mini|hochkant=1.5|Jan Thomas, Hoftafel Leopolds I. und Margarita Teresas im Tanzsaal (?) 1666 KHM Simone Retacco (* um 1600 in Montronio; † 1645 in Wien) war ein Hofbaumeister des Barock. Er gehörte auch zu der Gruppe der „Comasken“, die in Österreich tätig waren.Alexander Hajdecki: Die Dynastienfamilien der italienischen Bau- und Maurermeister der Barocke in Wien. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins Wien. Band 39, 1906, S. 7.

Leben 1624 wandten sich die gesamten Meister des Maurer und Steinmetz-Handwerkes „wälscher Nation“ aus den vier Vierteln Niederösterreichs an den Kaiser mit der Bitte um eine eigene Handwerksordnung. Sie schrieben einfach die Anrede: Kayßer. Drei Jahre später wurde ein Kompromiss erzielt: die deutschen Handwerker behielten ihre Freiheiten, die Italiener unterwarfen sich der vorgeschriebenen Ordnung. Von italienischer Seite unterschrieb u. a. Simone Retacco, Hofmaurer und Architekt in Wien, Cypriano Biasino, Baumeister von Krems.

Streit italienischer und deutscher Steinmetze und Maurer Verlaß vom 15. April 1652 (auszugsweise)Stadtarchiv Wiener Neustadt H 127, Steinmetzakten. In: Helmuth Furch: Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, Wiener Neustadt: Haupthütte. Kaisersteinbruch 2004 (PDF, S. 584–585).

Verbindung mit der Familie Carlone Am 7. November 1627 heiratete er Francesca Carlone, die Tochter des Architekten Giovanni Battista Carlone.Petr Fidler: Architektur des seicento. Baumeister, Architekten und Bauten des Wiener Hofkreises. Habilitationsschrift. Innsbruck 1990, S. 47–48. Simone hatte mit Francesca 5 Kinder, Lucia Angela, Sebastian Jakob, Johann Baptist, Anna Katherina und Maria Magdalena.Alexander Hajdecki: Stammtafel IV der Carlone. In: ders.: Die Dynastienfamilien … In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins Wien. Band 39, 1906, S. 46.

Retaccos Arbeitskollegen und Freundeskreis Zu Retaccos Freundeskreis zählten neben seinen Arbeitskollegen Carlo Martino Carlone, Giovanni Domenico Canevalle, Giovanni Battista Canevalle, Antonio Valnegro, Antonio Carlone, Giacomo Petruzzi, Pietro Maino Maderno sowie Pietro und Jakob Spazzo auch Silvestro Carlone. Seine Baufirma zählte zu einer der größten der kaiserlichen Residenz. Er beschäftigte zu jener Zeit 22 Gesellen.

Werke Zu den Auftraggebern Simones zählte auch der Graf Adam Batthyány. Simone leitete nach dem Tod von Giovanni Battista Orsolino (1638) Bauarbeiten in Güssing, Schlaining und Rechnitz. Er führte für diese Projekte auch teilweise die Entwürfe von Filiberto Luchese aus. Ein weiterer Auftraggeber Simones war der Graf Paul Pálffy. Simone war seit 1635 im Schloss Stupava/Stampfen tätig.Petr Fidler: Architektur des seicento. S. 143, 146, 148, 151, 159, 348.

Burg Forchtenstein mini|Burg Forchtenstein mit Burgfried Als großartiges Beispiel comaskischer Festungsbaukunst ist die Burg Forchtenstein anzusehen. Diese wurde 1622 dem ungarischen Magnaten Nikolaus Esterházy pfandweise übertragen, vier Jahre später in sein Eigentum überführt. Esterházy begann im Jahre 1629 nach einem großangelegten Konzept mit dem Umbau.Harald Prickler: Die Komasken. Italienische Künstler im Burgenland. In: Helmuth Furch: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch. Nr. 36, Februar 1995, S. 5–9.

Simone Retacco war der verantwortliche Baumeister des sich über fünfzehn Jahre hinziehenden Unternehmens. Es sind hauptsächlich vier Contracte (von Adelheid Schmeller-Kitt im Esterházyschen Familienarchiv, Budapest, aufgefunden), die Nikolaus Esterházy in den Jahren 1630, 1632, 1634 mit Simone Retacco und 1643 mit dem Polier Domenico Carlone über den Neubau der Burg abgeschlossen hat.Burgenländische Landesausstellung 1993, Bollwerk Forchtenstein.

Der innere Teil der mittelalterlichen Burg wurde bis auf den Grund abgerissen, nur der mächtige Burgfried blieb bestehen. Sodann erfolgte unter Anleitung der Baumeister Domenico Carlone als Polier, Bartolomeo Spacio, Giovanni Baptista Nollo und Jacobo Canavale der Neubau. Nach dem Tod von Simone, im Jahr 1645, übernahm Domenico Carlone die Bauleitung. DehioDehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Burgenland. Wien 1976, S. 96. berichtet, dass 1643 mit dem Polier Domenico Carlone ein Kontrakt für den Bau der Burg abgeschlossen wurde. Es wurde eine Vierflügelanlage um einen trapezförmigen Hof, das Zeughaus und die Schlosskapelle errichtet.

