte-Nuovo-Eruption statt.

Lage und Ausdehnung mini|Blick über die Phlegräischen Felder vom Collina dei Camaldoli aus mini|Topografische Karte der Phlegräischen Felder Die Phlegräischen Felder dehnen sich am Golf von Neapel über mehr als 200 km² aus.ISPRA (Hrsg.): Note illustrative della carta geologica d’Italia alla scala 1:50.000: foglio 446–447 Napoli. S. 17. Im Norden reichen sie vom westlichen Stadtrand Neapels – mit den Hügeln Camaldoli (), Vomero und Posillipo – über den Golf von Pozzuoli mit seiner Hügellandschaft am Tyrrhenischen Meer – mit Agnano, Astroni, Monte Gauro und Lago d’Averno – bis zum historischen Cumae und nach Monte di Procida. Der südliche Teil setzt sich untermeerisch im Golf von Pozzuoli bzw. von Neapel fort.ISPRA (Hrsg.): Note illustrative della carta geologica d’Italia alla scala 1:50.000: foglio 446–447 Napoli. Rom, S. 9.

Administrativ liegen die Phlegräischen Felder in den Gemeindegebieten von Bacoli, Monte di Procida, Pozzuoli, Quarto, Giugliano und Teilen Neapels. Etwa 350.000 Menschen leben dort.Andrea Bevilacqua et al.: Volcanic Hazard Assessment at the Campi Flegrei Caldera, Italy. In: Giovanni Orsi, Massimo D’Antonio, Lucia Civetta (Hrsg.): Campi Flegrei: A Restless Caldera in a Densely Populated Area. (=Active Volcanoes of the World). Springer, Berlin 2022, ISBN 978-3-642-37059-5, doi:10.1007/978-3-642-37060-1, S. 311.

Geologie Die Phlegräischen Felder sind ein klassisches Beispiel für ein Vulkanfeld. Letzteres ruht auf einer CalderaRoberto Scandone, Lisetta Giacomelli: Vulcanologia: Principi fisici e metodi d’indagine. S. 406. und bildet mit den Vulkaninseln Procida und Ischia das Phlegräische Vulkansystem. Das aktive Vulkansystem liegt im Acerragraben (ein Graben benannt nach Acerra), in dem sich der Phlegräische Vulkanismus entwickelt. Letzterer wird von mehreren großen Magmakammern gespeist, die in einer Tiefe zwischen drei und acht Kilometern liegen und ein Volumen von über 300 km³ trachybasaltischer bis trachyphonolithischer Magma beinhalten. Am subaerischen Rand der Caldera finden sich eine Reihe von jüngeren Vulkankegeln und -kratern, die zum Großteil monogenetischer Natur sind.Roberto Scardone, Lisetta Giacomelli: Campi Flegrei: Storie di uomini e vulcani. S. 25. Letztere sind in ihrer Struktur fast vollständig erhalten, während die älteren Eruptionszentren durch Auswurfmaterial nachfolgender Eruptionen meist verschüttet oder durch exogene oder tektonische Prozesse zerstört wurden.ISPRA (Hrsg.): Note illustrative della carta geologica d’Italia alla scala 1:50.000: foglio 446–447 Napoli. S. 26.

In der Vergangenheit fielen die Vulkane der Phlegräischen Felder sowohl durch ihre effusiven als auch durch ihre explosiven Eruptionen auf, darunter waren auch einige Plinianische Eruptionen. Der Großteil der vulkanischen Ablagerungen sind Pyroklastika wie Tuff, Bims und Breccie. Nur einen geringen Anteil machen Laven aus.Filippo Russo: I Campi Flegrei e Ischia. S. 330.

Die Insel San Martino, die Tuff- und Aschekegel von Miliscola und Vita Fumo, die Lavadome von Cumae und Punta Marmolite am westlichen und nördlichen Rand der Felder sowie die Tuffkegel von San Sepolcro, Capodimonte und Monte Echia am östlichen Rand bilden die Überreste des alten und ersten Phlegräischen Feldes. Sie finden sich zum Großteil im Stadtgebiet von Neapel sowie in den Gemeindegebieten von Monte di Procida und Quarto.ISPRA (Hrsg.): Note illustrative della carta geologica d’Italia alla scala 1:50.000: foglio 446–447 Napoli. S. 18.

