Ganzer ist ein Ortsteil der Gemeinde Wusterhausen/Dosse im Landkreis Ostprignitz-Ruppin (Brandenburg). Der Ort war bis zur Eingemeindung nach Wusterhausen/Dosse im Jahr 1997 eine selbständige Gemeinde.
Geographie Ganzer liegt rund 7,5 Kilometer ostsüdöstlich der Stadt Wusterhausen/Dosse. Die Gemarkung grenzt im Norden an die Gemarkungen von Gartow, Dessow und Emilienhof (alle drei genannten Orte sind Ortsteile der Gemeinde Wusterhausen/Dosse), im Osten an Wildberg, im Süden an Rohrlack (letztere zwei Orte sind Ortsteile der Gemeinde Temnitztal) und Barsikow und im Westen an Metzelthin (letztere zwei Orte sind Ortsteile der Gemeinde Wusterhausen/Dosse). Ganzer liegt an der Bundesstraße 167. Im Ort führt die Dorfstraße weiter in den Nachbarort Dessow. Die Bahnstrecke Neustadt–Herzberg quert den westlichen Zipfel der Gemarkung.
Im Süden bildet der Rohrlacker Graben oder die Schwenze die Gemarkungsgrenze, im Norden der Metzelthiner Landwehrgraben. Im Westen ist es der Graben 112, der über einige hundert Meter die Gemarkungsgrenze bildet. Westlich des Ortskerns liegen zwei kleine Teiche, die durch einen Wassergraben miteinander verbunden sind. Der höchste Punkt der Gemarkung liegt bei , der tiefste Punkt bei etwa .
Geschichte Der Ort wurde erstmals 1365, allerdings nur indirekt erwähnt, als ein Thid Gantzwer drei Pfennige Rutenzins von einem Gebäude in Neuruppin bezahlen musste. Der Ort selber wird erst 1478 erstmals in einer Urkunde genannt. Graf Johann von Lindow-Ruppin verschrieb mit dieser Urkunde eine Morgengabe in Höhe von 800 Gulden an seine Frau, Gräfin Anna, geb. zu Stolberg-Wernigerode, darunter auch Dienste, Rauchhühner, zehn Wispel Korn und Einnahmen in Höhe von 30 Gulden in Ganzer.
Nach Foster (1998) ist die Herkunft des Namens nicht eindeutig zu klären. Danach lässt sich eine aplb. Grundform * Gąser bzw. * Gąsery erschließen. Daraus folgt die Ableitung entweder von *gąser bzw. *gąsery Gänsehirt oder von einem Personennamen *Gąser. Die Nähe zu den alten slawischen Burgen Wildberg und Garz gibt auch Veranlassung, an einen Dienstsiedlungsnamen zu denken. Der Dorfstruktur nach ist es ein breites Straßendorf mit Gut. mini|Ganzer auf dem Urmesstischblatt 3141 Wildberg von 1825 Der Besitz des Dorfes war schon vor 1491 geteilt. Die Hebungen von den Bauern gingen an einige Adlige und Institutionen. Sogar Hebungen von einem Bauernhof gingen an verschiedene Nutznießer. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Besitzverhältnisse in Ganzer um das Jahr 1491.