Oft wurde behauptet, der Bau sei von türkischen Gefangenen in Sklavenarbeit errichtet worden, ebenso sei der überaus tiefe, in den Felsen gegrabene Brunnen von Gefangenen geschaffen worden. Die archivalischen Quellen sagen anderes aus. Welsche Baumeister und ihre Gesellen vollbrachten das Werk, wobei sie von den Untertanen der Grafschaft Forchtenstein tatkräftig unterstützt wurden.

Für Bildhauer- und Steinmetzarbeiten bot besonders das (heutige) Nordburgenland mit seinen reichen Kalksandsteinvorkommen geeignete Arbeitsplätze. Seit 1550 entstanden im ausgedehnten Waldgebiet des niederösterreichischen Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz östlich der Leitha zahlreiche Steinbrüche, die anfangs ausschließlich von comaskischen Künstlern ausgewertet wurden.

Wiener Hofburg Tanz bzw. Theatersaal im Vorgängerbau des Redoutensaaltraktes Retacco erhielt u. a. den Auftrag den Tanzsaal der Wiener Hofburg zu bauen. 1633 bekam er hierfür eine Zahlung. Die Pläne dieses Projektes stammten von seinem Schwiegervater, dem kaiserlichen Architekten Giovanni Battista Carlone. Der Bauauftrag umfasste alle notwendigen Adaptierungsarbeiten. Schatzkammer Im Juli 1640 wurden schwerste Setzungserscheinungen festgestellt, die den Einsturz der Schatzkammer als durchaus real erscheinen ließen. Expertengutachten wurden verfasst, von Hofbaumeister Giovanni Battista Carlone und dem bürgerlichen Baumeister Simone Retacco;, dem Hofmaurermeister Pietro Spazzio und Hofsteinmetz Simon Humpeller#Gebäudeschäden an der Schatzkammer. Weil die Mauer so von dem Gang neben der Schatzkammer nur ein Ziegeldick zwischen den Pfeilern aufgeführt gar schlecht.Der Galeriebau als chronischer Schadensfall. In: Herbert Karner (Hrsg.): Die Wiener Hofburg 1521–1705, Baugeschichte, Funktion u. Etablierung als Kaiserresidenz. 2014, ISBN 978-3-7001-7657-2, Schatzkammer S. 216, 218, Tanzsaal 363, 365 ff.

Lehrmeister Wiener Steinmetzakten, Aufdingbuch 30. Mai 1638:Steinmetzakten, Aufdingbuch 1638. In: Helmuth Furch: Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, Wiener Neustadt:Haupthütte. Kaisersteinbruch 2004 (PDF, S. 416). Den 16. März 1642 dingt Meister Simon Retacco einen Lehrjungen Dominicus Canoval von Lanzo Val d’Intelvi bei Como gebürtig. Seine Bürgen sind: Herr Peter Spatz und Meister Andre Allio, beide Baumeister alhier zu Wien. Nach drei Jahren, also in der vorgeschriebenen Lehrzeit, wird er am 12. März 1645 bei Meister Simon Retacco „freigesagt“, also zum Gesellen freigesprochen.

Wiener Innungsbuch 4. November 1644:

Er ist im Jahre 1644 im Wiener Innungsbuch mit zwanzig Gesellen ausgewiesen.

Testament Es besteht ein Testament des Simon Retacco vom 1. Mai 1645,Archiv des Landesgerichtes in Wien, Zivilgerichtliche Testamente, Nr. 4305. mit einem von ihm eigenhändig in italienischer Sprache geschriebenen Anhang, darin eine Aufstellung seiner Schulden und Guthaben. Hier heißt es, dass er dem „Andrea Ghebart, Ferbolter die Fortenstein“ (Verwalter in Forchtenstein), einen Betrag von 910 Gulden schulde, der aber durch Gegenforderung bis auf 99 Gulden ausgeglichen sei. Von seinen Arbeiten ist – außer der Mitarbeit am Bau der Hofburg zu Wien und den Burgen im westungarischen Raum – nichts bekannt geworden, obwohl er ein vielbeschäftigter Baumeister gewesen sein muss. Einer der Testamentszeugen war Pietro Maino Maderno mit seinem Siegel.

Nachkommen Heirats Contract am 17. Januar 1657 zu St. Stephan

Heirats Contract am 9. Jänner 1661Archiv Stift Heiligenkreuz: Protocolle Herrschaft Königshof

Literatur

Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Burgenland. Wien 1976, S. 96. Petr Fidler: Architektur des seicento. Baumeister, Architekten und Bauten des Wiener Hofkreises. Habilitationsschrift. Innsbruck 1990, S. 31, 35, 41–44, 47–48, 49 f, 61, 77, 79f, 83, 100, 116, 143f, 146, 148, 151, 156, 159, 348. Harald Prickler: Burgen und Schlösser im Burgenland. Bd. 2. Wien 1972, S. 46.

Weblinks Simone Retacco. In: uibk.ac.at/aia. Abgerufen am 4. November 2024. Simone Retacco (französisch) auf baroque.revues.org. Abgerufen am 17. November 2016. Burg Forchtenstein. In: best-of-burgenland.com. Abgerufen am 4. November 2024.

Einzelnachweise

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