Das herausragende Element des Vulkanfeldes der Phlegräischen Felder ist jedoch die Caldera. Sie besteht aus einem zentralen etwa 1500 m in die Tiefe kollabierten Bereich und einer äußeren Zone, die lediglich zwischen 600 und 700 m eingesunken ist. Die Caldera füllte sich im Laufe der Zeit mit Meerwasser und mit pyroklastisch-epiklastischen Sedimenten, die eine Höhe von mehreren hundert Metern erreichen. In der Wissenschaft besteht keine einhellige Meinung über ihre genaue geografische Abgrenzung, insbesondere was ihren östlichen Rand im heutigen Stadtgebiet von Neapel anbelangt. Umstritten ist auch ihre exakte Entstehungszeit. Einige Autoren verbinden ihre Entstehung mit der Kampanischen-Ignimbrit-Supereruption (KI-Eruption) vor etwa 39.000 Jahren BP, nach anderen Autoren entstand die Caldera erst mit der Gelben-Neapolitanischen-Tuff-Eruption (YNT-Eruption) vor etwa 15.000 Jahren BP.ISPRA (Hrsg.): Note illustrative della carta geologica d’Italia alla scala 1:50.000: foglio 446–447 Napoli. S. 18–19. Wiederum andere Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Caldera ein Ergebnis aus zwei kollabierenden Ereignissen ist, die auf die beiden großen Ausbrüche der KI- und der YNT-Eruption zurückzuführen sind.

Vulkanische Aktivität mini|Die Solfatara bei Pozzuoli mini|Schwefelabscheidung von den Fumarolen von Solfatara bei Pozzuoli mini|Gasaustritte im Solfatara-Krater

Der Boden auf den Feldern kann durch die vulkanische Aktivität sehr heiß werden. Neben Solfataren und Mofetten gibt es zahlreiche Thermalquellen und Fumarolen. An vielen Stellen ist das Gestein durch die aufsteigenden Schwefeldämpfe gelb gefärbt. Auf dem gesamten Gebiet gibt es mehr als 50 Eruptionsherde, darunter den Krater Solfatara. Die nicht sichtbare, eingesunkene Caldera liegt zu zwei Dritteln unter Wasser und stellt einen von über 20 Supervulkanen auf der Erde dar.

2008 wurde die These veröffentlicht, die Phlegräischen Felder und der Vesuv könnten in zehn Kilometern Tiefe eine gemeinsame Magmakammer haben. Dies wurde 2012 angezweifelt mit der These, die chemische Struktur der Laven sei deutlich unterschiedlich. (Interview mit Ulrich Harms)

Hebungen und Erdbeben verursachten in der Vergangenheit im Gebiet der Phlegräischen Felder viele Erdrutsche. In den Jahren 1828 bis 2017 fanden 2302 Erdrutsche statt. Bei 53 dieser Erdrutsche starben insgesamt 127 Menschen. Die meisten Erdrutsche gab es an der Küste, wo zusätzliche Erosion stattfand. Das bei der solfataren Tätigkeit auftretende Kohlenstoffdioxid stammt nicht nur aus Ausgasungen des Magmas, sondern wird auch durch Hitze und Druck aus angrenzenden Gesteinen umgewandelt und ausgetrieben.

Bei der Auswertung seismischer Messungen fanden Geowissenschaftler 2025 eine der Ursachen für von ihnen beobachtete Aktivität: Es gibt in etwa 3,5 Kilometer Tiefe einen kilometerlangen Riss, der mit einer Frequenz von rund sechs Schwingungen pro Minutealso rund zehn Sekunden pro Schwingung schwingt.nature.com 31 July 2025: Coupled earthquakes and resonance processes during the uplift of Campi Flegrei caldera (Rapagnani, G., Cesca, S., Saccorotti, G. et al. Coupled earthquakes and resonance processes during the uplift of Campi Flegrei caldera. Nature Communications 6, 607 (2025). https://doi.org/10.1038/s43247-025-02604-7)

Die stärkste bekannte Eruption in den Phlegräischen Feldern (Kampanischer Ignimbrit) wurde 2001 auf ein Alter von etwa 39.280 Jahren geschätzt; sie stellt die größte explosive Eruption der letzten 200.000 Jahre im Mittelmeerraum dar. Bei dieser supermassiven Eruption wurden ca. 430 bis 680 km³ Tephra und Ignimbrit ausgestoßen, deutlich mehr als beim Ausbruch des Tambora im April 1815. Die angegebenen Mengen ergeben eine Stärke von 7 auf dem Vulkanexplosivitätsindex (VEI). Eine 2019 erschienene Studie fand Hinweise für einen bis dato unbekannten Ausbruch vor etwa 29.000 Jahren, dessen Ablagerungen in einem Gebiet von etwa 150.000 Quadratkilometern gefunden wurden.