Abgaben der Bauern in Ganzer und deren Besitzer/Nutznießer nach dem Landbuch des Grafen Johann von 1491:Bauer/Kossät Anzahl Hufen Abgaben/Rechte NutznießerSchulte 2 Hufen 14 Schillinge, 1 Schock, alle Rechte die WotenowenClaws Gereke 2 Hufen 14 Schillinge, 1 Schock, alle Rechte die WotenowenEngell Visscher 2 Hufen 7 Schillinge, 1 Schock die Ghulendito dito 7 Schillinge die Wotennowendito dito Dienst die Herren (Grafen von Lindow)Lentze Eykemann 2 Hufen 14 Schillinge, 1 Schock, alle Rechte Frederik JurgensHans Lindemann 2 Hufen 14 Schillinge, 1 Schock, alle Rechte die HerrenHenning Wolter 2 Hufen 14 Schillinge, 1 Schock, alle Rechte die Herrendito dito 14 Schillinge die Monneken in HavelbergClaus Reveld 2 Hufen 14 Schillinge, 1 Schock, alle Rechte die Ratenowen in PlänitzPriborne Morgenland 1 Pfund, alle Rechte die WotenowennPeter Flor keine Angabe 10 Schillinge, alle Rechte Frederik JurgensAchim Lindemann Morgenland 1 Pfund, alle Rechte die HerrenPeter Heker Morgenland 10 Schillinge, alle Rechte Frederik Jurgensder Krüger – 27 Schillinge, 1 Pfund Pfeffer Zapfenzins, alle Rechte die Herrendito – 27 Schillinge die MonnekenBorchard Heiteprim 1½ Hufen 1 Schock, alle Rechte Frederik JurgensAchim Visscher 2 Hufen 14 Schillinge, 1 Schock, alle Rechte Frederik JurgensJacob Visscher 3 Hufen 7 Schillinge, 5 Pfund die Monneken in HavelbergJacob Visscher Worden 6 Scheffel Korn die HerrenHenning Runghe 2 Hufen 14 Schillinge, 1 Schock, alle Rechte die HerrenMewes Fischer 2 Hufen 14 Schillinge, 1 Schock, alle Rechte die HerrenHenning Kemenitz 3 Hufen 1 Schillinge, 2 Schock die Wutenowendito dito alle Rechte die HerrenMewes Heker 2 Hufen 7 Schillinge, 1 Schock, alle Rechte die Herrendito dito 3 Scheffel Gerste, 3 Scheffel Hafer die WutenowenArnd Spiegelhaghenn 2 Hufen 27 Schillinge, alle Rechte die Herrendito dito 27 Schillinge die von GhulenHans Visscher 2 Hufen 14 Schillinge, 1 Schock die Herren von Havelbergdito dito Dienst die HerrenKersten Manek 1½ Hufen 1 Schock die Monneken in Havelbergdito dito Dienst die HerrenOlde Heitprim 2 Hufen 14 Schillinge, 1 Schock die Herren von HavelbergKrun Kossät 15 Schillinge, alle Rechte die HerrenBusso Grote 1 Hufe 27 Schillinge die GhulenBusso Grote Morgenland 1 Pfund, Dienst die HerrenClaws Kemenitz 2 Hufen 14 Schillinge, 1 Schock, alle Rechte die HerrenTitke Rynow 2 Hufen 1 Schock, alle Rechte die Herrendito dito 14 Schillinge die Herren von Havelberg21 Bauernhöfe 42 Hufen – –
Bereits 1491 lassen sich somit sechs Besitzanteile in Ganzer nachweisen, die allerdings schon ziemlich zersplittert waren. Die Abgaben und/oder Dienste bzw. die Rechte an einem Hof gingen in einigen Fällen an unterschiedliche Nutznießer.
Die Grafen von Lindow hatten sich in Ganzer einen großen Teil ihrer Rechte und Abgaben bewahren können. Insgesamt hatten sie noch fünf Zweihufenhöfe im Vollbesitz, von vier Zweihufenhöfen im (Fast-)Vollbesicht gingen lediglich Geldabgaben an Dritte. Außerdem hatten sie noch die Rechte oder Dienste von vier Bauernhöfen. Weiter zinste ihnen ein Kossät und zwei Höfe mit Morgenland sowie ein Zweihufenhof, der zusätzlich zu den Hufen noch Worden bewirtschaftete, von diesen Worden. Die Abgaben des Krügers in Höhe von insgesamt 54 Schillingen ging zur Hälfte an die Grafen, die andere Hälfte an das Domkapitel in Havelberg. Der Zapfenzins des Krüger in Höhe von einem Pfund Pfeffer ging dagegen in voller Höhe an die Grafen. Nach dem Landbuch von 1525 musste das Dorf insgesamt zwei Schock, 22 Schillinge und acht Pfennige Pflege an die Grafen abführen. Anscheinend war diese Abgabe nicht lange vorher den von Guhlen verpfändet und erst kurz vorher wieder eingelöst worden. Außerdem wird darin berichtet, dass etliche Geldzinsen noch an das Domkapitel in Havelberg verpfändet waren.
