Avrillé-les-Ponceaux ist eine Einwohner (Stand: ) zählende französische Gemeinde in der Region Centre-Val de Loire im Département Indre-et-Loire. Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Chinon und zum Kanton Langeais. Die Einwohner werden Ponçivriens genannt.

Lage Avrillé-les-Ponceaux liegt etwa 30 Kilometer westlich von Tours. Das Gemeindegebiet wird vom Fluss Roumer durchquert. Umgeben wird Avrillé-les-Ponceaux von den Nachbargemeinden Hommes im Norden, Cléré-les-Pins im Nordosten, Mazières-de-Touraine im Osten, Langeais im Süden und Südosten, Les Essards im Süden sowie Continvoir im Westen. mini|Gedenkstein aus dem Jahr 2008 zur Erinnerung an das Camp de la Morellerie Geschichte Camp de la Morellerie Während auf der Webseite der Organisation AJPN - anonymes, Justes et persécutés durant la période nazie dans les communes de France (AJPN - Namenlose, Gerechte und Verfolgte während der NS-Zeit in den Gemeinden Frankreichs) pauschal davon die Rede ist, das wenige Kilometer von Avrillé-les-Ponceaux entfernte und in Richtung Continvoir gelegene Camp de la Mollerie habe von Oktober 1939 bis November 1941 Internierte Zigeuner aus Osteuropa, Spanien und Nordafrika und Kommunisten beherbergtAJPN: Camp de la Morellerie, ergibt sich aus anderen Quellen ein differenzierteres Bild.

Für eine Belegung vor dem Dezember 1940 finden sich keine Hinweise. Die ab Dezember 1940 erfolgenden Internierungen waren Resultat einer in Frankreich lange Zeit verdrängten Geschichte – die der Ausgrenzung jener Menschen, die hier als Nomaden (Nomades), Zigeuner (Tsiganes) oder Manouches bezeichnet wurden und werden.Nomades, Tsiganes und Manouches sind im Französischen auch aktuell benutzte Begriffe für Menschen, die im Deutschen zumeist als Sinti und Roma bezeichnet werden. Siehe hierzu auch: Marie-Christine Hubert: Frankreich auf der Webseite des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma. Diese Ausgrenzung begann spätestens mit einem Gesetz von 1912, dem in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen weitere Verwaltungsmaßnahmen zur Reglementierung des Alltagslebens und zur Überwachung folgten.Henriette Asséo: Une mémoire française: Les Tsiganes pendant la Seconde Guerre mondiale, 1939-1946. Zu der Historikerin Henriette Asséo siehe den gleichlautenden Artikel in der französischsprachigen Wikipédia: :fr:Henriette Asséo.

Am 6. April 1940 verfügte Albert Lebrun, der Präsident der französischen Republik, in einem Dekret die Isolierung von Nomaden an besonderen Orten unter Polizeiaufsicht.Ouest-France: Des Tziganes internés dans un camp à Montsûrs, ouest-france.fr, 27. Mai 2014 Begründet wurde dies mit einem angeblichen Risiko, das in Kriegszeiten von „Nomaden“ ausgehe. Im Zuge des Vorrückens der deutschen Wehrmacht kam es dann in der zweiten Hälfte des Jahres 1940 zur Zwangsvertreibung der Sinti und Roma aus dem Elsass, und am 4. Oktober 1940 ordnete der Oberbefehlshaber des Heeres schließlich die zwangsweise „Überführung“ von Sinti und Roma in „Sammellager“ an.Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma: Entstehung des Lagers Saliers

Vor diesem Hintergrund entstand auch auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofes das Camp de la Morellerie. Bei ihm handelte es sich um ein früheres Quartier afrikanischer Truppen, bestehend aus mit Asphaltpappe gedeckten Holzbaracken. Das Lager sei mit Stacheldraht umzäunt gewesen, die Hygienebedingungen in dem für 40 Personen ausgelegten Camp unzureichend.Fondation pour la mémoire de la déportation: Camp d'Internement La Morellerie

Die Hauptgruppe im Lager, bewacht von 27 Gendarmen, stellten die vorwiegend aus der Region Bordeaux stammenden Sinti und Roma, die hauptsächlich in ihren Wagen lebten, das Gutshaus nicht betreten durften und während ihrer Internierung Landarbeiten verrichten mussten.Muzeum Tarnow: La Morellerie (memorial) (dort auch viele Fotos) Als Folge des Hitler-Stalin-Pakts wurden parallel dazu vom Vichy-Regime auch Kommunisten interniert.Une nouvelle pierre de mémoire à la Morellerie, la Nouvelle République.fr, 7. Dezember 2018, & Camp de la Morellerie : un passé douloureux, la Nouvelle République.fr, 10. Dezember 2016 Zu ihnen gesellten sich am 1. Juli 1941 25 Kommunisten aus dem Camp de la Haute-Barde in Beaumont-la-Ronce, laut Fondation pour la mémoire de la déportation (FMD) ausschließlich oder überwiegend Frauen aus der besetzten Zone. Die Belegungssituation des Lagers stellt sich laut FMD wie folgt dar: Dezember 1940: 120 Sinti und Roma (begleitet von 60–70 Kindern) April 1941: 226 Sinti und Roma 30. Juni 1941: 210 Sinti und Roma 1. Juli 1941: 237 Sinti und Roma sowie 25 Kommunisten 10. Oktober 1941: 270 Nomaden Sinti und Roma sowie 21 Kommunisten Am 31. Oktober 1941 wurden Schausteller (forains) in das Lager Montreuil-Bellay verlegt und kommunistische Internierte und „Unerwünschten“ in das Lager Rouillé. Die letzten noch verbliebenen Sinti und Roma wurden am 8. November 1941 nach Montreuil-Bellay gebracht, während am 17. November 1941 etwa 30 Kommunisten, „Schwarzmarktler“ und „unerwünschten Personen“ nach Rouillé verbracht wurden. 5 internierte Kommunisten kamen frei, 5 weitere Internierte konnten ebenfalls das Lager verlassen, wurden aber unter Hausarrest gestellt. Die Geschichte des Internierungslagers Camp de la Morellerie war damit beendet.

Am 14. Januar 2008 wurde in Avrillé-les-Ponceaux ein Gedenkstein enthüllt, der die Inschrift trägt:

2018 wurde ein neuer Gedenkstein an das Camp de la Morellerie eingeweiht, da der alte einige Ungenauigkeiten enthalten habe, die aufgrund von Nachforschungen nun hätten aktualisiert werden können.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2013Einwohner 561 512 438 372 366 384 446 473 Quelle: Cassini und INSEE

Sehenswürdigkeiten Kirche Saint-Aubin Kirche Saint-Symphorien, Monument historique

Literatur Le Patrimoine des Communes d’Indre-et-Loire. Flohic Editions, Band 1, Paris 2001, ISBN 2-84234-115-5, S. 641–643.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Centre-Val de Loire