Bei einem weiteren Großausbruch vor 15.000 Jahren wurden 40 km³ Material ausgestoßen und 1000 km² Bodenfläche zerstört. 1538 fand der letzte größere Ausbruch – die Monte-Nuovo-Eruption – statt. Er dauerte acht Tage und zerstörte den Ort Tripergole. 24 Menschen starben. Aus dem ausgeworfenen Material entstand ein neuer Berg – der Monte Nuovo – und der angrenzende Lago d’Averno (Averner See; ein mit Wasser gefüllter Vulkankrater) wurde vom Meer abgeschnitten.

Wegen ihrer unmittelbaren Lage am Meer, die Caldera ist teilweise überflutet, stehen die Phlegräischen Felder auch auf der Liste der Vulkane, die Tsunamis auslösen können.

Aktivitäten im 21. Jahrhundert 2010er-Jahre – mit Erdbeben 2017 auf Ischia 2012 wurden unterirdische Aktivitäten gemessen. Der Zivilschutz erhöhte daraufhin die Warnstufe.

2016 wurden erste Modelle für den Ausbruchsmechanismus saurer Caldera-Vulkane im Allgemeinen und der Phlegräischen Felder im Speziellen erstellt.

Am 21. August 2017 erschütterte ein Erdbeben mit der Stärke 4,0 die Insel Ischia. Die Übertragung magmatischer Flüssigkeiten aus dem in einer Tiefe von 7 bis 8 km gelegenen Hauptreservoir in das flache hydrothermale System (~3 km) wurde als mögliche Ursache für die Aktivitäten ab den 2010er Jahren angegeben.Francesca Forni, Wim Degruyter, Olivier Bachmann, Gianfilippo De Astis, Silvio Mollo: Long-term magmatic evolution reveals the beginning of a new caldera cycle at Campi Flegrei. In: Science Advances. 4, 2018, S. eaat9401, doi:10.1126/sciadv.aat9401.

Forscher der ETH Zürich fanden 2018 Hinweise darauf, dass die nächste Eruption ein großer, eine Caldera bildender Ausbruch werden könnte. Sie sammelten in den Phlegräischen Feldern Gesteine von zahlreichen früheren Ausbrüchen und analysierten sie. Bei der bisher letzten Eruption im Jahre 1538 wurde dieselbe Magma-Art ausgestoßen wie beim Ausbruch vor den letzten katastrophalen Eruptionen. Die Forscher folgerten daraus, es scheine sich „anzudeuten, dass der nächste Ausbruch bereits ein katastrophales Großereignis werden könnte, wie jenes, welches zur Calderabildung führte“.

2020–2022 – mit zwei Erdbeben bei der Solfatara Am 16. März 2022 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 3,5 am Westrand der Solfatara die Phlegräischen Felder. Am 29. März 2022 kam es zu einem Beben der Stärke 3,6 östlich der Solfatara. Diese beiden Ereignisse waren die stärksten seit der Krise aus den 1980er Jahren.

2023 – mit zwei Erdbebenschwärmen sowie zwei Erdbeben bei Pozzuoli

Mithilfe natürlicher Erdbeben wurden die Verhaltensmuster der Gesteinsschichten bis 2023 analysiert, die bisher das aufsteigende Magma zurückgehalten haben. Die Studie ergab, dass seit Sommer 2020 vermehrt Brüche und Verformungen dieser Gesteinsschichten auftraten, was zu stärkeren Erdbeben in Tiefen unterhalb von 2 Kilometern führte. Dies könnte langfristig die Möglichkeit des Magmaaufstiegs erhöhen. Die Forscher präsentierten drei Szenarien, darunter eine mögliche Wiederkehr vulkanischer Aktivität. Die bisher beobachteten Rissbildungen lassen darauf schließen, dass das Ausbruchsrisiko möglicherweise höher ist als bisher angenommen.

Nachdem sich im Mai 2023 bereits die Hebungsrate verringert hatte und im Juli auch die Seismizität nachgelassen hatte, zog beides im August wieder an.

Am 18. August 2023 ereignete sich einer der stärksten Erdbebenschwärme seit Beginn der aktuellen Hebungsphase im Jahr 2005. Mit über 150 registrierten Erdbeben an diesem Tag (Stand 20:07 MESZ), vorwiegend in Tiefen von weniger als 2 km, erreichte der stärkste Erdstoß eine Magnitude von 3,6 (vorher 3,3). Diese zunehmende Erdbebentätigkeit weckte Sorgen unter den Bewohnern der Region, da sie auf potenzielle Fluidbewegungen im Untergrund hinweist und phreatische Eruptionen in der Solfatara-Zone vermuten lässt. Obwohl Anzeichen für eine mögliche magmatische Aktivität beobachtet wurden, war eine unmittelbar bevorstehende vulkanische Eruption noch nicht erreicht.