Ein größerer Teil der Abgaben und auch der Rechte gehörte dem Hochstift Havelberg. Er ging jedoch nicht einheitlich an das Bistum, sondern getrennt an Bischof (Herren von Havelberg) und das Domkapitel (Monneken). Ein Anderthalbhufenhof war im Vollbesitz des Domkapitels, der Dreihufenhof des Jakob Fischer war fast im Vollbesitz des Domkapitels, lediglich von einigen Worden gingen drei Scheffel Korn an die Grafen von Lindow. Von einem Zweihufenhof im (Fast-)Vollbesitz der Grafen von Lindow bezog das Domkapitel 14 Schillinge, vom Krüger 27 Schillinge. Ein Zweihufenhof war im Vollbesitz, ein zweiter Zweihufenhof im (Fast-)Vollbesitz des Bischofs von Havelberg, hier standen lediglich die Dienste den Grafen von Lindow zu. Von einem dritten Zweihufenhof stand dem Bischof lediglich 27 Schillinge zu, die anderen Abgaben und Rechte waren im Besitz der Grafen von Lindow.
Die von Wuthenow waren im Vollbesitz von zwei Bauernhöfen mit insgesamt vier Hufen, darunter auch der Schulzenhof sowie von einem (Kossäten-)Hof mit Morgenland, der ein Pfund zinste. Ein Dreihufenhof war fast in deren Vollbesitz mit Ausnahme der Rechte, die den Grafen von Lindow zustanden, von einem Dreihufenhof bezogen sie drei Scheffel Gerste und drei Scheffel Hafer, von einem Zweihufenhof hatten sie ein Schilling, zwei Schock, und von einem weiteren Zweihufenhof sieben Schillinge. Die Abgaben und Rechte derer von Wuthenow müssen bis 1525 an die von Kröcher gekommen sein. Im Landbuch von 1525 wird berichtet, dass die von Wuetenowen noch eine Wiese im Herrenluch bei Vichel für die Herrschaft mähen, das Heu machen und das Heu einführen mussten.
Der vierte Besitzkomplex war im Besitz des Friedrich von Jurgaß, im Landbuch Jurgens genannt. Er hatte zwei Zweihufenhöfe und einen Bauernhof mit 1½ Hufen mit allen Rechten im Vollbesitz. Bei einem weiteren Hof war keine Hufenzahl angegeben, ein anderer Besitztitel bezog sich auf einen (Kossäten-)Hof mit Morgenland. Nach dem Landbuch von 1525 hatte er nur vier Freihufen zu seinem Rittersitz im Dorf.
Ein weiterer Teil von Abgaben und Rechte war im Besitz derer von Guhlen. Sie hatten einen Hof in Vollbesitz. Von einem Einhufenhof erhielten sie 27 Schillinge ohne die Dienste und von einem Zweihufenhof 27 Schillinge, die andere Hälfte der Abgaben und die Rechte standen den Grafen von Lindow zu. Nach der Notiz im Landbuch von 1525, dass 2 Schock 22 Schillinge 8 Pfennige Pflege kurz vor 1525 durch die Herrschaft von den von Guhlen wieder ausgelöst wurde, könnte dieser Anteil an die Herrschaft gekommen sein.
Der Bauernhof des Claus Reveld mit zwei Hufen gehörte den von Rathenow in Plänitz mit allen Rechten. Dieser Besitzanteil war 1525 nicht mehr vorhanden. Was mit diesem Besitzanteil geschah, ließ sich nicht mehr ermitteln.
Nach dem Landbuch von 1525 war ein Teil der Abgaben des Dorfes der olden frawn Leibgedingk. Die Gräfin Anna Jacobine lebte noch bis 1526. Zwei Schock waren schon einige Zeit vor 1525 als Leibgedinge an eine Witwe Gereke von Neuruppin ausgetan; dieser Zins war jedoch 1525 schon wieder an die Herrschaft zurückgefallen. Die Kirche in Ganzer hatte 10 Schillinge von einem Hof. Außerdem wird erwähnt, dass der Pfarrer drei Freihufen hatte.
Die Abgaben der Bauern hatten sich gegenüber den Angaben von 1491 deutlich verändert. Die Höfe lassen sich nicht ohne weiteres an die 1491 genannten Höfe anschließen.
Abgaben der Bauern in Ganzer und deren Besitzer/Nutznießer nach dem von 1525:Bauer/Kossät Anzahl Hufen Abgaben/Rechte Besitzer/NutznießerHeintze Schmidt ? 14 Schillinge, 1 Schock Domherren zu Havelbergdito ? 10 Schillinge Gotteshaus in Ganzerdito ? Zehnt, Rauchhuhn HerrschaftThomas Wendigke ? 3 Scheffel Gerste, 3 Scheffel Hafer Schloss RuppinJung Achim Fischer ? 1 Schock minus 6 Pfennige Domherren in Havelbergdito ? Zehnt, Rauchhuhn, Dienst Herrschaftdito ? 9 Schillinge von RohrHeine Kemnitz ? 14 Schillinge, 1 Schock, 12 Schillinge Domherren von HavelbergBenedictus Kemnitz ? 15 Schillinge und 6 Hühner Herrschaftdito ? Zehnt, Rauhhuhn gnädige HerrenClauss Wulf ? 20 Schillinge, Zehnt, Rauhhuhn HerrschaftMatthies Kruen ? 14 Schillinge, 1 Schock, Zehnt, Rauchhuhn Herrschaftdito ? 12 Schillinge Bede von KröcherJurgen Kemnitz ? 14 Schillinge, 1 Schock, 12 Schillinge Domherren von Havelbergdito ? Zehnt, Rauchhuhn HerrschaftHans Rinow ? 6 Schillinge, 1 Schock Herrschaftdito ? 14 Schillinge Domherrendito ? 6 Schillinge GemeindeAchim Brandien ? 12 Schillinge, 1 Schock Zehnt, Rauchhuhn Herrschaftdito ? 12 Schillinge von KröcherLucass Leppin ? 17 Schillinge, 1 Schock, Zehnt, Rauchhuhn Herrschaftdito ? 9 Schillinge Urbede von RohrSimon Hecker ? 1 Schock Herrschaftdito ? Zehnt, Rauchhuhn, 14 Schillinge Domherrendito ? 12 Schillinge Bede Baltzer RohrTonnies Pilhoffe ? 1 Pfund, 9 Hühner HerrschaftGorges Weger ? 27 Schillinge, 1 Pfund Pfeffer Herrschaftdito ? Zehnt, Rauchhuhn, 12 Schillinge Bede, 27 Schillinge DomherrenPaull Wolter ? 5 Pfund, 7 Schillinge Domherrendito ? Zehnt, Rauchhuhn gnädigen Herrendito ? 18 Schillinge von KröcherHanss Berendes ? 14 Schillinge, 1 Schock, Zehnt, Rauchhuhn Herrschaftdito ? 12 Schillinge von RohrAchim Westphall ? 14 Schillinge Herrschaftdito ? 12 Schillinge, Zehnt, Rauhhuhn von KröcherThomas Westpfahll ? 14 Schillinge, 1 Schock Herrschaftdito ? 12 Schillinge von Kröcherdito ? Zehnt, Rauchhuhn den gnädigen HerrenArendt Spiegelhofen ? 1 Schock weniger 4 Pfennig, 12 Schillinge, Zehnt, Rauchhuhn Herrschaftdito ? 12 Schillinge GemeindeGemeinde – 4 Pfund Dienstgeld Herrschaft19 Personen genannt keine Hufenzahlen genannt – –